Ausgabe 
17.6.1916
 
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Der Lieg im Städtchen.

Dvn Paul Alexander Schettler.

(Nachdruck verboten.)

Dre kleine Stadt lag verträumt in süßer Mrttagsm'übig'keiL. !T-er Kirchtnm blinzelte schläfrig aus die roten, Kävllich ineirrandev verschobenen buckligen T>ächer ringsum. Mrs dem Markte stand der Roland und starrte mißvergnügt in oas trockene Brunnenbecken, Während drei Spätzlein ernstlich um einen Pferdeapfel in Streit geraten waren, als sei er der köstlichste Besitz von der Welt-

Die Stadt träumte. Träumte sie vom Frieden? Aber der lag ta wie Sonnenschein selig über ihren Dächern ausgespannt. Oder schickte sie ihre stille Sehnsucht weit hinanA, wo ihre Söhne weilten? Es lag etwas Verhaltenes in ihrer Miltagsstille, daß man das Summen der Telegrapheudrähttz durch die glasige Luft p vernehmen meinte, die sie ivie feine blinkende Nervenstränge in die Welt hinansgestreckt hatte.

Tie trän mente Stadt merkte nicht, wie Plötzlich ein gucken durch ihre Nerven lies, und wie es in ihrem Gehirn $!» fiebern itrtb z>u rappeln begann, daß der alte Redakteur des Stadtboten zornig auffirbr, denn er dachte nicht anders', als daß »nieder so em langjähriger Abonnent sich narb den Wetteraussichchen, oder nach der neuesten Kriegslage erkundigte, oder daß

Hakloh, hier Stadtbote!" rief er in den braunen Kasten hinein, der rasselte und meckerte, als säße der Teufel leibhaftig darin.

Kaum aber hatte er das schwarze Jiihlhorn an feilt Ohr gelegt, schvüpp sprang ihm etivas in die haarige Ohrmuschel und von da direkt dl sein Herz, daß der alte Männ zusammen zuckte.Jst's möglich? Wie was?" Und in seinem» Herzen begann es zu rumoren, wie kn denk Apparat, und während seine Finger sich Uin die .Bleifeder kranrpfterr und hastig Wort für Wort von dem! uiederkritzelte, das wie eine schwersüße Bdelodie in sein Herz niederrann, gr»rgen ihni! die Augen über; denn siehe, was auf dernj Papier vor ihm stand, das »vor ein Sieg, ein großer deutscher Sieg.

Ter Sieg tanzte vor den Augen des alten Redakteurs die tollsten Sprünge auf dem Papier, und der Alte setzte das feier­lichste Gesicht auf und schüttelte doch immer wieder den Kops. Noch ivar er der einzige, der um dieses neueste Ereignis wußte. Noch hatte er den Sieg sicher auf dem Papier, das er so fest in der Hand hielt, aW könne er ihm entwischet, bevor er gedruckt »väre. Und vorsichtig, als dürfe er den wichtigen Fang um keinen Preis verlrereu, legte er das beschriebene Papier säuberlich zusammen, nahm seinen Mut mrd eilte hinüber zur Druckerei.

Tie Spatzen, die noch in, »wer Um beu Pferdeavfcl prozessierten, erschraken nicht »reuig, als sie irr der Mkttagsstille ben alter:

t errn hurtig wie eilt Windsviel irber daS Pflaster jagen sahen.

re siobcu erschreckt auseinander und schinrpften llr echter Gassen- juugennranicr hinter dem Eiligen drein. Der war indessen zur Buchdruckerei gestürmt, und deur aus seinem Mittagsschläfcherr auf­geschreckten Manne, der in feiner umfangreichen, gewichtiaen Person den Rang eines Verlegers, Herarrsgebers, Faktors und Druckers Vereinigte, »varen die Worte eutgegengesprudelt:Herr Neuen­hagen, ein Sieg!"

