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Vas Stickftoffproblem.
SSon Walter N e r n ft*)
Tiefes Problem war wohl das wichtigste, das die deutsche Industrie bei Beginn des Krieges beschäftigte, ein näheres Eingehen wird daher vielleicht nicht unwillkommen sein. Jirdiskretivneis sind hier nicht zu bestirchten, weil alles, loas hier zu sagen ist, auch den Zeitschristen'des feindlichen Auslandes entnommen werden könnte. t
Zunächst kann man fragen: Tie atmosphärische Luft besteht zu 4 /ß aus Stickstoff, jeder chemischen Fabrik steht dies Element also in unbegrenzten Menge»: gratis u:ür franko zur Verfügung. Wis ist es möglich, daß unter diesen Umständen infolge Ausbleibens des Imports der erwähnten Stickstoffverbindungen in Deutschland eine Stickstoffrage entstehen konnte?
Es erklärt sich dies daraus, daß der atmosphärische Stickstoff ein sehr träges Element ist und speziell mit dem Sauerstoff sozusagen nur unter Anwendung von Gewaltmitteln zur ^Verbindung gebracht werden kann. Während daher der reine Stickstoff äußerst wohlfeil ist, wird der an Sauerstoff oder auch (in Form tarn „Ammoniak) an Wasserstoff gebundene Stickstoff recht hoch, vor Beginn des Krieges mit etwas über 1 ML pro Kilo bezahlt.
Tiefer gebundene Stickstoff hat zwei Anwendungen, beide nicht NUr im Frieden, sondern ganz besonders auch unter den jetzigen Umständen von der allerhöchsten Bedeutrmg. Erstens nämlich verinögen die Pflanzen mit den: in der Luft befindlichen freien Stickstoff nichts anzufangen, während sie den, sei es an .Sauerstoff, sei es an Wasserstoff, gebundenen Stickstoff aufzunehmen und zum Aufbau eines ihrer notwendigen Bestandteile, des so- aenannten .Planzeneiweist, zu verwenden vermögen; mit anderen Worten, der gebundene oder sogeirannte aktive Stickstoff gehört zu den wichtigsten künstlichen Düngemitteln, durch deren zweckmäßige Anwendung es dem deutschen Landwirte gelungen ist, in den letzten Jahrzehnten die Ertragfähigkeit seiner Felder ganz gewaltig zu steigern.
Zweitens ist speziell der an Sauerstoff gebundene Stickstoff eut notwendiger Bestandteil aller, auch der modernsten Schießpuloer- arten, und ebenso enthalten die mit Explosivstoffen gefüllten Ar- tilleriegcschosse, die Grgnaten, Stickstoff-Sanerstoff-Verbindungen.
Tie Wirkung sowohl der Treibpulver wie der Explosivstoffe beruht nämlich auf demselben Prozesse, den wir ins Leben rufen, wenn wir ein Streichholz anzünden, dem Verbrennungsprozeß. Ter Unterschied ist nur der, daß bei her gewöhnlichen Verbrennung der erforderliche Sauerstoff der atmosphärischen Lust ent-, nomnien wird, während bei dem Verbrennungsprozeß, der sich ». B. in der Kanriner eiires Geschützes beim Abfeuern ab spielt, der nötige Sauerstoff der verbrennbaren Substanz bereits bei- gemengt 'sein muß. Hierzu dienten bisher ausschließlich oder so aut wie ausschließlich Sttckstoff-Sauerstoff-Verbiudungen, weil der an Stickstoff gebundene Sauerstoff mit fast gleicher, unten Umständen sogar mit noch ettoas größerer Intensität der Ver- brennnngsvorgang vollführt wie freier Sauerstoff.
Wir erkennen also: in den Schießpulvern und in den Sprengstoffen spielt der Stickstoff theoretisch nur eine nebensächliche Rolle als Träger der eigentlich wirksamen Kraft, die in der chemischen Verwandtschaft des Sauerstoffs zu brennbaren Stoffen, wie Kohle und Wasserstoff, besteht. Es gibt noch so manche andere Elemente, die als Träger des Sauerstoffs in Betracht kommen könnten, ja in verflüssigter Form kann man sogar in besonderen Fällen mit Vorteil reinen Sauerstoff verwenden. Aber zurzeit beruht, wie erwähnt, die auf das sorgfältigste durchgearbeitete Herstellung von Sprengstoffen auf der Verlvendung von Stickstoff- Sauerstoff-Verbindungen, und wenn die moderne Chemie und physikalische Chemie wohl auch mit Sicherheit versprechen könnten, sowohl Schießpulver wie Explosivstoffe in gewünschter Beschaffenheit ohne Verwendung von Stickstoff-Sauerstoff-Verbin- oungen herzustellen, so gehört doch! dazu etwas, was man während eines Krieges nicht besitzt, nämlich $d,t für langwierig^ Arbeit.
