vermischtes.
* Nahrhafte Freundschaften. DLan schreibt uns: Die erfinderischen Hausfrauen wissen hin und wieder auf eigene Art ihren eingeschränkten Besitz an manchen wichtigen Nahrungsmitteln unauffällig Ku ergänzen. Sie schließen nämlich Buttern und Eierfreundschaften. Namentlich in länLLichen Gebieten sind solche Freundschaften bald angebahnt. Sie kommen in eine Ortschaft, wo die gackernden Hühner am Straßenrand zupfen und scharren und ihre Besitzerin vielleicht im kleinen Hausgärtchen! Salat sticht. Man wird Zaungast, sagt mit liebenswürdiger Stimme guten Tag, lobt die Erbsen im Beet, den Salat, die schönen Blumen und den gtut in Stand gehaltenen Garten. Gleich geht man dann zu den Eiern über, tastet und horcht die StirmNung heraus. Natürlich sind die Eier knapp, inan 'verkauft keine, ißt sie selbst. Aber die Stadtfvau hat ein paar illustrierte Mütter nrtt- gebracht, die neuesten Zeitungen, und in beiden sirrd allerlei land- wirtschasrliche, hausfrauliche Winke. Die schenkt sie großmütig der Eierbesitzerin, fragt nochmals nach dem Eierpreis, verspricht, mehr von solchen interessanten Blättern zu bringen, darinnen auch was über Kindererziehung und Frieden steht und — und bekommt nach Seufzen und hunderttausend Versicherungen, daß man alles fortgegeben, ein paar der schönsten frisch gelegten Eier. Mit der Butter ift's ähnlich. Irgendwo in der Nachbarschaft hat eine Frau Verwandte auf dem Lande, die von den Nachbarn Butter beziehend Mau listet nach der Bekanntschaft, macht ein Schwätzchen, lobt das Butterglück der Nachbarin, schenkt ihr einen Blumen- oder Olean- deZableger, oder weiß ein billiges Eierkuchen- und Nudelrezept und hat sich soweit das Vertrauen der neuen Bekanntschaft erworben, daß einem ein halbes oder ein viertel Pfund der köstlichen Brotschmiere großmüttg abgelassen wird. Diese Freundschaften wollen natürlich mit der allergrößten Höflichkeit und Aufmerksamkeit gepflegt werden, wenn sie von nahrhaftem 'Bestand sein sollen. Eine Hausfrau, die auf diese Weise Eier- und Butterfreundschaften geschlossen hatte, versicherte sogar, daß sie sich zu dem Gang ihren Anzug genau auswähle. denn fett sie gemerkt habe, daß ihre Butter- freundin ihren neuen Blumenhut mit neidischen Blicken betrachtete, setzte sie einen ganz schäbigen auf.
* Von einer neuen Nahrunasmittelquelle aus der Mcerestiefe weiß Prof. Dr. I. Schiller in Wien (nt einem Aussatz in NmNmer 42 der illustrierten Zeitschrift U e b e r Land und Meer, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) zu melden. Wir geben diese Probe der Betrachtung lmeber: Sehr geschätzt wurde früher in Deutschland das Isländische Moos, auch Carragen genannt. Es stellt die beiden getrockneten Rotalgen Chondrus erispus und Gigartina mantillosa vor, die hauptsätUich in Island gesammelt werden. Des hohen Schleimgehaltes wegen dient das Carragen als reizmilderndes Hustenmittel. Früher wurde es mtt Milch gemocht und für schwache Kinder verwertet. Noch heute sind manche Meeresalgen als Heilnvitbel bei den nordischen Kustenbewohnern Europas und den Japanern hochgeschätzt, und die Kroaten an der Küste Dalmatiens verwenden unterschiedslos' alle vom Meere ausgeworfenen Algen zur Beveitung eines als Universalmittel angesehenen TeeS. Daher weiden dort anläßlich der Wochen markte selbst in vom Meere weit entlegenen Orten die getrockneten Algen in den Buden feilgeboten. Als Nahrung für Tiere wird der Tang im nördlichen Norwegen und in Ächott- land verwendet, und zwar in getrocknetem Zustande während des Winters an Stelle von Heu. Er soll gern von Kühen und Schafen genommen werden und den Tieren sehr gut befommen. Lewer imtb der Tang an den deutschen Flachküsten nicht irr solchen Mengen aus geworfen, daß er zur Streckung der Futtermittel heran gezogen werden kömrte. Höchstens könnte die Besatzung Helgolands die dort in gewaltigen Mengen ausgeworfenen Tange für obige Zwecke in Verwendung nehmen. In Gotland wird der Blasentang ^ schwer netcmg) mtt Mehl vermischt zum Füttern der Schweine benutzt Am bedeutendsten ist die Nutzung der Meerespslanzen zur Düngergewmnung an der Nvrdwestküste Frankreichs, in England und an der Westküste Nordamerikas. An der ftanzö fischen Küste zwischen Pcnmpol und Brest, auf einer Strecke von ungefähr 400 Kilometer urw 1 Kilomieter landeinwärts, büden sie das einige Düngemittel, das prächtige Weizen- und Gerstenernten lieftrt. .;n bei Umon bemüht irtot sich energisch, unterstützt und angeregt von der Regierung, bie großen Tange als Kaliqnelle auszunutzen..
