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ich dieses Ziel eines Tages sehen worbe. Darm will ich rS Ihnen zeigeiu" . ., ^ , . . ,,
„Ich werde warten," sagte sie. „Und rch altmbe, daß ich nicht lange werde warten müssen. Der Weg, den Sie gehen, führt in die Unendlichkeit, wie alle Wege, die wir machen... Aber der Ihre ist beschwerlich. Sie werden bald müde fern.
„Und dann . . . dann wollen Sie mich aufnehrnen . . . Und mich bei Ihnen ruhen lassen?"
„Ja."
Er nahm ihre beiden Hände und küßte sie dankbckr: „Gut, wir wollen warten."
Er führte sie selbst hinaus, bis hinunter in den Garten. Vr sah ihr rwch, bis sie verschvund. Dann kehrte er irrS Haus zurück.
„ Prokop!" rief er erregt und freudig. „Packen! Packen! Wir muss er: reisen! Wir müssen fliehen!"
Er nahm die Papiere, die sie bei ihm zurückgelassen hatte, wog sie in den Händen und dachte: Es wäre unlogisch, wenn ich ihr gegenüber bereiten wiirde, es wäre ein Verrat an meinem Grundsatz. Sie erwartet es auch nicht. Denn sie kennt jetzt meinen Weg.
Er rief seinen Diener. „Prokop," sagte er, rasch die Adresse der Frau von Mansch, auf das Paket schreibend, „die gnädige Frau hat dieses hier vergesse::. Bringen Sie es zur Post."
meinen Abschiedsgrnß," ergänzte er in Gedanken.
(Fortsetzung folgt.)
herbjtnacht.
Non Alexander Büttner. •
(Nachdruck verboten.)
Es war spat in der Nacht. Ich sag bei der Lampe in meinem Stübchen. T-vaußen .blinkte bisweilen ein herb,tliches Leuchen von fernen Metern auf, und kalter Nachtw-rnd fegte durch vre Straße, rüttelte an memem Fettster. Für Augenblicke smndan. Hauser und Bäume im Lich, mrd helle Wege traten hervor. Tann wieder lvar alles von Nacht umfangen, dunkler als zuvor.
Bücher und Zeitschriften lagen vor mir aus dem Tisch In dem und jenem, blätterte ich ohne recht bei der Sach zu sein..
Es lvar m mei anderes, was mich beschäftigte: mievre junge Weis» Ijcit, und, daß ich immer t>on allem geglaujbt, es sei im Guten. Tenn ich selbst ivollte es in: guten haoen. Und die großen Weltfragen, die. heute jede lebendige Seele duvchwühlien. Das Woher und loohin.
Und dann das Verlangen rrach Liebe. Nach der großen Gemeinschaft, daß man vermeint, einander zu .tonen und ganz zu verstehen «und ist sich dann dock) so fremd. . . .
Alles das ging stark in mir um. Ich mußte ans Fenster treten und die Stirn gegen die kühlenden Scheiben pressen. Das tat unendlich wohl. I
Lange stand ick- so und cs Überkam mich ein Sehnen nach einem stAlverträuntten Winkel. Im Träumen sah ich ein Fleckchen
Erde-irgendwann hatte ich da mein höchstes Glück gefunden.
Durch sie, die mich mm verlassen hatte.
Das war's, ,vas mir nicht tu den Sirrn wollte. Ganz un* möglich schien es mir, aber ihr Brief knitterte mir in der Tasche, der mir il-r Lebewohl für immer gebracht. Warum? Hatte sie einen «uderen, Besseren gesunde::? —- Ich wußte es nicht, nur, daß ich unglücklich war, ein armer, elender Mensch, das fühlte ich
Ta riß es inich mit einem Male herum: Daß ich fort utufefc, ob ich wollte oder nickt, H-inaars, in die winiddurchwelste Herbst? nacht. Und wie ich aus dein Haus trat, in Regen, und Finsternis, da war mir sonderlich zu Mule. Ms fühlte ich das Leben, das unser aller Zuflucht und Heimat sein müsse, den Quell, aus den: wir geflossen, den Willen, der uns gewollt, die Liebe, die uns um* sa-aen, das große Sein, in dein unser winziges Wesen aufgehen müsse.
Freier fioimtcjidj atmen, und eine unsagbare Wvhligkeit über* kam mich. Und rch schritt die dunklen Häirserreihen entlang.. Durch die schlastmden Straßen, an flackernden 'Aackerirerrslämmck-en vorbei, dem freien Felde zu. Leiser, feiner Sprühregen iorrbelte mir ins Gesicht, daß ch nrich tief in meinen Mantel hüllte.
