Ausgabe 
13.1.1917
 
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e ianb, Jugerü» drängte Ju Jugend. Mit geschlossenen en lehnte sie gegen seinen %xm. iLat es weh getan, Fräulein Hannas , Nun war auch er unsicher. Sie schüttelte langsam, ime lvü einem Traume, den Kopf, ohne die Augen zu öffnen. Es

K en nur Sekunden. Der Ärm, der sie aufgehoben, der sie te, zitterte jetzt auch.

Fräulein Hanna!"

'Nein," wehrte sie.

Haben Sie den anderen wirllich fortgeschickt?"

Äe nickte nur. Doch im selben Moment stteg ihr alles Blut zu Kopf, ein Schauer durchrann sie, sie hatte an seine beißen Worte gedacht, an die ttunkene Leidenschaft. Ihr Atem ward schwer. Gleich, als müsse sie Schutz suchen, schmiegte sie sich fester an ben starken Arm, der sie stützte.

Hanna!" sagte Versen noch einmal. Dann hielt er sie ln den Armen. Sie wehrte sich kaum. Sie suhlte, daß sie ver­loren war. Llber sie fühlte zugleich als die Arme sie immer Näher zogen, immer fester hielten, daß sie gebargen war, Fugend hatte sich zu Jugend gefniiden. In der Winterkuhle standen sie. Ihre Häiide waren feucht vom Schnee. Ihre Ge­sichter rot von der Ansttengung des Spieles. Aus Hannas Wangen waren noch Spuren der Flocken. Und dort, wo er sie versehentlich hingetroffen, küßte er sie.

Er küßte sie wortlos und still. Er küßte ihre Lippen. Da schlug sie die Augen auf. Ihr war, als wäre nun von ihr genommen, was in wilder Unruhe sie gequält hatte. Die heißen Hände berührten sie nicht mehr. Die Furcht hatte sich verloren. Das Schicksal hatte sich erfüllt. Es war der ge­kommen, der sie wieder ruhig und sicher machte, ohne das Weib in ihr zu töten, der sie wärmte, ohne sie zu beschämen.

Sie sprachen nichts. Er nahm ihre Hand. Die beiden »och immer nassen Hände verschlangen sich.

Ist dir kalt?" > ,

Dasbft" war noch mühsam herausgebrachk.

Nein, warm!" ^

Er sah ihr kmge in die Augen.

Und immer so wie heute, wir beides | 1 I' ^ Immer so!" '

Da nahm er ihre Hand und küßte sie. Mehr noch als alles andere gab dieser Kuß sie sich selbst wieder. In seinem Arm richtete sie sich auf, in dem alten Stolz, den das Glück durchwärmte.

Donner und Doria!" klang es, als eben Versen seiner Braut den ersten Kuß auf den Mund gedrückt hatte.Was heißt denn das?"

Ernst August, mit dem dümmsten Gesicht der Erde, stand drüben. Eine alte Jaadjoppe seines Vaters, in die er pveimal hineinging, hing ihm wie ein Sack über die Schul­tern. Die Hand, die wurfbereit schon einen Schneeball trug, war ihm schlaff herabgesunken.

gm ersten Schreck, in erster Scheu und Scham, hatte Hanna loSlassen und zurücktreten wollen, aber nur fester hatte sich der 9lrm des Dragoners um sie herumgelegt. Da wußte sie, zu wem sie nun in Zeit und Ewigkeit gehörte. Und stolz und frei wie nur jemals, ob auch ein heißes Rot sie üoerslog, sah sie ihrem Bruder entgegen.

Das heißt, Ernst August," sagte Versen ruhig lächelnd, ,Haß ich nickt nur dein Kamerad und Freund bleiben, sondern mit hoher Bewilligung auch daneben dein Schwager werden Miöchte. Hanna ist es zufrieden. Und bu?"

Der Schneeoall war längst zur Erde gefallen.Bin ich denn verrückt? Ihr beide? Ihr beide? Fritze! Mensch!"

gm Sturm hatte er den Freund beim Kragen und schüt­telte ihn.

Herrgott, ich bin doch nicht blödsinnig, Mensch ! Junge! Ich muß altes Kamel *u dir sagen, das erleichtert mich! Und das Gör, die Hanna! Nein, ihr macht doch keine Witze! Unsinn! Na, die Augen, die der Alte macken wird! Das geht dem Men jg in die Beine! Und ich doppelt beledertes Nhrno- »eros zieh' mir oben noch die Joppe an! Uff, ich habe ordent­lich Herzklopsen! Nun sagt mir nur, wie das gekommen ist! Wann habt ihr euch denn verliebt? Wie kam denn das?"'

Er war ganz außer sich, so phlegmatisch er sonst sein bmnte. Dann stürmte er nach oben. Der Mte schlief iwch.

{Hanna hat sich verlobt!" trompetete er ihm ins Ohr.

^Der Deubel soll sie holen! Jetzt schlafe ich!"

