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Die yimmekflSte.

Skizze von Karl Friedrich.

(Nachdruck verboten.)

Eigentlich hatte es sich das unscheinbare braune Ding mit den blanken Klappen, das aussah wie eine verpfuschte Spielzeuggranate Mit silbernen Verschnürungen, nie träumen lassen, daß es auch-ein- mül eine Geschichte haben lverde, aber von dein Tage an, wo sich ihr Schicksal mtit dem Hein Mogensens verband, trat auch die Himmels­flöte sozusagen in das große Wieltgefchvhien ein. Und das kam so:

Hein Mogensen war der Dänielklaas der Kompagnie, ein hoch­aufgeschossener blonder Bursche mit roten Wangen, wasscrhellcn: Angen, gesunden Zähnen und einem Paar unwahrscheinlich großer Hände. Gr rvar schwerfällig in seinen Bewegungen und noch schwerfälliger in seinem Denken. Gr scheute sich vor keiner noch so groben und schmutzigen Arbeit, m<m konnte ihm die schwersten Lasten ausbürden, Hein Mogensen tat alles bedächtig und wie's ihm befohlen war, ohne sein gutmütiges! breites Grinsen dabei jemals *u verlieren. Aber wenn es eine Mfgabe galt, die selbständiges Ueberlegen und Handeln erforderte, dann versagte Hein Mogensen vollständig, dann war er hilflos wie ein Abc-Schütze und konnte sogar sein Lachen vergessen. Es hatte einige Zeit gedauert, bis sich die Vorgesetzten uitb die Kanteraden an diese Zwiespältigkeit Hein Mogensens gewöhnt hatten, aber nackideM sie sich darüber klar geworden loareu, fanden sie auch den richtigen Ton für denDäM'el- ktaas".

Hein Mogensen war überall Wohl gelitten, da es keinen willige­ren. Helfer gav, als' ihü, und sein abgeschabter lederner Tabakbeutel wurde nie leer, trotzdem! es keinen Menschen in der weiten Welt gab, der sich hätte veranlaßt fühlen rönnen, ihm' ein Liebesgaben Päckchen zu schicken. Hein Mogensen hatte nicht Vater und Mutter mehr, nicht Geschwister und Anverwandte, und seine paar Freunde droben an der Waterkant waren selbst so arm! wie Kirchenmäuse, er machte sich jedoch keinerlei Gedanken über diesen gänzlichen Mangel an Beziehungen und war zufrieden, wenn er nach getaner Arbeit ir­gendwo still in einer Ecke hocken, seine kurze Pfeife schmauchen und \ an Meer und Marsch denken konnte.Hein DüMelklaas stumps- sinut wieder", sagten dann die Kameraden, aber sie ließen ihn zu­frieden und mehr verlangte er gar nicht.

Diese Sehnsucht nach der Heimat war Hein Mogensens großes Geheintnis, das er ängstlich hütete, wie einen goldene;: Reichtum, er fürchtete, man könnte ihn -noch m'eht verspotten, wenn man er­führe. wie tief ihm im Herzen das Verlangen nach Strand und Knick brannte, wie in seinem Träumen und Wachen das Meer rauschte und ihm! seine schönsten Lieder vorsang. Was hätte Hein Mogensen nicht darum' gegeben, rvenn er sich nur einmal für eine Viertelstunde, statt im Dreck des Schützengrabens wühlen zu müssen, in den weichen weihen Dünensand daheim batte einbuddeln können und dem Gezirpe der Heimchen znzuhören! Es gab Tage. ivo die schweigende Sehn­sucht den blonden Niesen fast krank machte, so das; Scheltworte und Anschnauzer: auf denDüMelklaas" nur so regneten. Hein Mogen­sen ertrug auch das scheinbar gleichmütig, aber es war ihn: dabei, als müsse etwas in ihm nrit lautem Knall zerspringen.

Da kam zur rechten Zeit die Himmelsslötc und riß ihn aus allen Nöten.

Ehrifttag war's gewesen. Die Kompagnie lag in R-nhesiellnng, eine kindliche fiebernde Erwartung war unter den Leuten, was ihnen die angeknudigte Feldpost bringen werde, nur Hein Mogen­sen saß in einer Ecke, rauchte und träumte die Feldpost war für ihn ein Ding, was seinetwegen nicht zu existieren brauchte. Aber als dann der Wagen nyt den Paketen kam, mischte er sich doch! unter die Kameraden, die sich um den, den Weihnachtsmann ver­tretenden Unteroffizier drängten.

