hat ihr ist eine Fräulein
Die arme Prinzessin.
Roman von Fedor von Zobeltitz.
(Nachdruck verboten.^
(Fortsetzung.)
>,Jawohl, Papa," entgegnete Harro. „Sie ,7.Eorexamell zugleich mit Jost Feinacht. Das ^b^udschast. Sie duzen sich alle, Vornamen^"' ^ elten ~ alles duzt sich und nennt sich mit
„Hm," machte der Alte, „und doch — tipptopp?"
y »er ja," sagte Prinz Emil und mußte unwillkürlich Schelm „Fräulein Storm giti als Gast Lilians und wohnt un Schlosse. Tipptopp durchaus. Idealste Beziehungen. Sie kennen nur den Weiheknß der Wissenschaft..." Er suchte nach entern Scherze.
Plötzlich rückte der Herzog an feinem Stuhl. Beschwer- Uch wandte er den Kopf ein wenig im Nacken. Er hatte ein leise glucksendes Geräusch hinter sich vernommen und sah nun Bozen Hardt, der stramni hinter dem Fahrstuhl stand, Abr seiner Nahrung nicht mehr Herr werden konnte. Er Muate unaufhörlich, so daß der dicke Adamsapfel an seiner Kehle in ständiger Bewegung war; die Tränen liefen ihm über dre blaue Nase.
der Herzog, „was jaulst du
^ozenHardt schluckte wieder und stammelte: „Ich tu' man bloß so, Euer Durchlaucht zu Gnaden..
fuhr der Me fort; „das ganze
„Wisch dir die Nase,
Halstuch betrippt dir ja
... .^horsam fuhr Bozenhardt.in die Tasche, sein Sacktuch er ^ ® ite nahm
DcHerzog lachte. Dieses kurzen fröhlichen Lachens Irr? die zugegen waren, noch lange. Nun lachtt oet Alte nicht mehr. Er wurde plötzlich sehr ernst
nü? s r?n ^ise vor sich hin, an keinen gewandt, wie zu sich selbst: „Der alte Büffel heult. Das gilt dir Otto. Meiner Durchlaucht gilt's. Die Klageweiber beginnen..
Er schwieg lange Zeit. Keiner sprach. Das Gesicht des Herzogs veränderte sich zusehends. Es wurde länger und sriedevoll. Das Auge blieb offen; es zogen ganze Bilder-
ftan an “hi,' r ' l ‘ äui i tc ou§ der Jugend nahmen Ge-
öie 3E lreb de Frau kain und küßte ihn, er trat an rhreii Sing und legte eineii Kranz von Teerosen auf das
tÖL!?? ® r J aT; b i s Schlachtfeld vor sich und breit- zerstöbe?,rcht^uer derenFünkeitschleier im Dunkel der Nacht »Mucken des c,l,zischen Taurus nnten in gm natischen Türkei und die Morgensonne über den
wieder^D^^^^ ar f üor ihm auf und verging wieder. Da stand er mitten rm brausenden Leben der Uni
.^rsckat, schon an der Schivette des Greisenalters, aber noch von Eiferndem ewigen Geheimnis nachzuspüren, das seine fiebernde ^-eele bedrängte; da stand er wieder im Thron,- “ em kaiserlichen Herrn, und um ihn schinnnerte das Gold der Uniformen. Er ritt über die Felder im Maien, die Lerche sang und der Roggen grünte, und am ^ilege standen die Kjrschbäum« in weiß blühender Pracht: er Jazik am Brunnen in Karlsbad und sah Erröte» seiner Tochter Elise beim Anblick des stattlichen Russen; er hob den Stock gegen Bozenhardt, er weihte ein Johanniterhospital ein, er schwang die Prasi- dentenglocke rm Herrenhause:... Es waren Gesichte, die' kamen und gingen. -
^ Auf einmal hob er deit Kopf. „Das Testament", sagte er. Es klang gurgelnd.
Einil sprang ans und gab ihm beit kleinen Band des Neuen Testa,nents, der aus dein Tisch lag. Es war eiir Lesezeichen darin, ein Stück Silberkanevas, ans das mit roter Seche ein Kreuz gestickt war: ein Geschenk der jüngsten Entelin an den Großvater. Der Herzog schlug mit zitternder pand die «eite ans, die bezeichnet ,var; Emit nahm das Testament und begann mit fester, lauter Stimme die Bergpredigt zu lesen. ö
?'-? !f ei > e » Wchen ging durch die Natur; ein schwacher Wind Hub an. Biint gefleckte Blatter flatterten durch die Luft; e,n leeres Vogelnest fiel von einem der großen Bäume vor der Veranda auf die Erde. Am Ende der Allee zelgte sich ein dunkler Punkt; es mar der Gärtner, der den Weg fe tte : ducken über die Birken, deren feines Geäst sich schon schwärm'" bl«"- vnnmel abzeichnete, zog ein Krnhen-
bm nicht gekommen, aufzulöseii, sondern zu er- las Prinz Ein, . Da stockte er. Er fühlte die bcbende vand seiner Gattin auf seinem Arm. Sie deutete auf den verzog.
Der Kopf des Alten war vornüber geneigt, die Brust Artete schwer und röchelnd. Plötzlich entsank ihm der Krückstock und fiel zil Boden. Entsetzt war Harro anfgesprun- ^^?wd wmkte den Aerzten. Sie traten herzu und winkten gleichfalls. Ev war kein Hoffen ineh'ck.
Doch in einem hatten sie sich getäuscht. Nicht rasch kam der 2wd. Langsam , hatte der Alte den bitteren Kelch zu • Ein tiefes Schweigen herrschte. Man hörte nur das Röcheln des Sterbenden und hin und wieder ein Herbst rauschen nt den Blättern. Emil und seine Gattin lagen in den Knien., auch Bozenhardt; Harro stand aufrecht, das ernite Gesicht wie von Eisen, bewegungslos. Nur einmal erhob er die Hand. Am Fuße der Berandatreppe hatten sich Leute versammelt' das'Gesinde kam, den Herrn sterben zu ehen. Em innges Weib, eine der Küchendirnen, schluchzte w laut, daß Harro lote mahnend die Hand erhob. Kein Laut w lte Pen Todeskamps des Herzogs stören. Da fiel auch nnten olles in die Kme. *


