Ausgabe 
7.8.1916
 
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venksprüche hamilkar von Zölkersahms?)

Die Schwermut des Deutschen, so oft von anderen belächelt, entsteht nicht aus der Unfähigkeit, das Leben zu genießen, sondern

Folge des vollständigen und tiefen Bedürfnisses dazu. Ter Südländer sucht Genuß, der Engländer Behaglichkeit und Zu­friedenheit, der Russe wie der Orientale Macht und Glanz, d-ev Franzosen das Vergnügen mrd sie alle finden es oft, dev Deutsche sucht Glück Und findet es nie,

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, Für den Deutschen hat der Gedanke Wirklichkeit, bei dem Franzosen fehlt der Wirklichkeit oft der Gedankeninhalt: darum macht der Deutsche langsame Fortschritte, selten aber einen Rück schritt, während der Franzose unzählige Male auf dasselbe z.'.rücck kommt. Nichts ist dem Franzosen leichter, als sich von einem Zustande, der ihm nicht Paßt, zu befreien tmd einen entgegöir-i gesetzten herbeizuführen, nichts ihm schwerer, als sich von einer Idee zu befreien, weil er sie immer nur in der Erscheinung zertrümmert, mcht überwindet. Der Franzose ist ehr flinker Schnitter, der das Unkraut, sobald es seine Pflanzen zu überwuchern sucht, rasch Und mit starker Hand abmäht, wenn er auch diese selbst trifft mrd zerstört, bald sproßt es aber von neuem, und so wird er nie firtig. Ter Deutsche kann es nicht übers Herz bringen, tvas ihm gut scheint ziu geführt cm, er zieht es vor, das Unkraut emsig Und vorsichtig mit der Hand zu entfernen, er jätet immerfort, aber es wird dann auch wirklich rein. Nicht die gewaltigen Sprünge allein, welche Frankreich und andere Nationen vor- und rück­wärts gemacht haben, um. sich, von manchem Mißverständnis zu befreien, das wie ein Ajlp auf den Menschen Und auf dem Leben lastete, werden die Wahreit fördern: noch mehr die philosophischir Bewegung des Deutschen, welche solch,e Mißverständnisse nicht nur beiseite schiebt, sondern sie verzehrt. Es ist Deutschlands Aufgabe, die Gespenster, welche das neugestaltende Leben der Mäuschen und Völker durch ihren unheimlichen Spuk stören, auf immer 'in ihre Gräber zu bannen.

In der Wiege ivar Man glücklich und wußte es nicht, am Mtare glaubt man es zu werden und ist es selten, am' Grabe gibt mail es auf mrd wird es.

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Das Leben ist nur deshalb so kurz, tveil wir so viele Stunden Und Loge gar nicht lebeir.

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Nichts ist übler, als wenn der Mensch, nie mit sich, selbst allein sein kann, d. h. wenn er sich immer selbst besieht, proto-t kolliert und inquiriert; wenn er keine Gefühle mehr haben kann! ohne Worte oder Gedanken, keine Andacht ohne Gebet, ohne Bttte, keinen. Schmerz ohne Trost, kurz keinen schöneil, großen oder schrecklichen Augenblick ohne Protokoll, ohne daß er fidji selbst front: warum? und antwortet: darum. Er gleicht jeirein', der die Raphaelsche Madoniia mit einer Lupe besah.

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' Willst du wissen, ob du wahrhaft liebst, so frage dich nicht, ob du an der Seite dieses Mannes glücklich sein könntest, frage, ob m auch unglücklich an seiner Seite bleiben möchtest.

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Tas Wissen ist rings vom Meer des Glanbens umflossen; ie größer das Eiland, um so größer das Gestade.

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D-er Erfahrene weiß stets, was eS an der Zeit ist, der Ulv- fahä-ene Nur, wenn die Uhr schlägt.

