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„Min," sagte sie und stuckte plötzlich auf. .
„Sein Gelo ijt weg, das deine ist es und _ das dreier anderer auch... Der Zusammenbruch wird über Nacht kommen. Ich kann dir die Stünde sagen."
Ihre Augen wollten ihn verschlingen. „DU, — du bist
ein. . . Scheusal," flüsterte sie.
„Ich will mein Recht," sagte er kalt.
„Und dn, — du sprichst von — Reue, Verzeihung und..."
„Hast du jemals davon gesprochen?"
Sw wandte sich ab. „Geh, geh," befahl sie ihm drohend.
„Ja, ich gehe. Aber ehe ich es tue, befehle ich dir. über eines nachtzudenken: !vb du ein Recht hast, einen Menschen, der für dich gelitten hat, zu betrügen! ... Darüber denke nach! Und ich sage dir: das Unrecht, das du mir antnst, soll über dein Kind kommen! Hörst du? Ueber dein Kind!"
„Geh," ttef*fte stöhnend, „geh!"
Und plötzlich war es nacht um sie.
Als sie wieder zu sich kam, merkte sie, daß Lu au ihrer Seite war und sie am Arm zerrte.
Sie zog das Kind in ihre Arme und drückte es so heftig, daß es aufschrie.
„Lu," schluchtzte sie, „LU..."
Jäh erschrak sie zugleich und blickte auf, um zu sehen, ob er noch da sei.
Aber er war fort.
Da trug sie das Kind Mts die Ottomane und warf sich vor ihm nieder.
„Lu, Lu!" schrie sie laut und angstvoll.
23. Kapitel.
'Es war schon Abend geworden, die Uhr zeigte die achte Stunde an.
Reisner war in eine Bar getreten, und goß rasch hintereinander zwei, drei Kognaks hinunter. Die Hand zitterte ihm vor Nervosität. Er warf eine halb ausgerauchte Zigarette fort und zündete sich sogleich eine neue an. Dann zahlte er und warf die Tür hinter sich zu. „In die Tiergartenstraße!" herrschte er seinen Chauffeur an, der erschrocken ankurbelte.
Es war nun das dritte Mal, daß er bei Frau von Manisch vorzufahren gedachte Zweimal schon war er abgewiesen worden, ohne jede andere Begründung als die, daß die gnädige Frau krank sei
Der Wagest fuhr schnell dahin und näherte sich seinen: Ziel. Reisner klopfte das Herz, Ihm war, als gebe er sich eine Galgenfrist, während er jetzt den Chauffeur anwies, erst noch ein tvenig, etwa zehn Minuten, einige Umwege zu machen
Gott, warum war er doch so erregt? Fürchtete er, daß sie nein sagen könnte?
Er dachte den Gedanken nicht zu Ende, weil es einfach unmöglich war, daß sie ablehnte Er wiederholte sich alles, was er ihr zu sagen gedachte. Daß diese eine Sache, diese große, einzige und letzte, bombensicher war und viel, viel Geld bringen würde. Bringen mußte! Denn tat sie das nicht, dann —-
Nein, daran wollte er nicht denken, an diese Möglichkeit nicht! Aber sagen wollte er ihr schließlich, wenn nichts verfing, auch dies. Daß er dann verloren war, ruiniert, ein Bettler. Und daß dann auch sie soviel verlor, daß es sie furchtbar schwer treffen würde. Und daß doch alles das gar nicht nötig war. Daß sie nur noch eimnal ihre Unterschrift geben müsse, dieses letzte und entscheidende Mal. Und daß dann alles besser, gut, ganz gut würde!
Mit einem Ruck hielt der Wagen an. Reisner sah erschreckt auf.
Richtig, da war er ja Noch einmal erbebte er. Dann svrang er mit einem verzweifelten Ruck aus dem Wagen, lächelte verzerrt und trat rn das Haus.
Er läutete, er läutete einmal, zweimal, und das Mädchen kam und sah ihn impertinent an.
„Die gnädige Frau," sagte er hastig- „schnell!"
Sie zuckte mtt den Schubern.
Er stampfte mit der: Füßen „Ich muß sie sprechen! Unbedingt! Es ist sehr, sehr dringend r
Sie zuckte ein zweites Mal mtt den Schaltern und rostete seine Angst aus,
„Mo ist sie?"' schrie er sie au
„Ich bedauere," sagte sie und zog die Worte schadenfroh hin, „die gnädige Frau ist seit einer Stunde verreist."
„ „Sind Sie verrückt," brüllte er sie au, denn er war anher sich, „wohin verreist?"
