Ausgabe 
15.11.1916
 
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Mer halt er mjug vcbeti muhte ettvas fassen aus den «Körnigen Ajugon «der Kanreraden sah er schon Drohungen, vor denen er sich fürchtete Md die Tornister druckten so entsetzlich, da sandte er sich um, sah den deutschen Unterossi-rer an und sagte seinen längsten mtb besten Satz, dessen er sich aus früheren Zeiten erinnerte:Mein 'Err, wollen Sie die'ön'eiten von Paris

se'en?"-

Erstaunt blickte der Berliner Unteroffizier beim Klang der deutschen Worte auf:Nanu? Jetzt spricht der Kerl deutsch! Wat chaste gesagt?" Aristide Carotte mochte den Sinn der ^rage ersaßt haben. Die gutmütige lachende Ruhe des Unteroffiziers gab ihm Mut, und so sagte er, schon etwas sicherer, noch einmal:

Mein 'Err, wollen Sie die'ön'eiten von Paris se'en?" Ob ick die Schönheiten von Paris sehen will?" wiederholte der Unteroffizier lachend,aber feste, mein Jungeken, nich' bloß icke, die ganze deutsche Armee is schon mächtig gespannt druff!"

Und unter dem Gelächter ferner deutschen Kameraden setzte er hinzu: ,,-lbec nu' mal'n bisken fixer losmarschiert, ihr Brüder, damit ihr bald die Schönheiten von so'n deutschen Gefangenenlager sehen könnt!"--

Brotaufstrich.

Bon Lotte Müller, Berlin.

Tie Frage:Woncht bestreiche ich mein Brot?" hört man täglich.

Es gibt aber trotz Marmeladenknappheit, trotz Butter- und L-etttnangcl noch eine Menge von geeignetem Brotaufstrich.

So lange wir frisches Obst haben, sotten wir es nicht nup tziunt Rohessen oder zur Zukost für Mahlreiten verwendet:, sondern vor allem uns unseren Bvotaufstrich damit Herstellen.

Natürlich ist so ein frisch bereiteter Brotaufstrich, der ohne viel Zusatz von Zucker hergestellt wird, nicht haltbar wie Marme­lade oder Gelee. Das tttt auch nichts. Mir können sehr wohl jede paar Tage uns neuen Aufstrich aus Frischobst Herstellen. Dabei haben die Städter ven Vorteil, Tagespreise und Marktlage aus­nutzen zu können. Zurzeit gibt es Ajepfel, Birnen, Quitten, Preißel- beeoen und Tomaten, wie Weintrauben. Sie lassen sich miteinander wisck>en und ergeben schöne Fruchtbreie und Obstnrns. Wer einen großen Obsttnjustovf Ku füllen Hai, nehme Mohrrübe, Kürbis, Gurfe, Melone oder Kohlrübe zu Hilfe. Ja, auch die Rotebeete ist eine schätzenswerte Zugabe. Das Verhältnis kann sehr wohl zwei Drittel zu einem Drittel Zusatzobst sein. Kann man einige Nüsse hmziu- fügen. Möglichst fein geloiogt, erhöht sich der Wohlgeschmack und ber Nährwert.

Brotaufstrich miit Hilfe von Quark oder mit Zunahme von Kartoffelbrei herzustellen, ist bekannt. Auch hiermit lassen sich viele veränderte Arten geben. Lllles, was uns an Fisch zur Ver­fügung steht, gibt, mit Kartoffelbrei vermischt, einen schönschmecken- deir Brotaufstrich der keines Zrffatzes von Fett bedarf, da Fisch WEamitlicf) sehr viel Eiweiß rrnd Fettgehatt hat rrnd somit be­sonders reich an Nährwerten ist. Jede Paste, jeder Fleischreft, aber auch Leber, Käse, Fleischtunke, Gemüse lassen sich durch Zusatz von Streckbutter oder Kartoffelbrei zum wohlschmeckenden Brotaufstrich verwandeln. Es gehört nUr etwas Ueberlegmrg und Beweglichkeit dazln, und der Wille, auch in kleinen Dingen Treue und Ausdauer KU beweisen, anstatt trocken Brot, Brot mit Aufftrich zu geben, ja, mit -Affstrich, der seinem Zweck entspricht, foohlschmeckt, an­regt, nährt. _

Zum Tode der Schimpansin vasfe.

Die Direktion des Zoologischen Gartens Frankfurt teilt uns solgerrdes mit: Die Ursache des in der Presse bereits bekannt ge­gebenen Todes der berühmt gewordenen Schimpansin des Zoolo­gischen Gartens Basse ist, wie die durch Proseklor Dr. Gold­schmidt im Pathologischen Institut ansgeführte Obduktion ergab, eine vorgeschrittene Darm- und Lullgentuberkulose. Die Infektion liegt offenbar mehrere Jahre zurück. Basse wurde im Sommer 1910 als junges Tier in Libenge am ttbangi (Kongo- ffcaat) gefangen und dem Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, gelegentlich seiner 2. Jnner-Afrika-Expedition im September 1910 zum Geschenk gemacht, der sie dem Frankfurter Zoologischen Garten überwies. Am 24. August 1911 wurde die kleine Basse von ihrem Wärter Burkardt in Anttverpen übernommen. Das damals kaum 30 Pfund schwere, zittrauliche Affenkind, das bei seiner Ankunft noch keinerlei Erziehung geiwssen hatte, zeigte sich bald so auf­fallendintelligent", daß man ihm eine besonders weitgehende Ausbildung angedeihen ließ. Binnen wenigen Tagen lernte Bass6 die Kunst des Radfahrens und schon mich 5 Wochen konnte sie dem PubliAim in einem sehenswerten Dressurakt vorgeftihrt wer­den, der im Laufe der Jahre soweit ausgebaut wurde, daß Bassö nach dein Urteil vieler Fachleute als der besterzogene aller bisher gesehenen Menschenaffen galt. In ihrerKinderstube" im Berg­geschoß des Dickhäuterhauses leistete ihr eine Zeitlang der kleine Kamerun) chimpanse Mathias, später eine junge Mangabe Gesell­schaft. Als Spielzeug wurde ihr ft'ir einige Monate u. a. auch ein klänes Ferkel beigegeben. Wie der bekannte Säugetierspezialist

