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Sie blies stärker. „Hussa he! wie es prasselt. Faßt an, Flämmchen, hier und da, links und rechts! Und jetzt schlagen sie alte zusammen, eia, wie ist das Feuer heiß und wild! Es brennt, Herrin, es brennt! Das Holz ist verloren!"
In ihren dunklen Augen lag ein jäher Glanz, wie ein Widerschein der Flammen. Rasch sprang sie auf. Die geschmeidigen Glieder reckten sich, sie zwinkerte mit den Lidern. „Es wird spät hell, Herrin. Was befehlt Ihr?"
Hanna von Graßnick hatte nur wenig auf ihr Schwatzen geachtet.
„Leg' den Frisiermantel zurecht, kleine Katze, und gib acht, daß der Spiritus nicht vergessen wird."
Als die Baroneß dann, ein Buch in der Hand, im An- Neidezimmer vor der Spiegeltoilette saß und die Dienerin vorsichtig mit dem Kamm durch das kräftige, braune Haar fuhr, sauste auf der Chaussee ein Schlitten vorüber. Die Schellen läuteten bis ins Zimmer.
„Wer ist's?"
Mit einem Sprunge war Kascha am Fenster. „Er fuhr sehr schnell. Ich denk', es war Seine Hochwohlgeboren, der Graf."
Hanna las weiter.
„Warum fährt er vorbei, Herrin? Er war lange nicht hier."
„Was redest zu zusammen! Vorige -Woche erst."
„Wohl, wohl! Aber für den gnädigen Grafen von Rut- kowski ist das lange!"
Die weiße Stirn runzelte sich einen Moment. Achsel- Eckend und wie gelangweilt legte Baroneß Hanna das Buch
„Weißt du nichts Besserest „Nichts." Ein Seufzer folgte dem Wort.
„Wann bist du eingeschlafen?"
„Ich habe lange gewacht. Euer Gnaden."
"Deshalb die Langschläferei. Ich werde mir ein anderes Mädchen aus dem Dorfe nehmen und ausbilden lassen, wenn das so werter geht. Was meinst du?"
. A u * n : "Das werdet Ihr nicht tun,
Herrin! Und gleich darauf demütig: „Mein Leben ist Euer. Wenn Ihr mich verstoßt, wohin sott ich?"
... ms Dorf! Hast du mir nicht selbst erzählt, wie schon es früher war?"
. Larrysam schüttelte Kascha Kaczmarek den Kopf. „Wer Warfe ist, bxaudjt um bie blauen Flecken nicht erst zu brtten. Nur erner war gut gegen mich."
Ihre schwarzen Augen glänzten und leuchteten. „Mein Vater hat mich geschlagen und meine Mutter nrich verflucht. Aber ich^war m der nächsten Minute doch wieder draußen auf der Straße ber Juschu Laskowicz. Wir haben im Wald
mS b«Ke U fd„ " Uf bet ® 0rffka6e d°l- und Russe. Ich
, , „ "® a§ 9 e l ie . 1 öir wenig, was?" lachte die Baroneß. „Ihr saugt den Haß ;a ern mit der Muttermilch." ° ;
^ß die Hand sinken.
.. ^ war gern Russe, wenn Juschu Pole war," sagte
[! e, r "% r na &™ rnrch gefangen und schlug mich. Und ich war stolz. Er war der Stärkste damals."
Hanna von Graßnick biß sich auf die Lippen.
cv, geschah das Unglück: Euer Wagen überfuhr ihn
Ich dacht', er wurde auch über mich gehen."
