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»: • - Jetzt gilt's für mich mi <nfretieit, mit ganzer Kraft, jUinL der Dag wird ja wohl biald anb'rechen, m dein wir erfahren, wo eigentlich Herr Wellerkamp steckt! Dann fahr ich z!u ihmi nnd rede mit ihm deutsch Ich wär' ja ein Sckmft, llelß ich ihn im Stiche. .
Krohlow kam Nun oft, nnd die Trude blühte auf wie jeine Rose. Die Medizin, die der Arzt vorgeschtagen, ohne daß der Apotheker „in Nahrung gesetzt' zu werden brauchte, tat Wunder. Der 'Appetit stellte sich wieder ein. Klausners! lächelten nachsichtig, wenn die beiden oft recht lauge im Nebenzimmer allein blieben. Eifersüchtig war die Lene nicht, Gott bewahre, sie gönnte ihrer Schwester alles Glück auf Wrden, aber sie schlief in diesen Friihlingsnächten oft recht schlecht! .. Sie mußte' an den Flcmnmentöter denken, den lustigen Gesell, Über dm sie so hlerzlich Halle lachen kömren, Und der nun wahrscheinlich herrunschlich mit hängendem Kopfe, — irgendwo! Trotz jalles Drängend der Eltern und Krohlow war vom Jusllzrat Minneking nicht herauszubekommen, wo er sich aufhielt. Der verschanzte sich immer wieder hinter sein Amtsgeheimnis... Das tat besonders her Lene bitter weht Wenn Man den schlauen Kopf ein wenig Austutzte und den ganzen KerL fest an die Zügel Nahm, Mußte mit dem ein lustiges' Leben sein!... Bor den Spiegel stellte sie sich! Getrost konnte sie sich sehen lassen, tief holte sie Atem, daß die Nähte krachten, Und dann lachte sie sich, an und streckte die Zunge heraus. Es war noch lange nicht aller Tage Abend, — noch lange nicht! Aber mit knapp neunzehn — im Frühling —, da lernte! Man das Seu fzen...
Das Patent kam heraus. Klausner war vom grauenden Morgen bis zur sinkenden Nacht in der Fabrik. Mit Hochdruck wurde gearbeitet. Anzeigen über halbe Zeitungs- seiten standen in den Blättern, die Reisenden wurden „los- gelassen", über Erwarten schnell stellte sich der Erfolg ein.
„Kinder, Kinder," sagte Klausner jetzt täglich, „es ist unglaublich, aber Gott sei Dank wahr! Wir schlagen die Konkurrenz auf der ganzen Linie — und verdienen an jedem Päckchen mehr als sie, — das ist der springende Punkt! . . . Wieder Hab' ich mehr Arbeiter einstellen, auch, das Bureau- personal vermehren müssen, ernstlich denk ich daran, die Fabrik zu vergrößern!"
Und eines Tages rieb er sich die Hände.
„Herr Wellerkamp wird sich freuen, Doktor Dezius ist wieder da! Ich Hab's dem Justizrat gleich telephoniert, er soll's ihm Mitteilen!"
Krohlow machte ein ernstes Gesicht.
. ..„Ick dächte, wir gingen noch heute zu Herrn Minneking; me öffentliche Berwbung hat stattgefunden, ehe ich nicht dem Freunde ins Auge gesehen, Heirat' ich nicht!"
Und das fanden alle in Ordnung — besonders die Lene! Daß sie einen roten Kopf bekommen, dafür konnte sie natüv- lich nichts! . . . Und niemand tat, als bemerke man es! . . .
Am Spätnachmittag begab sich! Klausner mit Krohlow' zum Justizrat und stellte ihm vor, daß sie Wellerkamp durchaus sprechen müßten.
Der zuckte die Achseln.
. darf seine Adresse nicht verraten, sonst hetzt mir mein Mandant womöglich mit Fug und Recht die Anwaltskammer auf den Hals! . . . Hm, schließlich wird man in unsrem Berufe Menschenkanner! Herr Wellerkamp scheint eine böse Zeit gehabt zu haben, aber eine „Besserung" muß wohl eingetreten sein! So viel darf ich Ihnen schon sagen, weil Sie es gut mit meinem Mandanten meinen! . . . Also, auf die ersten Geldsendungen erhielt ichj, trotz meiner Bitte, feine Quittung! Im Juni kam die erste! Kurz und flüchtig auf emer Postkarte, und darunter stand: Wie steht es eigentlich mit dem Patent? . . Das war ein Anzeichen der Genesung! Nun bekam ich die Quittungen immer regelmäßig postwendend . . . Und als ich am ersten Oktober die erste Abrechnung schickte über den günstigen Vertrieb des Waschpulvers mit dem Briefe des Herrn Leutnants, in dem er seine Verlobung anzeigte, erhielt ich« eine Karte, die mir in äußerst ftbeler Stimmung geschrieben zu sein scheint, allerdings war die Handschrift recht unsicher. Aber was da stand, lautete: So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage . . . Nun das glaub' ich ja nicht, aber ebensowenig an reinen Galgenhumor!"
