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ich bem Himmel im stillen dankte. Wir öffneten die Kisten, probierten die verschiedensten darin befindlichen Kleidungsstücke und eigneten uns allerlei Krimskrams an.
Auch einige Waffen entdeckten wir, doch lvar die Munition verdorben. Pcrdosa erzielte nach vierzig- bis fünfzdamaligem Versagen ein schwaches Ausblitzen und einen fürchterlichen Krach, mit dem daS Geivehr in tausend Stücke sprang, so daß ihm nur der Sck>aft in der Hand blieb. Gin
S aar Konserven in Blechbüchsen waren noch genießbar.
inen Hausen Hartholz, ctiva tausend Fuß Aukerkette und eineil ziemlich guten Anker konnten wir als Prachtstücke unserer Au-beute betrachteli. Mer auch den unbrauchbaren Nest hißten wir herauf, bis nichts mehr übrig blieb. Dann verstauten wir die Maschine, und waren fertig...
?übt Monate lang waren lvir auf diese Weise ganz glücklich und zufrieden gelvesen!
Bisher pflegte Kapitän Selover wenigstens einmal des Tages an Land zu kommen, blieb aber meistens abseits! stehen. Ich belnithte mich dagegen, den Allschein 511 erwecken, als ob ich mit ihm verhandelte, um die Leute in dem Glauben zu erhalten, daß ich irur seine Befehle cuisführte. Während der letzten Tage deS Abwrackens hatte er feine Besuche eingestellt. Beunruhigt rllderte ich bei nächster Gelegenheit zum Schiff hillüber, wo ich ihn Ivie gesvöhulich untätig am Hauptmast lehnend antraf.
„Wir sind sertia," sagte ich.
Schweigend blickte er mich an.
„Wollen Sie nicht 'rüberkonrmen und sich die Sache ansehen, Kapitän?"
„Nee — ich geh« nicht mehr an Landl"
„WaZ?"
.Lch gehe überhaupt nicht mehr an Land," wiederholte er starrköpfla, „nun wissen Sie'ö! DaS halt' ein anderer au-l Tun Me. waS Sie wollen. Sehen Sie, wie Sie mit der Baude fertig werden! Ich bin ein Schiffskapitän, aber kein Dockaufleher. Ich tu* es nicht — um keinen Preis der Welt!"
Voller Entsetzen starrte ich den total zusammengebrochenen Mann an.
„Mein Gott, Mann! Sie müssen aber — Sie müssen!" schrie ick.
,Zch will aber nicht! Damit basta!" Svrach's, drehte ^ich schwerfällig auf dein Absatz um, und verschwand in der
Niedergeschlagen ruderte ich au Land, fand aber nach Ueberleaung meine Ruhe leidlich wieder. Mhließlich hatte ich mit den Leuten acht Monate lang zusammen gelebt, und tn der ganzen Zeit waren sie brav Nne Schuljungen gelvesen. Ohne zu murren, hatten sie schwer gearbeitet und sich am Lagerfeuer aust beste vertragen. Mein erster Eindruck hatte sich verwischt. Wenn ich jetzt mit einem, wie ich annahm, klareren Ucberblick über die Zwischenfälle während der Fahrt nachdacht«, fand ich sie nicht-sagend — erklärliche Aufgeregtheiten, durch den abergläubischen Nigger hervor- aerufen, ein bißcl-eu Großsprecherei — was bedeutete das schließlich! Denn sicherlich würde nickt jede Marmschalt acht Monate lang so harte Arbeit verrichtet haben, ohne sich dagegen aufzuleyncn.
Hierin täuschte mich meine Unerfabrenheit. Später erst begriff ich. welch« wunderbare Macht Kapitän Selover zugleich mit seinen leeren Branntwein flaschen über Bord warf. Mochten di« Leute auch unten im McnrnschaftSraume murren und Komplotte schmieden: wenn Kapitän Ezra Selover ihnen befahl, zu arbeiten, so arbeiteten sie! Acht Monate hindurch hatte er eS getan und sie, ihrer früheren bösen Erfahrungen eingedenk, hatten pünktlich gehorcht.
Nun war ich plötzlich meiner Hauptstütze beraubt. Ein Schurke war Kapitän Selover freilich immer gewesen, aber ein erfolgreicher und mutiger. Die tollsten Sachen hatte er gewagt und die gefährlichste Mannschaft im Zaume gehalten. Wer konnte sich denken, daß ein winziges Stückchen Land und sechs Monate StillliegenS ihn so verwandeln würden? Doch ich glaube, es gibt mehr derartige Fälle im Leben. Ein Mann und seine Arbeit bedeuten zusammen unter Um- ständen viel: getrennt sind sie oft beide unbrauchbar. DaS Bindeglied fehlt —
Der erst« Akt meines Regierungsantritts war die Der- Vtndiguna von Feiertagen Ich hoffte, daß di« Insel den Leuten jü» eine Weile Zeitvertreib bieten würde, che ich ihnen w-iLcrq Arbeit geben könnt«. Me schlugen sofort einen »usstrg tn$ Innere vqr.
