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Herr von Webenau.wich dem harten, fast drohenden Blick, der ihn traf, erschreckt aus. „Gewiß," pflichtete er, ohne es im Grunde zu wollen, bei, „warum nicht?"
Sie lösten das Boot von der Kette und sprangen hinein Reisner nahm die Ruder, Herr von Webenau setzte sich an das<Steuer. Mit wenigen kräftigen Schlägen brachte Reisner das Boot vom Ufer weg. „Es war einmal mein Ehrgeiz, gut zu rudern," sagte er, „urrd ich. glaube, ich habe es noch nicht verlernt."
Er legte in scharfem, aber gleichmäßigem Tempo los und hatte nach wenigen Minuten die Mitte des Sees erreicht. Hier ließ er die Ruder plötzlich fahren und reckte, gleichsam seine Kräfte prüfend, die Arme. „Eigentlich bin ich nicht zu meinem Vergnügen mit Ihnen da herausgerudert," wandte er sich an seinen Partner. „Im Ggenteil, ich hatte eine ganz bestimmte Absicht. Sie sollen mir Rede und Antwort stehen . . . Können Sie schwimmen?"
„Nein," antwortete Herr von Webenau verdutzt, „warum?"
„Weil, . . . das will ich. Ihnen später sagen. Jetzt hätte ul) einige Fragen an Sie. Wollen Sie sie mir beantworten?"
In das Gesicht Webenaus kam eine leichte Röte. Man sah es ihm an, daß er sehr wohl spürte, wieviel er fkfy vergab, indem er auf eine Unterhaltung dieser Art überhaupt einging. Aber irgendein dumpfer Zwang trieb ihn. Und so er* Aderte er m dem imscheren Ton eines überraschten Menschen.- „Das kommt auf die Fragen an, die Sie an mich stellen werden."
Reisner lächelte und sah den anderen bissig an. „Meine Frage ist delikat," sagte er, „und ich würde es begreifen, wenn
es ablehnen sollten, sie zu beantworten. Ich würde es begreifen, m — aber ich würde es nicht dulden!"
„Sie würden es nicht dulden?" fragte Herr von Webenau bestürzt. „Was könnten Sie tun?"
Reisner setzte eine Zigarette in Brand. „Ich würde Sie, wenn Sie sich weigern, mir zu antworten, ins Wasser werfen, versetzte er voll Gleichmut.
Lebenau machte eine jähe Bewegung, so hes ng, daß das schmale Boot ms Schwanken kam. „Herr —!"
"beruhigen Sie sich," sagte Reisner, „sonst ertrinken» Sie e.he ich erfahren habe, was ich unbedingt von Jhiien wissen muß! Er sog an seiner Zigarette, stieß den Rauch
int E & ^i et • bie Ölende Spitze. „Sagten Sie nichts daß Sie nicht schwimmen könnten?" sl
„Sie sind unverschämt ..."
"Sie waren Offizier?" fragte Reisner scharf
„Dann warne ich Sic! Ich bin doppelt so stark als Sie "boen K Leichtes. Sie zu ohrfeigen'ohne daß ich
geben könnte, denn ich bin Ä siwnsfahig, uh habe wegen versuchten Totschlages- verbüßt!" Reisner machte eine
<m *frittei?®egn«r n ^ ^ tIar? " tD ' nnbtc er ironisch
,ms WÄenan war leichenblaß geworden. .La, .
wch^)"fordere See deshalb auf, mich sofort an Änd zu
. ^oisner packte mit beiden Händen fest die Ritder Nickt
»"* schlichtet tiTÄ „Was wollen Sie von mir?"
Ausfimstst "" ^«»wörtliches Versprechen " oab seiner Stimme einen scharf drohenden Ton
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Herr von Webenau zitterte anr ganzen Körper und ans
ferner Stirn perlten Tropfen. „Mit welchem Recht--?"
fnrSovrT - Ü A 4 l - lt öll nächst nichts zur Sache! Klipv und klar forderlich Sie aus, nur meine Frage zu beantworten!"
„Ich weigere mich!"
„Vielleicht," gab Reisüer kühl zu, „und deshalb rate Lch Ihnen, muh nicht zu reizen!"
„Meine Absichten sind ehrliche," sagte da Herr von Webenau tonlos, „es ist mein Wunsch, Frau Lucie BlÜmner zu memer Frau zu machen."
