Ausgabe 
5.6.1916
 
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besrerndend, in diesem Sprossen einer altpreuhischen Adels- samilie einen so begeisterten Verteidiger des Handels zu finden. Sie sprach vas auch aus mit einer gewissen Diskretion, aber ohne Rückhalt.

Es ist verständlich," antwortete Harro.Sreh, Ltlian, die Sache liegt einsach. Seit ich in London brn, haoe rch nur einen echten Freund, den jungen Edward Mackall. Ein eigentümlicher Mensch, eine vollendete Herrennatnr ohne jene landläufige Gutherzigkeit, die nur erue Schwäche ist, aber dabei opferwillig bis zum äußersten, ein Mann von unerschütterlicher Gerechtigkeit und fast ver- leheirder Wahrheitsliebe ein ganzer Gentleman. Nebenbei bemerkt, was bei seinem Reichtum und ferner Stellung vielleicht wunderlich berührt, ein enragierter Sozialist. Das ist mein Freund. Er sah, wie ich in meinem Berufe litt. Und da schlug er mir für meine Mußestunden eine unterhaltsame Abwechslung vor: ich sollte nrich in dre Kaufmannskarriere hineirrarbeiten... Ich bin nun niemals ein Pharisäer gewesen, ganz und gar nicht aber den Amüsements unserer jungen und alten Lebewelt war rch immer abhold. Da reizte mich denn die Mwechslung, von der Edward sprach. Und merkwürdig genug, Lrlran, sre erfrischte mich auch. Die Zahl ist nicht trocken, sre rst leberrdig. Die Zahl ist rricht tot, sic spricht errre beredte Sprache. Diese ganze, anscheinend so öde Materre rn rhrer unendlichen Verästelung interessierte mich ungemern und um so rnehr, als ich in Edward einer: glänzendes Lehrmeister fand. Er war es denn auch, der den Entschluß in mir, oen Beruf zu wechseln, endgültig zur Reife brachte."

(Fortsetzung folgt.)

Der große pftüger.

Von Karl Ernst Knodt.

1. Ter Herrgott sprach: Es ist genug!

Ich nehme selber nun den Pflug-

Und pflüge mir mit eigner Hand Mein hart gewordnes Menschenland.

2. Gesagt? Getan! Ein einz'ger Tag Und ein gut Teil der Erde lag

Schon als durchfurchtes Ackerland Vor uns, von Seiner Alimachthand.

3. Inr blutigroten Abendschein Warf Er als Saatkorn kurz hinein Dm Fürste:'. wie den Bauersmann)

Und keins die Körner zählen kann.

4. Jedweden, wie Er ihn gewollt;

Und mancher Gute, Beste rollt

Als Ernte für das Deutsche Land In den zerwühlten Bodensand.

5. Und Tränen rinnen Tag und Nacht,

Wie Regen, bis die Saat erwacht,

Und Liebe, Heist, loie Sonnenbrand,

In das erweichte Ackerland.

6. 0 großer Pflüger, halte ein!

Es sei genug! So laß es sein

Und laß aus Blut und Schutt und Brand

Ersteh'n das neue Vaterland.-

Ms:Bausteine -zum neuen Deutschland" Feldpostausgabe 60 Pfg., Verlag von Friedrich Iansa in Leipzig.