^ Das Mädchen tat beleidigt. „Ich verbitte mir diesen Tion," sagte sie höhnisch „Im übrigen habe ich Ihnen zu sagen, daß die gnädige Frau Sie nicht mehr empfangen will. Mles Nähere würden sie rvoch erfahren."
„Was," murmelte er, „sie ist wirklich verreist?"
Das Mädchen nickte heftig. „Vor einer Stunde. Auf mehrere Wochen."
Er war leichenblaß geworden und versetzte ihr einen Stoß vor die Brust, so daß sie mit einem Aufschrei zurück- tamnelte und Hm den Weg freigab>.
Er drang in die Zimmer ein, in das erste, zweite, bis in. das letzte, ihr Schlafzimmer nickst ausgenommen, und überall stöberte er herum, sah unter die Möbel, riß dis Vorhänge zurück, schleuderte Sacher: zr: Boder:, — kurz, ge* bärdete sich wie toll.
Schließlich hielt er sich an eirrern Stuhl fest, da er ivanken wollte: die Wohrrung war vollkommen leer, niemand war da, sie hatte sie verlassen. . .
Plötzlich sah! er sich wieder dem entsetzten Mädchen gegermbch. Seine Stimme wurde weinerlich und flehend. Er gabtthr zwanzig Mark. „Ich bitte Sie," sagte er atemlos, „wo ist sie? Ist es wahr? Ich flehe Sie an, verschweigen Sie mir nicht die Wahrheit: ist sie wirklich verreist?"
Das Mädchen schwieg.
Da zo!g er erneut die Börse. „Säger: Sie es mir," flehte er, „wohin'?"
„Ich bedanre," höhnte das Mädchen und warf ihm die zwanzig Mark vor die Füße, „die gnädige Frau hat nichts gesagt. . . Und ich bitte Sie, verlassen Sie jetzt die Wohnung, sonst hole ich die Polizei!"
Das Wort traf'ihn hart, mitten ins Gesicht, wie ein Fanstschlag.
Atemlos wankte er zu feinem Wagen. Er stieg ein. „Irr meine Wohnung," befahl er schwache
Die Gedanken leisten angstvoll in ihm, und je mehr Mühe er sich gab-, sie zu ordnen, um so verwirrter wurde:: sie.
War das der Zusammenbruch?
Ja. ttitb das in einen: Moment, da er eine rettende^ feste Planke schon fast in feinen Händen gehalten hatte.
Nun war es vorbei. Endgültig. Denn morgen war der Tag, an dem er ihre Unterschrift vorzulegen hatte. Morgen und sonst nie mehr. Und er hatte sie nicht. Dieses elende Weib würde sich nicht mehr blicke:: lassen!
Eure grenzenlose W::t stieg in ihm empor, ein Haß, für den es keine Worte gab.
Was tat er ihr mit an? Was konnte er ihr anttm? Nichts. Er versank, versank mit den Seinen, und sie blieb oben. Und wenn sie ihn eimnal auf der Straße traf, dann blickte.sie verächtlich zur Seite. Was blieb er noch für sie? Ei:: entlassener Sträfling.
Er ballte die Fäuste, er schäumte.
Ach, es durste nicht sein! Er tvar kein Werkzeug, das man wegwarf. Es mußte etwas geben, das er ihr antun konnte, — es mußte!
Er sann und sann . . .
Werm ich morgen ftüh die Unterschrift nicht bringe, ist es aus, dachte er. Morgen früh, . . . wenn ich sie nicht bringe. . .
Wem: er sie aber doch brächte?!
Die Unterschrift!
Wenn auch! nicht die ihre, eine, irgeitt» eine, — eine Unterschrift, die nur ihren Namen trüge?!?
Wenn — — —?!
Der Gedanke hatte sich in sein Bewußtsein eingefchlichen, wie ein Dieb nachts in ein Zimmer emsckileicht: lautlos, geduckt, bereit, sofort bei dem geringsten Geräusch zu entweiche::.
Er wurde zornig und trieb ihn hinaus.
Fort mit dir, schrie er, fort, fort!
Doch der Gedanw kam wieder. Er war ebenso behende und flink, wie er scheu war, schwang sich in irgend ein Gebälk des Gehirns hinaus und grinste ihn von dieser sicherer: Stelle herab- an: höhnisch und doch zugleich lockend, Und sagte: Was immer geschahen mag, du triffst auch sie! Irgendwie triffst du sie, die dich verrate:: hat! Und ganz fallen kann sie dich auch nicht lasser:, rvenn sie es erfähÄ, den»


