Ausgabe 
9.1.1918
 
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litt» er begab sich Ln sein GchLaMmmer und riß sich die MeiLer vom Leib, um sich fiir die Trauung- urnzuzieyen. Sein Automobil es w-ar ein Luxusauto, denn er ver- fte jetzt selbst über Mei Wagen brachte ihn nach der rsion iru Westen, in der Lucie ihn erloartete.

Sie trug ein schickes, Helles Kleid, das für keine Fest­lichkeit gemacht tvar, nrtd einen duftigen Hut, wie ihrr eine Lunge Dame gern auffetzt, wenn sie Dinge vorhat, von denen (ie annimmt, daß sie leicht und amüsant sein werden.

Da bist du ja," sagte sie einfach und begriff nicht, daß er Eile hatte,nun, so fahren wir!"

Die geschraubt würdige Miene des StmrdesheLmtM erschien ihr sehr komisch, und es kostete sie Mühe, nicht zu lachen. Dafür lächelte sie. Mit diesem Lächeln glitt sie über die tveuigen Förmlichkeiten, die zu erfüllen waren, wie über etwas Nichtssagendes und Langweiliges hinweg.

Bevor sie auf die Straße Hinaustralen, küßte sie ihren Mann und sagte bloß:Nun also?"

Draußen beratschlagten sie, was zu tun wäre.

Fahren wir denn?" fragte er.

Sie schüttelte den Kopf.Erft essen wir zu Mittag, ganz ungezrvungeü, - irgendwo. . . Und dann zeigst du mir deine Fabrik!"

Sie rvählten aufs Gerade,v-ohl ein Restaurant unter den Linden. Der Wagen flitzte durch die Straße, tutend und manche Pfütze durchfahrend, so daß das Wasser zischend auf* spritzte, denn es hatte kurz zuvor geregnet.

Wie luftig," sagte Lucie und blinzelte nach der Sonne hinauf, die wieder warm und freundlich lachte.

Sie fand es auch sehr amüsant, am Hochzeitstag im Restaurant zu speisen, wo andere ebenso langweilige wie Üppige Gastmähler gaben.

Es schmeckte ihr ausgezeichnet, und als sie in der süßen Speise heruurstocherte, erfaßte sie eine tolle Luftigkeit, die sich mit einem lauten Lachen befreite, so daß mehrere Gäste, die verdrossen oder sachlich bei ihrem Diner saßen, sich in­digniert n > ihr um sahen.

Noch nie war ich so ausgelassen wie heute," sagte sie, und stieß ihn an,aber du, du scheinst elegisch!"

Er dachte tm gleichen Augenblick an den Brief, den er am Morgen erhalten hatte, und auch der Gedanke an Gut »eit war ihm gekommen, lote dieser verspielte Mann am Haken m seiner Kammer hing,' und so straffte er sich, lächelte gequält und antwortete:Verzeih, ich war abwesend!"

Abwesend? Heute?" *

Ja, gerade heute," antwortete er und bestellte Sekt, um es auf diese Welse zu verfftchen, heiler zu werden.

Sie ahnte, was ihn bedrückte, und nahm zärtlich seine Hand, um ihn zuversichtlich zu machen.

Ihre Heiterkeit war leis und mild geworden und ging allmählich auch auf ihr: über. Mit einer Handbewegung strich er alles Quälende von sich ab. Er stieß mit ihr an, leerte das Glas bis auf den Grund, um es sogleich von neuern zu füllen imd anszutrinken.

Das schien ihm frische Lebenslust einzublasen, und er war mit einem Mal wie umgewandelt. Er sprach schnell auf sie ein, sich an seinen eigenen Worten erhitzend, und erb zählte ihr von den Fortschritten, die die Fabrikation und der Umsatz in seinem neuen Betrieb machte.

Schon merkte mau den Erfolg. Die Reklame arbeitete mit allen: nötigen Tam-Tam. Ein neuer Betriebsleiter war eingestellt worden, der durchaus dem entsprach, was Reisner sich von ihm versprochen hatte. Auch er selbst hatte sich schnell m die neue Materie eingearbeitet, die er jetzt schon fast völlig beherrschte.

In das Unternehmen war ein neuer Zug gekommen. Die Motvre, die man bisher hergestellt hatte, waren gut ge­wesen, man hatte es aber nicht verstanden, sie bekannt zu Machen, auf jene weithin tönende Art, die die Zeit von heute nun einmal verlangt.

Dem war abgeholfen worden. Die Reklame, die er machte, war geschickt, eindrucksvoll und war vor allem ins jene Massenhafte gesteigert, das allein den Erfolg verbürgt. Ein ganzes Heer von Agenten war bemüht, sie zu untere stützen, so daß die Fabrik schon heute voll beschäftigt war und man viele neue Arbeiter hatte einstellen können.

Ich will die Fabrik sehen," sagte Lucie interessiert,du mußt mich hinfahren, sogleich!"

Seine Leidenschaftlichkeit, die viel Gezwungenes gehabt hatte, ging in jene Wärme Über, die ihrer Sache sicher ist. Ihr Interesse machte ihn sehr glücklich. Er berichtete ihr von

dem großen Vermögen, welches der Betrieb der Fabrik und die Reklame verschlangen, das sie jedoch beide schließlich wie­der hergeben mutzten, mit hohen Zinsen, die der Gewinn waren.

Bist du so reich?" fragte sie betroffen.

'Fortsetzung folgt.)

Sein erster Kall.

