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länder mit ihren Galeeren enthält der Da,nziger Kirchekreim aus den Wer Jahren des 16. Jahrhunderts: „PiP, Blaurock, P«P, / De Gallersch geist du qniet: / Bim Lands kn)g bistu utFestegev, / Bim Holm do tzestu Schmer gekregen. / PiP, Maurock, prp, / De Gallersch bistu qniet." Zahlreiche Kinderreime singen von Napoleon I., und besonders beschäftigen sie sich mit dem gestürzten Kaiser: „Bei Geuappe, l>et Geuappe, / Da verlor er Hut und Mappe/' Oder: „Napoleon ist nickt mehr stolz, / Handelt jetzt mit Schüoefell-olz: / Er laust die Straßen auf und ab: / Wer kauft mir meine .Hölzlein ab?" Aus dem Beginn der Freiheitskriege leiste es: „Die Preußen haben den Sieg gewonnen, / Es werden ivohl bessere Zeiten kommen: / Jcht geht es nach Paris!" 1846 wird der alte Maikäserreim zeitgemäß unv- gedichtet: „Vögele, Vögele, flieg, / Der Hecker ist im Krieg, / Der Stcuve ist im Oberland / Und macht die Republik bekannt. Nach dem Kriege von 1859 sangen die Kinder: „Oesterreich ist so müde, / Oesterreich ist so matt, / Es macht mit Frankreich Friede, / Es hat den Krieg nun satt." Und dre Ereignisse von 1860 spiegelt sich in dem süddeutschen Kinderreim : „Leise, Kindlein, leise, ' Sonst kommt der böse Preuße, / Sollst kommt der Vogel von Falkenstein, / Jagt auch den Manbenff-el in' den Rachen hinein, l Ter Bismarck kommt dahinter / Und frißt die großen Kinder." __
vermischtes.
* D i e Vergrößerung New Ports ins Meer hinaus. Einen einzigartigen Plan hat ein amerikanischer Ingenieur T. Kennard Thomson für die Erweiterung Nerv Ports äusgearbeitet. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres, als um die Geivinnung von 130 Quadratkilometer Land, das durch gewaltige Jngenieurbauwerke dem Meere» abgerungen werden soll. Nach der Durchführung dieser riesenhaften Pläne würde das neue Groß-New Port Raum für 25 Millionen Menschen bieten. Thomson- Vorschläge, deren Ausführung, wie wir den „Tecknischen Monatsheften", Stuttgart, entnehmen, durchaus im Bereiche.der Möglichkeit liegt, sehen die Gewinnung neuer Uferstrecken von rund 160 Kilometer Länge vor, die für Anlegeplätze, Docks u. dgl. nutzbar gemacht werden könnten. Zuerst käme eine Verlängerung der New Port City unb die Vorstadt Manhattan tragenden Halbinsel Manhattan durch Aufführung gewaltiger, parallel zueinander verlaufender Kastendämme in Frage, die bis in die Nähe von ©taten Island reichen sollen. Die äußeren Enden dieser Dämme müßten unter sich durch einen starken Querabschlußdamrn verbuilden werden, so daß man das dadurch vom Meere abgetrennte Gebiet auspumpen könnte. Diese Fläche wäre mit Sand auszusüllen, wobei unter den künftigen, gleich zu projektierenden Straßen sofort Tunnels für die notwendigen Untergrundbahnen, elektrische Kabel, Kanäle u. dal. aus geführt werden müßten. Ferner würde die Sandy Hook Bucht teilweise auSgefüllt und vor Staten Island zwei neue Halbinseln ausgeworfen. Außer diesen Bauten schlägt Thomson eine Ausfüllung des bisherigen Bettes des East River vor, an dessen Stelle ein geradeltnig ansgesührter Durchstich zur unmittelbaren Verbindung der Jamaika-Bucht mit der Flushing-Bay treten soll. Zusammen mit diesem neuen Flußbett wären die zur unterirdischen Ueberleitunq des Verkehrs von der Vorstadt Queens nach der Vorstadt Brooklyn erforderlichen Untertunnelungen zu erbauen. Zur Verwirklichung dieses gewaltigen Planes hält sein Urheber eine Bauzeit von einigen Jahren und einen Kostenaufwand von 2 bis 3 Milliarden Mark für erforderlich. Trotz dieser Riesensumme soll der Vorschlag wirtschaftlich sein, und Thomson ist überzeugt, daß ein solch neugeschaffenes Groß-New Port bald zum Handelsmittelpunkt der ganzen Welt werden würde.
