Ausgabe 
13.10.1917
 
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3n Sturm und Stille.

Wo man von MaxTre u.

^ (Fortsetzung.)

Wellingerode trat in eine Fensternische, erbrach das ^Schreiben inrd las: _.

Mein lieber Gras von WeNürgerode! Was Sre mir ge­schrieben haben, ist sehr bedauerlich. Daß wir d:e channaiile Meine nicht nach Kassel bekonrmen sollen, kann ich Nicht glauben. Ich vertraue Ihrer bewährten Umsicht, r-och oeczen Die die Leute rricht unnötig. Das ist der strenge Befehl «meines kaiserlichen Briiders. Handeln Sie nach eigenen: Ermessen, aber vorsichtig! Keine offene Gewalt! Der Kom­mandant von Magdeburg ist beauftragt, Ihnen iveitere 100 Mann zur Borsiignug zu ftellerr. Das ist aber das Meußerste, Ums geschehei: kann. Es darf kennen Aufruhr geben, mein lieber Graf, beherzigen Sie das. Mr haben m: Spanien genug. Also nochmals : keine offene Getoalt: Iirdeni ich hoffe, Sie n,id das reizende Früuleu: Hassow bald in Kassel zu sehen, bin ich _ . ^

> Ihr gnädiger König Jerome."

Ein Lächeln des Triumphes glitt über das Gesicht des Grafen. Dann steckte er den Brief sorgfältig in ferne Brust- tascho und trat wieder in den Speisesaal. Mau war auf fern Fehle,: aufmerksam gen»orden. Er veinreigtr sich gegen die

Dmnina. ^ «

Verzeihulig, gnädigste Frau Aebtifsur, eine kleine

dienstliche M)alttrng." ^ ^ .

Ein scharfer Blick aus dein kühlen, braimreu Auge der Domina flog zu Ellingerode hürüber.

So haben Sie hier also auch dreustliche Angelegene heile:: zu ordnend fragte die Aebtissin.

Der Soldat kanir sich ihiren nie garrz entziehen, gnä­digste Frau. Uiid ob er noch so lnstig den Weidmann spielen möchte, er bleibt doch immer Soldat, und der Dienst kommt ihm nack)gelaufen lvie ein treues Hütchen, das sich nicht tvegsckstcken läßt." ^

Wie lange lvird dem: Ihr Aufenthalt hier noch daiwrii?" fragte Herr von Litzbiwr ohne alle Umschweife.

Es läßt sich Nicht genau bestimmen, Herr Bawn. Ich bin einem kapitalen Bock aus den Fersen, sobald er zu rneilreii Füßen liegt, u»erde ich abreiser:."

Ah!" inachte Herr von Jitzbuer.

UildAh!" ging es durch die gairze tzlesellschaft.

Ist es indiskret, zu fragen, .Herr Graf, lvelcher Art die dienstlichen Angelegenheiten sind, die Sie hier zu erledigen haben?" fragte Hans Joachim über den Tisch hinüber.

Durchairs nicht, Herr Baron. Mm: hat vor mehreren Dagen einen meiner Offiziere und zui-ei Reiter, die ich nach Magdeburg beorBert hatte, überfallen, von derr Pferden ge­riffelt eines Briefes beraubt tntb sie dann an den Bitumen sestgebunden. Ich habe den Auftrag, die Schuldigerr zu er- Uiltbebl.."

.Da wirst du lange suchen können," dachte Hons Joachim mrd gab diesem Gedanke:: laut ir: folger^er Werse Ausdruck:

Ich hoffe, daß Sie die Attentäter recht bald finden werden, Herr Graf."

Wellingerode strich sich der: Schnurrbart.

Auch ich hoffe das, Herr Baron. Ich bin sogar über­zeugt davon. Der König, mein gnädigster Herr, ist sehr er­bittert über diesen kecken Ueberfall."

Bei diesen Worten hatte sich der Graf erhoben und klopfte an sein Glas, zum Zeichen, daß er reden tvoMe.

Erstaunt sah man ihn an.

Hcnrs Joachim aber flüsterte seiner schöner: Nack>- barin zu:

Passer: Sie auf, Fräulein Beate, jetzt fcmunt der

Eklat."

Meine verehrten Herrschaften," nahnr Wellingerode das Wort,überall, !vo in französischen Landen rrrck» chren Bundesstaaten sich Soldaten und Biirger zu frohen Festen zusammensirchen, denkt man auch der erhabenen Herrscher dieser Zürcher. Napoleon urch Jeroure Ivelch herrluhes Zweigestrrn über diesem gesegneten Larchstrich!"

En: leises Raunen ging durch die Gesellschaft. Aber der Redner ließ sich nicht stören.

Groß urch nrächtig sind ihre Länder geworden, blühen­der Wohlstaich ist in ihrren daheim, rrrrd ihre Betvohner, von tvenigen Ränkeschmieden abgesehen, leben rmter ihren: Zepter in Glück und Zufriedenheit. Wahrlich, die erhabenen Herrscher haben es verdient, haben sich einen Anspruch daraus erworben, daß man ihrer an solchen Tagen gedenkt, daß man wünscht, noch recht lange unter so glücklicher Herr­schaft zu leben. Und darum, meine Herrschaften, bitte ich Sie, als treue Untertanen Ihr Glas zu erheben und mit nur auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers Napoleon und des Königs Jerome zu leeren!"

Eisiges Schweigen an der ganzen Tafel. Niemand erhob sich. Niemand nahm das Glas zur Hand.

Die beiden Offiziere an Wellingerodes Seite tvaren auf­gesprungen.

Das ist Majestätsbeleidigung," ries Salignac.

Wellingerode blieb scheinbar ruhig. Aber ermatte sich verfürbt. '

Sic haben ganz recht, Herr Kapitän," sagte er, und ganz konnte er die innere Erregung doch nicht aus seine« Stimme bannen,es ist in der Tat eine Majestärsbeleidi- gung. Und nur der Umstand, daß ich das Gastrecht, das ich :n diesem Hause genieße, nicht Verletzer: möchte, bestimmt mich, der cxute keine weiteren Folgen zu geben. Wir aber können selbstverständlich nicht länger an einem Tische sitzen bleiben, an dem man für unsere erlauchten Herrscher iruc eine Beleidigung übrig hat."

Er hatte sich erhoben und verließ nach kaum merklichem Gruß ostentativ den Saal.

Welch eine Taktlosigkeit?" ries die Domina.Er kennt