Mir Alfred Bratt-

Der junge Rechtsanwalt Beimett saß in seinem Bureau im zehnt«: Stock des Hauses Nr. kW tn Clarkstreet, Nenyork, und wartete etwas nervös auf den MrKmblick, ln dem die Klinstzl der Flurtür m&im würde.

Brünett war ein ganz neugebackener ReMsMwalt; der Tag, von dem die Rede ist, war der erste seiner Praxis. MH **} wartete auf den Besuch des kfaimteu Großindustriellen und Millionärs Smitfsu.

Tie Uhr Mus elf. Die Klvrgel chrillte. Bsrnetr öffnete selbst mch ließ den gewaltigen Smitftn mit einer respMwklm Ver­beugung ein.

Herr Smitson setzte sich zjUrdeto eine dicke Zigarre an. ließ eweit ßlMllen, aber aufurerffarnen Blick durch das kleine, höchst einfach eingerichtete ^Bureau streifen und sagte:Herr Bmnett. ich weih nicht, ob Sie ein guter oder schlechter Reckstsanjwalt sind. Menrand kann das wissen, da Sie ja Ihren ersteix Fall noch nicht hinter sich haben. Sie schrieben,mir offen, daß sie sich soeben erst niedergelassen hätten, daß Sie mich bäten, Il-neu Rvchtsangelegenheiten meiner Firnm zu übertragen und daß Sie mir zu diesem Zweck Ihr Wunen an dem ersten Fall beweisen r«vll- Lerr, der Ihnen unterkäine. Nenyork hat 12000 Rechtsanwälte, Herr Ben neck, und kein Geschäftsmann wird sich au einen Anwalt wettden, der ein nnbeWiebenes.Blatt ist loie Sie. Ihr Brief war also klug in der Form und getvissermatzen der vernünftigste erste Schritt, den Sie mrtermhnmr konnren. Er war außerdem ori­ginell. Ich liebe Originalität. Ich Komme darum, ryie ich Jh»rm telephonisch erraibem ließ, hLer.vorbei, um Ihnen zu sagen.: falls

übertragen."

er

Ich danke Ihnen, Herr Sntttton," erwiderte Bennett, indem sich ein zweites Äcal v-MMgte.Sie «eben mir das, waK rmr Me

zu erbringen. Nur . . der Zufall läßt sich nicht regier«:; wep weiß, wann er dein in ben weittstsr Kreisen mibMmrten AnwM Benneck den erster: Fall bringt?"

Merdftigs," erwiderte Snntson,aber da läßt sich nichts anderes machen, als Mvarten..."

Er brach» ab, denn die MnMl der Eftrgangstüre ertönte fchM

. und aufgeregt.

Verzeihung," nmrw^t-e Bamrett,. und er ging öffnen.

Herein stürzte ein junger Mmm von ungefähr 17 Jahre».

Er hacke einer: hochroten Kopf, es zuckte beständig irr seinem Gesicht, sein Atem ging geräuschvolt und hastig. Nrrrntzig blickt« er von Bruuett zu Sntttsvn, von Snritsm: p, Bermett, wähverÄ er keuchLnd fragte:Sind Sie der Herr Rsästsanwalt?" . . .

Beinwtt nahm würdevoll in dem eirrzigen ho-rharch-etm: Lehr:- stuhl Platz, wies auf ehr StüMchm rnit RohrgsKectst and nickte: Bitte Sie wünschet?"

Der junge Wmn ließ sich erschöpft auf den Stuhl falls: und wischte sich der: Schweiß vor: der Stirn.Mein .Herr, ich Annme in einer verzweifelten Anselvzeirheit! Brün Himnrel. ich flehe Sie um Ihre Hilft an! Retten Sie mich» ich LesHvöre Sie!"

Worum handelt es sich?"

Ich bin kein Verbrecher, mm Herr» glauben Sie mir das. Ich war nur leichtsinnig, aber ich büße .es schnwr. Ich Wr. seit .einen: halben Jahr, seit ich dis Schule verließ, m her' Midtaud-Bank, Zentralabteilnua, angefbllt. Ich min . . ich habe Geld grMmmerr. Mer rächt einfach gestohl«:, Herr Rechtsanwalt! Oh nein. Ich. . . ich habe eilte Braut, Herr Rechtsamvalt, ein junges Mädchen. . . Sie »verden verstehe»:. Man nwcht UnsflügÄ, man besorgt Ueme Geschenke, einen. Ring... o, ganz billig . . . aber iirmrerhm. Ich habe teßlkf! Hnndert-- dimftnde vm Schemen in Pakete zu schichten und chlMtra-W., Eirnnal war ich in arger Verlöger:heit und »rahm einen ö-Lollar- Schem. Ich borgte ihr: mrr ans, denn von meinem WM'nsnloW wvkte ich ihn. znrücßc'rstatten. Aber dam: Kappte es nicht. Nächste Woche nahm ich noch einen Schein; wie das so geht, mmn oft Verführung groß ist. So ging es iveiter. Niemand merlte ckivas. An eine Revision dachte W;i nicht. R»m »mrvde soeben im Bureau mit­geteilt, daß heirte »rachmittag um 3 Uhr die Halbjahrsrevision, stattfindet. Man wird.alles entdecken, und dann bin ich veriorm-. Ich sagt«' daß mir Weckst »väre, und das ist auch die Wahrheit ich lief auf die Straße und suchte nach dein »rärhisteU Recksts» antvaltschild. Es »var das Ihre, mein Herr. Oh. helfen Sie nrir! Rette»: Sie mich! Es war LeftWinn. Wenn ich diesnml davo» l lamme, werde ich es nie, nimtfflj wieder trxr!" ....

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