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1 U etai so MbeÄviegleiwÄ: Schiritt An, Würüin!, >M:Ü er sie, wie er sagte, schon lange liebte, hatte er dann nicht schon -eherl MPrvch>e::? Untvittkürlich Hatte sie sich damals gestvafft, hatte! iyn Niit tuhigei: Ml gen angeschaut und ihm gesagt, daß, sie vor, seiner Liebe noch nicht überzeugt sein und sich nicht entschließe^ könnte, einen solchen Schritt so schnell zu tun. Da war er wohl vor der Kälte ihrer Worte zurückgewichen und hatte doch noch einwal nach ihrer Hand gesagt: „Ich kann es nicht glauben^ Gisa, was du wir da sagst. Jch> weiß, doch, daß deine Augen mir Vst gefolgt sind, jch fühle doch so oft deinen. erwäriEwen Blick."-
Einen Moment -schienen ihre Augen haltlos in dem heißen Strahl seiner Blicke verfangen — dann aber zog es wie leises! Erschrecken durch ihre Seele. — Er ahnte ihre Liebe und hatte doch so lange geschwiegen? Und mit einem Mal war die ganze Sprödigkeit ihres Wesens wieder Mit doppelter Macht hervorge-l brachen. Als schämte sie sich dieser momentallen Schwäche, die sie durch ihr Zögern schon verraten glaubte, drängte sie fast schroff seine Hand zurück. „Gisa," bat re noch einmal mit bewegter! Stimme, „ich habe dich über alles lieb, und ich glaube dich auch besser als die andern zu kennen, und darum, nwmr du dich heitte. rroch nicht entscheiden kannst, koinme ich morgen noch einmal in das Haus deiner Eltern. Darf ich?" Darauf hatte sie geschwiegen, bis er mit gedämpfter Stimme lveitersprach: „In eurem Garten! knospen jetzt die schönsten Pfingstrosen, davon sollst Ml mir morgen eine geben, als Antioort, Gisa, die niich beglücken soll. Wenn aber keine für mich blühen sollte, dann —" Er sprach nicht weiter. Der: feste Druck seiner Rechten aber verriet ihr, daß er nicht ohne! Hoffnmlg ging.
Sie schenkte ihn: an jenen: Pfingstfest 'keine Roie, trotzdem sie die ganze Nacht schlaflos, sehstend verbracht, trotzdem in ihrem! Istnern leise warnend- eine .Stimme 'mahnte: „Nur manchmal flüchtig iM Vorübergleiten streift Unsere Stirn ein kurzes, schönes Glück!" Und ihr trollte das Glück jetzt die Hand bieten, wollte bei ihr bleiben, wenn sie es nur begehrte. Mit zitternden, zagenden Fingern tastete sie damals nach der roten Glücksblüme, bis ihr diese doch wieder vom, Mißtrauen und Zweifel aus dest Hand gewunden wurde. — Warum hatte er nicht schon eher ge-, sprochen? Wollte er sich, falls er verwundet zurückkam', nur dauernd! eine Pflegerin sichern? \
Was ihr Rolf Werner gewesen war, das wurde ihr erst völlig klar, als er an der Spitze seiner Kompagnie an ihren: Fenster vorbeiritt, ohne auch nur einen einzigen Blick herüber geschickt zu haben. Seit der Zeit fühlte sich Gisela Döring einsam.
Ein Jahr war darüber hingcgangen. Solch bangende Sehu-- sucht aber, wie ihr das heutige Psingstläntcn im Herzen weckte, glaubte Gisela während all der Zeit noch nie gefühlt zu Haber:., Langsam schritt sie in den Garten hinunter und sann darüber nach, wie es wohl Rolf Warner, der seit zehn Tagen hier im' Lazarett weilte, .gehen mochte. l
Als sie später wieder, eine:: vollen Strauß der schönsten Pfingstrosen im Arni, dem Hause zu schritt, kam ihr in lachendem UebermUt ihre jüngere Schwester Liska entgegengcträllert: „Schön guten Morgen, Gisel!" Sie legte ihren Arm! um Gisa und zog sie 'mit auf die Gartenbank. „Wie das nach Pfingstmaien duftet — einfach himmlisch! Aber sag' n:al, warum hast du denn so viel Pfingstrosen geräubert? Wenn nur wenigstens Rolf Werner käme, aber so, einfach bloß für uns die Blumen ins Zimmer zu stellen,"
„Wenn wenigstens lver käme?"
