Und infolge dieser Liebe tat er vieles, was ihm mehr Tadel
«Ls Lob eintrug; bei seinen nntgefangerven Kamercvden, bei der alten Krottermutter mrd nicht zulech bei Barbara selber.
Wenn .der Rußki oft mitten' irr der Feldarbeit innMelh und die schwarze Dirn unausgesetzt anstarrte — schier eine Viertelstunde lang -— und zuletzt „Warinka! O, Warinka!" seufzte, da iourde die Kvotterrvabeu ganz wild.
„Was stehst denn schv wieder und gaffst mi o wiea a heiligs Bildl!" rief sie; „mir hat di da net zum Schangn aussato, sondern! zürn Arbatn!"
Ties letzte Wart „arbatn" verstand er von der ganzen Predigt am besten, der Russe.
Und er lachte, zeigte feine breiten Zähne und meinte: ,,D! Jwann gutt arbeiten! Warinka sitze Zuckerheerz — mm Braut weibliches, — Jwann arbeitet fier Warinka — Braut mir. Wenn Krieg gaiiotva — fertig, Jwann wird deitsches Mann, Warinka — meiniges Frau — Warinka, wann wird Krieg fertig? Heile? Morgen? — Nicht fertig? — S Sakermant, Teifi, Teifi!"
Und daun arbeitet er ime ein Wilder, so das; ihn seine Kameraden einen Verrücktei! Tropf schalten und sich in ihrer Muttersprache bitter beklagten, daß Iwan so viel werke und, schaffe — für diese Feinde, diese Bauern, — diese Deutschen.
Doch Iwan urachte bloß eine wegwerfende Handbewegmrg zu ihnen hinitnd tat, als hörte er dies alles nicht.
Und so gingen die Tage und Wachen hin, und Iwan war immer fester entschlossen, nach diesem Krieg ein Deutscher zu werden, die Kvotterwaben zu heiraten und mit ihr den Hof zu übernehmen.
Tie Waben aber merkte bald, daß die Liebe den Russen zu einem tüchtigen, guten und billigen Banernkuecht gemacht hat, daß Iwan für sie alles tat, — Und sie begann, ihr Benehmen! danach einzurichten.
Sie schalt nun nicht mehr so, wenn er sie anstarrte, sondern lächelte und Jagte: „J-s scho recht,. Jrvan. Dua nur schee arbat'n, nachher bist brav!s"
„O! Iwan brav! — Warinka brav! Sitze Zuckerheerz meiniges Warinka!"
O, er verstand und sprach schou recht gut deutsch, der Rußki.
. Und er wußte allerhand hübsche Dinge zu machen, die ein Mädchenherz erfreuen.
Als Barbara einmal über die große Hitze jammerte und sich mit einer Zeitung ein wenig Luft zu fächelte, du wußte Iwan! sogleich etwas; er holte Späne und ein Messer und fertige ihr -einen/ gar zierlichen Holzfacher, den er mit etlichen Farbstifte» auch noch sehr reich bernalte.
Ein anderes Mal klagte die Mabsu über ihre Holzpantoffel, daß sie so schwer und unhandlich wären; — drei Tage später stand Iwan vor ihr, — verlegen lächelnd, — 'mit einem Paar selbstgemachter Holzschuhe, die gar nicht mehr drückten und auch nicht schwer waren. Und er malte ihr da, uw die Ferse auf den Schuh tritt, ein flammend rotes Herz und rund herum auf russisch die Worte: „Iwans Herz zu Warinkas Füßen."
So karn der Winter heran, und mit ihm der Barbaratag, der Namenstag unserer Krvtterwaben.
An diesem Tag w-ar Iwan wie im Fieber: er kam ganz erregt zur alten Kvotterm. bat sie in einem langen Kauderwelsch, daß sie die Stubentür zuschließen möcht, damit die Waben nicht eher hme>nkönnte, als bis er verschiedenes drinnen gerichtet hätte.
Ilnd als endlich die Waben vom Melken ans dem Stall Jam, scheltend über den faulen Russen, der noch nicht einmal den Kühen das Gesott gerichtet hätte, da stand Iwan vor ihr, demütig wie ein geprügelter Hund, wurde bald rot, bald blaß-und murmelte': „Warinka! Nit schümpfen! Heile gntte Tag — Warinkatag! — Mltkommen J"
T ie Waben sah ihn verständnislos an: da zog er sie hin ein in dis Stube, w-es mit der Hand nach dem Tisch und schlich darnach an die Tür. Tie Barbara aber war ganz starr vor Staunen und Verwunderung, denn da standen leichtlich ein Dutzend Vögel, alle zlerlich geschnitzt ans feinen Spänen, mit weitgespreizten Flügeln, der eine.mit einem hohen Schöpf, der andere mit zwei mächtigen/ Rachwwanzen — .wieder einer mit vier Flügeln und einem hohen Fuß ge stell, und sonst noch allerhand Arten.
