Ausgabe 
19.7.1916
 
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Schicksale.

eman von Heinrich Kornseld.

(Nachdruck verboten.)

lAmerlkanlschcs Copyright by (Earl Duncker 1914 .)

(Fortsetzung.)

Und dann ließ sich der kleine Doktor schlver wieder in seinen Stnhl zurncksallen und versetzte mit einer Stimme, die ihm nicht mehr ganz gehorchte:

Sie sagten vorhin, Alphonse worauf »vir sinnen müßten, das fei ein Gegenschachzng gegen die Flucht der Regierung von Paris nach Bordeaux Ein Gegenschachzng, durch den lvir das gesunkene Selbstvertrauen der Nation wieder anfenern und der Baissespekulation das.Wasser ab- grabeu könnten."

Wir brauchen doch über diesen Gegeuschachzug nicht mehr nachznsinnen, Doktor."

Ich verstehe nicht."

Kindchen, ich sage Ihnen doch in der Dependence im abseits gelegenen Kavalierhalts des Schlosses St. Chankant ist Oberkommando und Generalstab der XI. deut­schen Armee einqnartiert . . derselben XI. deutschen Armee, oeren zähe Offensive während der letzten Tage das Schlacht bild für uns so ungünstig verändert hat."

Den kleinen Herrn hielt es nicht mehr aus seinem Platze. Er war aufgesprungen ... er tvanderte mit ganz unwahrscheinlich großen Schritten kreuz und quer durch das Zimmer. Er geisterte mit den Armen aufgeregt in der Lust herum und blieb schließlich irgenwo, mit dein Gesicht zur Wand gekehrt, stehen und murmelte:

Rätsel! Alphonse seit wann haben Sie in sich das Talent zur Pythia entdeckt?"

Hinter feinem Rücken sprang ein kurzes scharfes säst belustigtes Lachen ans

lind seit wann haben Sie sich diese' Schlversülligkeit des Gehirns zugelegt, kleiner Doktor?"

Da fuhr der Besucher herum und schoß blitzschnell ans Alphonse de Marsillargues zu und packte ihn bei irgendeinem Knopf und zerrte an dem herum und flüsterte:

Reden, Mann! Nicht mehr diese spielerischen Worte und halben Gedanken, hinter denen man den Teufel welchen verdammten Sinn suchen könnte! Lassen sie das! Ich ertrag das nicht! Ich bin kein Dununkops, aber ich bin auch nicht kaltblütig genug. Sie ohne weiteres zu verstehen."

Und Alphonse de Marsillargues legte dein kleinen Herrn den Arm gm die Schulter und zog ihn in eine ganz entfernte Fensternische und beugte sich zu ihm hinunter. - >

Und dann gab es ein paar Minuten, da nur flüsternde Stimmen und hastig aufflatternde Gegenrede im Zimmer war

Dann verließ der Doktor Paul Darragon die Fenster­nische und kam Ianafam und schweren Schrittes in das

Zimmer zurück unb suchte»sich seinen Hut aus der Sofaecke hervor und hatte ganz große seltsam dunkle Angen uud sagte mit einer Stimme, die zwischen Hohn und Weinen schwankte:

Die Marguerite. Ja, ja, Alphonse ich gehe sofort zu ihr und schicke sie Ihnen. Es ist eine wahnsiimiHo Geschichte, die Sie da Vorhaben Ein höllischer Plan Die Welt wird fröstelnd die Schultern zusammenziehen. Und der stolze deutsche Empereur wird zum erstenmal im Leben fühlen, was Angst heißt

Ja, ja, Alphonse anders ist es wohl nicht zu machen. Und wie gesagt ich schicke Ihnen die Marguerite. Für Sie würde das Mä,del ja selbst einen Engel aus der Holle holen. Ja die Marguerite . . ."

Er verließ das Zimmer . . scheu uud doch ttnsicher

tastend wie ein Schlafwandler

Alphonse de Marsillargues sah ihm mit kalten» Lächeln nach

* i .

Eine Stunde später betrat Marguerite Varrel das Arbeitszimmer Alphonse de Marsillargues

Er begrüßte Sie herzlich: er war ihr beim Ablegen behilflich: er zog sie in seine Arme und küßte sie

Cherie wie konntest du 'mich eitle volle Stunioie warten lassen!"

Marguerite Varrel war eine madonnenhaft sanfte Schönheit. Und die weicha «schmiegende Verträumtheit ihres Wesens machte sich noch klarer bemerkbar wie sie tn einen Sessel sank und glücklich lächelnd zu Alphonse de Marsil­largues aufschaute

Alphonse ich bin aus dem schnellstett Wege her­gekommen "

Er stand dicht neben ihr; er strich ihr mit der .Hand leis begütigend über das Haar

,Z'ch tveiß ja, Kind. Hast du dich sehr nach mir gesehnt?"

Sie.griff nach seiner Hand. Ihre großen tiefblauen Augeti wurden dunkel vor Leidenschaft

O, Alphonse Paris war leer und tot!"

Nun aber lebt es wieder, llicht wahr, kleine Mar- glterite?"

Unter gepreßten Atemzügen kam die glückselige Ant­wort:

Ja, Alphonse r nun lebt es wieder! Nun ist es wieder mein altes schönes herrliches Paris!"

Und es iv.ürde dir schlver fallen, Marguerite, dies Paris jetzt zu verlassen?"

'Sie sah ihn an. Sie zog nur hilflos die Schultern hoch Er aber desillierte immer in dem halblauten zärtlichen Ton, der sie seit je vernarrt pnd verhext hatte:

Ich sehe, Cherie, du verstehst mich llicht. Aber nimm einmal an, es gäbe irgendwelche Gründe, die mir den Wunsch nahelegten, dich mit einer Mission zu beauftragen. Würdest du pagegell irgendwelche Bedenken haben?"