Wir begannen mit der Westküste. Nach einem beschwerlichen Marsche von drei bis vier Meilen an wild zerklüfteten Felsen entlang, wo wir tiefer und breiter Einschnitt« wegen oft große Umwege machen mußten, gelanalen wir zu einem andern, ebenfalls nur kurzen Strande, dem eine Reihe von Sandbänken vorgelagert war, auf denen sich Hunderte von Seehunden sonnten. Unser Anblick schien sie nicht zu erschrecken, vielmehr kam ein alter, narbenbedeckter Burscke gerade auf uns los.
Wir ließen ihn in Frieden, erstiegen die Klippe und sahen ein breites, liebliches Tal vor uns. das sich weit ins Innere erstreckte. Hier war der jüngere Lavastrom ab- aeflossen Nur ein paar schroff emporragende rote Felssrücke erinnerten noch an den ursprünglichen Ausbruch. Eine bereits mit Gras belvachsene Erdschicht deckte das Gestein. Hier und da standen vereinzelte Bäume auf der grünen Fläche. An den Abhängen mischten sich in das dichte Unterholz Kakteen und arckere halbtropischr Ge- Ivüchse. Bei unserm Nahen flatterten eine Anzahl farbenschillernder Vögel auf.
Plötzlich stand Handy Salomon, der uns voraus war, still und wies nach dem Gipfel des Hügels, wo man deutlich Tiere sah.
„Wenn das nicht Hammel sind," sagte er, „dann ist der Deuwel 'n Priester."
„Schafe!" schrie nun auch Thrackles. „Wo kommen die her?"
„Vom „Goldenen Horn", meinte ich. „Erinnert ihr euch noch des großen, leeren Decks vorn? Dort waren sie wahrsck>einlich untergebracht."
Nach frischem Fleisch begierig, versuchten die Leute nun, die Schafe einzukreisen. Mer diese waren scheu wie Rehe geworden, und es sah uneirdlich komisch aus, als die Jäger mit offenem Munde, das Messer in der Faust, den Tieren nachstarrten, die behende zwischen ihnen durch- schlüpsten.
„Lassen Sie sich von Alten eine Flinte geben!" schlug Pulz vor. „Damit lvir mal was anderes als Pökelfleisch und Fische zu essen bekonrmen."
Ich nickte.
Bei der Rückkehr schlugen wir den Weg über das Oberland und die Schluchten ein, wobei wir plötzlich das Tal mit Doktor Sck)ennerhorns Lagerplatz gerade unter uns sahen. Der D-ampf, der aus den vulkanischen Wzugslüchern drang, gestattete nur ab und zu einen Blick auf die Gebäude. Jekt entdeckten wir auch Percy Darrow, der in Pumphosen und mit aufgekrempelten Aermeln geschäftig eine Retorte zu einem der Miniaturkrater trug, dort niederkniete und eine auf die Entfernung nicht erkennbare Prozedur vornahm. Meine Gefährten drehten sich fast die Hälse aus und starrten wie hypnotisiert nach ihm hin. Als er nach einigen Augenblicken fertig war und mit der Retorte vorsichtig nach ' dem Laboratorium zurückkehrte, richteten sie sich seufzend auf.
„Man könnte ganz gut dort hinunterklettern," sagte Pcrdosa endlich.
„Wozu?" fragte ich scharf.
„Quien sabe? wer weiß..." antwortete er achselzuckend.
Auf dem Rückwege sprachen wir kein Wort. Der Anblick Darrows und seiner geheimnisvollen Beschäftigung hatte uns alle daran erinnert, daß unsere Expedition einen Zweck hatte, der uns noch immer unbekannt lvar. Mich nahm das aufregende, abenteuerliche Leben und die dringende Not der Stunde derart in Anspruch, daß ich ganz vergessen, hatte, weshalb ich eigentlich hier war. Doktor Schermcr- horns Absichten ivarcn mir bis jetzt genau so unergründlich geblieben, wie im ersten Augenblick.
An jenem Abend wurde kein Garn am Lagerfeuer gesponnen. Im Sck-ein der Flammen sahen des Niggers mur- rtfrfje Züge ivahrhaft unheildrol-end aus, und Pulz' blasses, nervöses Gesicht war eine echte Berbrecherphyswgnomie. Thrackles' grobe, bulldoggenähnliche Züge trugen einen Ausdruck verbissener Wut. und bei Perdosas mexikanischem ölesich^schnitt rnuftte man sofort an wohlgezielte Messerstiche in den Rücken denken. Handy Salomon aber sah, wie er so die Ellbogen aufgestützt, lang ausgestrcckt dalag, mit seinem roten Kopfputz, dem geringelten Haar, der Habichtsnase, den flackernden Augen uno der Hakenhand wie ttn Seeräuber aus alten Zeiten ans . . .
Rauchend, mit weltentrückten Augen starrten all« tnS Sener, bis mix die Stille aus die 2 krven fiel und ich \bv


