Ausgabe 
17.4.1918
 
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Ich bin dann groß geworden und scharre wie ein erstchremH Mann auf Dich heraü^ Dar rmrst über mich lachen, doch schadet's nichts: gelernt habe ich doch in dieser Zeit der Trennung tausend­mal mehr als Du.

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Sich ausstrecken dürfen: dieses Gefühl steht im Mittelpunkt unserer Wünsche. Sind wir nach der Unendlichkeit des Wartens am Feinde irgendlvo im Weiten, im Hinterland, wo nur noch! die 'nächtlichen Feuer der Front sichtbar fiitb und die Schüsse der Kanonen -im vielfachen Widerhall klingen, dann kommt es wie ein Segen des Himmels über uns, wenn wir uns auf dich Strvhtennen legen und alle Sorgen um uns sammeln wie in ein Gefühl erlüserrder Bitterkeit. Dann sürgen nachtflatternd^ Vögel zu unseren Häupten, dann fühlst Du ahnend die Macht des Leberrs in Dir. Nur nicht einschlafen müssen so liegen und in die grenzenlose Ferne starrer: und die Wonne ganz genießen j müde zu sein.

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Es läuft so schnell alles hier: Minuten rauschen und eins Weltgroßes ist schon geschehen. Und nicht einnral bewußt wird uns nrrsre Tat. Wir sind eingeklemmt wie zwischen eisernen Riegeln und wirken nbr drrrch die gewaltige Gemeinsomkeit. Wir selbst aber -leiben der kleine Ajtem des Ungeheuren. Wir sind uns selbst zur Schmu, daß; wir ein Mensch sind unter altem, was -hier lieber-; menschliches getan wird. Und noch eines ist hier beklemmend r man fühlt sich ganz als Geleiteter. Wenn alles Wirrivarr ist und Not und Grausen, dann ruft ein Wort, ein Mick, ein Beispiel das Wunder hervor. Der -einzelne versinkt und der einzelne trcibh hoch. Er wirft in die Verzagen)«: die lockernde Fackel und :oe:ß es selbst nicht. Wo die Persönlichkeit ganz unscheinbar :virb, sift sie trotzdem der mächtigste Wstoß zur Tat und von den Verzagertdein wird das Größte geleistet.

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Und dann: ich muß so oft an den Himmel denken und an Gott Ich meine immer, daß er uns so sehr nahe hier ist: tttfr sprechen! me von i'hm. aber :oir fühlen ich: doch alle, roenn auch keiner vom anderen davon erfährt. Das ist das Seltsame, daß n:an seine Inner­lichkeit so tief vor de:: Freunden versteckt. Man weiß, waö den) ankern bewegt, mau glaubt ihn' ans sich selbst zu erkennen, aber: man fürchtet sich, seine WAt auf die Zunge zu nehmen. .Heilig«! Ehrfurcht vor uns selber, die in uns wohnt.

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Sich waschen dürfen und für den äußeren Menschen sorgen: bas ist auch eine Entdeckung der Seele hier draußen. Wie wunderbar läuternd wirkt doch ein Wassertvopfen! 9tach Dagen geguältenj Stammele befreit er uns von der Unerträglichkeit der inuerens Spannung. Er wäscht alle Sünde:: der Augst von. uns ab. Er entzündet Feuer in uns und legt neue Kraft auf unsere Lider. Und ' die freudsame Entdeckung, wenn irgendwo andere, selbftbereitbar^ Kost winkt! Dann schleichen wir uns durch die Morgenruhe, wenn die Artilleristen drüber: sich silr de:: Dag stärken, und grabest unter den Stacheld-vähten etwas Eßbares aus. Die mundet uns im Essgeschirr gekocht wie die kösllichste Speise eines exotischest Landes. Nicht immer aus diesem großen Kessel essen müssen, welche Erholung!

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Ein Wunder ist für uns, die wir am Feinde stehen, die Frau, Sind wir in Ruhe und waschen uns morgens am Brunnen, unbl irgendrooher kommt eine Frau oder ein Mädchen zu unsermj Brunnen, sich Wasser zu holen, dann durchfährt uns alle der Schreck, daß wir Männer sind und einer möchte am liebsten dem andern nicht mehr in die Angen sehen. Wohltätig ivie eist warmes Bad wirkt der Anblick der Frauen auf uns Entfremdete« Ms streichelten uns weiche Hände, so Prickelt uns die Haut ach unfern: Leibe. Wer freche Begehrlichkeit ist es nicht. Nein, auch da hat der sinstre Krieg eine neue Reinheit tu uns geschaffen.! Könntet Ihr daheim, und besonders Ihr Freuen, diese unsere! Reinheit nur ganz begreifen und könntet selblt so werden wie wir, deren junges Blut im Opferseuer geweiht ist.

