Ausgabe 
27.2.1918
 
Einzelbild herunterladen

m ihn rWren bei fedter Statur Mmn?s, Herr WachtnreMerj,

bas Haiti' ich nicht übers Herz gebracht."

Ter Gendarm stand versteinert ob solcher Frechheit.

Mencherr aber schlug sich in die Büsche und lag bald wieder aus seiner Mleebank, blinzelte behaglich in die Sonne nnd philo sophiertg darüber, wie leicht mdn doch reich fein könnte, wenn man nur> wollte. _ ,

Und im stolzen Bewußtsein seines freiwilligen Verzichts zündete er sich spießerisch einen Zigarrenstummel an, den sein scharfes Auge soeben neben einer Pfütze aufgespürt hatte.

Dar Träumt sie« von Hanta«.

Chinesische Legende von Gräfin Brockdorfs.

Jtn Lande Schuh lebte vor vielen Jahren ein Mann mit Namen Rv-sei. Ter studierte viel, forschte nach Wahrheit nnd Tugend, und da er bei diesem Forschen sein bisheriges Leben als nichttg und wertlos erkannte, beschlost er, sich von der Welt znrückzuziehen nnd ein gehorsamer Nachfolger Buddhas zu werden. Nach dessen Beispiel verkaufte er Hab und Gut, gab es den Armen und wanderte nach dem Berge Jo-D, um-dort bei einem gelehrten Mönche noch tiefev in die Lehre Buddhas einzudringen. Nach langer, mühevollen (Wanderung erreichte er eines Abends das Dorf Kan tan, die Hälfte seines Rekseweges. Da es «schon spät war und Me Tore geschlossen, mußte er in einer verlassenen Herberge über Nacht bleiben. Er fand dort mir ein Kissen vor, legte es unter seinen Kopf und schlief ein., Ms er erwachte, tvar blendeud-er Sonnenschein um ihn. Ein Mann in reichgesticktem Gewände und mit großem Gefolge stand vor ihm, grüßte tief und fragte, oh er Ro-sei heiße und nach dem Berge Jo-hi im Lande Jdara wandern wolle. Ro-fei bejahte dies.und der Mcmnj sprach weiter:Mich schickt (der Kaiser von Jbara. Ich soll Dich ihm geleiten, denn er will denr Throne entsagen. Du aber sollst sem Nachfolger tverden." Lfts Ro-sei erstaunt nach den Grügrden dieser Wahl fragte, entgegnete der Gesandte:

Mein Fürst hat Dich als den Würdigsten erkannt, um ieut Volk zu beherrschen, darum folge mir schnell. Diese Sänfte hier soll Dich zur Hauptstadt bringen."

^Verwirrt nnd überrascht tat Ro-sei, wie ihm der Bote geheißen, und wuirderbar schnell gelangte er in den Palast des - Kaisers, der fo herrlich war, das Mo-sei vermeinte in den Himmel zu gelangeir, wo der göttliche Tung-Wang--Kunc) mit seiner ^Gemahlin thront.

Die Böden des Hofes waren mrt goldenem Sande bestreut und aus vier Toren von Jaspis und Diamanten trat.die Schar deck Höflinge in lichtstrahlenden Gewändern, drängte sich das Volk mit wstbaren Geschenken. Im Osten (erhob sich ein Berg aus Silber mit einer goldenen Sonne darüber nnd im Westen einer aus Krystall, Mer dem eine silberne Mondscheibe hing, süße Musik ertönte und schöne Jungfrauen tanzten eignen anmutigen Reigen. .

Ro-sei stand in Verzückung, aus der ihn plötzlich eure Stimme erweckte. Ein Greis mit wallendem Silberhaar, in jveißem Ge­wände ließ sich vor ihm auf die Knie nieder uud bot ihan einle dunkelgrüne, glänzende Schale mit einer Wasserbetten Flüssigkeit. Er spvmch:

Du beherrschest die Welt und alle Völker gehorchen Dir nnd tvünschen, daß Dein Leben durch tausend Lenze währe, darum biete ich Dir diesen Trank." Erstaunt fragte Ro-sei:Was ist denn das für ein Trank?" Und der Greis erwiderte:Es ist ein Trank der Unsterblichkeit, roenn Du ihn aus dieser Schale trinkst."

Ro-sei fragte iveiter:Ist es die Schale oder der. Trank,, bw dem Sterblichen solche Gabe verleiht?"

Ter Greis belehrte ihn: .Nicht der Tran? allein, auch wicht die Schale allein, sondern beide vereint schaffen den Dxank den Unsterblichkeit. Die Schale ist aus Neghrit, dem kostbarsten irnd edelsten Gestein auf Erden, aus dem auch das Himmelsgebäudej geformt ist. Sie ist ein Stück aus jenenr Felsen, der neben der Burg des göttlichen Tung-Wang^Kung steht nnd dessen Jnnerm ein Born entquillt, dessen Blätter, tvenn er über die Blätter des Lebens-t baumes Kiuno fließt, einen Trank gibt, der das .Mieufchieittebeir tausend Jahre dauern läßt. Kommt dieser Dhank nun in diese Neghritschale. so verleiht er Unsterblichkeit nnd alle Gaben des Steins der Weisen."

Ro-sei griff nach der Schale, doch ehe er sie fassen L>mrte,i streckten sich Tausende von Händen danach aus und geder tvurdei sie entrissen, che sie eines Durstigen Lippen genetzt.

