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sein, und nmner rückten aufs neue geschlossene Trupps an. Mit eiizem Jubel sah Hans Joachim die stattliche Schar, und leise vor sich hin. suinmte er eine Melodie, die er im letzten Winter bei einem Besuch in der Oper in Berlin gehört hatte : „Will der Herr Graf ein Tänzlern tragen,
Mag er's nur sagen —
< Ich spiel ihm auf."
Daun eilte er tu schnellen Schritten aufwärts zu den 'Zimmern der Domina. Vor deii Türen faub er mehrere Bauern, neben, denen auf dein -Erdboden gebunden inzb gefesselt die zwei Reiter lagen, die Wellingerode als Posten hier ausgestellt hatte.
„So hebbeu ihr Deel," lachten die Bauern, auf die nicht gerade sanft Gefesselten deutend.
„Arme Schelme!" sagte Hans Joachim. „Löst ihnen die Fesseln, Leute. Aber haltet sie hier fest und laßt sie nicht von der Stelle."
,/Dat soll woll sin, Jmvgherr."
Sormttz wandte sich an die Kauzosen.
„Ich rate euch, keinen Fluchtversuch zn machen. Ihr seid sofort Kinder des Todes. Im anderem Falte geschieht euch nicht das geringste, und in kurzem tonnt ihr unangefochten eure Straße ziehen, wohin ihr wollt. Habt ihr Hunger oder Durst, so ivird euch gegeben werden, was ihr verlangt."
'Daun trat er in das Zimmer der Domina.
Diese war nicht allein. Sämtliche elf Konventualimren waren um sie versanunelt. Die Damen toaren alle in großer Aufregung, nur allein die Aebtissin war kühl und ruhig wie immer.
„Ich danke dir, Hans Joachim," sagte sie zu dem Eintreten den. „Das hast du gut gemacht."
Er verneigte sich und küßte ihre Hand.
„Verzeihe, liebe Tante, daß ich jetzt erst zu dir komrne. Aber es war so viel anznordnen, so viel zu bestimmen, daß es nicht eher möglich w-ar."
„Schon aut, Hans Joachim. Ein Tag wie dieser ent- buwet dich aller Entschuldignngeir. Llber sag' mir das Mch- Agste: habt ihr schjvn eine Spur von Beate? Ach, das arme Kind! Was mag sie ausstehen!"
„Riezler ist hinter ihr her, er wird sie ftnfcten. Und ich irwW^jfce auch fort, sie zu suchen, denn mein Herz ziehtmich
„Ei, ei, Hans Joachim!"
„Ja, Tante, sie wird meine Frau werden, — sie hat es Mw gesagt."
„Sieh d-och, sieh doch!" sagte die Aebtissin zmb führte erne gewaltige Prise zur Nase, wonach sie den Deckel der Tabaksdose mit lautem Krach znschlng. „Sieh doch, sieh doch! Und ich hatte Beate zur Konventualim von Stift Hohenbergen bestimmt. Doch die Jugend macht dein Lllter immer einen Strich durch die Rechnung. Aber sage, wo ist da« jener Graf?"
„Gefangen in seinen: Zimmer."
Die Domina erhob sich.
™ Jagte sie hell inib scharf, mfe wenn
Metall auf Metall schlägt, „wir haben Gerichtstag zu halten erneu: Verbrecher, der in unseren Mauern weilt. Und wir wollen von dem alten Privileg unseres Stiftes, Recht zu sprechen, wenn ein Verbrecher das Stift oder seine Insassen bedroht, Gebrauch machen. Ein schweres Verbreche?: ist begangen, — es soll gesühnt werden, wie unsere alten Satzungen vorschreiben."
Sie wandte sich an ihren Nossen.:
„Hans Joachim, laß den Verbrecher in einer halben stunde in den großen Kapitelsaal führen."
Hans Joachim verneigte sich.
„Wie du befiehlst, Tante."
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nit dickes, ui schwarzes Ledcr gebundenes Buch. Sämtliche -uum u, meistens schon mit schneeweiße Haaren, trugen das überlieferte schwarze Ordensgewand, das nur um den Hals yeruiu eine schmale, weiße Spitzenverzierung duldete. Das .)aupl her Tomma bedeckte die Haube der Aebtissin, eine Art kleiner schwarzer Mütze, um deren oberen Rand drei schmale lilberne Streifen tiefen.
,. , Ufb™ ^:n Ganzen tag ein tiefer Ernst und eine feierliche Wucht, die eines starken Eindrucks auf den Grafen nicht verfehlte.
ß n r £?5 e £. Fensternische stand Hans Joachim. Das Muster selbst hielt er cm wenig geöffnet. Er lauschte hinaus, ob ettva von draußen der verabredete Pfiff erschallen werde.
. 0 Die Bauern hatten den Gefangenen bis vor die Mitte dev Tisches geleitet, gerade der Aebtissin gegenüber; dann waren ,ze zurückgetreten und hatten «uz beiden Seiten der Emgangstür Aufstellung genonzzueu. Sic verwaudtezz kauuz cm Auge von dem Grafen: nur zu Hans Joachim blickten sie znwezlezz hiiziiber.
Aber der sprach kein Mort.
(Fortsetzung folgt.)