Krohlow bat um die Karte. Da winkte aber der Justizrat lachend ab.
„Sie Schlauberger! Damit Sie den Poststempel sehen,
das gibt's nicht!"
„Aber ich muß ihn sprechen,-Herr Justizrat!" f j. ^hm eme Zeitung in die Hand und einen Blaustift, jagte kein Wort, schmunzelte nur uild strjch inimer wieder eine Stelle an, che die Ueberschrist trug: Steckbrief.
Da lachte Krohlow laut auf.
„Adieu, Herr-Juftizrat! Und Ihre Hilfe brauch ich schon gar nicht!"
Mammentöter hatte sich vom Justizrat Menneking Geld schicken lassen ans seinen „Waschpnlverprozenten", Üw sich Winterkleidung zu besorgen, denn vorläufig wollte er noch hier in der Einsamkeit bleiben, bis Freund Krohlow verheiratet war.
IN einer pelzgefütterten Joppe und hvhen Stieseln tres er Nun durch die Wälder, durch raschelndes Laub und sog den herben Dlnft tief in seine Lungen. Morgens war schon alles Bereift, und eines Tages taumelten die Schneeflocken «ohne Unterlaß zur Erde.
Da marschierte er.in das Geriesel hinein. Der Wind blies von Norden und brannte ihm rote Flecke auf die Wan- 6eu. Tiefer zog er die Pelzmütze über die Ohren und ging nicht eher herm, bis ihm der Magien knurrte und die Zähne klapperten. Der Hund des Försters war sein Begleiter gewesen.
Als er den Hausflur betrat, knurrte Hektar, der Förster kam zur Tür des Wohnzimmers hinausgestürzt und steckte einen von diesen unbäiidig langen neuen Hundertmarkschei- nen in sichtlicher Berlegenheit in seine Joppentasche.
„Rin in den deutschen Bund," brüllte der alte Weidgesell los, „es ist nämlich Besuch da!"
Und als der Flammentöter kurz kehrt machen wollte, packte er ihn einfach an der Brust, zog ihn ins Zimmer und verduftete mit einer Geschwindigkeit, als habe er vierzehm lahrige Knochen im Leibe.
"^olstow — du? . . . Verdammt, ich verstehe, diese Forsterseele. .
, -'Die laß man in Mieden und gib mir die.Hand. Ich M dich öffentlich, in der Zeitung suchen lassen, gegen hundert Mark Belohnung, denk nur, so viel bist du mir wert! Und hatt' er sie nicht verdient, dann eben ein anderer!"
Der Flammentöter schob die Unterlippe vor nnd strick) Uch den Schnee von der Joppe, nachdem er Krohlow die Hand gereicht.
t „Jungchen, was willst bn eigentlich?" fragte er dabei und zwang sich zur Ruhe.
„Deutsch reden mit dir! Kurz und hoffentlich schmerzlos! . . Donnerchen ja, gut siehst du aus! Der lange Vollbart steht dir! Bloß dein Haupthaar!"
„Du — ich denke kurz und schmerzlos?!"
,Mn ja im besten Zuge! . . . Also da, ich weiß eine, die bat dich lieb nnd paßt viel besser zu dir als meine stille Trnde! Und da ich einen feierlichen Eid geleistet habe, nicht eher z'n heiraten, als bis du dich der Welt znrückgegeben, also, da Mußt du schon Mitleid mit mir haben!"
Der Flammentöter drückte den Zeigefinger ans die Nase nnd schwieg! sich, laus. Iw der Spitze, die eigentlich keine war, verspürte er ein Zucken, das kam natürlich mir von der Kälte da draußen.
„Junge, ohne dich geht's nicht mehr in der Fabrik, trotz Doktor Dezius! Me Bestellungen, es ist .nicht zii sagen! . . . Und da das Gold scheffelweise angerast kommt, kannst d!u dir ja irgendwo hier oben — znm Ausspannen voll Zeit zu Zeit — eine hübsche.Billa hiinbiauen! ... Ich wiird' Niir da eine lnstige Frau mitbringen! Denn so'n-e- Einsamkeit zu zweien — ja unsereiner als Offizierssoldat kann sich das nicht leisten!"
Dia warf sich der Flammentöter in die Sofaecke, daß das alte Gestell knackte ünd die kapillen Federn vor Qual anffchrien.
„Goldsohn! Weißt du! . . . Such mir eine aus, meinet* wegen! . . . Und schick' sie mir rauf, aber erst, nachdem du verheiratet bist!"
Krohlow lachte hell auf.
„Ich merke, wir haben uns ausgezeichnet verstanden! Aber gib mir's, bitte, in einem Briefe an Fräulein Helene Klausner schriftlich mit ! Natürlich bloß, damit ich halbwegs meines fürchterlichen Eides entbunden bin und möglichst schnell zu meiner Trude komme!"
Der Flammen töter schloß die Augen nnd nickte Bejahung . . . Der liebe, lustige Kerl, die Lene! Es würde ja fürs erste ein bißchem reichlich Galopp durchs Leben gehen, ünd ob er mit kurzer Mähne etwas vorteilhafter aussah.