des Berliner Kgl. Museums, Gerr Professor Makschie, der Direktion des Gartens kürzlich mitteilte, läßt Basis sich in keine der bisher wissenschaftlich beschriebenen Sck>impansen-Unterarten ernreihen. Das Tier wird also auch nach seinem Tode mich ein besonderes Interesse für die Wissenschaft l-aben. Mehr und mehr wurde in den letzten Jahren die Gelehrtenwelt auf Basse auf­merksam. besonders seit zu ihren viel bewunderten Leistungen in allerhano Künsten, Seillauf, Kunstradfahren uftv., der sogenannte Rechenakt" hinzukam. Der Würzburger Psychologe Professor Marbe veröffentlichte hierüber seine umfassenden Untersuchun­gen in denFortschritten der Psychologie". Zuletzt experimen­tierten Geheiurrat Sommer, Gießen, und Professor H. E. Ziegler, Stuttgart, mit dem Tier. Eine eingehende anthro­pologische Arbeit über Bassö ist im Druck ürid soll nach Erscheinen hier referiert werden. Die Trauer um den Verlust des wertvollen Geschöpfes, eines der berühmtesten Tiere aller Zeiten, wird ge­mildert durch die Genugtuung, daß Bassö, wie nur wenige Men­schenaffen, der Wissenschaft nutzbar gemacht wetden konnte und daß sie eine verhältnismäßig so lange Zeit am Leben erhalten wurde. Nur sehr wenige Schimpansen erreichen oder überschretten in Gefangenschaft Basje's Alter. Nie ist ein gefangener Menschen­affe an den Erscheimorgen des Alters gestorben, alle erliegen früher oder später Infektionen, zumeist der Tuberkulose (erst kürzlich die bekannte Berliner Schimpansin Missie) oder anderen inneren Krankheiten. Wie alle vom Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg geschenkten Tiere, siel Basse nach ihrem Tode dem Senckenbergischen Museum zu. Dort wurden von dem Kadaver zahlreiche Gipsabgüsse und photographische Aufnahmen gemacht, die dazu dienen sollen, Bassö als naturgetreues Präparat wieder erstehen zu lassen. Dr. K. P r i e m e l.

vüchertisch.

Der 10. Ba»id von: Gesundbrun nen -

Kalenderdes Dürerbundes (Verlag von Georg D. W. Eallwey in München) liegt vor. Dem, der ihn kennt, ist das genug: wer ihn einmal kaufte, bleibt ihm treu. Jahresregent ist diesmal Theodor Storni. Sein Geburtstag kehrt 1917 zum hundertsten Male wieder. Eine feine, für den Dichter äußerst charakteristische Novelle, einige humorvolle Szenen aus dem Kinder- und Tier- leben, eine Reihe gut gewählter Gedichte und Sprüche dienen als Beweise für einen ausgezeichneten Aussatz über Storni. Dazu be­gleitet uns der Dichter im Kalendarium mit Spruch und Vers durch alle Monate. In den beiden ersten Abschnitten deS Kalenders: ,AuS harter Kriegszeit" und , Im Frieden der Heimat" finden wir so bezeichnende Stücke ans den: Leben und für das Leben dieser Zeit, wie sie ans gleichem Raume wohl kaum anderswo geboten werden. Der AbschnittDeutschtum da draußen" führt uns an die Stätten deutschen Schaffens in Belgien, Konstantinopel und Oesterreich-Ungarn. Fast noch wärmer aber wird dem Volksfreunde beim Lesen des folgenden Teils, in dern die Aufgaben für die neue Zeit unterhaltend-volkstümlich und doch sachlich tief­gründig besprochen werden: Wohnungsfrage und Jugendfürsorge, Erziehung, Alkoholsrage, Wertarbeit, Kleidnngsreform, Volks- und HauswirtschalllicheS und ivas sonst noch alles - : äußerste Viel­seitigkeit unter de,n einen Gesichtspunkte: Hebung unserer Volks- kultnr. Vier schöne Lieder sind Gaben an die Musikfreunde, viele Zeichnungen alter unb junger Künstler schmücken das Büchlein, das sicher wie jedes Jahr viel Freude in die Familien und wohl auch hinaus in die Schützengräben tragen wird.

Hoffmann3 Haushaltungsbuch für 1917. Preis 2 Mark. Verlag von Julius Hoffinann in Stuttgart. Hoffmanns Hanshaltungsbuch" ist durch Verwertung praktischer Erfahrungen so zweckmäßig ausgestaltet worden, daß es jeder Frau, die ihre Ausgaben pünktlich einschrcibt, ohne weiteres die über­sichtlichste Buchführung ermöglicht. Da für jede Art von Aus­gaben gesonderte Rubriken vorgesehen sind, ist bei Schluß eines . jeden Monats leicht festzustellen, was für Fleisch, Brot, Kleidung, Wäsche, Stiefel, Vergnügungen nfiv. verausgabt wurde. - Wir empfehlen dieses gute deutsche Hausbuch allen Frauen.

Telegraphenrätsel.

Die Striche sind durch Vokale, die Punkte durch Konsonanten zu ersetzen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Numnier:

B

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SchristleUung: Ir. R. Zenz. Zwillingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lanae. Gießen.