... -So?" Reisner grinste. „Der Fall, Verehrtester, liegt
sur Sie um so schlimmer, wenn Sie das wollen. Ich werde das nicht zugeben."
„Was geht Sie es an?" In der Frage lag mehr Er- stauntsem als Empörung.
Da wurde Reisner mit emtm Male ganz ruhig. Er sah den anderen ernst au. Er sagte: „Wollen Sie mir versprechen, auf m-ch zu hören, wenn ich Ihnen das erkläre?" Er macht« eine Panse, wie um das Maß des Widerstandes zu ergründen, das dieser gut erzogene, aber urierfahrene und narve lunge Mann aufbringen könne. „Ich schicke dabei vor- aus, daß ich nicht Ihr Böses will, freilich ebensowenig Ihr Gutes, da Sie mir natürlich vollständig gleichgültig sind, — M handle vielmehr im Interesse eines Dritten! . . . Sind Sw geneigt, mich anzuhören?"
„Reden Sie!" sagte der andere heiser.
Reisner trieb mit einigen Ruderschlägen das Boot noch Wetter auf den See hinaus. Dann entledigte er sich seines Rockes und tauchte beide Hände in das Wasser, denn die Sonnenstrahlen trafen glühend auf den blauen Wasserspiegel nieder, den kein Lufthauch wellte.
. . '/Hören Sie, junger Mann," wandte sich Reisner ohne rede Scharfe wieder an seinen Partner, „waren Sie der Meinung, daß es nur Spaß war, als ich Ihnen vorhin damit drohte. Sie ms Wasser zu werfen?"
„Sw würden sch- sehr gehütet haben, das zu tun," antwortete Herr von Webenau finster.
„Warum?"
„Weil Sie als ein Gebrannter wohl Angst gehabt hätten, noch emmal ms Zuchthaus zu kommen," stieß jener hervor.
"rr faßte Reisner, „Darin haben Sie recht. Nur
vergessen Sre das eine: niemand würde in unserem Falte geglaubt haben, daß Sie einein Verbrechen zum Opfer ae- haben!'' i, iebermann wüvi>e ,altl «men Unfall geglaubt Herr von Webenau schmieg.
Reisner sah ausdruckslos vor sich hin ins Leere. „Sie ahnen nicht, junger Manu, wie häufig sich solche Unglücks- falle ereignen, ^ch selbst weiß von einem, der — es sind viel mehr als zwei Jahre her — ans der Hamburger Außenalfter passiert ist." ö
Jf r fa^bn völlig apathisch und fernen Erinnerungen hin- gegeben. „Es war damals ein Tag wie dieser. Zwei Männer ruderten in einem Boot. Mitterr auf dem Wasser
sie in einen Streit. Und wissen Sie, was der Grund rhre^» Streites war? Ein Weid! Der eine von den beiden dres^ Weibes - gewiß, kein Mann, der: Sympathien verdiente, denn er mißhandelte die Frau, die Immerhin, er büßte an diesen- Tage jcyw^., beim, was glauben Sre, was geschah?"
. In dreier Frage lag ein stummer Schmerz, vor den: der lunge Mann rm ^nrrersten erbebte. Scheu und verstohlen
Si^Ä^? ^ einom W er sich da
„Der Gatte jener Fraw, um die der Streit entbrannt Iva,., ertrank, ertrank vor den Augen dessen, der ihn ans dein Boot rns Wasser geschlchtdA-t hatte," ergänzte Re-Swer in entern Done, der etwas Feierliches hatte^ Und wer, glauben Sie, ,var der Mörders "
mÄL-, °"bevv," sagte Herr von Webenan w»er° wrllrg und m,t vor Spannung angehaltenen- Atem.
„falsch! Die Frau!"
„Die Frau —?"
..erstaunt?" Reisner machte eine zornige Ge- ^^A.nrcht, wenn Sie älter wären und sich Ach/ von ernem Schjern bl enden ließen, der immer triiat* ^^fasfan Sre von den Frauen? Sie glauben denr Gesicht das Sre anlachelt, Werl Sie jung und hübsch sind, und das Oie verraten wird, wenn Sie nicht blindlings Das tun, wuv es will. Sre sehen m der Liebe noch ein Spiel, wo sie voch ein Kamps rst, ein Kampf, in denr der Mann unter- lregen muß, »veil er der Arglosere ist. Denn nur Lumven und Zynrker beherrsche die Frauen ^nipin.
;r f lt3 & r ^ r> mit Aermel seines Hemdes über die be-


