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„Ich wollte sehen, ob die Fliederbüsche schon Knospen haben."
„Mer was tun Sie denn hier?"
„Ich ja id> wollte Auch mal sehen, ob die Fliederbüsche schon Kziospeu haben."
„Da stimmen wir ja ganz überein."
„Seltsam, ja. Wahrhaftig seltsam. Aber ganz hübsch, nicht wahr, Fräulein Beate?"
Sie antwortete nicht, sondern sah gailz eifrig auf die zarten grünen Knospen, die ihre deckende Hülle zu sprengen cm fingen.
„Wie lauge gedenken Sie denn hier zu bleiben, Fräulein Beate?" fragte Hans Joachim.
Sie zuckte die Achseln, und ein wehmütiger Ausdruck trat in die feinen Züge und spiegelte sich in den großen', feuchtschimmernden Augen.
„Weiß ich's? Jedenfalls so lange, als Ihre Tante, die so herzensgut zu mir ist, mich hier behalten will."
„Das wird sie hoffentlich ewig tun."
„Das wäre lange, Herr von Sormitz," lächelte Beate.
„Ja, wollen Sie nicht?"
„Ich? Ob ich will? Ich bin ja lvie der Vogel aus dcln Ast, eine Vater- und mutterlose Waise, die kein Heim mehr hat, keine Stätte, wo sie ihr Haupt hinlegen könnte."
„Die haben Sie aber hier gesunden, Fräulein Beate. Ich kenne meine Tante, — etwas Halbes tut sie nicht. Und haben Sie nicht den schönen Spruch gelesen, der über der Eingangspforte des Stiftes steht: „In Sturm und Stille — meine Heimat!"
Sie neigte das von blonden Flechten gekrönte Haupt.
„Ein schöner Spruch, in der Tat. Ackp und ich möchte gern, daß ich eine Heimat gesunden hätte."
„Die Tante wird Sie schon iveich betten. Das versteht sie vortrefflich, und wenn an ihr auch ein ganzer Mann verlorengegangen ist, — die weiche, tröstende Frauenhand hat fte doch noch immer/'
Beate nickte.
„Wie eine Mutter nahm sie mich auf, als ich vor ein vaar Tagen hier eintraf. Ach, und ich fühle mich so iun-- oeschreiblich wohl hier nach den Aufregungen, die ich in Kassel durchzumachen hatte —"
„Wieso?" fragte Hans Joachim neugierig.
Sormitz, seien Sie froh, daß Sie kein Müdchen sind. Sie, ein Mann, können sich ihrer Haut wehren, aber wir —" Sie seufzte.
„Na, den Halunken soll der Kuckuck holen, der Ihnen zu nahe getreten ist! Wer hat Sie in Kassel gekränkt?"
„Ach, so schlimm war es nicht," lächelte sie. „Mer zu- drrnglich sind die Männer dort — gräßlich, sage ich Ihnen. Auf Schritt und Tuitt ist er mir gefolgt, wenn er mich ans
§ Straße sah, und als er meine Wohnung ausaekund- ifvet hatte — ich wohnte bei entfernten Verwandten — "un ein wahrer Blmnenregen sich über mich zu ergießen, konnte ihm nichts zurückschicken, weit ich weder seinen ^Nle Wohnung kannte, und so muß er wohl gedacht haben, ich hätte das alles in Freuden angenommen, keim eines Tages sprach er mich auf der Straße an —ft
^ ."Der Unverschämte!" rief Hans Joachim. „Das Genick ^br^b ich ihni noch nachträglich brechen!"
. "Dirn Sie das lieber nicht, Herr von Sormitz. Sie hätten sicher nur schwere Unaelegenbeiten davon, denn ich. hörte, er großer Günstling imb Freund des Königs Jerome, und was^er wolle, das setze er auch durch!"
„Und sein Name?"'
„Ja, den konnte mir mein Berichterstatter auch nicht ?^u Franzosen nur von Ansehen. Ach,
Liedern weg bin, denn wenn mau
v. } n c ' ^ en Ui an aus dem Hause macht, imnrer ^ ?ou Zudringlichen belästigt zu werden, €ln ? m ganze Leben verleiden. Hier ist es so schön sttlt und ruhig und alles so liebe Menschen hier -f' „och auch, Frau lern Beate?" J
e,!leUtrW > gerade sagen
„Go halten Sie mich für einen Barbaren'?"
'vr Aber jetzt ist die halbe Stunde herum
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die ÄgtäS 9 ° 0d)i,n Mt Heinc ' lckimare H^nd.
„Auf Wiedersehen, Fräulein Beate!" ,*
Sie wollte davoneilen, wandte sich aber nochmals urw und fragte:
„Konnnen Sie oft nach Hohenbergen'?" '
„Wenn Sie es wünschen, jeden Tag, vormittags und nachmittags."