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Und sollte dies nicht Euer Zeugen für uns sein, daß wir uns überstark fühlen hier draußen, tvo Schwäche der Tod ist? Euch selbst enläußern um unsertwillen: wie herrlich groß wirkt dieser! euer Wille auf uns! Dem: das ist das Ursächlichste hier, daß wir alles Lebcu nehmen sin Hinblick auf euch, und daß >vir allest Stolz und allen MUL von euch empfangen. Wir verstehen es nicht, wenn nicht alles geschieht, tvas uns zur Hilfe dient. Urrd was gilt Gtlt und Geld, rvem: der große Gedanken zu Schaden kommt, wenn wir arm vor uns selbst da stehen gegenüber einen: gerüsteten Gegner. Das sist für uns ein innerer Sieg, dem nichts Aehnliches hier zu vergleich;:: ist, tvem: die Heimat eine Tat tvagt. O tätet ihr doch alle Tage Großes für uns! Wir sehnen uns nach neuen Opfern von euch.

Denkt auch bei der Kriegsanleihe daran! Wir aber wartest weiter am Feinde.

Dann zeichne KriegsaaleiH«. Bist morgens fvoh du uffgewscht,

Host geholt e guts Nacht,

Hott der KcHsee dir geschrnecksi W!ar gut der Mittagstisch gedeckt,

Max das MiLtagsschläsch schoe,

Odder das Spazievogeh',

Hot geschmeckt der Tänunerfchoppe,

Hattste Glück beim S-katchekloppe,

Dann zeichne K r i e g s « a k e i -H «, Ging dir e Kätzche in die Quer,

Un biste sonst verärgert sehr,

Leiht dir 's tkriegsbrot schwer int Mäge,

Petze dich die Hühneraage,

Ekelt dich der Schwätzer Blech,

Hattest du bernr Hamstern Pech,

Hott mer die Fleischkart' dir ver.veigert,

Odder gar die Mier gesteigert.

Dann zeichne Kriegsaaleihe«

Host. du gekriegt etwa en Orde,

Odder bist Vattor du geworde,

Großvatter, Onkel vdder netter Bräut'gcrm, Schrmsgersvhn un Petter,

Höste Hrittel, Gäus' und Hase,

'Säuche, Schäfcher odder Gaase

Un noch jo von allerhand.

Dann denk' aach an das Batterland,

Dann zeichne Kriegsaalei he.

Fraa Hannewackel.

!!?M!!I!!l!rr!!jI!!!!I!II!I!!!!I!I!!W!II!!I!!!!!I!lz!!!i!!!!!!!,,iI!I!II!!I,I, !!i!!!!!ij|||||jj||!|||!i j|||||!IHI Büchertisch.

Der Sieger" von Professor Walther Firle ist ein Gemälde, das weit über das Durchschnitts maß der vielen patrio­tischen Bilder, die der Weltkrieg in Deittschlarch geyeisigt hat, heroo-v- ratzt. Der deutsche Gemus, dargestellt als jugendschöner Sanft Mrchael, in goldschimmerrcker Rüstung mit schivertbewehrtem Arm und Eftigen Fittichen, den Ausdruck edler Menschlichkeit im Ant- l:tz, reicht dem aus blusigem Knüpfe kommenden, vor ihm kniendm Feldgrauen den Lorbeerkranz des Siegers. Die warme (Änpfsittmng, die der Künstler in die beiden wehrhaften Gestalte:: zu legen wußte, die sprechende Haltung, die wüchsige und doch schliche Komposition! des GarMn, nichL zuletzt die gedäinpfte Farbenpracht der mal«», rischen Darnellmm fesseln den Beschauer m:mittelbar. Der Kimsd« verlag C. Andelfinger & To. in München hat nun eine tadel- Utfe Wiedergabe des Bildes im Fornmt 4ox64 veranstaltet und krmrt dem-deutschen Volke ebnen vornehmem ZiMinrerschmuck vonl dEinchem Wert geschaffen. PrsiS 8 Mark.

__ 7 ". Die Weltbühne, der Schar Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft,

SiesirieD JacobsohU enthäft in der Nr. 15 WilMnstraße. Paul Lench, von Johannes von Pancratvcs. Die BcrÄindigung, vor:

Sauer, von S. I. Totenspruch 'von Julius von Wstms GoDschn:idt. Anttvvrten.

e XIV. Jahr, ausgegeben vvst skwetter in der . . :rt. Justizmord fred Polgar. Hiotz Bab. UWems.

Rätsel.

Auflösung in nächster Nummer,

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riftleitung: W. Meyer. Zwiflingsruirddntck der Brühl'schen Nnw.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.