Gegenwärtig mich man also sagen: zur Kriegführung gehören Stickstoff-Sauerstoff-Verbinduugen, und die Partei muß sich aus Gnade und Ungnade ergeben, bei der ein Maüglel an diesen Verbindungen sich fühlbar Macht.
Bisher war es nun am einfachsten, die erforderlichen Stickstoff- Sauerstoff-Verbindungen den Salpeterlagern der chilenischen Wüsten zu entnehmen. Bei Beginn des Krieges hatten wir natürlich, einen beträchtlichen Salpetervorrat in Deutschland, und in den belgischen Häfen haben wir weitere große Mengen erbeuten können; aber der Verbrauch an Sprengstoffen wuchs in dem betreffs Tauer und Intensität gleich gigantischen Völkerringen in einem von den damit betrauten Fachleuten nicht vor-
*) Wir entnehmen diese interessanten Ausführungen einem Beitrag des Verfassers in der soeben vom Bund bciitfcf;.cv Gelehrten Und Künstler (Kulturbund) hermisgegebenen Schrift: Deutsche Vvlkskraft nach zwei Kriegsjahren. Vier Vorträge: Prof. Tr. Max Rubner (Unsere Ernährung), Pwf. Tr. Walter Nernst (Unsere Industrie), Tr. Walter Moent (Der Geist im Heere) und Prof. Dr Rudolf Eucken (Der Geist im Laiche). Verlag B G. Teubner Leipzig und Berlin, Geh. Mk. 1.20.
hergesehenen Maße au, und so sah ivenige Monate nach der Kriegserklärung so mancher eiugeweihte Patriot mit schwerster Sorge in die Zukunft.
^ Mnnte unsere hochentwickelte chemische Industrie -helfend, radual helfend -einspriugen, und zlvar in äußerst kurzer Zeit, einem glücklichen Zusammentreffen.
. Wie schon erwähnt, braucht auch unsere Laiünvirtschaft zär Sttckstofsdüngung kolossale Quantitäten von Stickstoff-Verbindungen, die im Frieden sehr viel größer sind, als der:: militärische!: Bedarf an Sprengstoffen entspricht. Seit etwa 15 Jahren haben sich daher zahlreiche erfinderische Köpfe sowohl im Auslände als bei uns große Mühe gegeben, ein billigeres Düngemittel herzustellen, als es der durch hohe Zlussuhrzölle und beträchtliche Transportkosten verteuerte Chilisalpeter ist. Unseren Nährpslan- zen scheint es ziemlich gleichgültig zi: sein, ob sie den gebundenen Stickstoff in der Form seiner Wasserstoff- oder seiner Sauerstoff- Verbindung bekommen, dem: man erzielt etwa gleichgute Erfolge, ob man mit schweselsaureni Ammoniak oder mit salpeter- saurem Natron das Gedeihen der Felder fördert. Und so lag denn eine ganze Anzahl mehr oder weniger fertig aungebildeter Verfahren zur Herstellung der beiden erwähnten Düngemittel vor. Auch, hatte man bereits gelernt, auf einfache Weise die Stickstoff- Wasserstoff-Verbindung in die Sticksioff-Sauerstoff-Verbindung überzuführen oder, mit anderen Worten, Ammoniak in Salpetersäure zu verwandeln. Für die Würdigung des letzten Prozesses :st von Wichtigkeit, daß auch hei der Verkokung der Steinkohle sehr beträchtliche Mengen von Amnwniak abfallen, die sich fast unbegrenzt steigern lassen.