„Ach, Sie sind auch schlecht —"
Und schnell sprang sie davon. Hans Joachim aber sah ihr nach, bis sre im Hanse Verschwunden war. —> —
Oben am Fenster ihres Zimmers saß die Domina und' las ut ihrem Wirtschaftsbuch — eine Art von täglichem! Rapport, der über alle Vorgänge in der Kloster Wirt schuft ihr zu erstatten man
„Der Heinrich Möller will die Anna Biesemann heiraten —"
Da fiel der Blick der Leserin durch das of feile Fenster gerade auf Hans Joachim und Beate, wie sie sich MN Abschiede die Hand gabeil. Und der Domina schien dieser Händedruck außergewöhnlich lange zu dauern.
Wieder trommelte sie einen Marsch auf dem Deckel ihrer Schnupftabaksdose; aber diesmal ging er prestissimo und fortissimo.
„Dazu habe ich mir nun eigentlich die Beate nicht kommen lassen," sprach sie vor sich hin, „daß dn ihr den Kopf verdrehst, Hans Joachim. Ueoer die Stränge geschlaft gen wird nicht in Hoheiibergen. — Das wird dir die Domina rrastig zn Gemüte führen, mein Junge!"
lind dann machte sic zu der Notiz im Wirtschaftsbuch, die Randbemerkung:
„Wenn er ausgetobt hat, soll er sie kriegen. Sonstein nicht. Und es soll sich's jeder merken: Liebschaften leide ich nicht, und wer heiraten will, nuiß zuvor vernünftig ge-' wordeii )em/' 1 ö d
Doiui klappte sie das Buch zu und streckte der eiw-i tt elenden Beate herzlich die .Hand entgegen.
(Fortsetzung folgt.)
Zeldmarschall von Hindenburg.
Zu seinem 70. Geburtstag am 2. Oktober. r ' Bon Ferdinand Runkel.
Ein unscheinbares Geschchnis beim PfingslgottEeirst einer kleinen Vstpreußischen Gemeinde ist bezeichnend für die große ©er- s^bb^^Mgiährige Kriegsheld im deutschen Bolle genießt. Tcr Gottesdienst war zu Ende und Hiiideiiburg verließ dirrch deii Mittelgmrg du Kirche. Ta erhob sich wie von selbst die ganze Gemeinde und ließ dqn Retter Ostvreusteirs gleich emcm romlichen TrmmpWior die Rethen durchschreiten
So empfmdet ganz TeutsÄand an dein festlichen Zorn da .Zeldmarscgall seur siebenzigstes Lebensjahr vollendet UnwUMrlich muß man an semen bedeutenden Vorgänger Hellmuth von Dioltke denken, der geistig fern Lehrer in der Kriegskunst war Aber es ist doch eUoas mweveS, was Teutschlaiid seßrein Hindenburg entgegenbringt als die BeivUnderung und Wertschätzung Ätoltkes Er gehorte nicht m,der Weise: dem ganzen.Volke, wie Hrndeinburg>
olympischen Höhen, WEichkett das ist, als was ihn der Kaisn im Jahre 1916 feurte: der- wahre Heros der Deutschen.
. - «»2, ME an dre Spitze des deittschen Heerbannes trat, war das Vaterland mcht rn Gefahr, der Krieg 1870/71 war gewisser- ern Kmnpf Ndcuin gegen Mann; aber als' Hindenburg am 22 August 1914 den Oberb« über die FvoM im Os^n über, nahm, standeil bereits fünf Machte g egen Tentschtand, lind die Nusieii begannen mit erner halben Million Truppen Unser schöileÄ Ostprensteil zri überschwemmen, Mord Md Brand iiin sich' her ver> brettend. Berzweiflimgsschi-eie :Jauvm von der SS A
^OOTMY ) 1 ^ 0011 Kowno herLommend mit
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230000^Mmin vom Narewi über Mawa gegen No-rdivesten in Misere blühende Provinz ein. Schnell entschlossen entwarf .Hi'ndcn,- ^ sEnebeiitz genialen hm fi^mt Et. .Er veriügte n^ ubei: 13j 000 Mann, aber bic genüge Zahl seiner Sti-eitkn/if!Ä ließen ihn kcineir Augenblick zöogern, beit um inehr als das Top'- pelre uberlegeiieii Feind migriffs!lv«eise entgegenzugehen In kaiiin einer Woch? imr bic gewaltige Narewannee jertStnrt UiS mut tvaiidte er sich gegen Reuneiitainps, der, wohl vas Schick,al mrSPsir-Ä 11 / ixrdroheiiden UmklmnuieiungeMzoa „St öS fernes SüdWgelsl über die Grenze zurück^
tz-<nnde frei, die russische Dainpfwalze sich zurück. Mm brach Hiiidenbura gegen Polen vor, um rA r L imgeheiierer Uebennacht bedrohten Bundesgenossen zu 8pn. Jlxz fl^chltb<neii Kämpfe an der Weichsel wor Marschau Und und Pilica sind noch nr aller GedäckMis, rns sch^ ^i so glänzend geMr'te Durchbruch der
-LN»?? GMue-Damow^eun Adouate nach Hlnden^ hirrgZ Eintritt xn den Krieg tvftr die Macht unseres östlichen Gcg§


