Ausgabe 
22.8.1917
 
Einzelbild herunterladen

367

fdjien'fct hat, ist die Unruhe über sic gekommen. Ne l-at ihren neuen Freund aufrichtig lieben Mollen, hat aber dabei den Hans nicht vergesse,: tömwu. Das ist nämlich ein lieber, guter, komischem Kerl gewesen, so ganz anders wie ihre Landsleute. Vom Tanzen lund Trinken, vom Boulevard und von: Kiiw hat er nichts wissen Mollen; aber den abendhellen stillei: Park Monceau hat er geliebt, ans der Terrasse vor: Dt. Germain hat er stundenlang träumen können, und durch die Wälder von Montmorency ist er krentz Und quer gelaufen. Dein liebster Auferithatt ist aber tvvhl der Fried­hof Montmartre gewesen; derrkt nur, ein Kirchhof! Ta hat er manchmal bei einen: großen Denkmal gesessen- der loetfre Stein trägt den Kops eines Mannes mit einen: langen Barte, die Augen schauen sinnend, fast traurig aus ein Blumengärten, das den Stein umgibt, und auf dem .Steine sind Worte gemeißelt, die Claire nichit versteht, deren Schönheit sie aber immer wieder

f ckühlt hat, wenn ihr lieber Hans sie langsam, feierlich gesprochen^ laire fmtn sie sogar ein wenig:rachsprechur, so aufmerksam ist sie dabei. gewesen, und indem ihr das alles tvieder dilrch den Sinn geht, kommt es leise, stockend, unbeholfen von ihren Lippen:

Wo wird einst des Wandermüden letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in den: Süden? Unter Linden an dem Rhein? Ja, diese geheimnisvollen, sanft gleite:ck>en Verse hat der Träumer Hans in mancher stillen Stunde ihr ins kleine Ohr geflüstert, lmd wenn sie daran denkt, daß dieser gute, tveiche, scheue Mensch nun Soldat ist, daß er Säbel uird Flinte handhaben imb blutige Wunden schilagen soll, so must sie bei aller Traurigkeit und Sehnsucht ein wenig in sich hineinkichern. Ach was ! Das Trauern tzmd Sehnen gilt ailch gar nicht den: Hans) der ist ja ein Preuße, ein Feind, ein Verräter, ein Feigling, der nicht einmal Abschied von ihr genommen, der sich lvie ein Dieb in der Nacht fortgeschlichen hat, der sicher nicht mehr an sie denkt. Ta ist der Vetter Viktor doch ein anderer Kerl. Wie verwegen sitzt dem das Käppi auf den: Krauskopf, wie hat er so schiön. so würdig, so stolz von der Soldatenpflicht, von der Liebe zum Baterlande gesprochen; mit welcher Beredsamkeit hat er ihr bein: Abschied Treue bis in den Tod gelobt, und ein Wiedersehen in vier Wochen, eine festliche! Hochizeit in Aussicht gestellt. Ja, der Viktor ist aus anderem Holze geschlitzt wie Hans. Und doch! Wenn sie an den zurüKen'kt, wenn sie vergißt, was er jetzt ist und tut, ach! wenn sie ihn doch noch einmal so habe:: könnte wie ir: den süßen Sommerabend- StUnden, im Park, im Walde, auf dem Friedhose, oder im gemüt­liche:: Zimmer hoch oben im fünften Stock, bei Tee, kleinen Kuchen, Singen und Mandvlinenspiel.

Miun hilft alles nichts mehr. Ne nrnß zum Großvater und sich die dummen Gedanken von: Herzen schwätzen, und er muß dafür sorgen, daß sie nicht mehr Wiederkehr en.

Der Großvater ist glttig, klug und so alt, daß er in allen Lagen des Lebens und der Liebe gründlich! Bescheid weiß. Er streichelt seinem Enkelkinde die schinalen Backen, setzt ihn: ein Gläs- " chen Kirschwasser vor und nickt zu allen:, was es sagt und klagt. Aber guter Rat ist teuer. Als Claire mit einem tiefen Seufzer, geendet, sitzt der alte Mann da, den Weißen Kopf aus die Brust gesenkt Und sagt kein Wort. J'ept nicht er sogar nicht mehr, so daß Claire ihn schüttelt und unwillig anfährt;Ich glaube, da: schläfft, Großvater!"Rein, mein Kind, wenn ich schlafe, so fchinarcke ich ein bißchen. Tu hast mich doch nicht schnarchen hören?" Dem Mädchen kommen die Träne:: vor VerzavviflUng ob solcher Gleichgültigkeit.Hast du denn gehört, was ich gesagt habe, Groß­vater?"Vollkommen. nr-ein Töchterchm."Und du kannst mir gar nicht helfen?"Vielleicht, mein Püppchen, ich will darüber Nachdenken."

