Montag, den 20. August
Der rätselhafte Feind.
Roman von Sven Elve stad.
(Fortsetzung.)
9. Kapitel.
Ein Zusammentreffen.
Der Rittmeister ging mit nervösen Schritten im Zim- kner hin.und her.
„Latz mlich einmal überlegen," sagte er. „Ich habe ein Gefühl, als ob sich finsteres Gewölk um mich sammelte. Ich wiederhole noch einmal, daß ich Oberst Holger an jenem Tage mit keinem Blicke gesehen habe, aber so wie sich die Beweise gegen mich allhäufen, fange ich an, an mir selber, an meinem Verstände zu zweifeln."
Der Detektiv zog eine Skizze von der Lage der beiden Gutshöfe hervor und sagte:
„Gibst du mir zu, daß du etwa um halb vier Uhr eine Zusammenkunft mit Dagny, der Tochter des Obersts, an dem Kreuzweg in der Nähe ihres Hauses gehabt hast?"
„Ja."
Asbjörn Krag notierte sich die Zeit auf ein Stück Papier.
„In solchen Sachen, wo die Entscheidung von ein paar Minuten hin oder her abhängen kann, ist es gut, alles in Ordnung zu haben," murmelte er. Dann fuhr er fort:
„Es scheint festzustehen, daß der Oberst zwischen dreieinhalb und vier Uhr überfallen worden ist. Mit anderen Worten, wenn jemand auftritt und behauptet, du seiest von dein Zusammentreffen mit Dagny direkt aufs Feld geritten rmd habest den Oberst zu Boden geschlagen, so ist die Möglichkeit nicht zu leugnen. Wir können nicht beweisen, daß das Nicht geschehen ist."
„Aber der andere kann auch nicht beweisen, daß es geschehen sei," sagte der Rittmeister.
Asbjörn Krag wippte mit dem Bleistift in seiner Hand.
„Doch!" sagte er.
„Was meinst du?"
t,Wenn ich jetzt dieser andere wäre, so könnte ich es so gut tute beweisen. Jedenfalls sind eine Menge Anzeichen aufgetaucht, die es sehr wahrscheinlich machen."
„Du nlußt dich näher erklären."
„Gut. Ich komme noch einmal auf den Stall und dein Pferd zurück. Sein Hufeisen des linken Vorderbeines ist also entzweigebrochen."
„Das hast du schon einmal gesagt."
„Der Boden um den Tatort her zeigt deutlich, daß der arme Oberst von einem Reiter verfolgt worden ist. Du hast selbst gesagt, daß es hler in der Gegend nicht viele Menschen gibt, die reiten."
„So viel ich weiß, nur den Oberst und mich. Und dann Dagny."
schon sehr verdächtig. Und nun kommt das Allerverdachttgste: der Mann, der den Oberst verfolgt hat, rttt nrt Pferd mit einem zerbrochene Hufeisen."
Der Rittmeister verbarg das Gesicht in den Händen.
„Wenn du das alles sagst, so mutz es ja richtig sein," tagte er. „Aber lch kann es einfach nicht verstehen. DaS ist nur ein vollkommenes Rätsel. Ich bin sofort nach meirrer Unterredung mit Dagny nach Hause geritten."
„Und wenn wir diese Umstände mit den übrigen zu- lammenbringen, mit deinem ganzen Auftreten hier, der plötz- Uch gelösten Verlobung mit Dagny, deinem Brief an den Oberst und so weiter, so ist tatsächlich die Beweiskette ge- Schlossen. Lieber Freund, wenn der Oberst in diesem Augetr- blick wt sein sollte, so bist du der Mörder."
~... Aschfahl im Gesicht sprang der Rittmeister auf und Nürzte auf Krag zu. Gelassen schob ihn dieser zurück.
^ /SH uteme turistisch " sagte er. „Juristisch bist du der Mörder, moralisch nicht. Ich bin nämlich überzeugt, daß du es nicht getan hast, daß du vollständig unschuldig bist und daß eine Kette von rätselhaften und sonderbaren Ereignissen dick in so schweren Verdacht bringt. Das wird ein schwieri-
Fall, und ich kann nicht dafür stehen, daß du nicht beim nächsten Verhör verhaftet wirst."
... . kann imr nicht begreifen, wer der Täter sein
konnte, rief der Rlttmeister. „Der Oberst hat ja nur Freunde hier in der Gegend. Und eine solche Untat bedingt doch eine Todfeindschaft."
„Ueberleg dir einmal die Sache, vielleicht kommst du dann auf eine Spur," erwiderte Krag. „Denk einmal an ? ie Peränderung, die plötzlich mit dem Oberst vorgegangen ist. Erst hatte er nicht das mindeste gegen dich und hätte dir gerne seine Tochter zur Frau gegeben. Dann kam plötzlich der Umschwung, ohne daß du dir eigentlich den Grund erklären konntest. Der Oberst, der vorher lebhaft, mitteilsam, gesellschaftlich und liebenswürdig gewesen war, schlug mit einem Male gerade ins Gegenteil um. Er wurde finster und verschlossen, beinahe feindselig. Das alles deutet daraus hin, daß ihn ein großes Unglück getroffen hat. Zugleich wurde dir bekanntgegeben, daß von einer Heirat zwischen dir und der Tochter des Obersten keine Rede mehr sein könne, und die Verlobung ging stracks in die Brüche. Es sei nichts geschehen, behauptest du, und dasselbe sagt die Tochter und hat auch der Oberst gesagt. Es ist also nicht irgend ein Ereignis daran schuld. DaN.c muß es ein Mensch sein, der diese Veränderung bewirkt hat, derselbe Mensch, der den Brief chrieb, den der stellvertretende Amtsrichter als von dir her- rührend betrachtete, derselbe Mensch, der den Oberst zu Boden geschlagen hat."
„Aber wer kann das sein!" brach der Rittmeister los. „Dahinter müssen wir jetzt zu kommen suchen. Vor erst aber wollen wir die Sache ruhen lassen. Ich ahne ein vortreffliches Abendessen."
Die Türe wurde zurückgeschlagen, und des Rittmeisters alte Haushälterin bat die Herren ins Speisezimmer. Sie »atte sich dem Besuch zu Ehren besonders angestrengt, und 'schön: Krag ließ sich das Essen schmecken.
Während der M.ahljeit sprach er nicht mehr Mn ba