das geschah auch in fast allen Haushaltungen. Freilich war dic Kunst, in geschlossenen Blechbüchsen Nahrungsmittel aufzubetvahren, noch ganz unbekannt. Weißkraut (Sauerkohl), Gurken, ^.Strünke" (bic geschnittenen Stengel von Sommer-Endivien) undSchnippel- hohnen" wurden mit Salz in großen Fässern eingemacht und fanden im Keller ihren Platz. Von Frnchtell wurden Kirschen, £etbel6eepi und Zwetschen in Gläsern und Flaschen eingekocht und in der Speisekammer aufbewahrt. Preißelbeeren galten für eilt sehr luxu­riöses Obst und kamen in bürgerlichen Haushalten nicht vor." Mai: sieht, daß das Einkochen vor 100 Jahren bereits ähnlich,vor sich ging wie auch heute noch, nur daß daniäls, .sehr viel größere Vorräte angesammelt wnrdeil, um dem Winter mit Ruhe entgcgcn- gehen zu können. JeneDelikateßhandlnngen", wie sie als em Zeichen der Zeit in den Gründerjahren überall anftauchten und Die von manchen Kulturhistoriken als Maß stab des zunehmenden Luxus« gekennzeichnet worden sind, gab es damals noch nicht. Wer etwas Gutes auf den Tisch haben wollte, mußte mit eigenen .Händen dafür sorgen und zur rechten Zeit seine Vorkehrungen treffen. Besonders die Kircher kainlen dabei auf ihre Rechnung.Buttcrbröter" zu Frühstück und Äbeiidbrot loarcn iroch nicht üblich; überhaupt Jam u:an mit sehr wenig Butter aus. TiePflaumenntusstulle", die sich heute wieder ihr Recht erobert hat, war aber vielen eine schönere Erinnerung au die Herrlichkeiten der Kindheit, als es unserer Gene­ration die dickbclegtesten Butterbrote sind, und in Raabes Romanen wird die alteMnsstulle" direkt zum Symbol der ^versunkenen Gärten des Kinderparadieses". Fontane* trauert denSyrup- semnieln" seiner Jugend als einer verschwundenen Delikatesse nach, und unsere Jungens sind mit Marmelade und Syrup, die der Krieg wieder an die Stelle der Butter treten läßt, sehr zufrieden. Das Einkochen boii Früchten und Gemüsen ist eine alte Kunst, die sich in der Literatur der Kochblichcr meit zurückführcn läßt und eine hohe Vollkommenheit erreicht hatte Das maßgebende Werk für die vornehme Küche, nach dessen Rezepten die Speisen in beu ersten Gesellschaftskreisen eingelegt wurden, ist der zuerst 1667 in Paris erschieneneParfait Consiturier" des Franzosen Lava­renne oder', wie der vollständige Titel des Buches lautet:Der vollkommene Einkocher, der über die beste Art unterrichtet, alle Sorten von trockenen und flüssigen Speisen, Kompotten, Früchten, Salaten, Gemüsen iind anderen Delikatessen schmackhaft und dauer­haft zu erhalten." Doch auch die deutschen Kochbücher blieben Nicht zurück. DerKurmaiuzische Mundkoch" führt 19 verschieden' Arten auf, um Nüsse, Amarellen, Birnen, Zitronen, Pomeranzen, Ingwer, Quitten und Pfirsiche einzulegeu. Andere Kochbücher, wie das Nürnberger und Salzburger, ziehen noch mehr Früchte in den Be­reich ihrer Kunstfertigkeit, so Weinbeeren, Pflaumen, Stacks beeren, Hagebutten, Mispeln, Kalmus,, Wegwart usw. Der Konservierung voll Nahrungsmitteln im großen Stil ivandte man sich zuerst :n den Offiziersküchen der englischen Marine zu, wo ja ber weiten Seereisen die lange Haltbarkeit besonders notwendig war. Hier wurde zuerst in luftleeren Büchsen auch anderes als Gemüse und Früchte eingelegt, so frisches Fleisch ilud Fische. Diese Neuerung erregte solckies Aufsehen, daß Friedrich Wilhelm III. in Paretz ern Diner veranstaltete, bei den: der Merkwürdigkeit wegen nur Speisen ails solchen Büch sei: gereicht wurden. Es habe ja nicht schlecht geschmeckt, urteilte ein Teilnehmer, aber diese Surrogate ließen doch recht viel zu wünschen übrig. Der große Feinschmecker Baron Vaerst erzählt in seiner 1851 erschienenenGastrosophie" von c.nem Ga st um hl, das aus lauter Pulvern in Büchsen bestand. Man hatte die Ausnxihl aus hundert Suppen, indem inan aus hundert ver­schiedene!: Büchsen einige Messerspitzen Pulver in einen Teller mit heißem Wasser rührte. Auch für andere Speisen standen Essenzen und stärkste Extrakte in Bereitschaft, die man in kaltem oder heißen: Wasser verdünnte. Das Zeitalter der Nahrungsmittelchemie, das Justus von Liebig eröfsnete und in stimm vielgelesenenChemischen Briefen" sogleich volkstümlich machte, war angebrochen und damit eine neue wissenschaftliche Form desEinkochens".