* Eine amerikanische Arche Noah für denAnt" werpener Zoo. Da der Tierbestand des Zoologischen Gartens in Antwerpen während der Beschießung im Herost 1.914 zum größten Teile vernichtet wurde, wandte sich der Direktor der Gesellschaft deS Zoologischen Gartens an die Direktion des New Porter Zoo, um auch in diesem Falle um eine Kriegsunterslützung zu bitten, die nicht in Geld, sondern in Tigern, Löwen, Leovardeu usw. besteht. In einer außerordentlichen Sitzung beschloß daraus die Gesellschaft deS New Porter Zoo, dem Wunsche der Antwerpener zu willfahren, und wenn man den amerikanischen Blättern glauben darf, wird gegenwärtig ein ganzes Schiff zu diesem seltenen Zweck ausgerüstet. Alle Schiffsräumlichkeiten werden als Käfige umgebaut, die mehr oder weniger wilden Passagiere auszunehmen, und so wird sich die Geschichte von der Arche Noah wiederholen, da das Schiff fast von jeder Tiergattung wenigstens ein Exemplar über das große Wasser bringen soll. Bis jetzt sollen 5000 „Passagiere" vorgcrnerkt worden sein.
' Eine Katze, die Ratten säugt. Seltsame Tier- sreundjchasten werden sowohl von den Zoologen wie auch vom Publikum bei den verschiedensten Gelegenheiten beobachtet, und die Fälle, in denen z. B. ein Kanarienvogel und ein Hund oder Hund und Katze, Katzen und Hasen enge Freundschaft schließen, sind längst nichts Neues mehr. Einen besonders interessanten Beitrag aber zum Kapitel merkwürdiger Tiersreundschasten liefert der ausgezeichnete Kenner des Tierlebend Franees Pitt in einer englischen Zeitschrift, in der er über eine Katze berichtet, dis das bei Tieren
nach den verschiedenen Raffen instinktmäßtg auSgebildete Feind« fchastSgefühl so weit zu Überwinder« wußte, daß sie sogar eine Ratte an Kindesstatt annahm. Der Forscher, der jahrelang dem Studium der Tiersreundschasten systematische Arbeit gewidmet hatte und da- bei bemerkte, wie manchmal zwei Exemplare einander sonst nickt gerade sehr freundschaftlrch gesinnter Raffen zu Kameraden werden, unternahm den Versuch, einer Katze, die eben Junae geworfen hatte, eine neugeborene, noch blinde Ratte an Stelle ihrer Jungen unterzuschieben. Die Katzenmutter nahm auch, trotzdem sie oisläna eitle scharfe Ratten- und Mäusejägerin gewesen war, die Ratt« liebevoll aus und nährte sie mit ihrer Milch, als ob e» sich um ihre eigenen Jungen handelte. D«e Ratte entwickelte sich schnell bei dieser Pflege und schien sich auch sehr wohl zu fühlen, nur bereitete ihr anscheinend die Reinltchkeitsliebe ihrer Pflegemutter Verdruß ; aber die Katze zeigte sich in diesem Punkte unerbittlich und hielt jeden Morgen die quietschende Ratte zwischen ihren Vorderpfoten fest, bi» sie sie von der Schnauze bis zum Schwänze reingeleckt hatte. Dieses Zusammenleben dauerte zwei volle Jahre und erweckte daß Staunen des englischen Zoologen, die sich mehrmals persönlich von dieser ungetrübten und merkwürdigsten aller Tler- freundschasten überzeugten. Unter den anderer« Beobachtungen, die Franees Pitt auf diesem Gebiete machte, ist besonders ein Fall oemerkenswert, in dem ein wilder Dachs mit einem Hunde Freundschaft schloß und so lange treu an seiner Seite blieb, bis er selbst durch die Gewohnheit und ourch da? Beispiel des Hundes zu einem völlig zahmen Haustier wurde. Auch Freundschaften zwischen Schafen und Gänsen, Hunden und Schweinen wurden oft fest- gestellt; der Fall der Katze als Rattenmutter aber steht bisher einzig da.
vacherttsch.
