Gr Mke ihr eiudtt Vorleger aus dem^FU.chZbakg' Versprochen.
„Es ist Me in -er Fabel, wo die drei Gesellen den Bären IltnÄer sich teilen."
-.Und w-ie er kommt, klettern sie auf den Baum," fiel Renate ein. „ ,,
„Nun — auf einen Baum bin ich zwar nicht geklettert.
„Wirtlich nichit?" fragte Frau Erna.
Es sollte ein Scherz sein, aber er fühlte, daß mehr darin steckte, und nahm sick> vor, noch heute von seinem Bannte herab-- zusteigen.
Renate sah ihn au. Und wieder war es ihm, als verbreitete sich der Schein rhrer blauen Mgen um ihre Gestalt, so daß sie blond im blauen Glanze stand.
Unter der Fichte toter eine Bank, die morsch und verfallest, aussah.
„Wir müssen sie erneuern," sagte Frau Erna. „Renatens' Vater hat sie einst aufstellen lassen. Man konnte früher über die Fichten hinweg das Gut sehen. Knüpft sich nicht eine Sage an die alte Eiche?"
„Ja," sagte Renate. „Ein Ritter liebte zwei Schwestern, die ans e.iner Burg wohnt«:, die hier gestanden haben soll. Er konnte sich nicht für eine entscheiden, zog in die Welt und blieb lange Jahre verschollen. Ms er als graubärtiger Mann zurückkam, war die Burg verbrannt und von den Schwestern war rede Spur verloren. Ta pflanzte er in der Nähe zwei Eichen und ging Wieder ins Land. Eine hat der Blitz vernichtet, und dies hier ist die andere."
Es war dämmerig Igewiorden. Tie Frauen schwiegen Und standen
„Wollen »vir noch euren Weg machen?" fragte Larsen.
„Durch die Fickst«: und dann am Waldsaunre nach Hause?" meinte Frau Erna.
„Bitte, geht Ihr voran." sagte Renate, „ich nehme Bärlapp Und Moos mit."
Sie hatte stets einen Kranz um des Vaters Bild hängen! Und nahm meist Bärlapp! dazu, iveff der Verstorbene dies Gewächs gern gehabt hatte und es durch seinen Forstaufseher irr seinem Holze schlitzen ließ. So blieb sie zurück, indes die beiden vorgingen. Sie kan:«: in eine Schireise, wo die Feuchte ans dickerr Moos- Polstern stieg.
„Ich weiß nicht, »vas mit Rerrate ist," sagte Frau Erna, „sie ist seltsaur verärrdert und macht mir Sorge. Zärtlicher ist sie unb lreber als sonst zu »nir. 2 Lber es fehlt ihrem Entgegenkommen die ruhige Vertraulichkeit, und ettvas Frenrdes, Stürmisches ist darin. Tas liegt sonst! nicht in ihrer feinen, znvnckhasteiw'sU Natur."
Er wußte nicht, ivas er dazu sag er r sollte. Sie hatte nur ein einzigesmal mit ihrn über Renate gesprochen. Tas war damals, als der Gutsherr nach halbjähriger zweiter Ehe starb und Frau Erna mit dem dreizehnjährig«: Mädchen zurückließ.
Ein paar Rehe sprang«: quer über den Weg. Unten kullerte ein Bach durch Steingerüll. Ter gegerrüberliegende Berghang war blau übeffchleiert. Eichen und Bergahorne standen brarrn urrd gelb im blauerr Tust. Der Wind kam über die Höhe rmd bog die Fichten. Frau Erna schlatrerte leicht.
„Bald konrnrt der Winter." sprach sie leicht.
„Fürchten Sie ihn?"
„Was heißt fürchten? Es wird sehr einsanr bei mir werden."
„Weshalb?" wollte er fragen. Aber er brachte die Frage nicht heraus.
Sie kamen au den Waldsaun:. Bor ihnen lag das breite Tal, dahinter ein Bergzug steil und massig gufstieg. Mles lag im Blauen. Unten das Dorf, davor sich weiß ans dunklen Baum Massen das Herrenhaus erhob. Kmderstimm«: kamen aus dem Torfe, rmd auf den Felder»: glühten ein paar späte Krautfeuer. Tie nahen Kornäcker waren blaßgriin von junger Saat, rnrd es sah schön aus, Wie sich die zarte Silhouette eines sacht steigend«:, begrünten Ackers gegen eilte schwarze Fichtenmauer legte. Tie Umrisse der Bäume und fernen Häuser, der Büsche unb Boden- lvellen wurden weich. Geheimnisse schieiren zu wandern, die Schweres bargen u»»d dock) beglückten. Alles rückte nah rmd vertraulich zusammen, und doch dehnten sich sehnsüchtig die^ Weiten. Tie Feuer glomurerr rvie freudige Hoffnung. Es tvar die Stunde, irr der alles Erleben reicher ruid schöner »vird.
Larserr tvurde welch. Mer seine Uuschtüssigkeit rxnlvr sich. Er wollte sein Leb«: wird sesire Zukunft mit beider: Händen! an greisen.
„Wo nur Rerrate so fange bleibt?" fragte Frau Erna.
„Wünschen Sie, daß sie jetzt kommt?"
Er griff irach ihrer Harrd. Sie rvarrdte sich ihrrr zu.
„Nerrr!" sagte sie nttt bebender Stimme, „demr Sie haben mir «Ewas zu sagen."
„Muß ich es jetzt noch sagerr?" fragte er, ihre .Hand an die Lippen zieherrd.
„Ja, das müssen Sie!"