Claire steht auf, mit ein-em böser: Mund und düstereu Augen. Sie leert nicht einmal das Gläschen Kirschlrvasser, bietet dein Alter: nicht wie sonst die Backen.zum flüchtigen Kusse; sie zieht ihn: den Bart, aus anerzogener Zärtlichkeit, mehr aber ans ^ Aerger, und sagt;Jvtzt kannst du ivarteu, bis ich dich wieder besuche."

Damit geht sie und wandert zurück nach Pantin, bekümmert, verdrießlich und zornig gegen das Mam:sVolk, gegen die Jungen Und die Alten. Au: besten ist es wohl, wenn sie ir: der: Kanal springt, um den: Großvater, den: Viktor r:nd dem Hans ein recht großes Leid anzutun. Mer nein! Ein größeres Leid wird es fiir die sein, wenn sie sich einer: neuen Freund sucht, und daß sie der: sinder: wird, gleich morgen auf den: Wall unter de,: vielen junger: Burschen, )ne da lachend und scherzend nach dem Feind ans- schiauen, dessen ist sie nach einem herausfordernden Blick ir: das Spiegelglas des nächsten Putzladens^- gewiß wie immer.

Der Großvater aber l-at sich an den Tisch gesetzt, hat Tinte, Feder und Papier genommen .und einer: langen Feldpostbrief an der: Viktor geschirieben.

Reichlich vier Wochen sind verflösse::, da hat Claire den: alten Manne wieder einen Besuch gemacht. Doch rvie ist sic da vergnügt gewesen! Wre hat sie den Großvater herzlich umarmt und mit !vel- cker Geheimnistuerei bat sie ihm einen Brief von Viktor zu lesen gegeben. Rich,t alle Stellen, Gott bewähre! - denn das meiste, was ihr der lustige Vetter geschrieben, schnkt sich nicht für alte Leute. Aber da, Uno es heißt, daß die ganze feindlich»? Armee besiegt,, gefangen, getötet ist, darunter auch leider der Hans, der Träumer, der Arme, das darf der Großvater lesen.Und nun gelwre ich nur noch Viktor, brauche mir wegen Haus keine Gedairken weh: zU. machen, da er ja tot ich nickt wahr. Großvater? Es ist

ja auch schioi: sv lange her, weiß kaum noch, :vie es mit ihm war. habe .'hu fast vergesse::

Der Großvater nickte zitsttmmend, lächelte wie eu: S-chjalk, dem ein guter Spaß gelungen ich und schenkt seinein E::?elkinde ein GläÄhen Kirschwasser ein.

Das weitze Uorn.

^tachdem Roggen mck Gerste wohl in alle:: Gauen unseres Vaterlandes glücklich unter Dach und Fach gebracht worden sind, ist jetzt überall die Weizen ernte in vollen: Gauge. Ter gvtisckM Raine des Weizens hvaiteis bedeutet so viel lvie das weiße Korn. In verschiedenen deutscher: Mundarten wirb heute noch der Meißen als Weißer: bezeichnet, so ii: der schrveizerisck-eri, ober-schwäbischer:, elsässischen, oberhessischen, rvettermrischen nnd lu^emburgischeir Mundart. Die Gerste lvar die älteste in Mitteleuropa bekannte Getreidcart, nach ihr machte mar: die Bekanntschaft mit dem Weizen Und dann erst mit dem Roggen. Ta die Gerste ein dunkles Riehl ergibt, so tvirrde also der Wetze:: im Gsgensatz zu ihr als das weiße Korn bezeichnet. Auch die Körner des Weizens zeichnen sich ja durch eine hellere Farbe gegenüber de:: übrigen Getreidearten aus. Ms die Heimat dieser feinsten Getreideart sieht man nach den Ergebnisse:: der neuesten Forschungen die Euphrat! ä:cker an. Bon hier aus wunderte der Weizen mit bei: Kulturvölker:: nach Westen. I:: de:: ältesten Urkunden je::er Völker tvirid er bereits als Brot- iruckit erwMit. In: erste:: Buch Moses (18,6) lesen wir:Mraham eiste ir: die Hütte zu Sarah (als die drei Männer bei ihn: eingekehrt waren) und sprach;Eile :md menge drei Vtaß Semmelmehl, knete und backe Kuchen." Mit demSemmelmehl" in der liebersetzung Marti:: Luthers ist Weizenmehl genieint. Tie Chinese:: kannten den Weizen schon 3000 p. Ehr., sie bauen ihn heute vorwiegend als Gartenbanfrucht an. Nach deri: vm: ihnen geübten Verfahren bestockt sich jede Wurzel viel reichlicher als ber uns, tvaist also weit mehr Äehren aus als in unserem althergebrachten Feldbau. Da mithin die Ernte reicher ansfällt und weniger Korn zur Aussaat erfordert tvird, würde es -sich, 'so schreibt stns ein Mitarbeiten em-fehlen, dies chinesische Verfahren, das keine besonders große Mühe erfordert, auch bei iüu? zur Einführung zu bringen. Tie Laubenkolvnisten, die Besitzer oder Pächter Kerner Ackerparzellen usw. könnten sich cu:f diese Weise eine:: Teil ihres Bedarfes an Brotfrucht selbst anbauen. In de:: alte:: Mmniensärgen Aegyptens ist uns sogar Weizen a::s der allerältesten Kultnrperiode Aegyptens» bis in unsere Tage anfbewahrt worden. Tie :mn:er noch tvieder- kehrenden Behairptungen, daß man solchen Weizen zum Keimen Und Blühen gebracht habe, sind selbstverständlich unrichtig. GS steht fest, daß der Pariser Gärtner, dem dortige Mtertnlnsforscher die Körner des Mumienweitz-ens tu Killtur gegeben hatten, den leichtgläubigen Pariser Gelehrtei: eine:: Streich gespielt hat. Seit­her aber wurde das Märchen von dem keinrfähig gebliebenün Muniienweizen in die Welt hinausposaunt. Bei den Aegyptern, Griechen Und Römer:: war der Weizen die vorzüglichste Getreide­art. Statt des bei uns gewöhnlicknen Hafers bekamen die Pferde in: alten Griecheulmtd Gerste als Futter; reiche Hcckden aber gaben, wie wir aus Hoiuer ersehe::, auch Weizen. So ruft in: 3. Gesang des Ilias Hektar aus;Wohlauf, ihr ineine Rosse, zeigt euch dankbar für die gute Pflege, die euch Andwmache hat ange- deihen lassen, indem sie euch köstliche:: Weizen und Wein vorseAe, so oft ihr nach Futter und Trank verlangtet." Auch die schnell­füßigen Rosse des Tiomedes erhielten, wie aus den: 10. Gesänge zu ersehn: ist, den lieblich scknneckenden Welze:: als Futter. In den Mittelmeerländern reicht der Wetze:: als eine uralte Knltnr- pflanze n::d als eines der Hauptgetreide der frühesten historischen Zelte:: bis zur Bronzezeit Kleinasiens (Troja), Italiens und Spaniens, bis zum Neolithicum in Aegypten, de:: Pfahlbauten und Terramarcn Italiens zurück. Früher nahm man bei uns allgenieiu an, daß der Weizenbau erst unter rönlisck-en: Einflüsse nach Mittel­europa gekommen sei. Diese Ansicht ist durch die Ergebnisse der neuesten prähistorischen Forschung gründlich ividerlegt worden. Das beweise:: Funde, die bis in die ältere Steinzeit zurückreicheu, so DÄrlpürren aus Nennttergeweiy in der Höhle des EspSLugu.es bei Lonrdos und Brmtiquel. lleberaus häufig s:::d ferner Körnerfunde vor: neolithischen Perioden ab im nrittkeren und nördiLickcn Europa. \\. a. haben auch die Pfahlbautei: des Bodensees zu Wangen eine reiche Ausbeute von Weizen und Gerste geliefert, und in den ost­deutschen Leichenseldcrn znnschen Elbe und Weichsel ist ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Menge geröstete,: Weizens zutage ge- sördcrt worden.

vernnsehtes.

* Verschwundene B äu ch c.Wieviel haben Sic abgc- n-ommen." Das ist die Frage des Tages. Man klagt einander sein Leid, spricht von 10 oder 20 Kilo - - auf etlvns mehr oder weniger kommt cs nicht an, aber wenn inan durch die Kriegseritähmng wirklich seinen Bauch verloren h.:t, ist man bei sich in der Rege! dieser Tatsache froh. Man fühlt sich ohne das lästige in'N viel wohl er nud gesteht sich, das; der Krieg In dieser Bezieh,u:q als Marienbad-.Ersatz" gennrlt habe. Die verscknnmdenen Bckneiie. um d:e es sich dabei handelt, sind zuneileu recht statt!ick: gelvcsen. so merttvürdig.cs nun scheint auch das Gebiet Banckrssx-ckes ist Bretts Gegen slaick) einer lmssenschaftliche:: Unterst ich» ng genasen.