Ausgabe 
29.8.1917
 
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Der rätkelkakte Feind.

Roman von Sven Elve st ad. ** (Fortsetzung.)

Ich ii>erbe Sie später noch eingehender vernehmen," agte der Vorsitzende.Vorerst müssen wir über den Ur- prung dieses Brieses ins reine zu kommen suchen. Es sieht also ans, als ob ein anderer diesen Brief geschrieben und Auteresse daran gehabt hätte, den Herrn Oberst zu der gegebenen Stunde aus seinein Hause zu entfernen. Das ist ja ein ganz merkwürdiges Zusammentreffen, daß diese ^vei Briefe zu gleicher Zeit ankommen, denselben Inhalt haben und dieselbe Stunde bestimmen. Nun, tvir werden ja sehen. Herr Asbjörn Krag wünscht, über diesen Punkt als Zeuge vernommen zu werden."

Krag trat vor, und der Vorsitzende reichte ihm deu Vrief.

Dieser Brief ist in mehr als einer Hinsicht interessant," jevklärte Krag.Ich kann Worck für Wort uachlveisen, daß mit verstellter Handschrift geschrieben ist. Der Schrei- war nämlich dieser Kunst nicht ganz mächtig. Diese

g ndschrift zeigt so viele charakteristische Einzelyeiten, daß bst ein Laie die Aehnlichkeit ernennen müßte, wenn ein ief daneben gelegt würde, der minder gewöhrrlichen Handschrift des Absenders geschrieben ist. Es ist mir gelun­gen, in den Besitz eines solchen Schriftstücks zu kommen, und dadurch habe ich auch herausgebracht, wer diesen 'Brief an den Oberst Holger gerichtet hat. Ich. kenne seinen Namen. Es ist nicht der Herr Rittmeister Rye."

Im Saale herrschte große Spannung. Der Vorsitzende verschlang förmlich jedes Wort des Detektivs.

Der Detektiv zog ein zusammen ge falte tos Stück Papier cncs der Tasche. Dieses Papier legte er neben den geheim­nisvollen Brief und fragte den Vorsitzenden:

Kann man bestreiten, daß diese beiden Briefe von einer und derselben Hand geschrieben sind?"

Der stellvertretende Amtsrichter studierte beide Schrift- stiicke eingehend. Seinem Gesicht war anzusehen, daß er höchst erstaunt tvar.

Jetzt wird die Sache plötzlich klar!" murmelte er vor sich hin.Der Brief an den Oberst zeigt allerdings deut­lich, daß er mit verstellter Handschrift geschrieben ist. Es ist gar kein Zweifel, daß diese beiden Briese von derselben Hand geschrieben sind. Woher haben Sie diesen Brief, Herr 'Krag?"

I ch h a b e i h n g e f u n b e n," antwortete der Detektiv. Der Vorsitzende sah ihn an und strltzte.

Krag, der diesen Blick aufgefangen hatte, bemerkte:

. fIch bitte Sie, sich zu erinnern, daß es hier nicht bloß gilt, einer merkwürdigen und geheimnisvollen'Sache auf den Grund zu kommen, sondern auch eines Menschen Wohl­fahrt und Ehre zu retten. Meines Freundes Ehre."

Ich kann das Beweismaterial noch vermehren," sagte der Vorsitzende nud legte ein drittes Schriftstück Mts den Tisch.Dies ist ein Brief des Advokaten Bomann, in dem er mir mittetlt, daß er als Zeuge erscheinen werde und wichtige Aussagen zu machen Hube."

Der Augenschein zeigte ganz deutlich, daß alle drei Briefe, der, durch den der Oberst aus dem Lause gelockt worden war, der Brief ans Gericht und der, den Asbjörn Krag vorgelegt hatte, von derselben Hand, also von Advokat Bomann geschrieben sein mußten.

Der Vorsitzende saß eine Weile stmnm da und dachte nach. Diese plötzliche Aenderuug der Sachlage verblüffte ihn augenscheinlich nicht wenigst

Die Sache ist in ein neues Stadiuni getreten," sagte er.Wir haben jetzt nicht mehr einen Verdächtigen, wir haben rwei. RittmÄster Rhe steht nicht mehr allein als solcher da."

Dann nröchte ich die Herren darauf aufmerksam machen, daß der eine Verdächtige, der Herr Rittmeister, zu der Verhandlung erschienen ist, während der andere ausbleibt, trotzdem er sein Erscheinen ausdrücklich ange­kündigt hatte, sagte Krag.Dos sieht beinahe aus, als ob der Herr Advokat eine Ahnung gehabt hätte, daß eine kleine Berändermrg in der Sachlage bevorstand, und durch­gebrannt wäre."

Das ist kaum denkbar, woher sollte er eine solche Ahnung gehabt haben?" meinte der Vorsitzende.Ich selbst hatte ja keine Ahnung davon. Ich wußte allerdings, daß Sie eine Ueberraschung bereit hatten, aber wer hätte gedacht, daß sich die Sache in dieser Weise ausklären würde."

Nachdenklich blätterte der junge Itichter in seinen Pa Pieren.

Za," erklärte er sodann,es wird wohl wenig Sinn haben, mit der Verhandlung fortzufähren, bevor wir den Advokaten gefunden haben. Es wird also daS Klügste fein, uns erst dieses Mannes zu versichern!"

Darf ich mir hierzu eine Bemerkung erlauben?" fragte Krag.Ich möchte dadurch Ihre Ansicht noch be­sonders unterstützen."

Bitte, reden Sie offen! Wir sind ja erst bei der Vor Untersuchung und müssen nach allem greifen, was zur Auf­klärung dieuen kann. Was haben Sie mir miAnteilen?"

Wenn ich mich an Ihre Stelle versetze, würde ich etwa folgendermaßen schließen," sagte Krag.Es ist ja die über­wiegendste Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß der Mann, der den Brief an Oberst Holger geschrieben hat, der Täter ist. Nun liegen zwei solche Briefe vor, oder richtiger gesagt, es ist die Rede von zwei solchen Briefen. Der eine liegt hier auf dem Tisch des Hauses, der andere ist ver­schwunden. Diesen verschwundenen Brief hatte Rittmeister Rye geschrieben, den vorliegenden Advokat Bomann. Wer von den beiden Männern ist der Täter? Wenn Sie von dem Gerede der Leute absehen, von all dem böswilligen Ge­schwätz, das hier in der Gegend über den Rittmeister in: