Ausgabe 
25.7.1917
 
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die Herstellung möglichst vieler Apparate nach den Grund sätzen des eingelieserten Probefluges verlangten.

Es ist eine so umwälzende Verbesserung," sagten die Herren, die begleitet waren von maßgebenden militärbehörd lichen Größen,daß der Erfinder damit eine Wohltat er­wiesen hat, nicht nur dem Heere, sondern auch sich selbst! Denn er ist nun ein gemachter Mann."

Ja, das war Hermann Kürow nun.

Er hatte selbstverständlich mit aller Vorsicht und Um­sicht alle Patente genommen, die nur irgend möglich waren. Dann hatte er den Chefs einen sehr annehmbaren Vorschlag betreffs der Herstellung gemacht. Und nun freuten sich alle Beteiligten, denn dies war eine Sache, die ungeheure Sum- meu erforderte, aber auch einbrachte.

Der Krieg verzehnfachte die Aufträge natürlich. Viel­leicht würde er sie auch verhundertfachen. Das mußte man abwarten, es kam ganz auf die Länge des Krieges an. Jeden­falls war aber schon der Anfang ein ehrenvolles und glän­zendes Geschäft.

Kürow bekam durch Vermittlung des Geueralstabes ein langes Telegramm, das ihm seinen Triumph meldete. Er stand einige Minuten da in seiner Hünenlänge, starrte ganz ernst auf das Telegramm nieder und sah so fassungslos aus, daß ein Leutnant, der neben ihm saß, besorgt fragte:

Schlechte Nachrichten, Kürow?"

Schlechte? Himmelherrgott, schlechte? Ich ich habe einen Augenblick gedacht, mich trifft der Schlag. Kann einen der Schlag auch aus Freude treffen?"

,(Unter Umständen. Wenn man an die Siebzig ist. Doch Sie sind ja noch ganz heil Mensch, so reden Sie doch und lassen Sie Ihre Kameraden teilnehmen an Ihrer Freude!"

Da streckt» Kürow seine beiden Arme in die Lust, gleich einem telegraphischen Signalmast. Und dann kam aus seiner breiten Brust ein fürchterliches Getön, das vermutlich einen Jodler vorstellen sollte. Es klang wie das verzweifelte'Ge­heul eines Nebelhorns. Und entsetzt stürzten noch andere Krieger herein, die draußen beschäftigt waren.

Der Leutnant hielt sich die Ohren zu, bis Kürow mit einem langgezogenen Falsetton, bei dem ihm endlich die Stimme überschnappte ,den Atem verkrr.

Hierauf stürzte er auf den Leutnant zu, hob ihn in die Lust, trug ihn hin und her und schrie:

,,Pumpt mich an, Kameraden, pumpt mich allesamt an! Es Mt sonst ein Unglück. Ich platze! Ich platze positiv! Ich vm em reicher Mann! Was sagt Ihr nun?"

Der Leutnant, der schon lange herzlich befreundet mit ^r, blonden Ingenieur war, kreuzte die Arme über der M und ließ sich das Umhertragen vergnügt gefallen.

t ,Lmh!" rief er.Rechts, Galopp, Fuchs! Soo schön! o braves Pferdchen! Na Uun ist's genug! Sassen ie mrch mal fix runter."

v L ein Gelächter und ein Toben in dem Raum,

Ln r ma "yktte glauben können, Schuljungen trieben hier ihr Wesen. Aber die kameradschaftliche Herzlichkeit, mit der alle "nahmen an Kürows Glück, hatte etwas Rührendes und rqmckendes. Auch war zum Glück ein guter Tropfen bei er Hand, um das Ergebnis ergiebig und ordnungsgemäß zu feiern.

Nur als Kürow den begreiflichen Wunsch empfand, ein ^eldamm nach Haufe zu schicken, da boten sich Schwierig-

Das ging nicht an.

K . S [r l ber würde sofort telegraphisch gemel-

de w-rdenr-m. Aber ein persönliches Geschäft, das einem ^lnteroffizier glückte, nein, das konnte man beim besten Willen nicht telegraphisch übermitteln.

«V Avisen überlegten alle zusammen, ob es denn keine «Zinrelzuge, kerne Kriegslisten gab, damit dennoch der Draht in Tätigkeit gesetzt werden konnte.

^er s^mnlie^^ ^ um e * ne ^"^stige Benachrichtigung

rief Kürow.Nein, nicht Familie - »eineBraut ~ nicht. Es handelt sich nur unt

um seine Braut!" Neues hallo erhob sich. Und 8scheJdee^ ber Leutnant auf eine tiefgründige, diploma-

Hören Sie zu, Kürow, ich weiß Rat. Der Oberstabs- ßh l das Seuchenlazarett leitet, ist doch Ihr

persönlicher Freund, nicht wahr?"

Jawohl."

Na gut. Es wird rwch heute abend eine Patrouille nach dieser Gegend geschickt, eine reitende noch dazu. Es habeir sich bereits Freiwillige dazu gemeldet, aber es könnte noch einer daran teilnehmen."

Kürow stand sofort stramm:

Melde mich gehorsamst zum freiwilligen Patrouillen^ ritt, Herr Leutnant."

Na, also," sagte dieser.Nun wissen Sie ja Bescheid. Sie müssen nur ernstlich. sehr vorsichtig sein, denn nahe L... sind seit einigen Tagen leichte Gefechte im Gange, und Sie müssen immer gut Deckung suchen. Die Fraiizosen sind auch nicht gerade die Dümmsten."

. . Drei Reiter ritten eine Stunde später aus. Es sollten dle Wege, die ungefähr zwanzig Kilometer weiter westlich durch Wälder führten, kontrolliert werden, da Trnppenver- schiebungen bevorstanden.

_. * Kürow konnte, wenn er sein starkes Pferd auch lischt zu stark anstrengen wollte, doch ganz gut den Bogen machen, um in dem Lazarett vorzusprechen und von dem Oberstabs­arzt die Gefälligkeit erbitten, an der ihm so viel gelegen war.

Daß er von Ruth noch keinerlei briefliche Nachrichten gehabt, beunruhigte ihn weiter nicht. Es ist klar, daß sie chm geschrieben, daß sie seine Postkarten beantwortet hatte. Doch wußte man auch, daß große Verzögerungen stattgefun­den und daß manche Postzüge sogar ganz ihr Ziel verfehlt hatten. Ein Waggon mit Feldpost war merkwürdigerweise kmem sächsischen Bahnhof entdeckt worden, wo er fried- lich schon feit längerer Zeit auf einem Nebengleise stand.

Im Kriege konnte vielerlei Aehnliches passieren. Das machte ihm wenig Kummer. Sein blondes Mädel, das ängstigte sich hoffentlich nicht um ihn, da er ihr doch gemel­det, daß er nur eine leichte Fußperwundung davonqetragen hatte.

Jetzt aber, jetzt mußte sie doch hören, daß es ihrn gut rüg! Er wollte das Glück, das sein ganzes zukünftiges -eben in leichtem, goldigem Lichte erscheinen ließ, nicht allem empfinden. Daran mußte Ruth teilnehmen, Und das so s^iell wie möglich.

r r* Dämmerung, ganz selig und verb­

liebt, als ob ihn nicht rings die Schnecken des Krieges um­lauerten. ö

. "Die Billa" murmelte er,aetvinnt nun also greis­bare Gestalt. Und Ruth braucht nicht mehr zwei Jahre zu warten, bis sie einziehen kann in das Haus mit dem kleinen E eib Ä' sie kZ sich so sehr ersehnte. Ruth, meine ^"ih, du hattest \a recht, daß du dich gegen die über- erlte Kriegstvauuna sperrtest. Aber wenn ich wieder daheim brn, dann, bei Gott, dann wird nicht mehr geivartot! Darm geht s zum Standesamt Und in die Kirche, so rasch wie es nur irgendwelche hochwohllöbliche Vorschriften ge- starten." *

Er hatte sich getrennt von den beiden andern Mitertr trabte ans das Lazmrett Au, das ziemlich> iveit Posten ausgestellt hatte. '

Zwei von den Posten hatte er bereits hinter sich ae- nicht^weiter ^ ^ dritten angelangt war, durste er

Befehl, niennrnd dnrchzulassen. Seuchengesahr Dringende Meldung an don Oberstabsarzt," antivor- E rndein er einen dienstlichen Befehl vorwies, den

^^ch^gerwecse der Leu.tnant mitaegeben hatte. So schlüpfte er nochmals durch und stieg glerch daraus vor der

kran^elagen^n ^ eme Anzahl Typhus-

(Fortsetzung folgt?

&

Die Liebe

» Ein Märchen von heute.

Von Herbert Eulenberg.

m trat in das Warenhaus des Lebens ein

st« svh eme Zeülang darüber oernmndert hatte, was &F ^ ^»ehandelt wurde und was nicht, merkte sie plö^

Lauste, nnangenehni auijufaUm beaaim. öic wandte sich daraus hastrg an irg-endeinen der Ange- steNtcn und fragte zrtternd und mit Erröten:Verzeihen Sie' Ich möchte eüoas Labe haben."

^ e ? e? " schnauzte der Betreffende sie halb verwundert, halb verächtlich an.Lore sagten doch Lrebe?"

bestätigte sie, noch verlegener werdend. Sie sUch-te f,achtsam unter der Menge der Bezngskarten, die sie bet