Ausgabe 
13.11.1916
 
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Oberursel, vom 3 Tec. Der gestrig Tag war für hiesige Stadt eben so merkwüddig als fürchterlich. Schon am 29ten des vorigen Monates zeigte sich in der Gegend von Homburg ein preußisches Corps. Als dies die Frunzosen, die in lnesiger Stadt in Besatzung lagen, gelvahr wurden, so eilten sie, bis aus wenige Mannschaft, die zur Bewachung der Thore hier liessen, auf die oberhalb der Stadt gegen das Gebirge zu angelegte dreh Redouten, imd besezten dieselbe. Die preußische Patrouillen streiften nun bis an die Stadtthore. Die Vorposten schossen auf sie, aber ohne Wirkung. So blieben die Sachen bis gestern; während welcher Zeit die Franzosen, die indessen etwas Verstärkung erhalten hatten, in der unangenehmsten Witterung der Kälte und dem Mangel an Lebensmitteln ausgesezt, Tag und Nacht auf den Redouten aus- halten mußten. Tie Preussen, unter dem Cominrando des Prinzen von Hohenlohe, hatten indessen einen sehr beschwerlichen Weg über' das Gebirge gemaclch, und mm just FUr der Zeit, da bereits die entsetzliche Kanonade gestern früh bey Frankfurt angieng, ftengen auch) hier die Preussen von der entgegengesezten Höhe herab die französische Redouten zu beschießen an, worauf die französische Kavallerie in bester Ordrumg, die Infanterie in größter Eile und Unordnung sich gegen Oberhöchstadt zurückzog. Während dies am Gebirge porgieng, nmr ein anderes preußisches Corps von Steden her gegen die Schanzen angerückt, um dieselben bey etwaigein hartnäckigem Widerstande der Franzosen von dieser Seite anzugreifen. Dieses zog sich aber gleich wieder zurück, als es die Preussen sobald in den Redouten bemerkte. Ein anderes heßisches Corps, welches hinter Bommersheim' und gegen Eschbach postirt war, rückte zu gleicher Zeit naher an die Stadt, und ließ einige

Kanonen auf die Stadt und die Thore spielen, um die noch darin

befindlichen Franzosen daraus zu treiben, tvelches auch augenblicklich die gewünschte Wirkung that. Tie Franzosen eilten zum oberen Thor hinaus, ließe,: aber die übrigen Thore sorgfältig verschlossen, und steckten die Schlüssel zu sich. Fünf bis 6

Sechspft'mdnerkugeln kamen bey dieser Gelegenheit in

die Stadt, jedoch ohne besonderen Schaden anzurichten. Eine traf just das Wirtshaus, worin der Comnrandaut der hiesigen Fran­zosen, General Houchard, logirt hatte, der aber eine Stunde vorher hinaus in die Redoute geritten loar. Bald daraus kamen heßische Dragoner an das unter Thor, ließen es einhauen und sprengten in vollem Carriere durch alle Strassen, um ettva verborgene Franzosen aufzusuchen. Sie fanden aber nichts als einen ver­wundeten Osficier von den Pariser Freywilligen, der an selbigem Morgen war herein gebracht, und von den Franzosen war zurück­gelassen worden. Nun kam endlich General Prinz von Hohenlohe selbst mit einem Theil seines Corps in hiesige Stadt, das übrige nahm einen anderen Weg an der Stadt vorbey in die benachbarten Ortschaften. Sechs Eskadrons Dragoner und 2 Bataillons In­fanterie mit dazu gehörigem Geschütz Marschirten hier durch gegen Bonamös zu. Ein Bataillon aber nebst reitender Artillerie und etwas Husaren, samt vielem Geschütz, und der Prinz von Hohen­lohe selbst, bezogen die Quartiere in hiesiger Stadt."

Im Jahre 1803 kam Oberursel an Nassau und dann an Preußen.

vermischte».