. Herr Neuenhagen suchte Umständlich nach seiner Brille, bis er gewahr tvurde, daß er sie nuker seine Schlafmütze geschobeir hatte, laN, grunzte und spuckte in hie Hände.

mal!"^a^," er,sieh mal, ein Sieg, ein großer Sieg, sieh

Und es war, als habe das Fieber, das auf das Papier ge-, bannt war, nun auch ihn ergriffen. Er zappelte in seinen weichen Schuhen m die Trucker ei, wo Mittagsstille herrschte, und stellte rch selbst an den Setzkasten: Tenn das, wvs das' Papier des Redak- teirts enthielt, das müßte ja sogleich als frohe Kunde in alle Winde wehen, das sollte durch die Schwarzkunst erlöst werden, daß es tvip eiue gütige Fee, Freude und Hoffen spendend, durch dre Gassen eilen konnte.

Zitternd fügten die Finger Brrchstaben an Buchstaben, bis das ganze wie ern Zaubersprnch bis aufs letzte Tüpfelchen in Lettern vor ihm stand, zitternd spannten es die knochigen Hände in die Presse dann goß ein Hebel Leben in die starren Glieder der Maschine und sie besann sich ihrer Kraft. Blatt für Blatt türmte»! srch schwarz bedruckt. Hundermal wiedergeboren sprang der Sieg aus der Maschine, ließ sich von dem bärtigen Zeitungsboterr unter den Arm nehnten und spazierte nrft ihm von Haus zu Haus.

Haus lMschte er hinein, setzte sich auf den Tisch Und Stuhl, lachte die Alten an und sprang mit den Kindern und tollte auf de»r Straßen.

Mit einem Male »oar die schläfrige Stadt »vre üirtgewandelt. Gassen und Plätzen füllten sich mit Menschen, die Häuser blinkerten mrt erstaunten Augen einander zu, der Steg sprang wie ein Kobold durch den Svnncntaa. Ritsch! schwang er sich arr eine Fahnenstange und winkte mit denk Fahnentuch gen Himmel, ratsch'

L. andern, daß dem Roland ein Lächeln über

Ms steinerne Gesrcht huschte .

Plötzlich aber hatte er die alten Stiegen vom! GlockenturM i^uünLn Mdhängte sich mit aper Mackst an den Glockenschwengel ?^^Erchte der Turin aus seinem mittäglichem Schweigen und, Grohden Sieg weit über die Dächer himveg dre blauen Hüfte, ajS sollte fern Sang in die Ferne, i,n die»

werte Ferrre dringen, tvo die Söhyne des Städtchens seit Monden! standen und stritten, ein Echo der Taten ihres singenderr Blutes.

Und als am Abend ein Fackelzng vorm! Rathaus lfielt, und der Büraermvister in Worten des SiegeS KUnde einsaßte »nie in ein Gebet, da lugte der Sieg von einem still leuchtenden Sternlein herab und grüßte die andächtigen Menschen an$ Sphären der Unendlrchkeit her mit blinkendem Gruße.

Das Tierleben auf der Eiche.

halbkugeliges Nest aus dürren Reisern geflochten und mit zarten Grashalmen weich gefüttert ist, von einer andern schallt das Klopfen des geschäfttgen Spechtes herab, welcher unter der Rinde nie vergebens nach Insekten und deren Larven, Puppen und Eiern sucht, auf einer dritten hüpft ein .Eichhörnchen behend von Zweig zu Zweig, unr sein weiches Lager in einenr Astloche zu erreichen oder unr Eicheln zunr Wintervorrat zu sammeln. Andere Tiere sind aber nicht so harmlose Bewohner der Eiche und nähren sich nicht bloß von dem .Neberftnsse ihrer Früchte, sie tun ihr vielmehr großen Schaden und berauben sie nicht selten ihrer Elften Säfte, unter der großen Schar von Insekten welche auf der Eiche leben, sind besonders hervorzuheben: der Hirschkäfer, die Prozessivns-, raupe und die Gallwespen.

Ter Hirschkäfer sauat mit seinem Säugrüssel den aus wunden Stellen und den Erchenblättern fließenden Saft. DaS Weibchen legt feine Eier in eine faule Erche oder in die Erde unter einer solchen. Tie Larven wohnen in dem modernden Holze ftinf Jahre lang, dann verpuppen sie sich in einer eirunden, glatte wandrgen Höhle in der Erde. Die Larven wie die Puppen sind» den Spechten eine »villkomMene Speise.

