Ausgabe 
14.2.1917
 
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Mittwoch, den 1§. Februar.

Königsträume.

Roman von ?arl Busse.

(Nachoru.l verboten.)

(Fortsetzung.)

16. Kapitel.

it ^baskowicz' großes Madonnenbildwerk war fertiq seme Kraft gerade so weit gelangt, als hätd er dav Letzte mit dem letzten Schnitt des Steckers ausae- geven, sank er vor dem vollendeten Werke zusammen. jKJI bewußtlos und int Fieber lag, wußte er nicht r m 5 r t UL f ter tn der Stube, -als ier frierend auswachte. Muh sam kroch er zu seinem Lager. Er blieb mit wachen Auaer darauf liegen, bis der Morgen kam. Die Zähne klappertet ihm, so durchschauerte ihn die Kälte. Dann Plötzlich brack überall der Schweiß aus.Wie schwach ich bin" bacbte et und lächelte seltsam. Mit einemmal drehte er sich um De stand sem Werk. Da stand die heilige Jungfrau, selig, lebend lg, als wollte sie mit dem Kindlern auf ihn zu- kommen. Und er war der Schöpfer.

Seine Augen schlossen sich und öffneten sich wieder. So wollte er lregen bleiben und sie nur ansehen. Und die Stunden vergingen. Er etnpfand kernen Hunger, ob es auch lange, lange her war, daß er nichts gegessen hatte. Er brauchte es ;eht nrcht mehr. Sein Wille hatte ihn aufrecht erhalten, brs erfüllt war, was als heilige Last auf ihm geloaeu. Dre Last war von ihm genommen. Nrrr der Durst quälte rhu sehr Aber er war zu schtvach und zu müde, sich nach dem Was)ertrug zu schleppen. Er trank sich Er­quickung, indem er Marra ansah.

Stärker wurde der Durst, fliegender der Atem. Mi

ßerfter Anstrengung zog er sich hoch, daß der Kop her' lag. Der Atem wollte immer fortbleiben. Ein wahn

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Angstgefühl, daß er ersticken müsse, packte ihn. E wollte schreien, lern Schrei kam auls der Kehle. Selbst di heilige Jungfrau half nicht mehr. Dann schien die Brus wieder freier zu werden. Ohne Schmerzen lag er da, nu' sehr sehr matt. Jeden Augenblick glaubte er, er müsß ernschlasen. Aber er schlief nicht ein.

Wieder ward es dunkel. Lartge, furchtbare Stunden Gegen Morgen schien ihm jemand ail der Tür zu sein Ich habe die Tür nicht verschlossen!" durchzuckte ei ^hn.Man wird kommen, man wird sehen, was ich ae- schaffen habe, man wird es fortnehmen."

Der quälende Durst hatte ihn nicht aufgetrieben: jetzj trtefe ifyit bte Angst auf. Taumelnd versuchte er sich zn erheben. Er mußte sich festhaltett. Er sah ein, er konnte nickst mehr allern gehen und stehen. Aber es mußte sein Me 5kraft nahm er zusammen. Bis zur Tür war es zu weit. Aoch das Tuch konnte er greifen, mit dem er die heilige Vnngftau so oft bedeckt hatte.

Es gelang ihm wirklich. In plumpen Falten fiel es

Über fern Werk. Ein glückliches, triumphierendes Lächeln erhellte einen Augenblick sein Gesicht. Dann erschütterte rhn ein jn f - uistenansall. Die linke Hand, mit der er sich auf den des Bettes gestützt, griff nach der Brust. Er

verlor den Halt und brach ächzend zusammen.

Kascha Kaczmarek hatte zwei Nächte lang umsonst vor den Scheiben gestanden. Dunkel das Fenster, dunkel das Zimmer. Warum arbeitete er nicht? Was war ihm? Keiner v^ite ihn gesehen. Selbst Essen hatte er sich nicht geholt. Die Unruhe verfolgte sie aus Schritt und Tritt. Als das Fenster auch in der zweiten Nacht sich nicht erhellt hatte, ging sie biqs zum Morgen in dem engen, dttmpfen Raum, darin sie jetzt hauste, auf und ab. Dann aber band sie ein rotes! Kopftltch um das wirre, ungekämmte Haar und trat aus die Sttaße. Es war ihr lieb, daß sie noch ganz leer war.

Mit schnellen Schritten ging sie zur Schmiede. Sie klinkte nicht an der Tür. Sie preßte, wie als kleines Mäd­chen, das Gesicht an die halbgefrorenen Scheiben. Zuerst sah sie nichts. Dann schrie sie auf. Es lag etwas auf dem Boden. Undetttlich nur bemerkte man es. Sie zögerte keinen Augenblick. Fast krampfhaft, wie unter einem unbeugsamen Entschlüsse, legte sie die Hand auf die Klirtke.

Durch die unverschlossene Tür trat sie ein. Das Licht war noch grau. In dem grauen Lichte erhob sich etwas Großes, Verdecktes. Das übergeworfene Tuch ließ keine Um- rtsse erkennen. Mer um so größer, gewaltiger schien cs emporzudämmern. Daneben der Krüppel, reglos, kalt, mit dem elenden, abgezehrten Gesichte. Ihr war heiß. Unter dem roten Kopftuch brannten ihre Backen. Und ihre Hände wurden schweißig, so kalt es im Zimmer war. Mit den Händen hob sie ihn, auf den Armen trug sie chn auf sein Lager, die Last war nicht schwer. Sie deckte ihn zu, wie eine Mutter das Kindlein.

Dann sah sie sich um. Was sollte sie tun? Ihn wecken? Wodurch? Wenn sie ihm die Stirn mit kaltem Wasser rieb? Mer ob das auch gut war? Und plötzlich in dem einsamen Zimmer, wo nur ihr Atem hörbar war, neben sich dasi große, graue Versteckte, vor sich auf dem Lager Juschu Laskowiez, als war er tot, überkam sie eine grenzenlose Furcht. Am liebsten lväre sie fortgestürzt und hätte sich tn einen Winkel verkrochen wie ein krankes Tier, tim dort zu schreien, zu sterben vielleicht, was wußte sie!

Mer sie konnte ihn nicht allein lassen. Sie suchte nach Holz. In einem Winkel lag ein wenig Torf geschichtet. Retstg und ein zerspaltener Kistendeckel daneben. Sie raffte etn paar Hände voll auf und katterte sich vor den niedrigen Ofen. Es wollte nicht brennen. Sie pustete die Flämmchen an.

Da siel ihr ein, wie gern sie das früher getan hattje. Es war so sehr lange schon her. Sie konnte es kaum mehr denken. Da sollten die Flammen springen und knistern, soll­ten mit dem Holz spielen, wie die Katze mit der Maus, und husta he, da hatten sie es und fraßen sie es! Heute sollte, es nur warm werden. Ihr Gesicht glühte. Sie blies immer