Ausgabe 
15.8.1917
 
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jiel es aus, dch besonders der Lehrer außerordentlich großes

Finden Sic etwas?" fragte der Detektiv lächelnd, während er auf die Gruppe zuging. ^ _ . . Q -

Die beiden Ladendiener schüttelten den Kopf, der Zeh­rer schwieg. . , . . , ,

Las ist eine Erscheinung, die uch immer wiederholt, erklärte der stellvertretende Amtsrichter sachverständig.So­bald bei einem Falle irgend etwas rätselhaft ist, traut >ich jeder beliebige Mensch die größten Detektivgaben zu, und es ist oft höchst merkwürdig, zu welchen Schliißfolgerungen

solche Menschen koniinen." . , ul , t . cm *

Der Lehrer, der des Amtsrichters spöttische Worte ge­hört hatte, entfernte sich schweigend. _

Asbjörn Krag sah ihm lange nach, und Plötzlich war es, als gleite ein Schatten über des Detektivs sonst so kuh­les und ausdrucksloses Gesicht, und in seinen tiefen, klaren Augen glimmte ein Funke auf, der von Verwunderung Senate

Wie heißt dieser Mensch?" fragte er und deutete mit dem Kopf nach dem Schullehrer, der eben m der Richtung auf das Dorf zu hiiiter den Bäumen verschwand.

Er heißt Bomann," erwiderte der Amtsrichter.Seit ungefähr acht Tagen wohnt er im Dorfe beim Kaufuiann.

Wer ist denn der Kaufmann?" fragte Krag.

Der Amtsrichter deutele auf einen der Anwesenden, und Asbjörn Krag schaute sich den Mann lange an, als ob er sich lein Aussehen genau einprägen wolle. , , .

Dann schlug der Detektiv den inngen stellvertretenden Amtsrichter freundlich auf die Achsel und sagte:

Wollen wir gehen? Wir wollen wieder ins Daus des Obersten zurückkehren. Meinen Sie, es wäre möglich, daß ich das junge Mädchen sprechen könnte?"

Sie ist sehr angegriffen. Ich fürchte, sie hat einen Ner- venchock bekommen. Aber wir können es ;a versuchen. Was möchten Sie sie denn fragen?" .

,Mir wollen einmal sehen," antwortete der Detektiv. ,LZielleicht ist alles Fragen doch vergebens." .. .

Meinen Sie? Sie ist aber ein sehr verständiges Mädchen."

Gerade deshalb," entgeguete der Detektiv mit Nach»- druck.Vielleicht ist sie für uns beide zu klug."

Der stellvertretende Amtsrichter verwunderte sich sehr über diese Antwort. Er sah den Detektiv an, um vielleicht aus dessen Minenspiel lesen zu können, was er meinte. Aber Min wurde der Detektiv mit einem Male ganz vergnügt. Er machte eine Handbewegung und sagte:

Was ist! dies hier für eine herrliche Gegend! Hier Niöchte ich leben!" , .

Der Amtsrichter konnte mit dem besten Willen die Ge­gend nicht besonders schön finden, und sie war es auch nicht. Mer Krag fehlte der Sinn für Natur vollständig, und wenn er in diesem Tone von der Natur sprach, bann lag stets die Absicht dahinter, unangenehmen Fragen oder Erklärungen auszuweichen.

Der Detektiv wurde plötzlich gesprächig, und als die bei- beit Herren auf dem Host des Obersten anlangten, war er mitten in einer interessanten Geschichte aus seinem ereignis­reichen Leben, einer Geschichte, die der junge Amtsrichter mit Begierde einsog. Plötzlich aber rief er:

Da ist sie!"

Asbjörn Krag kehrte sich um. Ein junges Mädchen kam langsam über den Hof dahergewandelt.

Sie schritt mitten im Scheine der untergehenden Sonne. Asbjörn Krag konnte ihr Gesicht deutlich sehen und war betroffen von ihrer eigentümlichen Schönheit. Sie trug ein Kleid von ländlichem Schnitt, aber so, wie sie sich bewegte, war cs nicht schwer zu erkennen, daß sie eine Dame war, die auch schon anderswo gelebt hatte, als auf einem weit- abgelegenen Gutshofe.

Das Mädchen kam auf die beiden Herrn zu. Krag konnte sehen, daß sie sehr blaß war. Sie mußte erst vor kurzer» Zeit geweint haben.

Fräulein Dagnh streckte ihm die Hand entgegen und versuchte zu lächeln.

Ich habe gehört, daß Sie hier sind, und möchte Sie gerne begrüßen," sagte sie.Ich bitte Sie, ins Haus zu kommen."

Danke. Ich hatte eben die Absicht, Sie aufzusuchen, gnädiges Fräulein. Sie können mir vielleicht einen Dienst erweisen, vielleicht sogar einen sehr großen Dienst."

Das Fräulein wurde ängstlich und erwiderte zurück­haltend:

Ich?" ^ m

Ja, gerade Sw, mein gnädiges Fräulein. Der Denc Amtsrichter hier sagte mir zwar, Sie dürften nicht behelligt werden, aber ich hatte mich entschlossen, darauf keine Rück­sicht zu nehmen."