Ob die genannten sehr verschiedenartigen Verfahren im Frieden sämtlich, lebensfähig gewesen wären, d. h. ob sie unter normalen Preisen rentabel sind, diese Frage schied nach Kriegsbeginn völlig ans. Zur Fortführung des Krieges mußten wir die bezeichueten Stickstoffverbind:mgen haben, und sämtliche verschiedenen Fabrikationsmethoden wurden, nicht ohne daß einzelne der beteiligten Firmen willig ein großes Risiko auf sich nähme::, tatkräftig in die Großpraxis übersetzt. So entstand in sehr kurzer Zeit in Deutschland eine blühende Stickstoffindustrie, i:nd der Feind hat hinreichend zu spüren bekommen, daß von Munitionsmangel auch nach Aufbrauch unserer Vorräte an Chilisalpeter keine Rede sein kann, obwohl er, nach gewissen Llnzeichen zu schließen, stark daraus gerechnet zu haben scheint.
wie der Cannenpeter ein Bauer wurde.
Ter ,.Wilhelms Peter" war der jüngste Sohn armer kinderreicher Eltern. Vom väterlichen Ackergütchen, das unter alle Kinder aufgcteilt wurde, blieb ihm »tut ein kleines AeckercheU, zun: Leben zu rvenig und ziun Sterben zu viel.
So war der Peter nur auf die Kraft seiner Arme angewiesen, und Arbeit bot der Wald in Hülle m:d Fülle. Pvter schütterttA Kreuzhacke und Axt!und wurde Waldarbeiter. Durch seinen Fleiß und seine Geschicklichkeit brachte er es bald zur Stellung eines Vorarbeiters. In: Laufe der Zeit trug der Peter manchen ersparten Groschieu nach Hause, wo seine Frau das Erworbene kräftig zn- sammenhielt. 'Hie und da wurde im Dorf ein Aeckerchen feil, der Peter kaufte es. An: Walde lag Unlaud, für das kein Dörfler auch nur einen Heller geböte:: hätte. Der Pieter übernahm diie reicht! große Fläche zu einem Spottpreise, machte sich nach Feierabend/ mit Kreuzhacke und Schippe daran — seine Jungen konnten ihm jetzt schon mancherlei helfen — und schaffte Steine uich Gestriipp weg. Dann rodete er die Fläche an und der Ertrag, den die daraus' entstandenen Wiesen nach zwei Jahren lieferte, deckte alle Unkosten und ließ den: Peter noch ein schönes Sümmchen als Ar- bettslohn übrig. i
Als der Peter geheiratet hatte, hatte er sich in einen: Bauernhause eingcmietet. Dort wurde es mit der ivachsenden .Kiuderzahl immer enger, und eines Tages sagte des Peters Frau: „Ach, hättet wir doch ein eigenes Häuschen." Das Wort lag den: Peter in den Ohren, wo er ging und ftartb, und nach Jahresfrist hatte er eüil eigenes Häuschen, klein ztvar, aber doch sein eigen und deswegen gefiel es ihm auch. Aber einen Fehler hatte es doch, wie sich im Laufe der Zeit Hera::sstellte: Ein Schweineställchen war zwar vorhanden. aber für Großvieh, nach dem jetzt der Sinn des Peter stand, fehlte es an Stallung und Scheunenraum.
So beschloß der Peter, eine Scheune mit Stall zu baueu. Den Banplatz hatte er bald geftinden. Ein Stück der Gemeinde gehörendes Unland, teils buckelig und steinig, teilweise ein versumpftes Loch erstand er für ein lächerlich geringes Geld. Die Dörfles lachte:: und schüttelten die Köpfe. Der Peter ließ sie lachen, bis sie ans dem Lachen ins Staunen kamen. Denn unter seinen Händen wurde aus der Wüstung ein schönes, ebenes Stück Land. Der Sumpf verschwand und der ebene Platz wurde für eine einfache Scheune viel zu groß. Die Dörfler staunten immer mehr, ie weiter die Arbeiten aus des Peters Grundstück sortschritteu. Der Peter baute nämlich eine Scheune mit Ställen, als ob er zehn Stück Rindvieh und zwanzig Schweine halten wollte, und hatte doch nicht einmal eine einzige Kuh.
Die Scheune rvurde fertig, die erste Kuh stand in: Stall, da ergab sich ein neuer Miß stand: Znm Rittern und Melken mußte allemal jemand den ziemlich weiten Weg vom Wohnhaus zur


