Ausgabe 
4.8.1917
 
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und

Der rätselhafte Feind.

Roman von Sven Elve st a d.

Autorisierte deutsche Uebersetzung fron G- Bauer.

(Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Ein merkwürdiger Tag.

Liebst du sie wirklich?" fragte Asbjorn schaute seinen Freund forschend von der Sette an.

Der Freund fuhr heftig auf. .... t ~ ltrtS Du fenitft mich doch!" rief er.Ich bin kern Freund großer Worte, am wenigsten, wo es sich um meine eigenen Gefühle handelt. Ich gelte für still , und wortkarg, und ich bin es auch. Stets bin ich meine eigenen Wege gegangen. Während meiner Reisen in Asien und Afrika habe ich ge­lernt, Taten zu schätzen und die großen, leeren Worte zu ver­achten. Du weißt also, daß ich wirklich,aus meines Herzens innerster Ueberzeuguna rede, wenn ich sage, ich liebe ste. M) bin mir vollkommen klar darüber, daß ich an einem Wende­punkt meines Lebens stehe: Sie muß mem werden, oder es

0l&t ^Ein 'Unglück? Was willst du damit sagen?" fragte

^"^D^andere trat ans Fenster und schaute hinaus. Die Bäume der Allee draußen prangten im ersten frischen Grün des Maien. Als er antwortete, lag ein ernster, wehmütiger Kürng in seiner Stimme. ^ ^ ,,, . ^ .

Jetzt bin ich fünfunddreißig Jahre alt, sagte er. ,,^ch bin weit in der Welt herumgekommen und glaube, daß ich jetzt endlich das große Glück meines Lebens gefunden habe. Wenn mir dies entrissen wird, so bin ich - das.suhle ich bestimmt - für iminer unglücklich. Dann bleibt Mir Nichts, als ruhelos die Welt zu durchstreifen. Stilles Entsagen liegt 'mm, einmal nicht in meiner Natur. Es könnte sein, daß ich einen anderen Ausweg wähle, wie er besser für einen Mann paßt, der viel von der Welt gesehen und sich stets die Men­schen' möglichst aus seinem Leben ferngehalten hat."

Er setzte sich wieder Asbjärn Krag gegenüber und fuhr mit demselben tiefen Ernste fort: ^.

/Stint möchte ich die Sache mit dir besprechen, weil ich weiß 'daß du ein Mann von scharfem Verstand bist, und weil ich dich als meinen Freund schätze. Ich habe in der letzten !Zeit unaufhörlich über diese Sache nachgedacht, habe ge­sonnen und gegrübelt in schlaflosen Nächten und in rummer- vollen Tagen, und ich bin zu der Ansicht gekommen, daß sich irgend etwas Geheimnisvolles zwischen sie und mich gestellt haben muß. Und das hat sich so plötzlich zwischen uns erhoben, wie sich die Sonne hinter einer Wolke versteckt. Willst du

mir beistehen?" . . .. . M

Du gehst ja gewaltig ins Zeug," erwiderte Asbiorn Krag.In allem, was "ich bis jetzt gehört habe, kann ich

vorerst nichts erblicken, als eine unglückliche Liebesgefchichtc. Du liebst also das Mädchen. Und sie liebt dich auch?

Ja, sie liebt mich."

Sehr schön. Hat sie dir das gesagt?

Ja, das hat sie mir eingestanden," fuhr der andere heftig dazwischen.Mehr als einmal hat sre mir das freude­strahlend und glückselig eingestanden."

Gut. Wie lange kennst du sie?"

Seit einem halben Jahr. Letzten Herbst lernte ich sie kennen, als ich nach meines Vaters Tod das Gut übernom­men hatte. Nachher trafen wir öfters bei unfern Ausritten zusammen. Dii weißt, daß ich ein eifriger Reiter dm. und sie ist eine begeisterte Reiterin, und so hatten wir gleich ein gemeinsames Interesse für unsere Gespräche. So verging

einige Zeit. Aber ich versichere dir, daß ich mir vom ersten Augenblick an bewußt war, in ihr die große Liebe metneg Lebens gefunden zu haben. So sagen jedesmal alle, dankst du. Nein, so sage wenigstens ich nur dies eine Mal, das weiß ich. Ich kenne mich, und ich habe mein Herz erforscht.

Was sagte der Alte dazu? Er mußte euch doch ge­legentlich beisainmen sehen."

Du meinst den Oberst?"

Ja, ihren Vater."

Er war zu Anfang und noch lange Zeit nachher gag einverstanden. Er lud mich in sein Haus, und soweit ich erkennen konnte, sah er mit freundlichen Blicken mit an, wie sich Dagny und ich einander immer mehr näherten. Er scherzte auch gelegentlich und meinte, wir gäben einmal ent schönes Paar."

Warum hast du dann nicht um sie angehalten?

Das habe ich getan!" . .

Und da hat er also dannnein" gesagt?

Durchaus nicht. Aber er unterbrach mich ganz freund­lich und sagte, davon könnten wir später einmal reden. Wir beide, Dagny und ich, sahen die Sache als abgemacht an, und es wurden auch unserem beinahe täglichen Beisammew- sein keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt. Wir hatten am liebsten sofort geheiratet, aber da der alte Herr auf die her­gebrachten Formen hielt, wollten wir uns fügen und waren bereit, uns eine entsprechende Verlobungszett gefallen zu lassen. ...

Aber da kam plötzlich die Veränderung in seinem Be­tragen mir gegenüber.

Ach, wie genau ich mich dieses Tages erinnere! Es war am Abend vor nun gerade vierzehn Tagen. Die Sonne war am Untergehen, und es fing an, kühl zu werden. Ich ließ Eva", mein neues Reitpferd, satteln, denn ich wollte zu dem Oberst hinüberreiten, um heute noch einmal ein paar Worte nlit meiner Liebsten zu wechseln. Ich hatte sie schon am Vormittag einige Augenblicke gesprochen, und wir sollten uns eigentlich erst am iiächsten Morgen bei unserem gewöhnlichen Ausritt Wiedersehen. Aber es war mir wie eine Ahnung: es lag mir wie ein Stein auf der Brust. Ich trieb ,,hva an,