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Ich Wollte cttvas dagegen eiirwenden, aber er tvehrte ab. „Las; nur, ich fühle das zur Genüge. Im Grunde aber soll mich das alles nicht länger mehr stören. Hier dieser Tropfen/' und er hob das Glas, in den: scharf ein paar Lichtreflexe ansblitzten von der Lampe am Haus, „der wird mir das verflixte Gift der süßen Liebe töten helfen. Die Welt soll mir wieder froh und heiter n-erden vKne die Frau, d. h. ohne ein quälendes Begehren um ihren Besitz. Sie soll nur mehr für mein Auge sein, schön zu schauen, Und darum, lieber Freund, laß uns dem fröhlichen Bacchus mit vollen Zügen sperrden. Fräulein Frida soll leben!"
Wir lensten das Glas, und ein neues folgte und Flasche auf Flasche, lind Emils heitere Laune stieg bis zu Gesang und Lachen. Ich sah eigentlich keinen Grund, mit dieser Wendung unzufrieden, zu sein, denn sie bedeutete immerhin einen Ausweg aus 'einem Herzenskonflikt, den allerdings anders zu lösen ich hatte mithelfen sollen. Aber schließlich, auch diese Form gab meinem Freund Emil seine seelische Heiterkeit wieder und dahin geht ja zuletzt das Glücksstreben jedes Menschen.
Wir wurden noch in hohem Maste ausgelassen und fidel, bis mahnend die erste Morgenröte uns aus den Heimweg leuchtete. Arm in Arm zogen wir mit Gesang mtf> groß angelegten Kurven zur Stadt und zu unserm Haus.
Ich hatte mir gar keine Gedanken darüber gemacht, wie wohl rnerne fDam*en 'unser langes Ausbleiben hing euo inmen haben könnten. Ich wußte nicht, daß meine Frau inzwischen Fridas Beichte Migehört hatte, ich wußte auch nicht, daß trotz großer Angst lind Sorge nm unser langes Ausbleiben meine kluge Frau beschlossen Hatte, unsere Rückkehr mit besonderer Freude und Begeisterung statt ttitf Borlvürfen zu begrüßen.
Ich sah im Näherkommen die beiden Damen uns fröhlichen Sängern schon ungeduldig vom Fenster aus znwinken. Als wir bald darauf in den Flur traten, Arm in Arm, fiel sie mir um beit Hals.
„Kinder, das ist aber schön von Euch, so zeitig zürn Morgen- rafsee zu. kommen! Laßt mich Euch umarmen!"
Etstil ging nicht leer dabei aus. Und er zierte sich init einem Mal nicht mehr, seine Schüchternheit ivar wie fortgeblasen, seitdem er beschlossen hatte, um den liebenden Besitz der Frau nicht mehr zu buhlen. So fanden im Spiel der allgemeinen Wiedersehensfreude sich plötzlich auch Emil und Frida in seliger Umarmung. Und merkwürdig, sie lösten sich nicht mehr voneinander.
, ^ "bn: dann doch geschah, iiuDcen sie ganz rot vor Eifer
tind Glück und versuchten cs noch einmal.
„ . "NOft Du," flüsterte mir meine Frau zu, als wir später denn Kaffee saßen, „Dein Freund Emil hat doch gewußt, warum er zu unserm Psingstausslug den Bratenrock anzog."
vüchettlsch.
— Feldgrau 14/15. Humoristische Soldaten- und Feld- -ugsgedlchte in Nassauer Mundart. Bon Theodor Wiltqen, Hof- heim a. T. Das 27 Gedichte und 14 drollige Bleistcktbildchen enthaltende Heftchen ist im Selbstverlag des Verfassers und in den Buchhandlungen für 60 Pfg. zu haben und empfiehlt sich als Ge» schenk für unsere Feldgrauen, deren Wiege in Hessen und Hessen- Nassau gestanden. Wir lassen hier eine Probe folgen:
H i n d e n b u r g.
Uß Lehrerin, deß Fräulein Born,
Weißt lezzt em klaane Kall E wunnerhibsche Oosichtskoart Vo usserm Feldinarschall.
„Der Feldmarschall heißt Hinderiburg!*
Erklärt deß Fräulein Born.
„Su*, soaht de Kall, ^daa foah merr noach,
Wäi hääßt e dann nou vorn?"
— Neue R e d e n an die d e rr t s ch e N a t i o n. Nach Vor- rang von I. G. Fichte durch Professor Tr. Ottmar Di ttr ich. B2ö Seiten. Gebunden Mk. 2 .-. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig.
® c f<§ id L te der Philosophie im Alterturn und Mittelalter. Von Professor Dr. A. M e s s e r. 2. Auflage. 156 Seiten. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 107.) In Leinenband Mk. 1.25. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.