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Wenn es einen Teufel gibt, so nimmt er von den Manschen tn dem Augenblick Besitz, wo er das WortIch" aussprechen lernte. Mer er wird besiegt mrd gebamlt, sobald das WortTu" an die Stelle tritt.

dem Palten buch. Herausgegeben von Paul Rohrbach Mrt vielen Bildern. 1.90 Mk. Der gelbe Verlag Dachau b. Mönchen.

Meinem öruder.')

Graben ich. feindivärts den Blick gewandt,

Du stahltest dich und rittst durchs heimatliche Land.

Ich kam zurück, du gingst an meiner Statt hinaus Uno harrtest treu ein Jahr in manchem Kampfe aus.

Nun stehen wir zu zweit gen unfern alten Feind,

Es st nickt Liebe nur, dir brüderlich uns eint,

Es ist derselbe Haß, die Treue bi« zum Tod Dem deutschen Vaterland und seiner heil'gen Not.

Wenn wir im Morgenlicht die welschen Gräben seh'n.

Dann wissen wir, wofür wir hier rm Felde fteh'n:

Dasselbe liebe Haus, derselbe liebe Kreis,

Sie machen unser Blut und unfern Mut so heiß

Wir Brüder bleiben hier, so lang' der drüben prahlt Und wollen eh'r nicht ruh'n, bis uns der Sieg bestrahlt. Gott schenke uns den Tag, wo wir uns wiederseh'n Und nach erfüllter Pflicht zusammen heimwärts geh'n.

Vizewachtmeister Werner B o ck.

vermischtes.

Aus dem.Champagne-Kginerad", Feldzeiti.ng der 8. Armee.

s u ® u 1 9 g Volksernährung im Kriege. In oet t)eute fo "deraus wichtig gewordenen Frage der Volksernährung zeichnete sich die Organisation Hamburgs durch frühzeitiges Er­kennern der Bedürfnisse und übersichtliche Regelung besonders ans. -aJeuii man das, was in Hamburg vom 2. August 1914 bis heute gelerstet wurde, nach einer urnfassenden Darstellung überblickt/ wie der Physlkus und Stadtarzt Dr. G. H. Skevektng m der ''^un r f)eil t ec Medizinischen Wochenschrift" bietet, entrollt sich ein Bnld ebenso sinnvoller wie opferwilliger Zusammenarbeit, die alle Hemmnisse im Gefolge des Krieges verhältnismäßig leicht zu über- winden vermochte. Gleich zu Kriegsbeginn faßte die schon am 7 "Allst 1914 ins Leben gerufene Hambnrgtsche Kriegshilfe ihre Ausgabe mit großem Eifer an. Der Ausschuß für Volksernähtung nahm oie Belehrung der Hausfrauen durch Vorträge, Schriften und praktische Vorführungen in die Hand und verbreitete bisher 14 Flugblätter mit Kochvorschristen in 96 800 Exemplaren. Das kleine Hamburger Kriegskochbuch allein hat bereits eine Auflage- höhe von 24 200 erreicht. In der Zeit vom 1. März 1915 bis zum 1. Marz 1916 zählten die 325 Abendkochvorführungen 13102 Teil­nehmerinnen, die 325 Tageskochvorsührungen 2561 Teili'.ehmerinnen. In der Frage der Massenernä'hrung leistete der seit dem 17. No­vember 186. ui-Harnburg begehende Verein für Volkskaffeehallen die wertvollsten Dieiflte. Vom Mai 1915 an ivurde die Massen- speisung durch den Speistmgsailsschilß der Hamburger Kriegshilfe endgültig einheitlich geregelt. Aber davon gaiiz unabhängig haben die -^olkskaffeehalleii fast alle ihre Betriebe uiieiiigeschräiikt weiter- gesuhrt. April 1916 wurden in der inneren Stadt zwei Hallen eröffnet, m denen zmn Selbstkostenpreis voii 40 Pfennig Mittagessen an Beamte zum Abholeii abgegeben wird. Ende Mai 1916 betrug die Tagesabgabe bereits 3000 Liter. Aus den Volkskaffeehallen er- ,, L 0llf i ^eu wohltätige Schulverein täglich iiiehrere taufeub /,°Litcr.Portloilen kostenfrei für bedürftige Volksschillkinder. Den Kriegsbedursnisseii der Gesanitbevölkernug dient die Arbeit des Spelseanoschusses der Hamburger Kriegshilfe, der bis heute nicht weniger als 78 Kriegsküchen eingerichtet hat. Die Leitung dieser Unternehmungen wird von ehrenamtlichen Personen besorgt uiid besttst neuerdings and; einen technischen Sachverständigen, der alle bauliche,i lnlageii, besonders die Kessel, beaufsichtigt und für neue mm -u'ttliigen iisw. zu sorge>i hat. Das Essen kanii soivohl an Ort inid Stelle verzehrt wie nud) abgeholt werden. Eine wich- t-ge Hilfe bot in Haiiibnrg aucf; dre Hebung des Gemüseanbaues m Kleingärten, den sog. Familiengärten. Die Patriotische Gesell­schaft, die diese Aufgabe übernahm, hat im Jahre 1916 in 83 ge­trennt liegenden Flächen 1434 964 Quadratmeter Gartenland'in Euizelstncken von 200-600 Quadratmetern an 3922 Faniilicn ab­gegeben, anßerdeni 244 882,8 Quadratmeter an vier Gartenbau- vereme. Der Ertrag ans diesen Familiengärten entlastet die Kriegs- Nlchen in höchst vorteilhafter Weise. Die Landeszentrale für Säuglingsschuh endlich sichert jedem Säugling in Hamburg wöchent­lich 300 Gramm Zucker, 360 Gr. Weizen- oder Hafermehl und monatlich 500 Gr. Seife; der Bezug von 1 Liter Vollmilch für Langlmge war bereits seit dem 6. Dezember 1915 aus Vonuas- meldckarten gesichert.