Mer der Sohn knuffte so lange, bis Hans Albert mit einem Fluch nach dem Krückstock griff. Ms ihm alles klar ge- Hvorden, legte er nicht schlecht loS. Aber er benchigte sich bald,

Wenn ich sie dem nicht gebe, kommt morgen ein anderes Der Fuchs kann nach den Hühnern nicht happiger sein."

So sagte er Ja und Amen!

Es ward ein wilder Mend. Die Verlobung ,nutzte doch begossen werden; und wenn sich die Ostmärker zum Glase hinsetzen, stehn sie so bald nicht auf. Sie trinken mit der- selben »Zähigkeit, mit der sie den: Boden die Ernten abringen. Hans Albert von Graßnick saß wie angenagelt. Ernst August desgleichen. Fritz von Versen jedenfalls länger als sonst Schon manches Stündchen hatte sich Hanna zurückgezogen^ ehe er sein Zimmer anfsuchte.

Er sah auch- heute in die Winternacht. Der Wein h<ttt« ihn gewärmt, seines Herzens junge Seligkeit wärmte ihw noch mehr. Es war nicht wie ein Rausch, nur eine Krasdi erhöhung, die ihn überkam.

Das Gerücht von Hannas Verlobung war noch am Abend in die Jnspektorwohnnng gedrungen. Und der Herr Inspektor Oehmke kraute sich in tiefen Sorgen den Kopf. Es war unumgänglich nötig, daß er eine Rede hielt. Und als am nächsten Tage gegen Mittag die beiden Ossiziereaus dre Pferde stiegen und Hanna lächelnd zu ihrem Bräutigam emporsah, während Hans Wert, die Gicht im Fuß, mit brnrnmendem Schädel auf seinem Krückstock lehnte und weder leben noch sterben konnte, schlängelte sich Inspektor Oehmke wirklich heran.

Hinten im Hose tauchten die Gesichter neugieriger For- nals auf.

Dla begann er seine Rede. Mer das Herz fiel ihm vov Schreck in die Kniekehlen, als der Gutsherr ihn grimmig an­fauchte, was er wolle. Mühsam stammelte er, daß er im Namen der Leute nur sich einen alleruntertänigsten Glück­wunsch erlauben wolle. Hans Wert hätte ihn in seinem jetzigen Zustande am liebsten zu allen Teufeln gejagt, aber Fritz von Versen wie Hanna mengten sich dazwischen.

Ich danke Ihnen und den Leuten, lieber Oehmke!"

Und ich ebenso," fügte Versen hinzu. Vom Pferd heraö reichte er ihm die Hand. Mit strahlendem Lächeln und unter unzähligen Bücklingen zog sich Oehmke zurück. Den ganzen Tag war er vergnügt. Den ganzen Tag rieb er sich dis Hände.

Wie gnädig der Herr Leutnant gewesen! Ja, das war einer! Sapperlot, sapperlot! Und wenn nmn so nachdachter Der alte Baron konnte nicht ewig leben, Seine Hochwohl­geboren der junge Baron wollte schwerlich vom Regiment fort. Wer also würde das Gut mal kriegen? Wer anders als der Mann der gnädigen Baroneß, als der Leutnant, der ihm die Hand gedrückt hatte!

Das hast du gut gemacht, Oehmke!" murmelte er vor sich hin.Für die Zukunft sorgt der vorsichtige Mann schon in der Gegenwart!"

Ms es dämmerig wurde, und der Inspektor, in kühnen ZukunftSttäumen schwelgend, aus seiner Wohrmng trat, kam ihm ein Forual entgegen.

Heda, Johann Kohalyn, was willst du?"

Demütig erbat der Knecht ein paar Stunden UrlauV, Er habe es tm Kreuz sitzen und wolle nach der Stadt in dis Apotheke.

O>ehmke, die Hände in den Taschen, sah ihn an.Wie nennt euch der gnädige Herr? Psia krew, eine Rabenbande, sagt er, und das seid ihr! Mer weil das gnädige Fräulein so glücklich ist, lause zunr Teufel. Nur sei zurück, eh' gesperrt wird!"

Hoch und heilig versprach es der Knecht und küßte ihm unterwürfig den Rocksaum. Dann trollte er davon, mit steisem Kreuz die Chaussee entlang. Ms er etwa eine Viertel­stunde zurückgelegt hatte, sah er sich um, steckte die Hosen tn die langen Stiesel und watete quer über den dichtes Schnee, der die Felder deckte. Er blies sich in die Händen Es war kalt.

Frier' du nur," murmelte er vor sich hin,Seins Hochwohlgeboren Pan Kozlowski gibt heute ein Trinkgeld extta. Es ist eine Nachricht für ihn!"

Der Gedanke erwärmte ihn so, daß er, ohne auszuruherh so lange lief, bis die Lichter von Miloftowo vor ihm auf­tauchten. . .

11. Kapitel.

Im Arbeitszimmer des Pan Lucian von Kozlowski auf Miloftowo faßen zwei Männer. Napoleon Rutkowski hatten ohne ein Wort zu reden, bereits die zweite Zigarette ge­raucht. Kasimir Rzonka, ruhig und glerchaültta wie immer, starrte an die Decke. Ungeduldig zog der Graf dann die Uhr«