Q JL ’n ö * ten Geschichten," sagte bie Baroneß fast fyefttg. „Cs ist genug, daß das Unglück passiert ist Oft ae- »ZK’"““ 5 Bertotcn ' ^ch mitten auf der Chaussee herum-
-äs
d^r arme Junge ja von Herzen leid Und der Kutscher bog bei der Aiisfahrt aus der Allee wohl auch m scharf um die Ecke Dafür ward er ja weggejagt. Aber du Weißt gut, welch Trotzkopf der Schmied ist. Als wir den Wuiidarzt schickten hat er ihn hereingelassen? Neiu' Als bann harten, daß der Josef ein Krüppel bleiben würde , hat er die Summe genonunen, die mein Vater ihm anbnt ^?wtt der Junge später mal gesichert sei? Nein' Nun fie Unb w^d schon recht schöne Z nsen gettaaen haben. Darsii mag der Josef, svenn er mündig ist selbü
darüber bestimmen. Wie alt ist er?" 0 l,t/ Wwst
Kaczmarek seufzte. „Es werden zehn Jahre bald
her sein, Herrin. Die Zeit vergeht. Und damals war er neun oder zehn. Ich acht," fügte sie leiser hinzu, r "Dann ist er also in ein, zwei Jahren nlündig. Viel- leicht, wenn er das Geld jetzt nicht haben will, braucht er's zur Hochzeit. He?"
Die Brennschere, die eben über das Spiritusflämmchen gelegt werden sollte, siel zu Boden. Das Mädchen bückte sich, ^ a » ihr Gesicht im Spiegel nicht sehen konnte.
. „Mag er heiraten," erwiderte sie herb. „Es wird sich keine um ihn reißen."
Kascha beU -Sofef? Weil er hinkt? Du bist ein Schäfchen,
„Es ist nicht, weil er ein Krüppel ist. Der gnädige Herr hat ra alles gutmachen wollen. Aber der Juschu ist seit oem Unglück ein anderer. Wir haben auch nie mehr zusammen gespielt seitdem."
Die Baroneß lächelte. „Ihr seid keine Kinder mehr."- Aber das Mädchen schüttelte den Kopf. „Seit er nicht und so wild sein, sitzt er den ganzen Dagdrubm nn Wald oder vor der Schmiede und sieht vor sich hin. Man spricht ein Wort, er fragt auch: Wie ist das Befinden? Aber dann sitzt er wieder und sieht vor sich hin. Hase ' Herrin, er schläft mit offenen Äugen wie der
Ähr Mund verzog sich schmerzlich.
1 t.™*J ie »? IöfeIid& geringschätzig. „Was geht's Äs, ? uur an beit Schmied, und daß der
alt Weib'wildeste war. Nun flicht er Körbe wie ein
<*. ^anna von Graßnick zog spielend ihren Ring vom Peucht dn, Kascha?" fragte sie plötzlich. „Wenn dieses alte Weib nun käme mnd dich heiraten wollte^" Lurch den jungen, geschmeidigen Körper ging ein Zucken „Lachen wurch ich, lachen, Herrin! Bei allen Heiligen, was b l r l mm£r litzt und nach Träumen jagt! und 'anv " *4 ber tanzt und springt und stark ist
Güaden " ^ ^ Iad,k furä ' lm[b ' reb ’ Unsinn, Euer
nichts" ^uem Wort: Den Joses Laskowicz liebst du
"Nnn, nein nein!" In jäher Wut stampfte sie mit dem
W sL“v f $ Tte b i n Kamm mit solcher Wucht durchs daß die Baroneß unwillig und mit halbem Wehruf das Haupt zurückneigte. ^ put
r; . "W geht wirklich nicht länger mit dir, Kascha!" Aeracr- lich griff sic ivieder nach dem Buche. 3
Die Augen die-noch eben in wildem Glanze geleuchtet * * ^ das Gesicht blieb blutrod
tvixxi'" W ld) hm ^^cht, und das Haar hatte sich ver-
und demütig war die Stimme. Und schweigend uhUe sie die Frisur zu Ende. Als die Baroneß oufftand ablegte, haschte sie nach ihrer Hand küßte sie. Hanna von Graßnick schritt, ohne sie weiter
Zimmer, in dem das Klavier stand ^an borte sie spielen. Kascha Kaczmarek jedoch schleppte mit scheuen Blicken ein neues Scheit zum Ofen kauerte ha *11 der und blies ab und zu in die Fla« ^ me *
(Fortsetzung folgt.) V
Der Vampir/
Von Franz Reinhold Zenz.
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sollte unwirsch den ungebetenen Gast hmausweisen
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