Ausgabe 
10.5.1916
 
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achtet, das soll auch uns heilig sein. So erkläre ich denn und! gebe kund: ich füge in ich Willig und dienstbar..." Man nickte, diesen Ausspruch hielt man für gefällig und schön. Nun rüstete Annemarie zu der Handlung. Es ging rasch bei Jost; es sei doch nicht das Rechte, sagte dieser, es sei eine Umgehung der Vorschrift und eigentlich eine Nichtachtung. Velten stand da und wartete; ringsum standen die Korps- mädchen von der Bcrlinia-Elisabetchina nnd waren sehr neu­gierig. Annemarie sagte :So binde ich dich durch diesen.. dann brach sie ab, wurde purpurrot und ries:Nein, so geht es nicht, man must ihm ein Tuch um die Augen legen!" Die Szene spitzte sich dramatisch zu, der Konflikt schürzte sich; aber da löste eine Großtat Veltens die Spannung, Er nahm Annemaries Hand, beugte mit Grazie das Knie und sagte:Prinzessin, so binde ich mich durch den Kuß der Treue," uub küßte ihr die Hand.

Man fand das sein und ritterlich; die blonden, schwarzen und kastanienbraunen .Häupter neigten sich zustimmend.Ab­gemacht!" ries Annemarie, froh ausatmend,nun gehört ihr zu uns, das Geheimnis ist gewahrt. Jost, um wieviel Uhr fahren wir?..." Die Darnen schwirrten durcheinander, die Tür wurde wieder entriegelt, Komteß Erdmann nnd Fräulein von Wallroden empfahlen sich, auch die übrigen stürzten eilends an ihre Koffer. Neben denr gemeinschaft­lichen Wohnzimmer der vier jungen Damen lagen rechts nnd links zwei Schlafräume; Annemarie schlief! mit Hede Berkuhu zusammen, die half ihr beim Packen. So war die kleine Prinzessin schnell reisefertig; es gab noch eilt paar Dutzend Küsse und Umarmungen, und daun ging es hinaus in die Freiheit.

Erst in der elften Abendstunde brauchte mall auf denr Bahnhöfe zu sein, mall hatte also noch einige fröhliche Bnllrmelstunden vor sich Velten und Jost hatten sich mit Otto zum Mittagessen im MonopoWotel verabredet; das wgr eine ftdele Sitzung. Alluemarie kam sich ganz studentisch vor, sie war von jubelnder Ausgelassenheit und zeigte ge­waltigen Appetit. Und was gab es nicht altes zil erzählen! Rasch verrannen die Stunden; man fuhr nach dem Bahnhof, mall fuhr die Nacht hindurch im klappernden Zuge, und am frühen Morgen konnte das schlaftrunkene Auge die schnee­bedeckte Heimat grüßen.

O selige Ferienzeit! Es war gar zu herrlich. Zuerst hieß es ausschlafen. Man schlief weit in den Tag hinein. Die Freunde vom Schloß nnd aus der Vurgmühle kamen und mußten in der Halle auf die Schlafmützen warten: Graf Ariern das Ehepaar Beyfuß und Grete: Grete frisch, rund und rosig, mit den Füßen stampfend vor Ungeduld, stöhnend und schimpfendBei den Herrnhutern," sagte Graf Aicker», man, so hör' ich, Mäßigung lernen nnd feine Benerr- schung. Sehe ui, <3 te aber, Fräulein Befehle, so dringt bei mir die Ueberzengung durch, daß nach dieser Richtung hin dle Erziehung eine verfehlte war.

, ,,Sehe ich S i e, Herr Graf," antwortete Grete, , so bnngt das meinen Bildungsgang ins Stocken nnd die ganze Verfeinerungt futsch. Fürstlicher Hofchef und einen Pelz- Segen den man die Lodenjoppe des Herzogs von Emsi- ?ouveaute de Paris bezeichnen muß. Bon den mttttg * ,er " 9ai Ulä>t äU ^"chen. . . ." Ariern lachte gut-

der Jagd, ich bin auch rustikal ge- Aber ^hnen zu Ehren will ich wieder städtischer werden, der elegante Mann soll zum Durchbruch kommen ?^^Ä'.ll freue ich mich, daß das Sektiererwesen in Neu>- raubt ta 1 md ^ t ^ l)re originelle Kratzbürstigkeit ge^

9 S n ^ kreppe herab, es war ein großes ®l e /t ^gelang an. Es waren frohe Ferien. Zwischen dem alten Hause, dem Schlosse und der Bnrgmüble war enr breite r Weg durch den Schnee geschippt Man lief yerüber und hinüber. Das Weihnachtsfest feierte mall ae- melnsanr. Auch der Burgmüller war dabei, alt geworden und einell müden Zug mit den Mund, vereinsamt und still dabei stürmischer Zärtlichkeit für seine Grete. Er beschenkte sie eingekauft, übertriebene Koübar- mjihk ungebührlichen Schmuck für ein laum ertoachsenes ÄL- versprach ihr ein Reitpferd und einen kleiner! ^tbwahrer, erue neue Zimmereinrichtung und einen Lawn I^splatz; er char wie verwandelt seit dem Tode der Frun.

