Ausgabe 
5.11.1917
 
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Er öXlcO eher einem geharnisckLen ein jdtrrtt Rieiöer, der mit flinke tu--, dem Spee» m dw Reihen der Geg»rer stnrntte. Tee fötie# n>nt für ouj<x nichts als eint beranfchkilioesl Spiel aller Kräfte, das hin-. reißen und beseligen mußte.

Grs-üm-ama hielt ihr, fokuige cs anging, jeden Gedanken der Feindseligkeit und des Hasses fern. Sie iv«ar heiinlüh s>o dankbar dafür, daß Sonjas bereister nngsfähiges! Herz an ihr, der alten, einsamen Fnrn hing. Sie sammelte 'ttfjeuf iinS glücklich jeden iwd> so unbedeutenden Zug, der Verbindungen knüpfen mochte, an ihr Kind gemahnend, das sein. Leben verlor, als dies kleine Wesen zum Lcbon drängte.

Wenn Sonja neben, ihrem Stahl ans (Dem großgeblümten, dicken Teppich ihre verträum um SpiÄle spielte, mit dein Wben, per» sorrnenen intd tveicheir Ausdruck, deit sie hadert formte, jo glaubte sie manchmal ihr eigenes Kn cd $u sehen. Sie erzählte Sonja von ihrer Mutter, halte die vielen, längit. vergilbterr Bilder hervor, die Sonja mit tmfiKriffelten Ajulgen. betrachtete, oder ein seidenes Band, das die Mutter als Mädchen getragen, oder aitd> die unheimliche, vornehm g-c'^leidete Puppe mit den langen schvttvzat Zöpfen und den hvchlwi'nvpfteit Siieselchen, mit der Mutter Lesvielt hatte. Eine warnte Welle dnrckLchvß Sonja dann jedesmal, und mittinter ein jäher, beinahe nntt Micher Schmers Sie schüttelte die kurz- geschnittenen Hoorsträhnen, die ihr bleich geivorderres Kindcrgesicht nmg-alen, preßte die Lippen zusammen und tim schlang die Groß-, mama mit den leidenschgsl lickten Äermchen, halb stürmisch, hcrlb anch ein rvenig HÜffoZ und Pehend.

Ich Hab' dich lieb," sagte sie und suchte nach einer unge­heuren Beiräftjgllng,ja, Größt, so lieb wie wie Vater?"

*

Tann kam der Tag, wo Sonja zur Schule gebracht wurde und strahlend zwischen lauter blonden KarneradmiMr fast, für die sie in der Folge umschichtig eine große Zärtlichkeit erfaßte. Von da an begann sich in ihr der Bch^riff der ^Gemeinschaft, zn -bilden! und die Freude am.nnbedinglen Zusammenl>rlt, wie sie Kindern! im Blute liegt. Fast unmittelbar gleichzeitig brach in ihrem engen. Idee ki kreis der größere, der Volksgedanle, an. Es lag nahe, da st sie, nun sie sich unter Derrtschm -fand, von dem Strom erfaßt wurde, der Teulsck-lands Größe als dem Ziel allen Wiklens zuftrömle. Die Kinder rist er nicht minder fort als die Grasten. Tie kleine Sonja MlckKte imd jubelte mit den anderen; sie sangen deutsche Lieder, sie beteten für den deutschen. Sieg? Uktd Sonja fühlte dies Vater-. Krad, von oem sie alle sprachen, wie eine wunderbare, beruhigende Macht sie tun schließen, der malt sich bedingknrgslos vertrauend über­läßt.

Grosti." sagte sie eines Tages, cnitteit inr Buchstabieren unter- br eckend,Gwßi, Iva rum l-ast du mir nie vom Vaterland erzählt?" Und ohne eine Antwort abz-nn-arten, plötzlich von der Frage ange- fastt:Größt. Mamas Vaterland »bar dock- auch Teilt sch lau d ? ^lber Grosti" ik-re Augen wurden starr, Nne lichtloswarum ging sie nach Rußland? Ta lMte sie ja Pein Vaterland inehr!"

Großmama strich ihr über den dunklen Kopf. Ihre Stimme zitterte ein wenig:Die hatte Papa so lieb, lveißt du, baß sie mit ihm glchm m-ußte!" Soilja ckiekte ganz ernsthaft.Und darum hätte sie eben dann in Rußland eine 'neue Heimat?"

Tief-cuts seufzte Sonja:Gott sei Tanch" sagte sie nachdenklich und schtt'ppeud.Ta beZa.n sie dock) wenigstens lvieder eine. Aber Größt, meinst du nicht, Teutschländ ist doch das schönste Vater­land?^ .. ..