Als der Gras Wellingerode, von z»vei Bauern gesellet mit.geladenen Ge>vehrcii, in den grossen Kapitclsaal, einen znächtigen, Hellen Raum trat, dessen Decke von prachtvoll emporstrcbmden Säulen getragen wurde, stutzte er Ein Rild w,e er es nie gesehen, bot sich seinen Augen, '
- beu Hintergrund des Saales zu staub eiue große,
halbmondforuuge, nnt schwarzem Tuche bedeckte Tafel Auf ^ der Wand zugekehrten Seite derselben saßen sämtlickie zwo f Konvcntnalmuen des Stiftes, genau in der Mitte che Aebtnsm auf einem etwas erhöhten mächtigen Lehnstuhl, der auch ein reicheres Schmtzwerk trug als die übrigen, Bor der
^ X f tX au Kruzifix, um das herum drei brennende Lichter ausgestellt waren. Vor dem Kruzifix lag
Gietzener vurschen auf dem wartburgfest M.
Von Wilhel m Berge r, Kaub. d. Theologie.
^ Gedenktage der geistigen Mid religiösen. Wiedergeburt weickschtands- smd zugleich die seiner politischen Auferstebnng. Der Geist der Freiheit, Innerlichst nnd Wahrhaftigkeit, bcu wir als, Die wertvollste Errungenschaft der Reformation ansehen, hat dreihundert ^ahre spater den Weg gewiesen zur Freiheit nnd Einheit dev Vaterlandes. Das Wärlbnrgfest des 18. Oktobers 1817, die Rewrmatwnsfeier der deutschen Studentenschaft, ist die erste Kon- ftlidiemiig der Burschenschaft, die die Weglberefterizr und Trägerin der Gedanken der nationalen Einheit nnd Freiheit sein wollte und ***. Tie Bedeicknng dieses! Festes besteht darin, daß zum crsten- niale freil>eitliche, nationale und sittliche Kräfte ans' ganz Deutschland sich,verbündeten und daß dieser Bund so stark gegründet war, M er dw härteste Reaktion zn überdauern uiid seine Ideale znni " leg zu führen vormochte.
Besmrders groß war iiächst Jezm der Anteil der Gießener Studenten an der Vorbereitung mib Tnrchftlhrnng des Festes. Der Hbnaer B,,rschen,chafter Maßmamr berichtet in seiner Beschreibung dev Wartburgfestes ime ihn gelegentlich eines Besuches bei deni Gießener Bilrschenschafter Karl Hoffmann in Rödelheim bei Fcank- furt nnt diesem Freunde zusammen, als sie im Oktober 1816 ziNschen Frantsirrt und Rödelheim spaziere,rgrngen „sinnend nnd sehnend "ber das Heil des Vaterlandes' in ahnender, bochschlagew.
^der Gedanle gekommen lei: „Wie iväre es, wenri wir Burschen ^entschlands alle das nächst,ährige Jubelfest der freiem Ehristenhit und des Ackerlandes da droben auf der Lnthersbnrg seierteii bei Eisenach?" Wenn auch nicht mit Bestimmtheit zu daß wir es hrer mit dem ersten AuftauchM der Idee des Festes zu tun Uem so hat fte doch sicherlich bei dem lebhaften Gedankenaustausch, den die „schwarzen" mit Jeuaeni und anderen Burschenschaftern unterhielten, in Gießen sehr bald eifrige Zustimmung und Förderung gefunden.
Tie Gießen'er Studenten waren nach, verschiedenen Versuchen der Vereinigung zu eruer allgemeinen Burschenschaft in zwei femi* liche Lager Jeteilt: die Anhänger des von Karl Follen ent- wvrfenezr „Ehrenspiegels",, der bnrschenschaftlichen Refornlpgrtei der „Sckprarzen", und dw Landsnianuschasten, die 9Vrfedk<>r bcö alten „Komments". Beide von der Regierung verboten i,ud doch weiterbchchend, .An bilde ergtns int rfguft ?817 IT 01 ^ die Einladung „die Glaubensreiuigung durch Luther imd den Freiheitssieg bei Leipzig auf der Wartburg festlich zu be-
. sogleich zustirunieud, aber Ideen picht uuzugäwglicheu Lands, wannschafter, gingen eifrig darauf ein, wie die verhältnismäßig große Zahl der auch> von ihnen entsandten Vertreter zeigt wnien waren es ettva dreißig Burschen, die von Gießen nach der Wartburg wanderteir, von den schwarzen: Ulrich, Simeons Dü
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rrng, Langhaus, Ämter, vmr Btin, cimwn, Kümmel, Schulz Beyer, Hefsemer, Gw'lniier, Sartorius und Emmerling. Hoffman war trank, Karl Fallen un Examen. Von den Landsniannsclaftern! waren m Eisenach: App' L. und C. Knorr, Sites, Buff SchL vorn. G Hoftnianu v.Weidig Görtz. Die früheren Gießener Schwär- - zen Kahl, Lauteren und Ertijst Welcher tvaren von, Heidelberg' getvinmen. Tie «chwarzeti ioaren in der Mehrheit. Das geht auch sck.ou daraus hervor, daß nach, dar Anlünft in Eisenach am 17? O tobcr von den Gußeneru ajs Vertreter ihrer Akademie in den allgemeinen Festausschuß die drei .Schwarzen v. Buri, Kümmel ^^toruw gewählt wurden. Nach einer andere,l Darstellung nar auch der Lanosmannschafter ^chmiülborn im Ailsschuß "lls 5 ,^ der b Deputierten, di« noch an, Mend des 17. Ottobers bei» Morden von Eiscimch Polizeiliche Matziwhmen znr E>hall,,na der Rnye und «tck»crheit vor Feilerstzefayr bespra^n.