„Na — Rolf Werner! Früher kam er immer gelaufen, und jetzt läßt er sich so betteln!"
„Liska!" — Gisela blickte ihre Schwester so entsetzt an, daß diese bell anstachen mußte. „Guck mal nicht so böse, mir hat der arme Mann leid getan. Ich Hab' nämlich gestern dort in der Laube gesessen und Hab' beobachtet, wie er hier herübergeschaut hat, als er an unsernt Haus vorüberging. Na, und da Hab' ich Mitleid! gehabt und Hab' ihn eben für Pf engsten eingeladen. Und ux'ifrt; du, was der Undankbare geantwortet hat? Er könnte nicht konemen, Pfingsten wäre ihm kein schönes Fest, das könnte er nicht unter fröhlichen Menschlein seien:? Da Hab' ich ihm- gesagt, er soll mir nicht so viel vorslausen .— ich wäre doch zu Ostern konfirmiert! worden!" '
„Du bist ein entsetzlicher Kindskopf!"
„Du! — Hab' mal gefälligst etlvas Respekt vor mir! Ich bin jetzt eine Dame!"
Gisella hatte die Pfingstrosen mit in ihr Zimmer genommen. Das Geplauder- ihrer Schlvefter ließ die kaum bezwungene Sehn- sucht wieder jäh aufflammen. In Sinnen verloren, schaute sie die Straße hinab, nach der Richtung, wo das Lazarett lag. Sie halte lange träumend au: Fenster gelehnt, bis sie auf den: Weg. der an ihren:! Elternhaus vorbeiführte, laugsan: eiueu jungen Offizier in Feldgrau, der den rechten Arm in der Binde trug, daherkommen, sah. — Das lvar Rolf Werner! Wollte er doch LÜkas Einladung! Folge leisten? — Neu:, so wie sie ihn kannte, tat er das nicht. Es wäre ja auch noch für einen Besuch viel 51t früh gewesen.
Immer näher sah sie ihn kommen. Jetzt ging das Glück noch einmal vorbei! Als er aber an ihren: Fenster vorüberschritt, da, wußte Gisela Döring gar nicht, wie es geschehen !var. Ihre Hand hatte plötzlich eine vollerbliihte Psingstwse ergriffen und ihm d:ese zti:geworfen.
Daß Rolf Merner die Blmne aushob, nach ihren: Fenster
schaUte und int Weitergehen die Rose immer wck> immer toiedev beschaute, beobachtete Gisela nicht Mehr; denn sie war Uber ihr Mn, das ihr eigentlich hinterher erst zum Bewußtsein gekommen lvar, erschrocken ins Zimmer zurückgewichen, ,oo sie alle Bangigkeit ihres Herzens in erlösenden Tränet: befreite, die gleich erfrischendem! Blütentau das zarte Emporkommen ihrer so lang' verborgenen. Liebe netzten.
Großmutters Garten.
Erzählung von Paul Vexander Schettler. ' (Nachdruck verboten). 1
Großmutters Garten lag vor der Stadt, vor dem Tore, wie man früher zu sagen pflegte. Aber Stadttore gab es schon zu Großmutters Jugendzeit nicht mehr, oder sie litten ivenigstens keine Bedeutung mehr. Sonst hätte auch Wohl Urgroßvater nicht draußen das Grundstück ankaufen können, aus rvelck-em er der: Garten und das Sommerhaus anlegen ließ.
Das Mar ein Garten! Nicht so, wie heute Großstadtgärten sind, klcnn, eng, dürftig bepflanzt; nein, wie ein Märch,eng arten war ev \ ? ot ! verschien derischem Reichtun: an hohen, alten Bäumen! und dichtem Ltranchwert, voller heimlicher Märchen,vinkel, :u:heim- Ucher Räuberoerstecke, der fröhlichen Kindersck)ar wartend, die darin hauten sollte, und der Erwachsenen, sich der Pracht zu erfreue::..
Arme Großstadthäuser, was wißt ihr von Gärten, und ihr armen Großstadttrnder! Ihr hättet Großmutters Garten kennen sotten.
