Ausgabe 
23.3.1918
 
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kvie blasierte Frauen irn ZirLrs einen Ringkämpfer betrach­ten, der seine Muskeln spielen läßt. Das widerte ihn an, und er ärgerte Hich, daß er wo-A auch für Lady Edith nicht mehr bedeutete.

Nach neun Uhr war er dam: mit dern Lord nach Pall Mall in denArmy and Navy Club" gefahren. Er wurds einer großen Anzahl von Verrat vorgestellt, Angehörigen des Adels, der Regierung, der Hochfinanz, der Marine und des Heeres. Doch zog ihn niemand in ein längeres Gespräch. Und er selbst fühlte sich zu abgespannt von des Tages Eindrücken und Anstrengungen, mn auf die Eroberung persönlicher Bekanntschaften auszngehen. Er vermochte auch reine Brücke Mischen den Gesprächsshoffen dieser Leute mtb seinen eigenen Gedanken zu finden. Gewiß, es wurde auch von Politik geredet, aber in einem Tone, der eine ver­zweifelte Aehrckichke.it mit der Sprache vom grünen Rasen hatte. Der Krieg schien das PfUd zu sein, auf das die Herren setzten, und je nach der Zeit, für die man das Ende des Rennens voraussah, waren die Einsätze und Gewinn?- ausjichten höher oder niedriger.

(Fortsetzung folgt).

Liebe.

Bon Alfred Polgar.

Der Landsturmmann Matthias hatte füufAehn Eier erbeutet. Vier davor, verschlang er ans der Stelle und ließ nur ungern die Kalksckzaleu stehen. Tss fünfte Ei war faul, und als er es roch und schmeckte, wurde dem Matthias übel. Er konnte kein Ei mehr herunteröringen. Er bekam einen wilden Abscheu gegen Eier.

Das besserte sich auch die folgenden Tage nicht.

Der Landsturm mann Matthias hatte mm zehn Eier, mit denen er nichts anznfangen wußte.

Er beschloß, sie zu verschenken.

t a, aber wem?

on den Kameraden gönnte er keinem die schöne Kostaufbesse- ruitg. Hatte er beurt überhauptKameraden"? ?hir Arbeits- und Zimmergenossen. Matthias war ein mürrischer ©infam. Er dachte niemals über sein Leben nach. Er senkte seinen Kops unters Joch und trabte dahin. Ohne Resignation, aber auch ohne Trotz. Er war eine aufgezogene Maschine, die, geschmiert und geheizt, ihre Arbeit tat. Wenn er zu essen und eine Handvoll Knaster hatte, war das Dasein für ihn ohne Probleme.

Plötzlich stand eines vor ihm.

Matthias dache, man könnte wohl die zehn Eier nach Hause schicken.

Vielleicht dem Vater? Aber de? hätte die Eier der Stief­mutter gegeben, und der gönnte Matthias nichts Gutes.

Also dem Franz, dem Partner zahlloser SMsmcksechszig- Partien im SchrrayÄadM? Nein, der hatte ihn^das letztemal -beim Kartenspiel beschnei ndckt.

Aber jetzt war auch der Matthias mit seinem Vorrat an menschlichen Beziehungen schm fertig. Tie Hermine, die Mörtel­trägerin, die er einmal in Weinlänne irgendwohin gezwickt, und die mit einer Ohrfeige geanllvortet hatte, kam nicht in Betrach. Und die Luise, die bei gleicher Annäherung, nicht nrü einer Ohrfeige geantwortet hatte, ging mit seinem Todfeind, den: Hausknecht. Mit der war er fertig. Die anderen Frauen, die sonst in Mat­thias Leber: ihre einfache Rolle gespielt, waren schn längst irr der Großtttckt, unbekamrt wo.