Tie Geschichte, daß eine M Stände rin mtter ihnen sitze, sprach sich langsanl wie ein uusa-uberes kleines Geheimnis ttr dar Klasse herum. Tie Kinder tuschelten imtcfetminber, wandten sich auch wob! voir ihr ab. Aber die meisten '.zeigten einen sonderbaren, reifen Takt dem aeinen fremden Eindringling gegeirnber. Sonja versah sich alles» dessen in ihrer ZutwaMchlieit nicht. Bis eines Tages, der Himmel mochte wissen, wie es Vitm, ein hämisches Mädchen, über irgend etwas erbost, ihr's ins (Besicht warf:Tat dn Ruß!"

Tas traf wie ein Schlag. Wütend, wie eine tpilde Katze, sprang Sonja ails das Kind zrr, das sich wemeitd Knsammeilduckle. Sie hieb itmd hieb blindlings darauf l-os. Bleich und still faut sie nach Hause.Erst am nächsten' Tag verunockcke sie zu sprechen.

Sind wir wirtlich Russen, Großmama? Aber du bist doch Deutsche, Großi? Ich bin doch bei dir, ich bin doch auch ein deutsches Kind, nicht Gwß-manw? Sie sagen . . ." und nun taut stoßweise die ganze Erzählung Ixervor.

Tie Augen der alten Frau füllten sich mit Tränen. Sie wußte, daß sie jetzt vielleicht dies einzige, loas sie besaß, <urs der Hand gab; aber sie wußte auch, daß dies eigentlich lange gescheheit war, schon damals, als sie ihr Kind aus dein Vaberlattde gehen sah. Sie hatte kein Recht an ein anvertrautes Gut.

Sonja," sagte sie,das war freilich nicht hübsch von den Kindern, aber sie sagten wvhl die Wahrheit. Wenn der Krieg zu Ende seilt wirb, wird bann nicht Vater tbmmen tmb feine Sonja nach Hanse holen? Tenn lvo Vater ist, da bist dir doch $n Hanse, wicht wahr? Und^da muß dein Vaterland sein?"

Za," sagte Lsnja, dann schvieg sie. Ties alles war gnalvoll nert. Sie rang nach einem Tvost. Schließlich, mit einem leisen; Lächeln fand sie ihn auch.Es ist sck-ön nt Rufstand, Größt," sagte sie frf>»eir. Es Nivng aber dock) wie: hilf mir eilt weitig!

(vnoßmama nickte:Und dann brufc daran" unsäglich gOig winde der ?hiMrnck ttt dem greisen Gesichtewie lieb

du Vater hast? Ta Muß doch seine Heimat das Mferhcrrlichsw für

dich fein!" ^

Es butzle ans dem traurigelt Kinderanttch eine erlöste Gluck- seligleit, ohne Maßen.Großmama," sagte Sonja, ims es klang fast lote eilt Gebet:T-n. weißt iMiner das Beste!"

Wunderlich, dachte Großmutter noch manchmal ttt der Folge­zeit, wie dieser eine Gedanke uns »tot ist. Als ob wir uns all« davon nährten, so fest »purzeln wir bnrtn! - Es war in der Tat beinahe ergreifend, mitzuerleben, it-ie in Sonja der Umschwung' vor! sich ging, lum sie ihr gawzcs tlemes Sein in eine von Grund auS! iieue Idcenlvclt einznfügen hatte. Immer rvieder lwgaitn sie zag-, hast, als wolle sie die GroßiiUilter mrr ja nicht verletzerr, vom iHiifjUmb zu reden, von Rußland, dras sie allmählich mit bcrfelfcm Glorie umgab wie dr'it Vater, der dafür tämpfbe. Es keimte in ihr die Entnutllis ans, davon, ivas cs sei, für diechn GedankenValcr- land" zn streiten. Und die Ayitnng, ivas er dafür ein setzte . . . Ein Jener, entstchtster Zug stam in das KiM'rg-esichtchif.

Still u-ar Sonja aitck? in der Schule. Mit einer hochniiitigeit Kvplbewegttng ging sie durch die Reihen der aitLereu. Stolz, daß sie eine Fremde war, daß sie schnurze Haare hatte.und schnearze Aligeu: stolz auf die paar Brocken Russisck), die sie behalten hatte': holz vor allem ans ihren Heldewvater, der für sie Rußland ver­körperte. die unermeßliche, ,»nbegreisliebe Rußland, dessen Namen schon ihr^ Ehrfurcht weckte. . . .

Großmutter verschavieg es ihr lange, nachdeat sie cs erfahren, bi: sie cs nicht mehr Über sich gewärmt, zu pchlvcigen. Sic l^tttck solche l-ültl-ose Ver.v.veistnng iticht envarttt. Nur eittsernt konnte sie ahnen, ivns cs hieß, dem Kinde, fernen Vater ranbeit. Tie un­tröstlich blickenden, Irrenden Augen taten ihr weh. tzimdertmal setzte sie zu Nudttch beschwichtig cm d eit Werten an; stets versagte die Sprach.

