Ausgabe 
11.7.1917
 
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Mittwoch, den 11 3ul?.

Die blonde Drossel.

Roman von E. F a h r o w.

(Fortsetzung.)

Am dritten Tage endlich kam ein Tele gram nt von- -row. Es war aus einer Küstenstadt datiert und bain mit pierundzwanzig Stunden Verspätung an.

Ein leider noch nicht eingestellt. Komme noch einmal Anrück unb bitte mit Abschieds treffen. Hermann."

Abschiedstreffen," murmelte Ruth entgeistert. Sie reichte Frau Ulrich das Telegramm hin, doch diese lächelte iniach sichtig:

Er drückt sich nur etivas ungeschickt aus. Natürlich meint er nur, daß er vor der Einkleiduna noch mit Ihnen Ausammeu sein will. Telegraphieren Sie ihm doch, er möchte hierher kommen. Sie können ja dann mit ihm spazieren gehen, wohin Sie wollen."

Am nächsten Tage war er da.

Ruth empfing ihn allein in dem großen Blum-enzimnier und sie fiel ihm sofort um den Hals.

Hermann," ries sie,das ist ja furchtbar, daß du nun Mch mitmußt!"

Cr lachte und hob ihr Gesicht empor.

Furchtbar? Herrlich ist es, mein Mädel! Gott sei Dank, daß es endlich losgeht? Dieses ewige Hinzieheu war ja nicht mehr zum Aushalten. Mer nun wollen wir uns sofort trauen lassen, nicht ivahr?"

Was? Trauen? Aber Hermann!"

Ich meine Kriegstrauung. Das ist jetzt ganz einfach. Und da ich inindestens noch acht Tage Zeit habe, wie man mir aus den: Kommando sagte, so können wir es sehr gut ein richten."

Sie trat ganz erschrocken zurück:

Aber ich denke gar nicht daran! Wozu denn nur?"

Herzlieb, damit wir uns haben! Sind wir Mann und Frau, dann kann uns nichts und niemand mehr tren­nen, und ich ziehe ruhigen Herzens in den Krieg."

Trennen kann uns auch ohne Trauung kein Mensch. Ich verstehe dich nicht! Es hätte doch nicht den geringsten Sinn!"

Er preßte eilten Moment die Lippen zusammen.

Zum erstenmal sah sic die scharfgewellte Ader an seiner Schlafe anschwellen und ein zorniges Licht in seinen Augen aufblitzen.

Keinen Sinn?" rief er.Ruth, kannst du denn nicht wenigstens meine Liebe verstehen, wenn du sie auch nicht ent­fernt erwiderst? Begreifst du nicht, daß es mir ein Segen und Trost iväre, wenn ich meine angetraute Frau zurück­ließe, an die ich ein Rockst habe, und die alle Rechte an mich hat? Und daß ich doch wenigstens vorher noch ein glücklicher Mensch gewesen wäre, wenn ich dann auch vielleicht nie wie­derkehre?"

Aber seine stürmischen Worte ließen sie nur noch mehr

zurückscheuen. Seine Glut war ihr fremd, und sie verstand ihn wirklich nicht.

IJch habe dich lieb," sagte sic stolz,und du weißt es. Was bedarf es erst noch einer Ehe, die keine Ehe wäre, da sie stur einige Tage dauern kann? Liegt dir soviel daran, daß ich deinen Namen tragen soll? Das ist etwas Gleichgültiges, und ich lege keinen Wert darauf."

Ruth!" bät er, doch in seiner Stimme war etwas Drohendes.

Sei doch vernünftig, Hermann," murmelte sie.Es ist so überstürzt und so planlos. Es ist vor allem so ganz und gar unnötig? Weshalb soll ich dieses Haus verlassen, in dem ich mich wohl fühle . . ."

Ah so, das also ist es!" höhnte er.Du suhlst dich wohl in dieser Umgebung na ja, ich kann es dir nicht verden­ken. Und da läßt du lieber den armen Schlucker ungetröstet in den Krieg ziehen . . ."

Hermann!" schrie sie aus.Was ist das? Was für eine Gesinnung traust du mir zu?"

Aber seine ganze Heftigkeit war erwacht, und er fühlte sich tief verletzt über ihre kühle Ablehnung seiner brennenden Wünsche.

Es ist hier gar nicht von Gesinnung die Rede." sagte er schroff,sondern von Tatsachen. Ich bitte dich, da ich mich doch wohl sozusagen als deinen Verlobten betrachten darf, daß du dein Wort einlöst und meine Frau wirst. Und du schlägst es mir ab. Das ist doch wohl der Tatbestand, nicht wahr?"

Sie sah ihn gequält an.

Wie bist du nur, Hermann! Ja, es ist derTat­bestand", gewiß. Aber ich beabsichtige doch nicht, mein Wort zu brechen. Ich will ja deine Frati werden? Wir wollten doch noch zwei Jahre warten."

Und wenn ich falle? Dann ist es dir anscheinend ganz egal, ob wir vorher noch ein paar Tage selig zusam­men njaren? Ja, du bift klug und weise, und gar zu über- Üegr! Ich aber ob ich- leide, ob du mir meinen so selbst­verständlichen, natürlichen Wunsch abschlägst, das das kommt ja gar nicht in Betracht?"

Du bist hart, Hermann," flüsterte sie. Sie war sehr bleich geworden, und ihre Augen brannten in nassem Feuer.

Ich bin hart? Ich? Nun, das allerdings hatte noch gefehlt! Das ist die bestühmte, weibliche Logik, an die ich bisher noch nicht geglaubt hatte Aber ich sehe schon, du hast denselben Eisenkopf wie dein Vater, du denkst nicht daran, nachzugeben, nur einfach mir zuliebe! Ueberlege es dir, Ruth es erscheint dir vielleicht doch noch in an* derem Lichte, wenn du ein wenig nachdenkst! Vorläufig fürchte ich, ich bin nicht in der Stimmung, um einen gemüt­lichen Spaziergang mit dir zu machen . Lebewohl schreibe mir, wann ich dich Wiedersehen kann."

Er war hinaus, noch bevor sie etwas erwidern konnte.

Sie stand da wie versteinert.

Was war das? Hatte sie ihn denn beleidigt? Wodurch