Matthias dachte angestrengt nach, wem er nun doch die zehn Eier schicken könnte. Und als ihm keiner und keine einsiel, wurde er traurig. Er wußte selbst nicht, warum. Es war das erstemal, daß so ein kaltes, graues Gefühl ihm zrmschm die Nippen kroch Nach dem Zapfenstreich mache der L-andstunnmamr Mat­thias aus der: zehn Eiern ein Postpaket. Sr' schön er nur konnte. Eine Pappschachtel mit Papierschlnitzesn anslvartiert und mit L>pa- gatschnnr umwunden. Tann schrieb er den Inhalt des Pakets auf dessen Außenseite und den Namen des Absenders. Aber Adresse wußte er noch keine.

Nachts schlief er unruhig. Er träumte, daß er im Sarge läge, unter der Erde, und neben ihm sein Paket mit den 10 Eiern. Tie hatte man mit ihm begraben.

Tann wache er auf, und es' war ihm, als wisse er jetzt schon, wem er seinen Reichum senden solle, und habe nur den Namen vergessen.

U:ck wie er so grübelte, fick ihm plötzlich ein Name ein: Anna Klempner. Mehr nicht. Nur der Name, der bloße Name, daß er ihn immer ans dem Papierharcklurrgsschild gelesen, wenn. er zur Arbeit am Bau gegangen war, dessen entsann sich Matthias nich. Er fand keinen manschich-nr Inhalt für das leere Wort. Er dache: weiß Gott, wie lange her ist, daß ich mich so gar nicht Mehr erinnere, wer sie gewesen und wie sie ausgesehen hat!

Uber der Mensch muß eure Sehnsuch habe::. Und wenn er Kar keine hat, so hat er doch mirckesterE eine nach der Sehnsucht. Also schrieb erAnna Mempner" auf daH Paket. Darm

er es zur Post. Und hatte ein warmes, gutes, freundliches Ge­fühl im Magen, als hätte er Sliwowitz getrunken.

Nach drei Wochen kam das Paket zurück.Adressatin ge­storben".

An diesem Tage rührte Matthias seine Menage nickt an.

Was hast denn?" fragten die alten Landsttirmer,ist dir wer gestorben?" Er nickte: ja. Ta drückten sie ihm die Hand.

Zn der Nacht beschwerten sich die Zimmergenossen über den Gestank in der Stube. Matthias nahm die Schachtel und trug er es zur Post. Urrd hatte ein warmes,- gutes, freundliches Ge­schaufelte eine kleine Grube aus und versenkte bas Paket mit den Eiern, schüttete Erde darüber, stampfte sie fest.

Tann er wußte nicht, warum er das eigentlich tue schleppte er einen großen Stein her mck legte ihn über den Fleck, wo die Schachtel vergraben lvar.

Und blieb noch eine Weile stehen, die Kappe zrv-ischen den Fäusten.

Es war fast so, wie stummes Gebet an einen: Grabe.

Am andern Tage schrieb der Matthias der Luise doch eine Ansichtskarte.

Der paZme?e! im VoMmmde.

