Ausgabe 
1.9.1917
 
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Samstag. Ken September fäj

Der rätSelhaffe Feind.

Roman von Sven Elve st ad.

(Fortsetzung.)

Der Detektiv ging im Zimmer umher und spürte über­all nach. Er bückte sich, nahm eifrig verschiedene Papiere vom Boden ans und las sie durch. Es waren lauter Schrift­stücke, die für den vorliegenden Fall nicht das mindeste Inter­esse boten, Kaufkontrakte, Abschriften von Geschäftsbriefen, alle Rechnungen und derartiges. Krag untersuchte auch den .Bodenteppich, und diese Untersuchung nahm mehrere Minu­ten in Ailspruch .Sie schloß damit, daß er plötzlich apfstand. Ein scharfer Beobachter hätte bemerken können, das; er etwas vom Boden anshob, aber.das lvar sowohl dem Amtsvorsteher Wie dem stellvertretenden Amtsrichter entgangen.

Als Asbjörn Krag mit seiner Untersuchung zu Ende war, sah er sehr ernsthaft aus.

Der Advokat muß gefunden werden, so viel steht fest," sagte er.

Dann fragte er, ob er nicht die Frau des Kaufmanns sprechen könne, und die kleine und unansehnliche, etwas schüchterne Frau kam sofort herein.

Sie sehen, waS hier vorgegangen ist," fing Krag an.

Ich weiß von gar nichts," behauptete die Frau.

Haben Sie keinen Lärm gehört?"

Gestern' abend kam es mir einmal vor, als ob ick) einige starke Stöße gegen den Fußboden hörte, aber ich kümmerte mich nicht darum. Ich meinte, der Herr Advokat fei droberr in seinem Zimmer."

Krag deutele auf die Stühle.

Sie werden gehört haben, wie diese Stühle um­gefallen sind," sagte er.

Nun mischte sich der Amtsrichter in die Unterhaltung.

Vielleicht ist auf beu Advokaten ein Ueberfall verübt worden," meinte er.

Das glaube ich nicht," sagte Krag. ,Jn diesem Fall hätte er sehr leicht Hilfe herbeirufen können. Nein, das ist ein Einbruch, nichts anderes."

Der Herr Advokat hat stets größere Summen in seiner Brieftasche bei sich gehabt," warf die Frau ein.

Dem Dieb war es nicht um Geld zu tun, der suchte etwas ganz anderes. Er suchte nach einem Papier. Um wie­viel Uhr Haben' Sie den Advokaten zum letztenmal ge­sehen?"

Gestern abend um halb acht Uhr."

Befand er sich da in seinem Zimmer?"

Nein, er saß unten ü^nnserer Stube und schrieb eilten Brief."

Krag dachte an den unvollendeten Brief, der sich in seiner Tasche befand. An diesem Brief mußte er da geschrie­ben haben. Aber warum hatte er sein Schreiben so rasch ab­gebrochen?

Das weiß tA nitfjt. Wir haben uns nie um seine Sachen

gekümmert. Er sah nach der Uhr und ging dcnm rasch zum Zimmer hinaus." !

Hat er den Brief zu Ende geschrieben?" 1 !

Sagte er, wohin er gehen wolte?"

Ja, er wolle hinaufgehen in sein Zimmer, sagte er. Etwa eine halbe Stunde nachher hörte ich die Stöße gegen den Fußboden, aber da ich meinte, der Herr sei droben, dachte ich aar nicht weiter darüber nach."

Und seither haben Sie ihn nicht mehr gesehen?"

Nein, weder ich noch mein Mann. Mein Mann ist sehr unruhig. Es gehen ja jetzt so viele unheimliche Dinge hier in der Gegend vor/'

Ist jemand hier gelvesen und hat nach ihm gefragt?"

Die Frau gab feilte Antwort. Unsicher sah sie zu dem Detektiv auf. Krag fixierte sie scharf.

Hier ist nichts mehr zu tun," sagte er.Kchrnerr Sie mir ein Fahrrad verschaffen?"

Es stellte sich heraus, daß der Amtsvorsteher im Be­sitze eines Rades lvar. Krag fuhr darauf eilend- dävo-tt, und die beiden andern starrten ihm erftaftirct nach.

Der Detektiv fuhr ;um Hause des Obersten: bort schickte er dem Fräulein seine Karte.

Dagny ließ fragen, ob er sie durchaus sprechen müsse, sie sei durch die Pflege ihres Vaters vollständig in An­spruch genommen.

Der Detektiv antwortete kurz und bündig, er müsse si« unbedingt sprechen.

Dagny kam. Die junge Dame lvar jetzt ganz schwarz gekleidet, was ihre bleiche Schönheit besonders hervorhob.

Asbjörn Krag stand aus und ging ihr entgegen.

Ich bitte um Entschuldigung, daß ich Ihnen unter de" gegebenen Umständen lästig fallen muß," sagte er.ES ist aber durchaus notwendig, daß Sie mir einige Fragen beantworten. Haben Sie seither irgend etwas über die Sache gehört?"

Nicht das mindeste."

Wissen Sie, daß der Advokat Bomann verschwur^ den ist?" ;

Die junge Dame fuhr erschrocken zusammen.

Verschwunden? Das ist ja sonderbar," sagte sie

Ich höre, daß Sie ihn kennen und wissen, wovon ich! rede,'"' erwiderte er.Seinettvegen bin ich hierher gekaute men."

Fräulein Holger war dunkelrot geworden. Sie ging auf die Tür zu.

Entschuldigen Sie, daß ich Ihnen diese Falle gestellt habe," sagte .Krag.Aber ich habe mir nun einmal vor­genommen, dieser Sache auf den Grund zu kommen. Es ist nicht klug von Ihnen, wenn Sie gehen, Fräulein Holger."

w^te sollten sich hüten, Falten zu stellen," sagte sie. Aber sie blteb stehen.

Asbjörn Krag saß gelassen da und wippte mit dem einen Bein, das er über das andere geschlagen hatte.