Aus ber Geschichte desEinkochens".

Unsere Hausfrauen treffen in diesem Jahre besonders umfassende Vorbereitungen, nur durch Einkochen von Früchten und Gemüsen eine:: möglichst'großen Vorrat für die Speisekammer zu gelvinnen: sie kehren daw.jit zu den: alten Brauch ihrer Urgroßmütter zurück, für die dasEinmachcn" eines der wichtigsten Hanshaltungs- geschäste bedeutete. Wienn der SoiNnter sich mit seinem Segen in Garten und Feld eingestellt hatte, dann begann in früheren Zeiten in Küche und Keller ein reges Treiben. DieserEininache-Feld- rüg" der Mütter, wie Jean Paul eiunral dies wichtige Ereignis nennt, spielt in den Jugenderinuerungen der Männer, die vor ilOO Jahren geboren wurden, noch eine große Rolle.Eine kleine Revolution erschütterte dann das ganze Haus," erzählt z. B. Bogumil Golz.Auf dem Herde brannten gewalttge Feuer; Töpfe, Flaschen und Gläser, Behältnisse in den verschiedenste!: und phan­tastischsten Formen, standen bereit, uub Jung und Alt schleppten die frische Ernte herbei, die nun zu dauerhafteren Vorräten ver­arbeitet tverhen sollte." Otto Bähr führt in seiner anschaulichen Kulturgeschichte einer deutschen Stadt ums Jahr 1825 dies Bild weiter aus:Eingemachte Gemüse oder Früchte die feinen und teuren Südfrüchte vielleicht ausgenommen konnte inan nirgends in Läden kaufe::. Die Hausfrau mußte sie selbst einmack-en, und

vermischtes.

* B ien en s ü t t e r u!l g. Von -Gemeindewegen sollte darauf gesehen werden, daß die Bienen angemessen versorgt werden. In edler Miesse haben denn auch in vielen Orten die daheimgeblicbenen Imker sich der Arbeit ihrer ins Feld gerückten Genossen angeuom- rneit. Von Staatswegen wird ein derartiges Bemühen gern ge­fördert. So wird vor allem auch dafür gesorgt, daß den Bienen­züchtern eine angemessene Menge Zucker, und zloar steuerfrei, natürlich in vergällten: Zustande zur Verfügung steht, damit die Bienen nicht notleiden. Für ein Bienenstandvolk kommen dem Imker 5,25 Kilogramm vergällten Zuckers (entsprechend 5 Kilo­gramm reinen Zucker) zu. Der Imker hat sich nur zu verpflichten, daß er den verabfolgten Zucker ausschließlich an seine eigenen Bienen verfüttere. Bein: Gesuch, von der Steuer für Rohzucker befreit zu bleiben, muß die Micnge des benötigten Zuckers und die Zahl der Völker angegeben werden. Der Jahresbedarf ist tunlichst auf ein- uial zu beziehen und muß bis spätestens znm 1. August 1916 ge­deckt sein.

* D i e Bedeutung des Mondes f n r d i c Hcuernt e. Die Notwendigkeit, aiigesichts der Einschränkung der Lebensmittel mit aller Kraft aus der deutscküu Landwirtschaft herauszulwstm. loas sie bei sorgsamer Behandlung zu geben vermag, läßt rede An-