'Wrangel-Anekdoten. Theodor Fontane sagt von den Wrangel-Anekdoten:Ihr Grundton sei eminente Klugheit; das ist es, was diese Wrangeliana so interessant und selbst für die Historie geradezu wertvoll macht. Es ist ein ungeheures Stück altpreußisches, schneidiges Wesen darin, der ganze Mann ein sol­datischer Eulenspiegel." Wrangel ließ sich einst beim Besuch des Kadettenhauses die fleißigsten Zöglinge vorstellen und befahl sie dann zur Tafel. Freudig folgten natürlich die Marssöhne der Einladung, aber die Freude erfuhr eine Herabstimmung, als sie bei der Tafel ihre Plätze angewiesen erhielten, und keiner auf setnein Platze ein Glas vorfand. Nicht so sehr die Tatsache, daß sie des Tranks entbehren sollten, als der offenbare Umstand, daß man sie noch nicht für fähig hielt, Wein vertragen zu können, machte sie verdrießlich, und mit sichtlichem Behagen beobachtete Wrangel, wie sich der Aerger auf beu Mienen der Zöglinge offen­barte, wie sie sich gegenseitig anstießen und auf den Mangel flüsternd aufmerksam machten. Plötzlich erhob sich Wrangel, um ei,ren Toast auszubringen, aber ehe er seine Rede begann, rief er­den Dienern zu:Aber was iS mich das. die Junkers haben ja keine Gläser!" Und auf seinen Wink brachten die Diener für jeden der Kadetten einen silbernen, innen vergoldeten Becher, worin der Name deS Elnpfängers eingraviert war. Freudig überrascht stimmten nun um so lebhafter die Kadetten in das Hoch auf den Kaiser ein. Wrangel aber sagte:Nun haben es die Junkers besser als die anderen Gäste; sie können ihre Gläser mit nach Hause nehmen!' Zeichnete in diesem Falle Wränget den Fleiß ans, so zeigte er in einem anderen Nachsicht gegen den Mangel an Schul­fleiß. Er traf eine ihm bekannte Dame mit deren Sohn, und da sich Wrangel nach dessen Fortkommen erkundigte, klagte die Mutter, daß der Sohn durchaus nicht gut fortkomme, sondern wieder einmal in Tertia sitzen geblieben sei. Wrangel klopfte dem Knaben leutselig auf die Schulter und sagte:So weit Hab' ich's ooch gerade gebracht I Studiere man nicht zu ville, »nein Sohn!

Bist jut je wachsen, mußt bei die Ulanen kommen, un dann strammen Dienst!'

* B u t t in a n n - A n e k d o t e n. Einer der witzigsten Männer

Allberlins war der Philologe Philipp Karl Buttmann (17641829), der der französischen Kolonie in Berlin angehörte und durch sein Wirken a>n Joachimsthalschen Gymnasium und als Lehrer de» späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. bekannt ist. Während der Franzosenzeit in Berlin war Buttmann Mitbegründer jenerGesetz­losen Gesellschaft', die eine Vereinigung guter Pattioten war. Als hier einmal der bekannte Mediziner Rudolphi, ein sehr tempera­mentvoller Mann, gegen ein anderes Mitglied heftig wurde, stand Buttmann als Präsident auf und rief mit einer die Streitenden übertönenden Stimme:tznieZos esanum pecas! Im ersten Augenblick schwieg alles verblüfft, dann aber erkannte man den lateinischen Zuruf als eine humorvolle Uebersetzung deS NamenS »Ruh doll viehund alle brachen in Lachen aus, in daS auch Rudolphi herzlich einstimmte. Sein Freund und Kollege, der Bibliothekar Biester von der Universitätsbibliothek, gab ihm einmal das folgende Scherzrätsel auf:Buttmann, das Erste sind Sie nicht, das Zweite ist Ihre Frau nicht, und daS Ganze sind Sie doch!' Buttmann erriet es sofort:Buttmann", wobei zu bemerken, daßbutt" ein älterer Provinzialismus fürdumm' ist.Sehr gut,' sagte er;aber nun raten Sie, lieber Biester:

Das Erste sind Sie nicht, das Zweite ist Ihre Frau nicht und

das Ganze sind Sie doch!' Und da Biester nicht erriet, erklärte

Buttmann:Sie sind kein Biest, Ihre Frau ist kein Er, aber

Biest-er sind Sie doch!'