Kar tn seiner sorglosen Fröhlichkeit der alte

Mürd^als^Ho^klü^f ^ . Einsamkeit.Mit meiner Ltüu.roe als Hofchef ist Z freilich nicht wett her," sagte er ge­

legentlich zu Velten;dafür hat man mir die Oberaufsicht über die Verwaltung aufgepackt. Also mehr Herrschastsdirek- tor als Hofchef. Aber es macht mir Spaß. Was ich nie für möglich gehalten hätte; ich habe rechnen gelernt, Kappsteiu ist ein Waisenknabe gegen mich. Doch wer am besten rechnet, das ist die Fürstin. Ja, sie, Velten, die Lady von drüben, sie ist auch der Geist über den Wassern. Es sitzt ein Sekretär in Berlin, der tippt die Korrespondenz mit Gotternegg und! zeichnet immer im Aufträge des Fürsten. Aber ich glaube,, nichte r diktiert und gibt Direktiven, sondern sie. Ich glaube, daß diese Frau von mtgewöhnlicher geschäftlicher Tüchtigkeit

Hch glaube auch sonst noch allerlei. Mit der Hoffnung auf Glanz und Gleiß und üppigste Prachteutwicklung ist es anscheinend nichts; doch Gotternegg wird sich entwickeln: wir wollen uns einmal wieder sprechen. . .

Das stand fest: Es war frisches Leben in die Verwaltung der Herrschaft gekommen. Riefenstahl und Kappstein hatten sich vertragen. Kappsteiu war noch immer der Rechenknecht, aber er brauchte nicht mehr zu filzen. Was nötig und zwech- mastig war, das wurde bewilligt. Es wurden neue Leute-' Hauser gebaut, iieue Ackerpferde und Zugochsen angeschafft", der Maschinenpark wurde vervollstälidigt, was schlecht war, zuiii alten Eisen geworfen, man kaufte nur noch das Beste, man feilschte nicht. Der bucklige kleine Jsaaksohn, der Aller- weltsagent rieb sich vergnügt die HänÄe; er verdiente eist schönes Stück Geld. Er war der Leibjude des Hofchefs ge­worden, den er immer nur Exzellenz nannte; Artern hielt etwas aus ihn; Jsaaksohn besuchte für ihn die PferdeaukLio- neu und die Gehöfte, er kaufte junge Bauerngäule auf, die neu der Gras sureiten und ein sah reit und verhandelte sie sie weiter. Jsaaksohn vergötterte Artern;Gott," sagte er, das ist ein Mann, ein Kavalier, ein Edelmann, er handelt, aber er laßt unsereins auch was verdienen, er läßt sich nicht beschummeln von Blumenfeld, er hat den Bernstein vor die E gesetzt, er protegiert Jsaaksohn: ich weiß einen Teckel,

6ule Rasse, den kriege ich billig, den will ich ihm schenken? vielleicht kriege ^ich ihn umsonst, der Lehnschulze in Dombach mochte ihn los fein. ..."

Graf Artern langweilte sich nicht mehr. Anfänglich hatte ihn dann uiid wanil die Sehnsucht nach der Großstadt ge­packt, nach einem fröhlichen Bumniel nnd einer ansgelassenen Nacht; all, an gl ich hatteer sicharuh zuweilen gefragt: Sapper- lot, was soll ich hier als Hofchef. wo alles Höfische fehlt? es ein Ruheposten und mein fürstliches Gehalt nichts als' eine auskömmliche Pension? Aber er sich bald ein: ein muyep osten war es nicht, und mit der Arbeit kaut auch das wachsende Interesse. Da war der Marstall in Ordnung m bnngert und das Gestüt zu reorganisieren, beides von ans; es bedurfte umfassender Vorbereitungen und tüchf- tigec Kenntnis. Die Jagd lag darnieder, die Fasanerie sollte Ä^ ^lUüerichtet, ein Kreuznngssystem mit ausländischem Hute versucht werden. Auch um die Landwirtschaft hatte sich Artern zu kümmern; neben der neu gegründeten Fabrik für Steingut uub Ton waren wurden andere industrielle Anlagen geplant, unweit der Braunkoh-lengruben beim Vor­werk Himmelsleiter sollte eilte Brikettfabrik angelegt wer­dest. Alle Anweisungen, Rechnungen, Quittungen, Änsstel- lmigen, Kalkulationen, eine Wut von Papieren, gingeit zu­nächst out cf) Artens Hano. Da war Beyfuß in seinem Ele- t'c war wirklich Arterns rechte Hand, er war uuer- mir h?'Manchmal schimpfte Kappsteiu:rechnet Beyfuß mir vor, meinte erso brauch' ich nicht nachzurechnen ick fL n J ^ gen Aich nberfäissig" Gotternegg war auch die schule für die Dienerschaft; hier wurden die Neuli'-ge öeietnt, der Koch probiert, die Reitknechte in Dressur ae- nommen; hier vollendete der grüne Max seine Ausbildmm und wurde etu brauchbares Mitglied i,n Doniestirenstaat."^ (Fortsetzung folgt.)

HneÄrrch Gerftäcker.

Zu seinem 100. Geburtstage, 10. Mai. w Kiedrich Gerstäcku- hat seine Stellung als einer der Meister a-pUi Rseromans bis heut behaupten können. Weil ich

sieht ec Mi Kllhnheit und Originalckäl Charles Sealsfield uacBL Junten und, fesseln durch eine gesunÄ

wwi uuu/ iinru !-euuge ue er nt seinen beüelr Ülontaittit wcch etwas wu jenem ZauLer, der Gerstäcker einst so Srcge verholfM hat. Lehe» imd, Wert dioses nierÄrdä ge» Manneo smp zu »nlösiichw Einheit verschmplzen. zeige» Heike