Tie P r o z e s s i o n s r a n p e n, die Larven eines Nqchtschmet- terlmgs (Bombyx processionea) leben gesellig auf der Eiche. Das Weibchen des Schmetterlings 5egt seine Eier an die Eichenrinde und bedeckt sie mit einer llebrigen Feuchtigkeit, welche erhärtet sich wenig von der Eichenrinde unterscheidet. Tie Raupen kriechet inr Mai aus, sammeln sich im Juni und spinnen sich ein gemein-, schaftliches Gehäuse aus Lockeren Fäden, vermengt nrit den langen Haaren der Raupe, »velche sich leicht aus der Haut lösen. Nach jeder Häutu»rg »vird eine neue vergrößerte Wohnung angelegt. Erst nach dein dritten Wechsel verändern sie ihr Nest nicht wieder. Bei 'Sonnenuntergang oder zur Nachtzeit, »venn sie auf den Fraß ausgehen, verlassen sie ihre Wohmrng in einenr regelmäßig ge-, ordneten, einer Prozession ähnlichen Zuge und gegen Morgen» kehren sie ,\n derselben Ordnung in ihr Nest zurück. Ta oft 600 bis 800 Stück auf einer Eiche wohnen, so können sie bei ihrer großen Geftäßigkeit in kurzer Zeit den größten Baum kahl fressen.

Auf verschiedenen Tellen der Eiche, aus den Blättern, Knospen, Blüten oder der Rinde findet man häufig grünliche oder rötliche runde Auswüchse von der Größe einer Kirsche, die man Gall­äpfel oder Gallen nennt und die von verschiedenen Galtwespen- arten (Cynips) herrühren. Oeffnet man euren solchen Gallapfel, so findet man eine »mißliche Müde darin, oder eine leere Höhlung, wenn sie sich als ein vollkommenes Geschöpf bereits Hera ns gebohrt hat. TuS. saftige Zellgewebe der Gallen entMt reichlich eine eigentümliche Säure, die Gallsäure, die unter anderem zur Be- rcittmg der schwarzen Tinte gebraucht »vird.

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Vermischtes.

Was ein amerikanisches Millionärskind koste t. Tie Ausstellung der Jahresausgaben, die die Witwe des bei der Titania-Katastrophe ums Leben gekommene»! Millionärs John Jakob Astor deur New Yorker Vormundschastsgericht für ihren vierjäbrigen Sohn vorlegte, gervährt einen interessanten Ein­blick über die Ausgaben, die ein ainerikauisches Milliouärskiud selbst unter dein schulpflichtigen Alter erfordert. Danach hatte der fleine Astor in seinem vierte»» Lebensjahre folgende Sun,men au zahlen: 59 265 Mk. Vermögenssteuern; 13 770 Mk. Einkommen­steuer auS ben Zinsen; 48 330 Mk. für Essen, Kleidung, Spielzeug und Vergnügungen; 680 Mk. Staatsgebühren arrs der Vormnnd- schaftsrechmma des Vorjahres; 1495 Mk. für Aerzte und Medika­mente ; 3600 Mk. für Erziehung; 6580 Mk. Anwaltskosten; 1095 Mark für verschiedene vormundschastliche Spesen; endlich 4805 Mk. für Lieferanten. Insgesamt verausgabte der kleine Astor »vährend seines 4. Lebensjahres also 138 550 Mk., »velchen Ausgaben sein heute bereits 1b Millione»» Mk. betragendes Privatvermögen gegenübersteht.

* Wie bestimmt in a n d a S A l t e r des Hühnereies? Die Amerikaner, die in der Hühnerzüchtnna so Hervorrage»,des leisten, haben auch eine sinnreiche Methode gesundem nn» das Alter des Hühnereies festAustellen. Wenn das Ei älter wird, so gehen in ihm gewisse Veränderungen vor, die darauf zurückzuführe»! sind, daß die Flusstgkert in ihm verdunstet. Ans dieser Veränderrmg ist die Bestinummg des Alters aufgebaut. Eine Lösrnrg aus Salz und destilliertem Wasser im Verhältnis von einem Teil Sal, zu zivet

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Wellen Wasser w,rd hergestellt. Wenn man das Ei in diese legt, so läßt sich an der Art seiner Lagerung in Wasser das Alter be-