„ 7 : I m Schatten der S a a l b u r g. Kulturgeschichtliche Erzählung arrs der römischen Kaiserzeit von H. von Grolman. Mrt sechs farbigen Bildern nach Origirralen von Professor Emil Toepler d. I. (Verlag von G. W. Dietrich, München.) - Die Erzählung fuhrt uns zurück -u den Quellen unseres. Volkstums. Zunge Germanen kraft rüttelt an den Toren des röinischen Welt- reichs. Im Innern der Saalburg lernen wir das Leben und Treiben der Ossizkere und Mannschaften der römischen Grenzfcstunq zu den Zelten Marc Arrrels kerrneil, und jenseits des Limes, der die Grenze der Rornerherrschaft bezeichnete. führt uns die Erzählung m die Dörfer der Kalten, die noch unberührt von römi- scher Kultur nach alter Gerrnanenweise die Sitten der Väter
pflegen. Am Schlrrß erlebe»! wir die Zerstörung der Saalbura
durch diese Katien.
-^Wiking-Bücher Band 19: Rudolf Hirschberg-Jura. „Dre Schulbank^ der LlebeE. Ba.id 19: Wilh. Schaer, „Kerstorf". (Veclag der Wiking-Bücher, Leipzig.) Preis iii Leinen je 1 Mk.
— Die Haupttheorieii der Volksrvirtschafts- lehre auf doginengeschichtlicher Grundlage. Von Professor Dr. 8 ' ^ V* ? d- Auflage. 156 Seiten. (Wissenschaft und Bildung^ Band 95.) In Lernenband Mk. 1.25. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. _
Gietzener Harrsfrauen-Verein«
Wochen-Küchen zettel.
S 0 n n t a g: Suppe von Spargel, Schmorbraten mit Kartoffeln und grünen Salat.
Montag: Kerbelsuppe, Spinat mit Kartoffeln und Ei.
^ ^r enstag: Hafersuppe, Fischpudding*) mit Sardellenttrnke*) und Kartoffeln.
Mittwoch: Spinatsuppc, Graupen mit Rhabarber *).
~ 0 nn erstag: Kartoffel suppe, Fliederblütenflammeri *). <
Freitag: Saikerampfersuppe, Fischkoteletts mit Kartoffelsalat.
} n e f J ü 6 : . Suppe von Grünkernbrühe, Grünkernbällchen Mit Kartoffeln und grünen Salat.
Kochanweifungen.
Fischpudding: IV» Pfund Seefisch, l gejveichtes und 1 geriebenes Brötchen, 1 Zwiebel, 1 Ei, Salz, Pfeffer, 1 Teelöffel Senf, 50 Gramm Fett, knapp 2 Liter saure Milch. Ter Fisch wird gedürnpst oder in der Düte gar gekocht, entgrätet und mit den Zutaten, welche fein gerviegt sein müssen, glatt verrührt. In die gebettete Puddingform 20 Minuten in Wasserbad angekocht und 1 V 2 Stunden in die Kochkiste gestellt.
*) Sardellen tunke, sehr gut dazu passend. */ 8 Pfund Sardelle,i, entgräten, mit 2—3 Zwiebeln und 1 Handvoll Peter- srlie fern wngen. In 30 Gramm Fett, 50 Gramm Mehl bräunen und alles hrnernrühren. Will man die Tunke sehr glatt haben, so scylagt man sie durch ein Sieb.
^ Graupen mit Rhabarber: Vr Pfund Graupen üoerdeii tags vorher eingeweickst, init 1 Liter Wasser, Zitrvnen- und Orangenschale und Salz zum Kochen gebracht. Nach 1/2 Stunde Alkkochens für 3 St 1 rüden in die Kochkiste gestellt. 1 Pfund Rha- - barber wird gewaschen, in kleine Stückcherr geschnitten, mit 100 Gramm Zucker bestreut Und zugedcckt. Ehe hie Graupen aus der Kiste genommen werden, läßt man den.Rhabarber einmal aufkochen und vermengt ihn dann sofort mit den Graupen.
crr oder H 0 l nnderblütenslammeri: Die
Fl red erdolden muffen ganz husch und sorgfältig drrrchgesehen sein Man streift sie von den Stielen, gibt sie in eine Schüssel und gießt eine Obertasie sredende MM darauf, läßt alles 5 Minuten ziehen
greßtLnrnn die Milch durch ein feines Haarsieb oder Mickltuch Diese Milch wird mit noch Milch.oder Wasser vermischt, versüßt Und aufgesE. Sobald dieselbe unter fleißigem Rühren kocK, mrt 4—5 Löffel tu Wasser gequirltes Kartoffel- oder Maismehi dick gekocht.
*
- ^ ^ - * 1* 11 ?J billig ünd sehr gut. Ganz fein gelviegte grüne Krauter, Tickniilch, Salz, Pfeffer lind 1 Teelöffel Senf, gut verrührt und dann der Salat gemengt.
Wx it-Aufgabe.
.. wird Zwangsramsch gespielt. Die für den Ramsch am giinstig steri e rschemenden Karten erhält Mittelhand;
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Obwohl Mittelhand die Pique-Zehn abwerferi kann, fängt si, den Ramsch mit 73 Augen und einer Jimgser. — Wie waren btt Karten verteilt und wie wurde gespielt?
(Auflösung in nächster: Nummer.)
Auflösung des Magischen Qiiadrats in voriger Nurnnier:
T U B
A
U
R
A
L
B
A
8
E
A
L
E
X
Schristleituiig: Aug. Goetz. - NotatiorlSdruck und Verlag der Brühllschen Universitäts-Buch- und Stetndruckerei, R. Lanae, Gisä«.^