Und der Rnßki lehnte immer noch'an der Tür und ivartete. Und suchte nach Worten, ihr dag Rechte für diesen Tag zu sagen; denn er wollte ihr heute einen ordentlichen Heiratsäntrag machen. Aber da trat der WachtMsten ins Hans.
„Iwan, lvas machst? Tnast. heite nix arbeiten?"
Und im selben Augenblick drehte sich auch die Mcheu nach ihm um und sagte: „Inan, a Gsott schneiden, a Gsott für die Küah!"
Ta mußte er seine Rede schon auf eine bessere Stunde ver schwben; lind er ging nachdenklich mld nicht ganz zufrieden mit sich und den andern an sein Tagewerk.
Nicht lange danach feierte man die Weihnacht im Krotterhof und wieder nicht gar zu lange darauf abermals ein Fest.
.. T? mußte Iwan schöne Tannenreiser holen, Kränze binden,
: iioncr bürsten und das Zaumzeug putzen, die Klitsche ivaschen mb den Hvf ausräumen.
Und dann kam die Krotterivaben garrz in Seide und Samt
i JJßd 0 tüWat Kranz km Haar und einem wekHm RstchE darüber, dre Strege herab und lief in die ausgeputzte Ltnbe, wo schon allerhand Männer und Weibsleute saßen. Und Ech erschien erner, mit Rosmarin geschmückt, — ein Soldat — öer Bernreziernm-on! der Wachtposten! —
„Iwan! D Ross anßa — einspänna!"
Russe härte kaum. Wie ein Betrunkener stierte er ver» stündnlslos vor sich lun. Und da er von ungefähr die alte Kwtter- L “•* mum * « di° Frage: ,.Js
Hochzeit! Jawohl, eine gar lustige Hochzeit! Tenn der Kwtter- yos hat erneu langen Bauern.
<. Mittags, nach tEm Mahle, sitzen alle, das Brausimar und Fi* Gaste, machend und scherzend beieinander; der Ochsenbub schlägt vle Zsther, ver alte Bezenbilidermartl traktiert die Harmonika und die Kvottermutter hockt zufrieden auf dem Kanapee und läßt Kopf nt eurem leichten Lchl^af bald hin, bald wieder sinken, da fallt dem Hochzeiter etwas ein.
„Waberl," sagt er, „was ruvanst, wenn ma jetzt unserrr G'fan- genen a an jeden a Glasl Wer' gaben — oder a Stamperl Lchnaps ? — Tenn sie san ja schuld, daß i di kriagt haü!"
Freilich nwhl! Tie Gefangenen! Der neue Posten geht, sie zu holen. ■ J * ' 1
9« koinmen nicht alle — Jnmu fehlt.
„Was ä Ter yrvan? — Wo is denn der?" ca- ,^e Hochzeilerrn meint: „Er ward halt im Stall sein beim Breh. Und ,o denkt man Nicht weiter an ihn. Bis plörllich die A ul ^ ^liler sich hereindrückt — aschfahl im Gesicht, — die Augen blutunterlaufen — ein kleines Schnitznresser in der geballten Faust.
„Sabako! Hund — blutiges!"
^ Mit einem Sprung ist er am Tisch, — hebt den Arrn zum 'L-boß. . . Und laßt ihn langsam wieder sinken
Denn da sitzt der Hochzeiter ganz ruhig, hat sein Auge fest und mwsteruu auf den Rusien gerichtet, iwe auf ein Raubtier, — Ad sagt ganz langsam: „Na. Iwan! Gute Schnaps? — Gute Wutka, he? . . .? Und reicht dem Russen lüchclub eine Flasche Lchnaps. ^
Und Iwan?
. Der fällt tu sich zusammen, nimNrt die Flasche und schleicht wre em verprügelter Hund hin zur Ofenbank.
und^mdes sich langsam einer um den andern von seinem! starren schrecken erholt, wischt sich der Russe verstohlen mit dem Aennel über Re Augen und murmelt: „O, Jwi.n! Dummes Niißkl! — und trinkt.
_ . _ . Büchertisch.
,, T " We l th üh neder Scimubühne XIV. Jahr, Wocher> dousiL, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried ^acoosohn, enthalt m der Nummer 14: Tie Weltlage von
Germamcus; Neue Politische Ziele?, von Leopold von" Wiese- wirpitz, von Joharrnes Fischart; Claude Debusch, von Oscar Bis ^.er Sohr», von s. I.; Zwei Gesänge gegen den Tod, von Paul Kd: Die Nachtigall von Wittercherg, von Wfred Polgar; Ter Hofmeister, von Egon Frrodell; Auf die Weltbühne, von Theobald Tigern Ala. von Lorarius; Antworten. ^
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Nuslösung des Rätsels in voriger Nummert ' * Zeichnet Kriegsanleihe.
Sch-iM-uung: W. A«^r. - Zwilling,muddruck der Brühl'Ichrn Unio.-Buch. ,md Strlichruck««!. R. Lange, SieLens