Jeder erhielt sein Päckchen, einige sogar drei, vier. Hein Mogensen sah es ohne Neid, ans der Fülle würde auch für ihn pauz gewiß ein nnnig Tabak absallen. Plötzlich fuhr er zu­sammen. Der Unteroffizier halte seinen Namen gerufen. Ein paar Kümcraderi schoben ihn unter Puffen und Necken vor.

Gefreiter Mogensen," sagte der Unteroffizier,für Sie ist eins von diesen Liebesgabenpaketm bestimiut."

Ein paar Minuten später saß Hein Mogensen wieder in seiner Ecke, bemüht, das unverhoffte Paket zu öffnen. Unter allerhand schönen Sachen fand er ein Briefchen, das er mit einiger Schwierig­keit entzifferte, und den: er entnahm, daß eine Damedem tapfe­ren Feldgrauer:" mit dies-om Paketck-en eine Weihuachtssreude zu nrachen hoffte.

Am diesem Wege also kam Hein Mogensen zu der Himmels- slote. Zuerst hatte er durchaus nicht gewußt, rvas er mit bent verrückten Drug aufangcu sollte, unb wir der unbestimmte Gedanke, daß es :hm von eurem hübschen iinnaen Mädchen gesandt sein könnte, Melt :hn davon zurück, es achtlos beiseite zu iversen. Auch gefielen K" die großen srlbernen Buchstaben, die den NamenHimmcls-

Poeten, und schlieUich entdeckte er auch rN einem Eckel um

?m a 5 n ~'r 1U0l r ll V ^ .^ 0 ' kinc gedruckteGebrauchsanweisung".

Wochenlang saß Heu: Mogensen brütend und schnitzend über dresem mtt seltsamen Zcrchen und Zahlen bedruckten Papier und semen unförnnger: Fingerr: die Buchstaln-n zusamnren.

hedurfte seiner ganzen Halsstarrigkeit, um auszuhälten und nrcht un Zorn das fettige Parier ir: tausend Fetzen zr: zcrreißem

Nur heimlich, ivepn rriemand in der Nähe roar, roagte' er cs, c , bcuhaiuo-eiwung seiner Studien an den: Instrument zu machen. Mtt erncr zärtlrckier: Vorsicht tastete er d:c blanken Klappen ab und wente sich wie eirtt Kind, als er allmählich eine Ordnung in den dörren erkannte. A^ber es dauerte doch uoch einige Zeit, bis Hern Mogensen das erste kleine Liedchen aus der Himmelsslöte sprelM konnte.

Eines Frühlingsabends, als eine wunderbar weiche Stimmung o:e Luft erfüllte, saß Hein Mogensen vor dem Mannschastsunter- Nand und olws zum erstenuml öffentlich aus seiner Flöte. Es war em Liedchen, wie es die Soldaten draußen singen, stark und frisch und doch voll heimlicher Sehnsucht nach der Heimat.

- . Dw Kameraden rvaren zurlächst sprachlos, sie kanilten ihrer: Heul Tamelllaas nicht wieder. Danr: aber sing einer an, mir- znsu:gen, andere sieter: ein und schließlich rvar cs cir: schöner Ehor. Heu: Mogensen mußte'denselben Vers immer und immer wieder wwlen und er tat es mit einer Inbrunst, als wäre er in öer Krrelse. ^-ogar d^r Kompagniesührer kan: und hörte eine Weile zu . Man sagt nicht zuviel bamit, daß dieser Tag den Höhepunkt m He:n Mogcrisens Leben bildete, von da a>: liebte er das In­st rnrnerit mlt cum inrngen Hingebung ru:d in seinen Träumen cr- schu-n setz^ zmoeilen eine wunderschörw Jungfrau, die ihn: aus goldener schale die Hrmmelsflöte darbrachte, die alles'Glück der Welt harstelleu sollte.