Zum Palmsonntag, 2 4. Märf,

Jahrhunderte hindurch ist bei der Palrusonutagsfeier der (Ein* Mg des Heilands ir: Jerusalem ans einer Eselin dargestellt worden. Heute sind diese Palmeselprozesstonen so gut wie ausgestorben, mck die Palmesel werden an vielen Orten noch in Sammlungen- gezeigt. In der Sprache aber ist der Palnvesel :wch lebendig; zahl­reiche Sprichwörter und Rebewerckungen finden sich Ajeitte noch in vieler: ücncksckjaften als sprachlicher Niederschlag des Palmesel- brauck-es und zeig«:, wie allgemein verbreitet dieser vormals war. Der Zusammenhang mit der PalmsonntagOeier ist oft noch ge­währt; lver zuletzt ruck seiner Palmstange aus der llirche konunt, wird an vielen Orten mit dem Narrven eines Palmesels belegt; in: Urckerirmtale erhalt jernarrd, dem se«re Palnckast auf den: Heim­wege Fu schwer wird, diesen Namen, :md in Oberschinaber: ver­anstalte;: me Kinder am Palmsonntag« nach der kirchlichen Feier eine Art Wettlauf nttfc ihren Palmen. Wer dabei «im! schlechtesten abschrecket, heißt Palmesel und behält diesen Namer:, bis ihn am' nächsten Palrnsvnntag^em mckerer ans gleiche Weise bekommt Jtn Elsaß tvird der, der am Palmsonntag als letzter die Kirche verläßt, Palmesel genannt, urck im arganischeu Fricktale wird der Besitzer des größten Palmens nicht nur Palmkönch, sondern auch Palmesel gelreißeu. Gleichifalls als gelindes Schimpfwort, allein ohne Zusam- menhang mit der Festseier, findet sich ber Pccknmsel in vieler: Land­schaften, so in Tirol, in Salzburg, auf der schwährschen Lllv, im Elsaß, in Oesterreich als Spottname für den, der am längsten im Bett liegen bleibt : in Wien so geht aus der schöne:; Sttckrq Richard von Streles ül'er den Palmesel hervor, wird dresss Wort fast im gletdjeit Sirene wie Pfingstochs für euren übermäßig geputzten Mensche«, einen Protz«:, eüven Hochmütigen, gebraucht, selbstverständlich für beide Geschlechter. In seinen BÜdern aus dem oberösterreichisch« Volksleben wendet PursckKr das Wort Palm- ese! in diesem Sirene an:

Was hast ins beult zuabracht? paar Fetzen Gwcurd,

DL; d' anghabt 'hast, aufputzjt i dein'« 'Hoh-attag,

As hzßar a Palmösel!

Gans ähmrch kennt der Schvabe für euren Menschen, der dumm und hochmütig zugleich aussieht, die Redeweninmg, er mache ein Gesicht wie ein Palmesel. Vormals war Palmesel an vielen Orten auch ein Schimpfwort für einer: groben, ungeschickten Menschen; dies hat. fkfj> an manchen Orten, in KÄrnteu und tm Elsaß beispiels­weise, erhalten. Von dem kircAickxm Brauche der Patniesaiproz^ sck-n abgeleitet finden sich mauck^en Ortes noch der Palmesel als Ver­gleichsgegenstand; tüe einmalige Antvendung des Palmesels im Jahre ist hierbei das Gemeinsame. Schon Abraham Santa a Elara sagt:Die NechckickLeit^und der Palmesel kommen jAZtlich nur ein­mal ans Licht". Irn glerck-en Sinne führt Mancher in seinem Sprich­wörterlexikon die Redewendung an:Er ist «in Vagant nxc der Palinesel, der sich alle Jahre einmal sehen läßt"; ebenso keimt er die Redensart:Mit den: Palmesel ein Privilegium haben", die auf einer: Menschen angewaerdt wird, der sckh nr:r sehr selten in der Kirche blicken läßt. DerKlosterspiegel" schreibt «: 'gleicher Bedeu­tung:Er hat's wie der Palmesel und Für stabt: er läßt sich das Jahr mir einmal selten in der Kirche." Es gibt auch einige, volks­tümliche Rätsel, die den Palmesel zum Gegenstand Haren. Was ist das:er diente ED»tL, tat feine Sünde und ist doch nicht selig ge-« worden!" oder:Ohne Sünde getanen, ohne Stück« gestorben und doch nicht selig ge-oorden." Sckstießlich seien noch einige Rede-- wendmrgen angesühwt, die anf best Esel anspielen, ih«: aber nicht nemien. Avrahama a Santa Elara sagt von einern Damiwkopse: Sein größtes Fest ist am Palmsorurtag." In Jllcreichan gibt es einen scherzhaften Gruß, durch den der andere als (Ael l-ezeichnet wird, ohne daß man «s ihm gerade heraus sagt: man grüßt ganz! harmlos:I wünsch dir Glück!" Ajuf die Gegenfrage:Ja warum?" lautet die Erklär :Ja wvrsch d«m net, dcrs heut der Palmeseltag isch?"