- * D i e K r i e g s b e d e u t n n g des W e i d e n sl r a u ch e s.

Im Rahmen der entsprechend den Kriegsbedürsnissen erweiterten AusniitzungSmethoden der verschiedensten Pflanzenarten für unsere heimische Industrie wurde in letzter Zeit auch häufig auf die Be- oentnng des Weidenstrauches hingewiesen, der im Frieden durchaus nicht in all seinen Bestandteilen verwertet worden war. Wenn nunmehr unsere Landwirtschaft immer wieder ans das Lohnende des Wc de Umbaues anfinerksam gemacht wird, so hat dies seinen wichtignen Grund in der Möglichkeit, ans der Rinde der Weiden einen äußerst zweckmäßigen Ersatz für die heute immer seltener gewordenen Bastfasern zu gewiunen. Ueberhaupt ist die Berwend'.mg der Weidenruten sehr vielseitig, und der Verbrauch an Wcidcn- geflecht ist u,l Kriege besonders wegen der so maffenhaft benötigten Geschoßkörbe außerordentlich gestiegen. Während inan schon immer die Weide als Flechtiverk verarbeitete, wobei die Ruten geschält werden müssen, hat man es bisher meist verabsäumt, auch den Abfall der Weidenschälindnstrie, dessen Gesamtproduktion in Deutsch- Iqhö ungefähr 10 000 Tonnen jährlich beträgt, gewinnbringend zu verarbeiten. Meist wurde der Abfall, die sog. Weidenschale weggeworfen, als Brennmaterial benutzt oder bestenfalls mm Blumenbinden m den Gärtnereien verwendet. Bei dem heutigen Prinzip aber, das die intensivste Ausnutzmig aller Absallstoffc er fordert, kann, wie dieUmschau" in einen, Artikel über den Weidenstrauch als Basifaserliekerant anssührt. durch Verail-