.freilich, als Urgroßvater ihn anlegen ließ — die Wttdms tnltrmeren ließ, besser aesagt — :var Großmutter rwch U.u:g. Aber die Bäume standen schon damals wie uralte Mävchm- rresen voll drch>ten Laubes, die Hecken Ware:: undurchdringliches Gestrüpp, durch das man mit Mühe Wege rodete/ die mit Kies bestrebt wurden. Und eine Laube ließ Urgroßvater bauen, die hieß das Lommerhans Und lag an der äußersten Ecke des Gartens auf Mem tlemcn natürlichen Hügel, von dem aus man fccu lieber- ubej: den Garten genießen konnte. Und weil das Sommeraus jo rdMlcsch lag, war ^s der Licblingsplatz. der Familie.
sobald die^ ersten warmen Frühlingstage ins Land zogen, hielt es Urgroßvater nrcht länger in der Stadt. Er brach mtt Kind und Kegel auf. Mai: wunderte hincu^ vors Tor in den Garten. Dort spazierte man, pflanzte man, erntete u:w genoß d:eMatur, wie Alten plauderten, die Kilwcr tollten bis zur an- vrechenden Dunkelheit, die zun: Heimgehe:: mahnte.
Nacht jeder hat in der^Ltadt einen so schönen und großen Garten, wie Urgroßvater. So kainen denn auch oft Verwandte und gute Freunde, die Familie in ihrem stolzen Besitzttm: zu bejirchen. Auch Lpielgefährten der Kruder. Vs dann die Kinder größer wurden und die älteste Tochter — Großmutter — in das Alter kam, daß sich die jungen Herren nach ihr Umsahen, tvnrden nicht selten auch Feste mit Gesellschaften im Garten abgehalten. Und emes Abends beim Aufbruch vermißte man zwei junge Leutchen, d:e Großmutter Und den Großvater, sie waren plaudernd ein wenig länger un Sommerhause zurückgeblieben, und der Dust des Jasmins und das frühabendliche Schlagen der Nachtigall hatte ihnen d:e Herzen geöffnet und ihre Lippen sich finden lassen.
Als daim die Hochzeit stattfand, gingen Großvattw mW Großmutter: — damals noch ein blutjunges Paar — hinaus in den Garten und pflanzten eine junge Lü:de nebe:: dem Sommerlwus. Und das Häuschen, in dem sie dann oft saßen, schirmte das junge Bäumchen daß es sich von Jahr zu Jahr reckte und entwickelt:. Mtt dem Baun: wuchs das Glück der Fannlie.
Bald tollten wieder Kinder durch den Garte,:, erkundete:: seine Der,lecke, erlauschten seine Märchengeschichten oder lernten ans ihn:, als ans einen: lebendigen Buche, in dessen Blätter Natur und Zeit geheimnisvolle Runen schrieben. Dann er,vncl>s auch diese Generation ,md setzte neue Reiser an. Großvater starb Großmutter überlebte ihn. Längst ward sie Großmutter genannt, und der Garten ihrer Jugend u:id ihres Eheglücks hieß Großmutters Garten. Tenn sie, d:e Altgcnwrdene, einzig Ucberlebcnde jener Generation, lvard die Bewahrerin und Pflegerin dieses Fauntten- besitzes.
Run tollten schon ihre Enkel auf den Wegen, aut denen Generationen: sich gctunnnelt litten. Immer neue Freude ,vechte der Garten, oder .raren es die alten Wunder' und Freuden, d:e der ehnbürdige nicht n:üde wurde, auch den Jüngsten wieder zu zeigen? Und Großmutter saß in der Laube und lächelte.
Sie sah die Gegenwart und lebte in der Vergangenheit, lieber ihrem weiß gewordenen Scheitel aber reckte sieb hoch in den Himmel eine breitästige Linde. Die Laube aber, die Generatioue:: freundlich unter ihren: grünumrankten Dache Gastrecht genährt hatte, jie lvar jetzt doch ein wenig müde und ,vi:wschief gelvorden. Sie leimte sich an den starken Stamm an, wie rin altes Mütterckx'n an ihren starken Sohn. — Wie int menschlichen Leben, nickte die Großmnttrr lächelnd.
Die Zeit, die Zeit! lachte sie kopssclnttelnd. nvs und Stund«:. Tage und Wochen? Sie zerfließen in ein Nickte und tiiinint sich dock) aus zu Jahren, und Jahre türmen sich auf Jahren hoher und immer drolrender reckt sick) die Zeit. Ein N:äns kommt, wächst, lvird gwß und verdrängt d^:s Große. Starke, daß es zusammen sin kt, bald lvßcHer ein Nichts. — der Garten,