Einmal entdeckte Hein Mogensen, daß er mittels der Flöte das Lj:rpen der Grillen nachahnren könne und er hatte seinen Spaß daran, dw Kameraden damit zu täuschen. Tie Himmelsslöte war seure ständige Begleiterin, sie rvurde mich, als es ihm gelang, eine Weise sauer Heimat daraus zu spielen, die Künderin seines trrrv- behutetei: Geheimnisses.

Und es kam der Tag, an dem die Himrnelsslöte ihre Sendung ersitUte u^d all die Liebe vergalt, die Hein Mogensen ihr entgegen- vraclzte. Ter Gesrette rvurde mit einer Patrouille hinansgeschickt, die Stellung des Hemdes zu erkunden. Sie krochen durch ver­branntes Gras und zerfetzte Weißdornbüsche bis zu einem Punkt, von dem aus sie die seindlicheu Gräben überschauen konnten. Nachdem sie ihre Ausgabe erfüllt hatten, machten sie sich ans den

Rlchturrg ab, wo er Verdächtiges glaubte bemerkt zu haben, nVerfalles blieb ruhig.

. 'Ter Patron illenführer und Hein Mogensen bissen die Zäbne fest auseinander, um sich nicht durch Stöhnen zu verraten, denn s:e lvarc.r beide getroffen- Ei,l roter Blutbach auoll dem Führer au.' dem Mrrnde, es wär, als wolle feilt junges Leben aus einmal in dieHnirre .Heide ausströmen. Hein'Mogensen aber .hatte nur I einen -Ltreisschuß erhalten und das batte er der Himmelsslöte zu ! Marken, die er unter seinem Waffenrock trug, just so, daß die toouche Kugel zroar durch sie hindurchfuhr, aber abgelentt rvurde und den Hein nur mit selber Kraft streifte.

«. . Leiigsairp und rnit Aufbietung alt seiner Bärcukraft schleppte >^eiu ..cogenserr den Führer bis zu einer geschützten Stelle, weiter woll^er e. nicht rvagen, weil er Furcht hatte, der andere könne es n:mt langer arishalten. Aber auch den Kameraden dnüberr ein Zeichen zu machen. svagte er nicht, um nicht noch einmal den Ver- dacht^des Feindes zu wecken.

In dieser Not siel ihm endlich ,'eirie Himmelsflöte ein. Bei­nahe hatte er einen Jauchzer ausgestoßen. Vorsichtig zog er sie unter deni Rock hervor, und jetzt sgh er erst, rvem er sein ^eben eigentlich zu danken liatte. Er drückte das zerschossene Instrument an die Livpert und krißte es und dachte dabei an die junge schöne Frau inkt der- goldenen Schale.

Er-wollte ein paar Töne am der Flöte blasen, aber die Liist giug rasselnd durch ihren zerschellten Körp-er. ein kottrue^ ^c!,narren war von der ganzen Herrlichkeit übrig geblieben.

Mogenseri läßt das Heimchen zirpen," sagten die Kame- raderr dvriber: in: Gi'aben nsch ruchtcn nach ihrn. Da stettke sich heraus, daß er noch nicht zurückgokehrt ivar. s. Himmelsslöte gab ihre letzte Kraft her. daun konnte

tte emch das Zirpen nicht mehr bewältigen, aber sie lrattc .ihre Pflicht getan: nn schützenden Dunkel der Nacht rvurde Hein Mo- genscn und fern Führer geborgen.

. 0 ' So glückliche Zeiten wie die mit seiner Himmels-flöte hät Hein ..logensen me wieder verlebt, aber lwm: er künftig witHcr rauchend/ ^.lnncr me sitzen ipftd. hat er zu Mb'r und Marsch noch eine

Erinnerung: die singende, klingende Him-

Vermischtes.

, *c- 1l r e ü der den Krieg sag t. /Bor kurzen^,

so weiß die Schützeugraberrzeltung .Le Poilu" zu erzählen, .erhielt der EHaussenr des Generals Joffre Urlartb rmd er rerstc sosou in fern bescherdeues peunatsdorf. Hier rvurde er mit große,,: I-.del und - wegen seiner Stellung ru Diensten dcs Generalissimus "nt noch größerer Spannung- crnpsaugen. Zeder Dottdc.rohucr wollte mtt dem Letbchau feur des Generals Joffre ivrecheu und der gute Mann erlangte bald eine wahrhast deucideuo,verte Betts.