Und sie zog ihre Hand.zurück. Ta begann er zU sprechen oorr seirrer Liebe zu j.hr, die mrn schon Jahve gedauert hatte. Er fand schöne, wwhlgcsetzte Worte, an denerr er irn Augerrbltck selbst eine kleine Frerrde hätte. Urrd der Maerrbsick hatte ibU so im Bann,
daß ihm das gar nicht verdächtig vorkam, Damr »ckrv tt z!rr Ende'. Mer sie schwieg zu allenr.
„Fraw Erna?" fragte er betroffen.
„Ich fühle, daß dies mir galt," sagte sie da, „demr es war schön urrd wohtgesetzt. Verzeihen Sie, lieber Freund, aber mir war, als hätten Sie soeberr konversiert. Ich glaube. Sie würden zu einer andern arrders gesprochen haben."
Er machte eine abwetzrende .Handbewegung. Aber sie mißlarrg. Er trollte sprechen. Mer er »var zu ehrlich dazu, denn er lvnßte mit einem Male, daß sie recht hatte, »mißte mrn, daß er Renate mehr liebte als sie.
„Lassen Sie nur, Larsen!" sagte sie, als sie sab, wie er sich quälte. „Es war nur die blaue Stunde. Das Leben dieser Stunde Verlveht rasch, Und das andere, echte dauert lange. Mir beide sollten! so verständig sehr, unser Handeln danach einzurichteu, selbst — wenn es einem von uns schmerzlich würde. Renate liebt Sie, Larsen! Urrd nun lasst'.: Sie mich geherr. Ich will zrr Hause die Lichter anzürrden, danrit Ihr beide ins Helle kommt!"
Sie nickte ihm zu und schritt voran gegerr das Dorf.
Larsen stand verloren urrd blickte ihr nach. Er konnte es nicht ^ sehen, daß ihre Augen voll Tränen Ovaren. Aber danrr atmete er tief aus und sah in den Wald. Ta starrd Renate blaß zwischen der: dunklen Fichten.
„Renate!" rief er leise rmd ging zu ihr.
Die „hochbegabte Nachtigall".
In sturenrl wunderbaren Frühlingslied „Geh aus, mcirr D-wz, und suche Freud", das mair auch als Kirchenlied in den protestaro, tischen Gesangbücher»: wiedersindet, singt der Dichter Paul Gerharde zUM Lobe der Nackstigall:
„Die hochbegabte Nachtigall ergötzt rmd fMlt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Dal und Felder."
Biele viele unserer Dichter und gerade die bester: haben liebliche (Sängerin des Frühlings rmd der Liebe verherrlich^ von Walther vor: der Vogelweide an, der sie i!m „Lied vom .Waldi vögleiir" preistu
„Boi: den: Wald in: Tale klang — Tandarader —
Süß der Nachttgall Gesang."
Zu dem! Schönsten, was deutsche Dichter ihr zu Ehre»: gesagt haben, gehören Unstreitig die ihr von dem Dichter des „Me»ts Mwrlich«: Simplizissimus" gewidmeten Verse:
„KoUmr, Trost der Nacht, o Nachtigall!
Laß Deine Stimm mit Fre uden schall lAufs lieblichste erkling«:!
Murin, komnr, Und lob den Schöpfer Tein,
Weil andre Vöglein schlafen set)»:,
Unb nicht mehr mögen singen!
Laß Dein Strnrnrlcirr Laut erschallen.
Teirn vor allen,
Karin st Du lobe»:
Gott im Himmel hoch dort oben!"
Auch Goethe hat der Nachtigall u. a. irr dein Gedichte j,Land« lich" eine»: Vers ins Stammbuch geschrieben:
„Die Nachtigall, sie »rar entfernt,
- Der Frühling lockt sie wieder;
Was Neues hat sie rricht gelernt,
Singt alte, liebe Lieder."
Goethe »rollte sicherlich die Nachtigall damit »richt herab setzen, sondern zrmr Ausdruck bringen, daß wir uns an dem Nachtigallen-, gesange nicht satt hören können, obrvohl er doch immer wieder die alten Weisen bringt, aber vielfach, oft sogar unter ausdrücklicher Berufung ans Goethe, »verdeir die Verse in einem ganz anderes Sinne zittert, und zrvar tut man dies in der abgekürzten Form 2 „Die Nachtigall, sie »var entfernt, / Was Neues hat sie nicht gelernt," um jemand zu verspotten, der »reite Reise»: unternommen, aber seinen geistiger: Horizont dabei nicht enoeitert !>at. Gegerr. ein solches Verfahren, das de»: urspriinglick.1: Sin»: der Goetlu- schen Verse gänzlich verändert, auch, wenn dies mir in: Scherze geschieht, darf mit einigem Rechte Einspruch erhöbe:: werden, und zun: Ersatz lvüre in diesen: Fall für die Keimzeichnung des Reiserrden, der »lickst arrders zurückkehrt, als er gekommen, das sä>ö»:e Sprichwort von den: über der: Rhein geflogenen GänsclZen, daS als Gigack »oieder heinrgekehrt ist, rechst empfehlenswert. Fritz Reiltev sp«:det der Nachtigall in seiner „Bagcl- und Minsclxnr- geschicht Ha»me Nüte" das folgende ii: seiner Einfachheit sehr mU sagende Lob:
„Nu lchr," stggt Jochen:, „hür dock) mall Dit is die Kroet, de Nacht» gal,
'Tat Tieugschen si'iht nab gor nicks nt,
Uit »vo bringt stt bat uüblich rut!
Uit üinnrer l?att s'ei: Stück parat. — —"
Reuters »msterblicher «irritierter Entspekter Bräsig beschränkt seine KemMis der' Nachttgall aus die Verse eines alle»» Liedes:


