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ttgeS Stüch.vorwärts kommen werden, wenn mein Plan glückt. ^
Ich sage es ohne falsche Bescheidenheit, lieber Freund- !— er ist klug, dieser Plan; verdammt klug! Warten wir also ab, inwieweit ich mich darauf verstehe, Ideen in W i r klichke iten umzusetz e n.
In ettva acht Tagen denke ich wieder in Paris z,u sein. Diesen Termin gebe ich Ihnen deshalb, weil ich Sie dringend und inständig bitte, mir nicht mehr hierherzuschreiben. Denn von hellt nachmittag ab werden wir große deutsche Einquartierung im Schloß haben allem Anschein nach auch höhere Offiziere darunter- und daun ist die Hoffnung, daß hier anlanaeudc Briese llns Bewohnern des Schlosses ungeöffnet übergeben werden, eine wehr als problematische. Werde?: Sie also nicht ungedul- dig und warten Sie ruhig, bis ich Ihnen persönlich wieder die Hand drucke. Vielleicht stehe ich dann schon als der Herold günstiger Nachrichten vor Ihnen; vielleicht auch nicht . . . zumindest werden wir d a»t n über eine große Reihe zweifelhafter Magen, die mich fett Wochen behelligen, absolute Klarheit haben. Und werden durch diese Klarheit auf die eine oder andere Weise die Möglichkeit siudeu, von jetzt an scharf und wohlüberlegt ans uilser Ziel loszugehen.
Ich drücke Ihne:: im Geiste die Hand, bitte Sie, Marguerite von mir zu grüßen, und bin bis aus unser Wiedersehen Ihr
Mphonse de Marsillargues;
So lautete der Brief, den der elegante Pariser Flaneur uoch einmal sorgsam überlas, hier und da in Einzelheiten verbesserte, ehe er ihn in das bereits beschriebene Kuvert schob, versiegelte.
Die Adresse lautete:
Monsieur le docteur * v 1 Paul Darragon
Rue Lasajette 137 Paris-
(Fortsetzung folgt.)
Der Garten öes Zräulein von vemiebet.
Bon Rudolf Michael.
(Nachdruck verboten.)
Durch die nackten Aeste der Bäume sab ein schläfriger Hiuuuel Und die Wolken schienen zu meinen, so griesgrämig kamen ge von Westen her gezogen und schleppte;: ihre vollen grauen Bäuche langweilig vorüber. Nur bisweilen, wem: der junge Wind vom Meere Ach> bahmtersctzte, dann hasteien sie vorbei wie eine satt.' Herde a'ni! Abend, bl'e der Hund hetzt. Deni: das Mer war nicht weit An frischen, klaren Tagen konnte Man es in der Luft spftren Dann stand ein salziger Hauch unbeweglich über Baum und Acker. Und das faule Wässerchen seitab vom Dorfe bekam einen schnelleren Atem.
Butsch und Ki-ant in: Park waren ein bischen verwildert Gläserne Scherben lagen biÄvcilen untern: Gras, die der Staub trübte und die der Regen '.nieder hell lausch Und aM hohe!: Rosenbusch gleech rechts vow Tor hing wirklich noch ein braunes, vergrämtes K'nöspchen und schien zu fragen: „Wo war denn die liebe Hand d:e mich pflücken sollte?"
Alle zivei, drei Tage latschte der alte Gärtner Grothkopp durch den Garten, hatte die Fäuste hinterm Rücken ineinander gelegt uird plstlofophierte mit großen, wunderlichen Augen in den grauen
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amy die letzten Burschen und auch die letzten Väter als Wehrmämiel .ns Feld gegangen waren. Im das große Feld an der Grenze, das Granaten pflügt, mit Blut düngt und mit Eisen besät. _ Tee Beete und Rabatten waren nicht sauber ab ge steckt. Manches sotranchlem munte diesen Winter draußen zubringen, ivährend es loii|t mit peni Kopf unter die warme Erde kriechen konnte. Und in einein Winkel der Motte träumte sogar noch eine verlassene, leere Wemslafche von dem süßen Rausch eines warmen Sommer- abends. Aber der alte Gärtner hatte bei solchen Betrachtungen gern ein „gutes Wort, so oft er mit seinen Pflanzen sprach: „Laß man, KrcNitlein, die draußen schlasei: jetzt auch nicht immer warm!" f , "F schließlich, für wen sollte sich denn der Garten auch schmucken? Das Fräulein Berta Von Bennebek war im vorigen Früwahr fortgereist, und darum war's wirklich nicht nötig, daß der Gart«, gezrert dastand »vie ein Bursch, der freien geht, und ein ^ungfranlem, das am Sonntag den Schatz erwartet. Dazu war der Galten denn auch ju alt. Er hatte ja auch selbst Einsicht. Er wußte, daß Acker Und Obst die menschliche Hilfe setzt viel dringender! brauchten als Rosen, die nur düsten, und Lilien, die nur gefallen
wollet«. Dem Gärtner Grothkopp ging's ztvar zuerst ein wenig gegen den Strich. Aber er fügte allmählich sich doch drein, »veil er sah, daß es eben nicht anders ging. Und memt Karl Brüdgaw, der dürre Küster-, ihn manchmal nach Wetter und Land fragte, dann antwortete er nur hart: „Die Saat geht auf!" Und daber schlug er meistens noch mit der Farist so derb auf den Tisch, daß der dürre Küster es beinahe bereute, überhaupt gefragt zu haben.
Bor nun gerade einem Jahr hatte Wilhelm Grothkopp seine Herrin abreisen sehen. Da war er mit ihr noch ein letztesmal durch den Park gegangen, obwohl ein feister Schnee in flimmernden Flocken über Gras und Weg taumelte. Den beiden schien's aber wie ii' i r ’ - Labe Blüten, die der nichtsnutzige Wiird von den vollen Obstbauinen wirst. „Tja, gnädiges Fräulein, das kann ich mir m: garnrch vorstellen, wie das werden soll," hatte der Alte gesagt und traumend ins Wecke gesehen.
Frätstein vo^ Bennebek hatte sich mit einem Lächeln aü- gem'.cht, das lute falsche Perlen glänzte. ,,Na, Grothkopp, wenn'-s m:r draupen nicht gefällt, komme ich bald wieder." Der Alte schiei: ungläubig und zuckte in der Nase wie ein Pferd in der Nüster.
wir sistd alt, gnädiges Fräulein. Sie gehen in die Wüste." weefer letzte ^atz klang wie das letzte Urteil eines sterbende»: Philo- fophen. Ernst, trocken und geheimnisvoll. Sie wendeten scharf um und gingen den Weg zurück. *
Tas Fräulein horchte hell auf. „Wüste, Grothkopp?" Und nach einer Weile. „Ich muß doch auch mal etwas von der Welt setzen.' An dem bunten Tuch, das das Fräulein über dem silbern schimmern den Haar ttwg, zerrte ein ungestümer Wind, so daß es flatterte wie eu: L-egel, eine Flagge auf See. „Bin tifcx vierzig H.ahre über d:e,e Wege gelaufen, Grothkopp. Bin ausgelassen über die Hecken gefprungen und später vorsichtig drum 'rum gegangen. Jciut tft die Zeit nochmal lang geworden, Grothkopp."
^ „ ^ Cl ‘ ? itc ^irtner nickte tiefsinnig vor sich hin, und ein hellerer Glanz trat wie ein Blinklicht in seine Augen. Hastig bückte ^ s:ch, hob eine^Glasscherbe vom Beet und warf sie bisiig über kfte Gartenmauer. Tann schluckte er ein vaarmal lvie an einem un* oequemen Bissen. „Gnädiges Fräulein, hätten früher heiraten müsfen." Cr sah sie plötzlich an. als wolle er die Wirkung seiner polternden Worte beobachten. „Nu is es einsam hier."
.. I'-'liulein von Bennebek schwieg eine Zeitlang. Em feines, lcifcs Abfclnedsweh legte ftch wie ein Spinngewebe um ihr aus- guellendes Herz. Wirklich. Lie ließ hier nichts zurück, fehlen Mann, ferne Schwester, kein Kind. Und der alte Grothkopp zerrte Nun doch gutmütig grausam ai: all dem lieben Tand, der ihr Z-nneres erfüllte.
„Ach, Grothkopp, reden Sie nicht so! Sie wissen doch auch, wie alles war Ist wohl einer hier gewesen, den ich hätte nehmen sollen?" Ter Alte getraute sich keine Antwort. Das Fräulein fuhr fort und sprach halb mit sich selbst. J-hre Stimme zitterte sanft. „Ich Hab mich doch nicht verschachern wollen. Itnb von allen, die hier »raren. Hab ich keinen gemocht. Nein!"
, Weg für Weg schritten sic ab, nur Zeit zu geivinnen für ihr lellsam trautes Gefpräch. Aber es konnte auch so scheinen, als wolle das» Fräulein noch überall hin ihren Fuß setzen, bevor sie m btc Ferne reiste. Der nasse Kies ftnrschfe gar nicht unwillig wie fönst. Die schneeigen Flocken hatte,: sich müde Mtanzt. Fräulein vo'.i Bennebek »vnrde lebhafter. I)lber heute W ganz anders. Las ift cm wundersam starkes Gefchleckst, Grothkopp. Die Ackers- lcnte habe ich ja immer gern gemocht. Heut ist das! ganze Vaterland voll von solchen Leuten."
Ter Gärtner tvarf einen scheuen Blick nach rechts über das fchmale, vornehm ernste Gesicht des Fräuleins, als beftirchte er, daß jie mehr sagen könne, als« er hören dürfe. Denn neugierig war er »virklich nicht, der Alte. Nur ein plstlosophischer Hang ms allgemeine bewegte ihst.
„Grothkopp, sagen L>ie nicht, daß ich alt getrwrdei: bin Das tut mir iveh, verstehen Sie? Aber dies' Wunder muß ich mir ansehcn. Hab lange genug hier im stillen Garten gehockt So emgetrocknet bm ich noch nicht!" Lauter, mit einem Hauch ver-, steckten Trotzes sprach sie diese Worte. Und der Alte stammelte verwirrt. „Ja, gnädiges Fräulein, wenns sei»: muß. . Rein, nein, mein lieber Grothkopp, so bös wirds nie werdtm!"' Und dave: klopfte ne ihm lächelnd ans den geknimmten Rücken, während veni Alten die Kn:e zitterten. Denn sie kannte ihn und wußte, wav der refigiiierte Alte Tratte sagen »vollen. „Wenns sei»: muß. Dann reiste das Fräulein von Bennebek ab.
_ ?lls der Wagen mit dein einen Pferd über die Landstraße dem Torf zu rollte, stand der alte Gärtner am Torweg, die Mütze in der NF', sfeif und unbeweglich »vie ein Bildwerk, mit den: Wmcker-i blick crues Kindes. Denn er tvar nicht mehr ganz Herr seiner Seele.
_ Fräulein Berta von Bennebek reifte über Berlin nach dem Süden. Unendlich rollte der Zug. Weiter und ferner. Aecker und Wälder flogen zur Seite vorbei wie fortgewehtes Spielzeug. Das Fräulein trug eine schwarze, seidene Haube und ei»: sclAickteS »ilbernes Ir eu z als Nadel über beut Mantel. „Schwester Berta, kommen Sie nur, »vir verdurste»: ja!" rief eine lachende Stimme ans de»,! Abteil. Da ging sic hinein zu den andern. Ihr Gesicht »vor U"kg und froh. Verhaltenes Feuer bebte in ihrer Gestalt.
Das Hans im Garten blieb nun still zurück. Eine verlastene Geliebte. .Es sab hinter seftwn staubigen Feuhern den F:.hsting quellen, sah den Sommer m vielen Farlwrn sich über dem Rasen