So kreiste die Schale von Hand zu Hano, aller Begehrlichkeit entfesselnd, keinem Labe bringend.

Und so kreisten die Zeiten in rasendem Fluge.vorüber. Mittags-" sonne, Steruenschimmer und Mondschein, Frühlingsblühen, Sommerreisen, Herbsterltteu und W'interschlee. Schneller und schneller kreiste die Schale, schneller nnd schneller folgten sich Morgen, Mittag, Abend mld Nachts Keimen Blühen, Reifen, Welken mkd Vergehen. Da griff Ro-sei nochmals nach der Schale. Sie entglitt seiner Hand und ftel zerbrochen zu Boden. Das Licht erbosch. Tie gleißende Pracht versank, Kälte und Dunkel umgab ihn. Er seufzte tief aus und erwachte. Langsam öffnete! er die Äugest und fand sich auf dem Kissen in der verlassenen Herberge liegend. Glanz und Macht waren oahin, die sünzig Jahre seiner Herrschaft der kurze Draum einer Stunde, während im Topfe der Hirsebrei

dampft." (Buddhist, Bibeltext). Ist tiefes Sinnen versunken, sah Ro-sei da und ward sich bewußt, daß alles Leben das Gleiche lehrte In der Todesstunde zerrinnt des längsten Lebens Glück und Genuß gleich einem Traum in nichts. Ist nichts zerrinnt des Herrschers Macht und Größe, in des Helden Ruhm, des Ehrgeizigen Streben, des Reichen Besitz, des Armen Kummer, Sorge und Nott Eitel und vergänglich ist alles in dieser unsteten Welt. KantanA Kissen hatte ihnr im Traum geofscnbart, daß das ganze Leben nur ein Traum ist. Ro-sei lenkte seine Schritte heimwärts. Er hatw die Lehre des wahren Geistes erfaßt und brauchte die Weisungsest des fronkmen Einsiedlers aus Bern Berge Jo-chi nicht mehr.

Büchertisch.

Major Massons Geheime Memoiren über Rußland. Nenbearbertung von Friedrich M. Kircheisen. Umschlag- nnd Einbandzeichnung von Karl Arnold. Geheftet vier Mark, gebuirderr 6 Mark. Verlag von Albert Langen in Mün­chen. Das vorliegende Merk hätte zu keinem günstigeren Zeit- Punkt in Teutschland erscheinen können, als gerade jetzt. Masjlon schildert mit unerbitterlickM Schärfe, aber dennoch mit sympathisches Unparteilichkeit, soviel Gutes ihnr auch von Katharina, soviel! Böses ihm von Paul rviderftrhr. Seine Memoiren nehmen unter anderen Büchern dieser Art einen hervorragenden Platz ebt; sie sind das Werk eines klugen und unbefangenen, politisch wie drplvl mattsch geschulten Offiziers, der noch dazu ein sehr begabter Schrift­steller war, und sie enthalten, interessant genug festzustellen, die vorurteilslose Meinung des kultivierten Franzosen über das kaum! zu Europa gerechnete Rußland, die vor über einem Jahrhundert vernichtender sein durfte, als nttrn sie heute in Paris mrsMspvechsE wagt.

Ernst Ludwig Zwingenberg. Die.Episoden seiner Kindheit. .Roman von Philipp Krämer. Berlin 1917. Für che--- Verlag. Geheftet 2,80., gebuwsHw 4 Mk. In das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, in jene Zeit kraftvollen Auf­blühens fröhlicher Kräfte und neuen Werdens in Teutschland, führt der Roman; die Kindheit der jetzigen Generation wird lebendig mch wirkt machtvoll auf den Leser. Von den zartesten Klängen süßesten Empfindens bis zu den kräftigen Tönen gesundester Mrklichkeits- freude durchläuft die Sprach- und Schildernngskämst des Verfassers die ganze Folge künstlerischer Mittel. Hier ist kein weichliches! Aesthentum, hier ist Leben, Freude, Natürlichkeit. Das Werk ist das Vorspiel einer Reihe von Bänderr, die die Geschichte des deutschen Geschlechtes von 1890 darstellen sollen.

Flemmings Karte der Schiffs Versenkungen unserer U-Boote, heraNsgsgeben von Prof. Tr. Kettlec, die soeben erschien (Preis 1,50 Mark, Verlag von Carl Flem- ming, A.-G. Berlin W 50), bildet den heute sehr zeitgenräßen Versuch einer kartographischen Znsainnrenfassnng des Gesamt­bildes der polrttschen und rnilitärischen angenÄnklichM Lage des Weltkrieges. Sie gibt auf Grund amtlichen Väaterials die Lage und Zahl der Versenkungen an, die Seegefechte, die See-Sperr­gebiete in ihrer neuen und so sehr gesteigerten Ausdehuurrg, sowie die Sttvatengrenzen vor Kriegsarrsbruch und ihnen gegenüber die heutigen Froutlinien derLcmdheere.

Schach-Ausgabe.

Von I. Jespersen tu Svendborg.

»deLvk «xd

d o ä « i g h

Weiß

Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt, Auflösung in nächster Nummer.

Austöstmg der Geheimschrift in voriger Nummert Kommt Zeit, kommt Rat.

(Schlüssel; Komma, Katze, Eimer, Arzt, Mozart, Kairo).

Schrrstleitung°. W. ststeyer. ZivillingSrunddruck der Brühl'schsn llniv.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.