dort zur Feststellung des Tangbestandes eingesetzten Kvmmissio- rum konnten schon bis zur 3-Meter-Tiefenlinie mindestens 8 000 000 Tonnen verwertbarer Tange (Laminarien besonders) feststellen, dce ungefähr 400 000 Tonnen Chlorkali im Werte von 16 000 000 Dollar ergeben würden. Die bisherige Einfuhr der Kalisalze aus Deutschland hat einen Wert von etwa 18 000 000 Dollar. Der an Kali läßt den Tangdünger besonders für Karloffel- und Rübenbau. auch für Klee vorteilhaft erscheinen.
, *.. ®i n 4 .Kochvorschriften-Kartothek Ein neuer Gesprächs,ton nt allmählich durch den Krieg gesellschaftsfähig geworden das Kochen. Wohin man auch hört, überall sprechen die Leute vom Essen. Die Hausfrau wird mtt gutgemeinten Ratschlägen förnuich überfüttert, und da sie überdies mit Einkäufen und Ein- teilen uberlaltet ist, vergißt sie über den neuen und neuesten Rezeptcn Oös vorher Gehörte Gerade zu rechter Zeit erschein da (bei Carl
Lauser, Geschäftsbüchersabrik in Stuttgart) eine Gedächtnishilfe kn Form eines ansehnlichen Kästchens, das bald ein getreuer Berater der Hausfrauen werden dürfte. Das Schränkchen, das fick praktisch nach oben öffnen und nach vorn ausziehen läßt, enthält 30 Zeitkarten, die den Titel der verschiedenen Speiseavten tragen, dahinter kann eine beliebige Anzahl llciuerer Karten untergebracht werden, welche die Einzelvorschrift ausnehmen. Diese kann «ungeschrieben oder auchausgeschnitten, aufgeklebt werden. Die Schreibkarten sirrd natürlich auch einzeln erhältlich, so daß man durch fleißiges Sammeln sich bald ein gebrauchsfähiges und prakttsches Kriegskochbuch anlegen kann.
* Gemüsetrocknung im Haushalt. Es ist nicht ratsam, das Esemstse. das' man für der: Winter konservieren will, ohne werteres an der Luft zu trockniM, da es hierdurch einen Heugeruch Und -geschmack erhält, der nicht wieder zu beseitigen ist. Durch schnell^ Trocknen im Ofen wird es aber zähe und pelzig, nimmt später kein Wasser nrehr auf und ko äst deshalb schwer. Bereinigt mcnl ledoch beide Verfahren sachgemäß, erhält man ein haltbares und wohlschmeckendes Produkt. Man säubert das Gemüse, bereitet es zum Trocknen vor, indem man Kohl, Kohlrabi und grüne Bohnen schmtzelt, Erbsen entkernt, Spinat, Petersilie, Dill und andere Ge- nnsse und Speisewürzen, aber nicht zerkleinert, auf Bleche crusbrettet und diese nach denr Backen in den Mrckofen oder nach dem Braten in den Bvatoftn schiebt- wo sie nicht trocknen, sondern nur stark ab- welkM dürfen. Man lüfte öfters die Ofentür, damit der Wasser- danftss abziehen 'bann. Das vollkommen abgewelkte, aber noch schmiegsame Gemüse wird an einem schattigen, luftigen Orte oder auf Herdtrocknern, Obsthott>en unter öfterem Umwenden so lange getrocknet, bis ss zum Zerbrechen dürr geworden ist. Völlig trocken, fiutt man es in Feinen- oder Papier sacke und bewahrt es hängend an luftigem, trockenem Orte auf. Spinat und Würzkräuter zerreibt man nach dem Trocknen, dadurch spart man später das Zerkleinern. Alle Gemüse müssen vor dem Gebrauch 24 Stunden eingeweicht und rm selben Wasser gekocht inerten.