Fräulein Dagnp lächelte wieder.

Ich hätte Sie nicht für so zirdringlich gehalten," sagte sie.

Das bin ich auch gar nicht, gnädiges Fräulein," er­widerte Asbjörn Krag.Aber hier, wo es sich um so wichtige Dinge handelt, wußte ich ja, daß Sie sich dem, was Sic tun können, nicht entziehen würden."

,^Jch istehe Ihnen gerne zu Diensten. Mas kann ich tun?"

Zuerst möchte ich mich erkundigen, wie es Ihrem Herrn Vater geht."

Der Arzt ist soeben bei ihm gewesen. Er ist noch! nicht wieder zum Bewußtsein gekommen, und der Arzt meint, das könne vielleicht noch Wochen dauern. Aber er hofft doch, ihn am Leben zu erhalten."

Weiter möchte ich Sie um eine Unterredung unter vier Augen bitten," sagte Krag.

Als er diese Bitte aussprach sah er sie ernsthaft an. Ihre Blicke wichen den seinigen scheu aus.

Da erkannte Krag, daß sie etwas wußte, und er­sah an dem nervösen Zittern ihrer Hände, daß sie in großer seelischer Erregung war.

(Fortsetzung folgt.)

Glöckner Chommsen.

Von Paul Alexander Schettler.

(Nachdruck verboten.)

Glöckner Thommsen trat von den: Albane des Turms von St. Kathrin in sein Turmstübch^n zurück. Er hatte deir stündliichien Ruudgang Und Ausblick auf die Stadt, der seit Jahren zu. seinem Amt gehörte, beendet lund konnte sich die Glieder wieder am Feuer des Ofens wärmen. Das war nötig, denn, dvatußeu heulte der Sturm und trieb Schneeschauer gegen die Fenster; und zehnmal toller trieb hier oben der Schneewind sein Spiel als drunten iir den Straß«r. Ta riß es ihn, den. alten Mann, mit ganzer Wucht herum und die Kälte» drang ihm durch den dichten Pelz bis auf die Haut. Aber er kannte das und seine Statur lvar wetterfest geworden in den langen Jahren seines Dienstes, hart gegen Unbill und Wetterbraus, wie seine Seele gehärtet gegen yfiot und Leid.

Das hatte wohl die Einsamkeit zwoege gebracht, daß er auch innen hart geworden war, hart gegen sich wie gegen, andere. Stürmisch, wie hier oben der Wirbelsturm ihn um brauste, hatte ihn das Leben angefaßt, und einsam, »che ihn sein Amt über die Menschen gesetzt hatte, war er auch als Mensch unter Menschen. Und doch! war er nicht vom Le bei: dort unten losgelöst, und der Krieg, der seit Jahr und Tagt fernem tobte und brandete, warf das dumpf brausende Echo auch in seine Seele. In seiner Einsamkeit fühlte -er, der Alte, sich durch den Enkel au das Schicksal her Well gebunden, durch den Enkel, der draußen für des Reiches Bestand mit litt mrd focht.

Ter Enkel, das Einzige, was ihm das Leben gelassen, hatte am Kriege teilgenockmeu. Mit aller Kraft hatte er um den Jungen gerungen, hatte ihn zu halten gesucht, aber der Krieg war unerbitt­lich. Er mufete ihn ziehen lassen und ihm blieb einzig die Sorge um ihn. die er tief in sich verschloß, die au feiner Seele 6iß, uno die er vergebens mit aller Härte von sich zu weisen suchte.

Sturmbewegt, wie der winterliche Wettersturm draußen, sah es in Glöckner Thommseus Innern heute aus. Eine Karte war ihn: heute in seine Einsamkeit geflogen. Weit aus den: Westen kündete sie des Enkels Ankunft in der Heimat an.Urlaub, Großvater, Urlaub!" schrie es» ihm förmlich entgegen juit der ganzen jauchzenden Wiedersehensfreude der Jugend.Halt nur gut Ausschau, wenn ich komme!" hatte der Junge hinzugefügt." Tu wirft dich! wundern, Ums aus mir geworden ist."

Achi ja, Ausschau geholten hatte her Mte ja stündlich in Wind Und Wetter, und die galt nicht der Stadt nur und umr nicht nur starre Pflicht. Seitdem er draußen war, der Junge, trieb ihn mehr als Amtsbewußtsein auf die Ausschau und seine alten 2kugeu schienen schärfer und eindringlicher schauen gelernt zu haben. Sie sahen über das Land hinaus, weit, weit in ein ivildes wogendes Geschehen, das sie deutlich zu erkennen glaubten. Und wenn er wieder drinneu saß, am Ofen, starrten seine Augen noch hinaus und sahen pbantastische, abenteuerliche Bilder, zu denen der Sturm, der um den Turm pfiff, seine wilde Melodie geigta. Wie aber riß es cur seinem Herzen, loenn er die knotigen Taue fassen und der Glocken ehernen Lippen baS WortSieg" entreißen mußte, daß der Glockenftuhl bebte und waMe viotr dröhnendem