Ausgabe 
30.3.1918
 
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Samstag, den 50. Mär;

Flieger über London.

Bim Londoner Erzählung ans den Spätherbsttagen 191Ü.

Bon Justns Schoenthal.

(Fortsetzung.)

6. Kapitel.

Im Haufe des Viscount.

Der Hvdepark troff von Nebel. . .

Der Londoner Himmel hatte seine allerverdrretzli.chfte Novenrbermaske vor das Antlitz gezogen. Und wer l-eute in die britische Haiiptstadt gekommen wäre, chatte geschworen, daß die Sonne wohl über Gerechte und Ungerechte, kernes- falls aber iiber London scheine. Sie chatte sl-ch..hoch nicht blicken lassen, und da der Tatz bereits zur- Rüste schritt, mußte mau sich damit abfinden, heute nicht von ihrem güti­gen Strahl beschienen und durchwärmt M werden.

Ueber der Landschaft lagerten dicke Nebelschwadmr, und wie feiner, nasser Stculb legte es sich auf Gesicht und Kleider.

Lonaford erblickte weit und breit keinen Spaziergänger. Wer wollte sich auch an diesem Tage eine Erkaltung holen? Oder gar Gliederreißen? Er verspürt ees an ferner Wunde am Bein, wie gefährlich dies feuchtkalte Wetter war. Ern wütender Schmerz stach uub biß trt der Narbe, als wollte das Gelenk mit roher Gewalt überstreckt werden.

Dock der junge Hauptmann war von so unbändiger Freude erfüllt, daß er weder die Sonne vermißte, noch den Schmerz mit Bewußtsein eurpfand. Und hätte es Schwefel geregnet und spanischen Pfeffer geschneit, er wäre nicht ver-

^ rlC ^Uc6ec e eine hatte ihn der Minister warten lassen; aber seit heute morgen war er Hauptmann im Großen Ge­neralstab. Viscount Brauch war sem «umMelbarer Vor­gesetzter. Er fieberte beinahe vor Lebenslust. Ern Gefühl der Erlösung, der Befreiung überkam ihn, .... endlich nach einer entsetzensbangen Woche der Beklemmung.

Ja. er mußte unbedingt heute noch etwas beginnen, unter Menschen kommen, fremde Gesichter sehen. Er er­innerte sich der Einladung des Viscount, ihn ur seinem Pa­last ausznsuchen. Es war vielleicht Nicht schicklich, dies schon nach so kurzer Frist zu hm. Aber er glaubte, einen Grund zu haben, der die Unschicklichkeit entschuldigte.

Und so wanderte er zu Fuß durch den nebelnasten Park.

Der Novcmberwind riß mit rauher Hand dm, dürre Laub von den Bäumen und warf es dem einsamen Wanderer klatschend ins Gesicht.

So war es ihm recht! Fühlen, körperlich fühlen wollte rr den Kampf, den er aufzunehmen gesonnen war. Sn diesem Novembersturm mit Nässe und wirbelndem Laub schien ihm

ging hocherhobenen Hauptes durch die Ge-

Nässe nicht,

fa6t Manchmal jagte die Windsbraut Löcher in die Nebel, wand. Dann wurde ein Stüa Landschaft sichtbar, ein Idyll von Birken und Buchen oder eine Waldwrese mit emem nied­lichen Märchenschlößchen im Hintergrund, ern knorriger Baumstumpf inmitten einer natürlichen Rasenbank, der Hochsitz der Elfenkömgin und ihres Gefolges.

Er hatte einen abseitigen Fußpfad eingeschlagen^ünch freute fich der Geisterwelt des Parkes, die ern fahrende« Gesell ails Ossians Gesängen erschien er sich selbst tn der

Der Zauber wich. Eine Reihe palastähnlicher_ Hnus^ schob sich als Kulisse ins Bild und gemahnte an die Wirr-

^^Der Palast des Viscounts Brauch war bald gesundem Er war ein sehr gediegen erbautes, Massiges Hans, rm Aeußeven ohne überladene Pracht, aber auch oyne kunfd lerische Schönheit. Sein einziger Schmuck bestand m der gedeckten Einfahrt, auf der eine Altane ruhte. Das Hmls nvochte etwa fünfzig Jahve steherr und verriet tn jed«n Quaderstein den nüchternen, auf das Dauernde gerichteten

Sinn seines Erbauers. ^ f

Dem Besucher fiel auf, daß tm oberen Stockwerk eine Anzahl Fenster geöffnet standen, wie in eurem Trauerhause. Sollte die Bisconnteß -?! Dann täte er mettercht beffet, nmxukehren und seinen Besuch a>ls gelegenere gett zu ver- schieben? Aber dann würde er gewiß den ganzen Nachmittag und Llbend in ungenießbarer Stimmmrg fern, rmdseiN Hnrnor hatte schon ln der vergangenen Woche des Wartens gerade genügend Galle angesetzt

Er drückte auf die Hausglocke. Ern Schiebefensterchen zur Seite tat sich auf, und ein grauhaariger Diener fragt«

nach seineil Wünschen. _ .

Er legte seine Karte ans eine Silberplatte.

Leise öffnete sich ein Flügel des ffchtveren kiipferbs- schlagenen Tores und ließ ihn erntreten .

' In einem kleinen Ankleideranm legte er ab rmd brachte seinen äußeren Menschen wieder etwas in Ordnung.

Dann wurde er von dem in Trmterlivree gc kleide teil Grankopf in einen Enrpfaiigsra-mil gesi'chrt, dem ein Kamrn- feuer eine geruhige Behaglichkeit verlieh.

Schon nach wenigen Mnuten erschrwi der Er sah krank aus uub übernächtlgt. -Dunkle Ringe zogen sich um seine Angerr.

ungelegen. Mylord £ wisse Anzeichen möchte ich fast dahm denteir, als sei daS Gefürchtete imn doch ErergiiiS geworden.

Der andere nickte. Mit mftbcr Stimmte erwiderte err Mtte, behalten Sie Platz!" Er ftrhr fich mit der Hand

^Ja, liehst ausgelitten. .Es war ein ganz fanst« Tod".. >