* x

* Gemüse als Brotaufstrich. Bei der derzeitige Knappheit an Brotaufstrichmitteln sei aut eine in manchen Ge­genden wenig bekarrnte Verwendung von aekochtem kalten Gemüse hingewiesen. Gekochtes mit ettvaS Mehl oder Fett geschmortes er- katteteS Gemüse ist auf Brot gelegt ein vorzüglicher Ersatz für Butter oder Marmelade. Das Gemüse darf jedoch für diesen Zweck nicht zu kalt aufbewahrt werden, sondern muß Zimmerwärme besitzen, da es in kätterem Zustande sehr an Geschmack verliert. Dre sogenanntenGemüsebrote" enthalten reichlich Nährsalze und besitzen einen erfrischenden Geschmack. Besonders eignen sich er­kaltete und zerkleinerte gekochte Mohrrüben als Brotaufstrich, aber auch andere Gemüse wie Spinat Und die Kohlarten sind als Belag verwendbar. Ein Versuch ist datier jeder Hausfrau zu empfehlen.

*EinneuesGemüse. Die Kriegszeit hat uns schon ineho- fach gezeigt, daß der Bestand der als Gemüse verwendungsfähigen, Pflanzen noch nicht erschöpft ist, sondern daß die vorhandene Menge von Gemüsepflanzen durchaus ,wch einer Bereicherung fähig ist. Jeder neue Versuch .in dieser Richtung muß willkommen geheißen; werden. Besondere Beachtung verdient ein Zuwachs unseres Ge- müserepertoirs, auf den der bekannte Bcwliner Botaniker, Prof. Haberlandt, in denNaturwissenschaften" hinweist. Er meint die als Futterpflanze sehr bekannte Luzerne, die auch Monatsklee ge- nannt wird. Ihr höher Eiweißgehalt, der das Doppelte der ge­bräuchlichen Blatt- und Stengelgemüse erreicht, nimmt von vorn­herein für ihre Verwendung bei der menschlichen Ernährung ein. Die genauere chemische pnd anatomische Untersuchung scheint diese günstige Beurteilung zu bestättgen. Der Gehalt an Stickstoff- subftanzen beträgt hei jungen handhohen Pflanzen 6,25 Prozent, vor der Blüte 4,56 Prozent, ist also reichlicher als bei Weiß- und Rotkohl, Spargel, Blumenkohl, Spinat, Rosenkohl und anderen Gemüsen. Die Hauptmasse des Eiweißes ist in den Blättern ent­halten. An Zucker rmd Stärkegehalt steht die Luzerne ebenfalls über Spargel und Spinat und kommt Roseir- und Rotkohl gleich, an Rohfett erreicht sie fast den Winterkohl. Der einzige Nachteil ist die nicht unbeträchtliche Rohfasermenge von 4,52 Prozent, die sich jedoch durch feinmaschiges Sieben des gekochten Pflanzenbreiesl ausschalten läßt. Bei der Ernte, die am besten abends erfolgt, be­gnügt man sich mit den Spitzen der Haupt- und Seiteuäste bis zu 5 Zerttimeter Länge und den Blättern. Durch Abbrühen wird ein Anftug bitteren Geschmackes vertrieben. Die übrige Zubereitung des angenehm und leicht bitter schmeckenden Gemüses kann in dev Art des Spinales erfolgen. _

Magischer Buadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben

AAAAAABBBSSSSSTT derart einzutragen, daß die wagerechten und senk­rechten Reihen gleichlautend folgender bedeuten:

1. Musikalische Bezeichnung.

2. Weiblichen Vornamen.

3. Früheres Maß.

4. Königreich des Altertums.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Adelheid - Oitronv HeringSdort - Ulster BTiuioe - * Befefligimg Alteiibuig - Cicabe Heliodor; Achenbach, Defregger.

Schristleltung. Ir. N. Zenz. Zwillingsrunddruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch" und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.