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u c Jj e Wie bekannt, beschäftigt sich die deutsche Webstoss-Jn- dustrre augenblicklich lebhaft mit dem Gedanken, aus der Brennessel die verspinnbare Faser zu gewinnen, so daß das ehemalige „Un- kvaut voraussichtlich wieder zu hohen Ehren gelangen wird. Durch dre Beachtung, die so dieser Pflanze geschenkt wird, ist man auch werter auf überraschende Vorzüge der Nessel gestoßen. Eine be- E,Ette Tatsache war, daß die Blätter für die Aufzucht j'ungeu Geflügels Mtt gvoßenr Erfolg verwendet werden .könnten, und, auch bei der Fütterung von Kühen und Ziegen ivaretn gute Erfahrungen gesammelt worden. Weitere Versuche haben ergeben, daß zu Häcksel geschnittene Neffelstauden auch von Pferden gern genommen werten, und daß besonders Tiere, die durch Ueberanftren- gung oder Verwundung während des Feldzuges sehr herabgekommen waren, ft ch bei diesem Futter schnell rrnd grtt erholten. Der holzige Kern ter Nessel wird von der heimischen Industrie zu Oralsäure verarbeitet und die Papierindustrie macht sowohl feine Sckueib- wie auch Löschpapiere daraus. Aus den Blattern wird ter grüne Farbstoff (Chlorophyll) gewonnen, der vor dem Kriege ein großer Ausfuhrarttkel war. Ferner wird die Nessel verwendet zur Herstellung medizimscher Seifen (z. B. „Urtil^), zur Fabrikation von Haarwasser, Nesselspiiitus, für Rheuma usw. Die Blätter geben! außerdem enren schmackhaften Tee, ter sowobl als Arznei, wie auch als Genußmittel im Gebrauch ist.
m , “«A *i eg und Seelenleben von Prof. Dr. R. Sommer, Geh. Med.-Rat in Gießen. Otto Nemnich Verlag, Leipzig. Preis 1 Mk. Dieses Büchlein ist, wie das Vorwort besagt, auS der Rektoratsrede über Krieg und Seelenleben entstanden, die Geh. Rat Sommer am I.Juli 1915 an der Universität Gießen gehalten hat. Sie beruht einerseits auf den Erfahrungen, die der Verfasier bei den vielen in seiner Klinik aufgenommenen verwnndeten und kranken Soldaten gemacht hat. andererseits auf den psychologischen Betrachtungen, zu denen der Krieg im Feld und in der Heimat reichlich Gelegenheit geboten hat. Da der Verfasier besonders starke Anregung hierzu durch die vielfachen Schreiben Gießener Studenten aus dem Felde erhalten hat, widmet er das kleine Buch in erster Linie den deutschen Studenten.
Logogrlph.
Ich spende der ganzen lebendigen Welt Ein Etwas, das mächtig zusammen sie hält.
Und wenn dir das fehlt, so beschaffst du dafür Ersatz aus der Tiefe; auch der stammt von mir.
Er ist einst durch mich nur zum Leben erwacht,
Ging unter und liegt jetzt begraben in Nacht.
Nun setze in mich statt des nur ein „b # ,
Gleich dien' ich dem Wundarzt und tu' dir gar weh. Auslösung in nächster Nummer.
Äuftösung des Rätsels in voriger Nummert Hager, Hafer, Harfe.
Schriftleitunq: Aug. Goetz. - Rotatü>»»rdruck und Verlag der Brübl'schen UniversitätS-Bucb' und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.


