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Schicksale.
Nvinan von Heinrich Kornfeld.
Nachdruck verboten.)
tAmerikanisch«s Copyti^ht by Larl DunL«r 1914)
(Fortsetzung.)
Wer konnte wissen, lvas sich draußen fitv Dinge abspiet teu, was diese verstörte Unruhe in die schtafe-nde Morgen- stille des Sckstosses getragen.
Als sie unten auf der großen Etnpfangdiele unschlüssig stand 'uub nicht wußte, wohin sie sich wenL>en sollte, kan, die Freitreppe hastig die jllnge Schloßherrin hinab Erblickte Margnerite Varrel: uub ein lichter Schein, loie Erlösung, glitt über ihr Gesicht.
Das junge Mädchen ging ihr entgegen und begrüßte sie.
„Liebes Kind — meine Schwiegermutter hat u#v einer- halbe ii Stunde einen schweren Schlaganfall erlitten. Helsen Sie mir, raten Sie miv — ich habe keinen Arzt zur Hand. Uub vielleicht schon die nächsten Minuten ..
Margnerite Varrel lvar tief erschrocken. Trotzdem sie die Greisin noch nicht voll Angesicht gesehen, wnsjte sie doch, mit welcher innigen Zärtlichkeit die junge Schtoßherrin all der Kranken hing
Verstört überlegte sie: dann l>atte sie blitzschnell die Eingebung:
„Vielleicht, Frau Marquise — drüben im .Kavalier- Haus, wo allste vielen dent)ck>eii Offiziere sind — vielleicht befindet sich unter ihnen irgend ein Arzt?"
„Aber daß ich daran nicht sofort dachte? Margnerite — diesen Vorschlag lohne Ihnen Gott! Selbstverständlich — zu dem Hauptquartier gehört doch auch der Oberstabsarzt Dr. Hartmalin. Er ist unbedingt brühen."
Margnerite Varrel hatte sich schon abgewandt
„Ich lause sofort selbst hiniiber, Frau Marquise, uub hole ihn."
„Das kann doch Frederie oder irgendein anderer Diener..
Aber das jllnge Mädchen hörte nicht mefjr daraus. Sie stürmte aus bem Schloß Sie raffte die Röcke zusamlnen, rum schneller laufen zu können. Sie jagte zunl Kavalierhaus den breiten Kteslveg hinab. Der lvar scholl wieder belebt voil allen nlöglirheu Militärs, Offizieren uub unteren Chargen. Hier und da ioiube sic angerufen: manch lustiges Scherzloort flog hinter ihr her: einer oder der andere ver- sllchte sie auch auszuhalteu doch im geschickten Bogen eub schlüpfte sie ihnen, achtete auf nichts, stürmte nur, so ihre Füße sie trugen.
Eigentlich ging sie das Schicksal dieser alten kranken Frau da oben im Schloß ja nicht das mindeste an. Sie hätte wirklich ebensogllt irgend einen Diener diesen Auftrag aus- ftlh'ven lassen können. Aber eine Geloalt, die sie nicht verstand, der sie sich völlig unterwarf, trieb sie, ihrer junge,, Herrin selbst diesen Dienst zu leisten.
Uub während sie so vorwärts jagte, lebte in ihr sclwtten- hast der Gedanke:
„Vielleicht — wenn die Entscheidung nur von Minuten abhängt und ich bringe den Doktor Hartman« rechtzeitig an das Krankenbett, und die alte Dame wird gerettet —t vielleicht, daß. ich daniit einen Teil meiner Schuld abtrage . . .meiner Schuld, mich mit einer Lüge in das Herder schönen jungen Marquise eiugeschlicheu zu haben!"...
Der Doktor Hartmann war nicht mehr in« KavalierhauS. Er lvar schon zu den Stallen hinübergegangen und stand da mitten in einem Kreise von jungen und älteren Osfzieren —, und überall fertig gesattelte Gäule, die in den jungen lau* frischen Morgen Hinei «wieherten und mit den Hufen das Kopspstaster bearbeiteten, daß die Funken sprühten.
Stand da lang und hager und g-ar nicht so ernsthaft^ wie er sonst immer trotz seiner achtunddreißig Jahre tat sondern krümmte sich vor Lachen und schlug sich Natsck>end aus den Schenkel und freute sich über die Maßen. Genau so loie die andern Offiziere. Denn einer von ihnen hatte gerade einen bauebücheuen Witz erzählt. Und wenn alles klappte^ daun saß die ganze lustige Gejellfchast binnen fihif Minuten im Sattel — jeder mit eigenem Austraae und eigenem Be- stimuluugsort . . . alle aver mit bei behaglichen Frenve^ sich einen Schilider zwischen die Beine Hemmen uub itc diesen wonnigen Frühherbstmorgen hinausreiten zu dürfe».
Da aber schoß zivischetl die vergnügte Korona jählings ein jiliiges Rtädchen und batnite sich dllich die Offiziere die sie zum Teil überhanpt noch nicht bemerkt hatten —i einen Weg ^um Doktor Hartman«: und legte ihm die Hand ans den Arm und sah ti)u mit flehenden großen Killderangen an: uub stammelte:
„Bitte, Herr Doktor — die alte Marquise hart vorhin eiueti Schlaga «fall erlitten? Bitte, bitte, Herr Doktor —i kommen Sie ins Schloß??"
Sekundenlang tiefes Schlveigen ringsum Wie weg- gewischt das Lachen von all den sonnengebrännten scharfen Männergesichtern. Dann sagte eine rechthaberische lants Stimme — es war die des Rittmeisters Brünnow
„Sprnngans marsch. marsch! Los Sie Beinsäger — rüber ins Schloß' Die alte Dame darf uns nicht sterben — schon nicht aus Rücksicht aus vnsere liebenswürdige Hausfrau?"
Der Doktor Hartmann hakte den Säbel ans, weil der ihm sonst bei seiner eiligen ärztlichen Morgenvisite todsicher zwischen die Beine gefahren wäre
„I, Brünnow — sterben! Das lväre ja gelacht! Mt meiner Genehmigung nicht! Also .grüßt mir die Schützengräben und die glorreiche Triple-Entente! Borunärts, mein Fräulein!"
Und als gelte es, ein Match, einen sportlichen Wett^ kampf ansznfechten, rasten sie beide der lange lederdürre Doktoi- Hartman« und die zierlich graziöse Elsässerin —r Seite an Seite über den Hof: zuerst nach beut Kavalierhaus


