Ausgabe 
23.3.1918
 
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Flieger über Iiondcm,

Eine Londoner Erzählung aus den Spätherbsttagen 191S.

Von Justus Schoenthal.

(Fortsetzung.)

Der Visoount wußte diese Gedanken geahnt haben. 'Er unterbrach seine Geschichte:

Denken Sie nicht, ich würde Ihnen die übliche Kampf­schilderung vorsehen. Ich will Ihnen, wie gesaat, mir ern typisches Beispiel unserer Verderbtheit geben, m)<&,r alles in schönster Ordnung. Die Artillerie funkte pnnktlia, von 6 Uhr bis Uhr hinüber, und dann -- dre ^tQuader schwoll dern Obersten an dann, werden Sie denken, linsen die Jernsv rechmeld ungen beim Stab ein? gleichen geschah. Es wird 8 Uhr. Da klingle ich hinüber MM ^»tab des zweiten Bataillons. Der Adjutant murmelr etwas mit verschlaseiier Stimrne !von -Schriftlicher Befehl erst heute iirovgen gefuuden". Was aus dem erster Bataillon geworden, wisse er nicht. Nichts Gutes ahnend, fahre ich mit dern Auto hinüber. . . WaS glauben Sie, daß vorlag?

Ich habe natürlich keine Ahnung," versetzte Longsord. iJch schäme milch fast, es Ihnen K» erzählen, Kapt'n. Der schriftliche Befehl vom Abend war. nicht geöffnet

da» ist dvch tant »mW -» dem

Sih, 8 3i Jhmm. wenn Sie noch I» viÄ «s»M>sich haben, daß Me ein solche» Borhmnmn» nnmoglich finden. Der Hauptrnaun schüttelte den Kopf.

Kolouel, wenn Sie es nicht erzählen würden tc^ konnte es kauni glauben/'

will Jbneii auch die näheren umstände nicht der- schEen Mr Batatllonsrommandenr hatte für denWen» seine Offiziere zu einer Partie Bridge in fernen Unterstand geladen un"Äschl gegeben, chn nicht dem nächsten Morgen um 11 Uhr zu wecken.

Ja, aber der Bataillvnvadzutant ...

"Hie haben eberr !nock) Ehre rm Leib«, ^

Bataillonsadjutant hatte einfach mitgespielt.Gr uberttilg seine Vertretung einem Sergeanten und .^^^Aufirag, telephonische Befehle ihn: sofort zu

Mitteilungen ans Bataillon aber unaeSssneu lis^nM lassen. Dem. Sergeanten kam nun der schriftliche M>ehl vom Regr- ment doch etwas verdächtig vor. Ms der AdmtanL ber gra^ endein Morgen in den Unterstaich kamqatz-r chm gleich das Schriftsmck Jetzt war« ja noch, «nt »> mafin gewesen: der Adjutant jedoch leg dr sich stlfiast iui® de,at>?, iön uni -r /48 Uhr zu wecken. Das geschah. Er Rrrufelb den Bataillonskommanbeur an. Der hatte natüv geschlafen, war sehr iingnadig, antwortete auf den A-rnj.

Dringende dienstliche Meldrmg" rn rüctsichtsloser Barsch­heit: ^Erteile Ihnen den dienstlichen Bewhl, mich schlafen

ur lassen!" und hängte den Hörer wieder ein. . . Und mitt­lerweile hatte sich mein braves erstes BaLctt.lr.on verblutet. Was nodi lebt, befindet sich in deutschen Lazaretten oder

Gefai^cn-nlagern^^ ^ ^ BataillonSkommandeur,

wenn ich fragen darf? Ist er standrechtlich erschossen

worden ?' _ . .

Ja, Kapt'n" der Oberst lachte bitter auf ,,wrr befinden uns dock) im England des Jahres 191o. Bor hundert Jahren unter den Fahnen des Herzogs von WeUingtou oder vor zweihundert Jahren unter dem Herzog von Mari- borough wäre - solch ein leichtfertiger .Offizier wohl standrechtlich behandelt worden, das heißt, ich glaube kaum, daß damals ein britischer Offizier eine so.jammervott-ehrve^ - essene Gesinnung an den Tag gelegt hatte. Aber heute cr knurrte etwas Unverstäiidlrches. Was glauben daß der Herr die Dreistigkeit hatte, zu antworten, als ich ihn um Rechtfertigung als Vorgesetzter ersuchte? Was glauben Sie? . . .Ich hielt die Sache nicht für so wrcytrg, nndin der Tat ist es doch auch gleichgültig, ob wir den Krieg fünf Minuten ftüher oder später gewinnen." Jcy war sprach­los, erstattete schriftliche Meldung an die Brigade; die Sache nahrn ihren weiteren Verlauf und h^uie sitzt derselbe Herr

it nennen, will

im Stabe beim Armeeoberkommando. Ich habe den Namen bis jetzt nicht genannt, iverde ihn auch mc Ihnen auch nur verraten, daß dev Herr , ,

Jahre alt ist mrd bereits den Rang eines DbrrstleutnantA bekleidet. Sein einziger Vorzug besteht darin» daß serÄ Vater ein Ministerporteseuille inne hat und als Kandidak für den künftigen Ministerpräsidentenstuhr gckt. . Hab«

ich uuil recht, daß unser Heerwesen a« Haupt uich Güedern verderbt ist? Glauben Sie, daß bei unfern Gegnern, bei den Deutschen ein solcher Unfug möglich wäre? . . . glaub s nicht! Dazu find die Deutschen viel M ernste Leute und der vielgeschmähte Militarismus ist ihnen zu tvemg Spiec- zeng. Irr Deutschland entscheidet daS Verdienst, her uns die guten Beziehungen!"

Lorrgford erwiderte besänftigend: ^ .

A^r, Kolonel, daS ist schließlich ein Ginzelsall, den wir wohl nicht verallgemeinern dürfen."

Der Visoount lehnte sich an daS zroecktofe Tischchen und sah sein Gogenüber zweifelnd an.

Kapt'n. der Fall mag besonders schreäkEregend fein; aber ähnliche Järnmeriichkeite« könnte ich Ihnen ^allem aus meiner Fvonterscchrunz tis paar

. Sind Ihnen denn nicht auch Fälle von Pstichtverfeym^ bekannt, die ihrer, Grund eirrMm de, Splelbudewchufi de» Offiziere rrnd nicht mirrder häufig- de, durch schwchtes Beispiel verführten Mannschaften habend'

Longsord dachte nach. Er mußte dern -Oberst unbedingt

Besche^tun, s^erzchfi itt London auch schlimm alt wüten. Ich habe gestern abendArmy and Navv wo mich Lord Äsuthrisso einsührte

der Viscount horchte