Papa ist ja für sein Vadnsaivd gefalle»," sagte sie endlich leiß',^,,LMija?"

Sonja gab seine Anttrvrt.

Grostnlama freut sich, daß Sonja nun inunter bei ihr bleiüeit wirch Großmama lviU «vn-ja lieb liabeit, iwe sie mir jfanu ?" Und sie ruckte das Kind alt kich zfi. ziehen. Dttnmm und ffoüti v entiignb sich Sonja ihren Armen.

Erst später nachts, in dem gtwßcit dunklen Belke, in dem sie hier schlief, stakt in ihrem loeißett Kinderstttbchn zn .Hause, rief sie nach ihr. Säe iw.ßw anfrech.' am Fitßende des Bettes, mit haibwachuden Airgen, die nngebleudet in Großinu-tter:- Licht frarrtciT.

Grösst," sagte sch, intb warf sich ihr wötzlich an den 5?als, Größt, mm Hab' ich finit Vaterland mehr!"

vermischter.

* A l t -- A e g y p t e u in. Hildes he i »kl. Httdesh-eim, das als alte BisckiofsTttdt und bleibender Zeuge für die Gaschstchlö Medersacklens ditrch ntehrere Jahrhunderte mit feinen rvmanischen Kirchen, den zahlrercheir klmstgewerbltchcil eitert romanischst Srils, den Bamverken der Gettik und Reuaissntee stets erne Frtrtd- grub-e für die Verehrer dnttfck.cr Knust war, birgt seit Jahren ttetar, diesen eigentlichen heinmckl n auch einen sremLen Besitz, naimlilt eine der illteressant-esten imd vollständigsten Sanemliingeu ägyp­tisch r l-nd griechischer Mfkrtnmer atis Aegypwu, Es strudelt sich um. das erst seit 1911 in Hildesheem bestehende Pttizaeus-Mkllscikm. das in »vetteren Kreiselt Tentzstl/ands »vch> kaum bekannt ist und« jetzt zum e.rsttn Male vor Pros. Tr. Roeder im nächstett He st der bei der Deutsch, n Verlags Ansplt in Stuttgart erschemeuden Zeit sckrttt Utter Land wud M-.vr .näher besptzock-en sv-irL. Dieses Mtrseum, denk in ftLrvrr besoitd.nn Art in Tetttschlaud nichts an: die Sette gestellt nterdeu kann, wltrde durch einen ein-igelt Mann) igeschtfscn: Wilhelm.Pclicaetts, der ans einer seit Generalkmen. im Dienste der Bisttöse voit Hildeshettit stehenden Familie stammt, vor Nk.hr als 40 Iahrert nach', Kairo ging, sich bort als Unkeruestmer lttd'n StW und FülMlAntatm niederließ tntd schließlich seine ztt wivaltigem Umfang angeivackttme Sammlung altägypiischer Kunst­werke wenige Jahre vor Kriegsausbruch, seiner Vaterstadt gls bleibendes .Gesckchnk tchcsaltdte. Einen großnr Rminr nimmt dem Muchimedie Sauiii'.lung von Bronzesignren ägyptisch,er G-ail- lMten ein. Sie bildet den ältesten Besrlamdteil £*'r ganzen Sa mm - lnng, Low handelt es sich nicht ettma sink zj l fällig ztlsnnjntmge , konmwne beliebige ^Stucks , sondern jede etttzottte dieser Brortzle» stgilrcn bat vom Staudpuntte des Altertimtssvrßlvrs istreil be- soud-ereu Wert. Beine rfensio-erk ist das Fchnat de schädig tec Stucke, alle -ägyptischer! Gottheiten sind in tadellos erhaltenen Exelnplarent vertreten. Hier bcsiackwrt sich Bronzewrtneu vott Osiris itnd Isie. vion dein Gollsohn Horns, danelxu alle niederst ägyptischst Götter. z>. T. als Men'chj'u mit Tierköpst'it abgebikde!, da ja Hatw-kierct lmtd Wild bekanntlicki nach Aj ijiickt der Aegypker zu den Gvtthetteu; ttt enger B-ez-ttckMUg standert. Das Hauprstnck der Bvotrzefaninckmig ist der lebensgros»' Kops ettre-o Pharao int Kriegschlnt, eilt Bronze- köpf, »vie er ttt keinem zweien Ezeillbljar aus dem Pharaonenreicks ^kannt ist. Tw neueren Eriv>'rk.'iiugeu der Stammlung sind Ergeb­nisse der lwngMrigen p-luisgradüngen an den Pyramitt.n paus fÄiseh nmvcit von Kairo, ttm die Pyrani^deit Grs eh, die Grabdenk­mäler der Pharaonen dc-s drittelt Itthrdaltchnds,v. Ehr. besttideitz sich fit sreissörmlgtzr Anordtuptg die sogeltaiutten Mastabas, die