— Kapitalabfindungsgesetz. Das vom Reichstage verabschiedete Gesetz ist ein Werk von höchster wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung, da es dazu beiträgt, dem nach den Schrecknissen des Kampfes heimkehrenden Krieger oder unseren Kriegerwitwen eine Existenz zu gründen oder zu erhalten und gesunde Leben?- bedingungen für sie zu schaffen. Welche«« Weg ein Antragsteller einschlagen muß, um eine Kapitalabfindung zu erhalten, welche Vorbedingungen erfüllt sein müssen für die Gewährung einer Kapitalabfindung und in welcher Höhe diese in den verschiedene«! Lebensaltern ge«vährt werden kann, darüber gibt das kleine Buch mit Gesetzeserläuterur«gen des Majors Meier von der Rentenabteilung des Kriegsministeriums eingehend Auskunft. (Wie erhalte ich als Kriegsbeschädigter oder als Kriegerwit«ve eine Kapital- adfindung an Stelle von KriegSverforgung. Verlag Gerhard Stalling, Verlag des Deutschen Offizierblattes, Oldenburg i. Gr. Preis 50 Pfg.>
— Handbuch der Kunstwissenschaft. Mit zirka 6000 Abbildungen. In Lieferungen im Abonnement ü Mk. 1,50, außer Abonnement Mk. 2 ,—. (Akademische Verlagsgesellschaft, Neu- Babelsberg). Lieferung 26. Millich, Die Baukunst der Renaissance in Italien, Heft 2. In dieser Lieferung (der 2. dieser Abteilung) behandelt Profeffor Hans Millich die Baukunst der Renaissance m Italien. Was er über Paläste, Kanzeln, Klosterhöfe usw. sagt, tote er sich mit Donatello und der Florentiner Bildhauer-Architektur, mit Michelozzo di Bartolomeo auseinandersetzt und «vas er über die Ausbreitung des florentinischen Stiles über Italien zu sage»! hat, sollte jeder geistig Interessierte lesen.
— Bühne und Welt. Ueber Michel Georg Conrad und Karl Henckell schreibt Fritz Droop im soeben erschienenen Juniheft eine«! sehr lesenswerten Aufsatz. Walter Dahms bringt darin einen Nachruf für Max Reger, in dem er einen Ueberblick über das Schaffen des dahmaegangenen Musikers gibt und auch zum Wesen seiner Kunst selbst Stellung nimmt. In diesem Heile beginnt sodann eine bedeutende Abhandlung Dietrich Eckarts über Ibsens „Peer Gynt". Das Hest ist zum Preise von 60 Pia., HalbjahrS- bezug 3,50 Mk., d««rch jede Buchhandlung, die Post und den Verlag von „Bühne und Welt", G. m. b. H., Harnburg 33, zu beziehen.
— Baud Nr. 1068 von .Kürschners Bücherschah: Die
Jugendsünde. Roman aus Australien von Stefan v. Kotz e. 111 Seiten Umfang. — Preis 20 Pfg. — Hermann Hillger Verlag, Berlin W 9, Potsdamer Straße 124/125.
verfteckrätsel.
Man suche ein Sprichwort, besser« eirrzelrre Silber« in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer*. Gartenhai«? — Beiteleisen — Samstag — Eitelkeit — Kriegslist — Diedenhoser« — Gabelfrühstück — Wüsteg iersdors — Schlothein« — Butterblume — Riesenfaultier.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr Wem« dich eine Sorge drückt,
Nimm u>«« fren«des Leid dich an,
Und du fühlst es bald getan,
Daß das deine ferner rückt. M. Greif.
Schrijlleitung: A«g. Goetz. - Notatiorrsdruck und Verlag der Brühl'schen U>«iverlitäts-Buch- und Steindruckerei, 9t. Lanae. Gießen.