Ohne Gedanken, ohne Ziel lief ch die Landstraße weiter, die mitten durch die Ackerlächer zieht. Und ließ die dunkle Nacht hinter mir. Men Schmerz, alle Erdenschwere vergessend.
Ta drang ein summender Ton an mein Ohr. Neben und über mir sang im Nachtlvind ein Draht. Das klarrg so schwermittig, wie unter Sckiiluchzen und Weiner:. Er sang das nimmer ruhende, lntnnner ersterbende Lied von dem heiße,:, tiefe,: Leide der ringenden Menschheit . . . Uard vor: den Bäumen zur Lirrken tropfte es langsam rurd Heise toie Tränen.
Ms ch im^ Frühlmg zuweilen hier mit ihr gintf, die ersten Amseln abzrkhorchen, da .meinte ch, sie sangen ein Lied von Frühlingslust und Soinmerfrenden. Mer sie l-aben gelogen. Man sollte auf nichts mehr iur Herzen bauen, an nichts mehr glaub«:. —
Die drei Könige.
Von Karlernst Knatz.
^Nachdruck verboten.)
Drei Könige zogen aus Morgenland lUeber Berge, durch, Flüsse und Steppen:
Der Stern zu ihren Häupten stand,
Kaum mochten die Flitze sie schleppen. lA.uf einsamem Hügel drei Palmen hoch Ragten wie segnende Priester.
Ein riesiger Wokkenvogel flog Schwer über den Himmel und düster Ward rings die Erde. Der sieghafte Stern, Der sie führte zun: neugebornen Herrn, Ertrank im Dunkel. Meich irrend«: Blichen, denen der Stab entzwei Gebrochen so im pertvirrenden,
Pfadlos«: Fühlen stockte,: die drei.
Sprach Kaspar und'hob ein blutrostiges Schlvert Z-n den Himmel gläubig ge,: Westen:
„Von dannen ick, komme, für Weib und Herd Im Kanckfe sinken die Bestien.
Es peitscht der Heimat Felsen und Felo Des Krieges .unmenschliche Rute.
Des Mordes verzückter Wahnsinn gellt Wie Geiergekreisch. Im Blute Schwelgt gräUich die Flur. Der Rotier beraubt, Vor Leich«: die Rosst bäumen,
Unb Angst um der Väter geliebtes Haupt
Grr-iwi'irrrt i'M’r 6*tVtSpr D^ÄMIveN.
Ich aber sah den verheißende:: L)tern! Und wenn ich, ihn finden werde.
So hoff' ick vom neugeborenen Herrn Den Frieden, den Frieden der Erde!"
Schwarz stand die Wolke. Gleich irrenden Blinde,:, denen der Stab entUve: Gebrochen, so im verwirrende.::,
Psadlosen Fühlen harrten die drei.
Und grübelnd im Geiste sprach, Melchior? „Ich ringe nach höheren: Ziele,
Und an der Erkenntnis verschlossenem Tor Versucht' ich der SchLüssel so viele.
Tat iiber beschriebenes Pergament Mein Haupt zermartert beugen Und fvckchte, ivarum tvir ohn' End'
In: ewigen Eislauf zeugen,
Warum die Soitrce im Westen surrt,
Warum wir sterben müssen.
Warum sich! Mann und Weck umschlmgt,
Warun, wir das Letzte nicht wisse::.
Doch! da ich schaute den mankemben Stern, Verließ ich, Gute mck Böse,
Vertrauend dein neugelorenei: Herrn,
Daß das Rätsel der Welt er löse."
Schwarz stund die Wolke, gleich irrend«: Blinden, denen der Stab entzroei G-e^rochen, so in: verwirreicken,
Pfadlosen Fühlen harrten die drei.
Die jungen Lhugen hob Balthasar Zun: .Himmel nachtnmifangen:
„Ich schaute den Stern, da ich einsam !var. Und bin ihn: nachgegangen.
Mir :oar, als ob durch, bahnlosen Rann: Ein«: Weg meine Füße fänden, ^
Ms hielt ich des Aternes goldenen Saum In binden stbnsi'ichtigen Hckckcn^!
U:ü> wie ein Kind an der Mutter Hand Trostvvll die Nacht durchschreitet.
So weiß ich ist mir im ferne,: Land Ein köstliches Wunder bereitet. t _
So fühl' ick- dort dvobe,: den himntlischen Ster» Durch Herz und Seele brenne,:!
Doch ivas zu dem neugeborene,: Herrn Mich reißt, nicht ivag' ich's zu nennen!"
Da, durch der jäh sich teile,:den Wolke schatte,cke Lider,
Strahlte der Stern auf die Eilende»
Wie eü: lielrendes Auge nieder.


