Ausgabe 
12.4.1916
 
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mit ft man eS fein. Aber in der Fülle wirtschaftlick-c Spar- fnmlcit zu entwickeln, so daß auch eine anscheinende Ver­schwendung'zinsreiche Früchte tränt, dazu muß man eben ein alter Rcchenknecm sein, als welcher und solcher ich mich Fürstlicher Gnade nochmals untertänigst empfohlen halte. Befehlen Euer Durchlaucht einen Rnndgang durch das Ge­höft? f . ...

Vollo war damit einverstanden. Aber eine sonderliche Freude lvar es tym nicht. Gr sah wohl, daft die Wirtschaft mit Verständnis und Umsicht geführt ivurde, sah aber auch, wie sehr e;- überall fehlte. Die Nachricht von seiner An- kirnst hatte sich schnell verbreitet Der Oberinspektor Riesen- tahl fand sich ein, ein riesiger Mann in hohen Schmier- tieseln; vor dein Maschinenschnppen standen noch zwei Jn- pettoren und ein junger Volontär von geschniegeltem und gebügeltem AeuHeren mit- einem Knciser aus der Nase. Alle folgten dem Fürsten wie eine Suite: Riesenstahl schaute finster drein, er sprach kurz und abgebrochen, und die Wen­dungE< könnte mehr geschehen" lehrte häufig wieder; iür den Rentmeister hattt er nur Blicke der Verachtung. Zuiveilcu ivars Bolto eine Frage aus. Die Schlempewagen erschienen ihm vorsündslntlich;der Herr Rentmeister ge­stalten keine neuen," antwortete Riesenstahl

Wie wird die Kartoffelernte?" fragte Bol so. Ausgezeichnet, Euer Durchlaucht," entgegnere der Ober- Inspektor,aber die Hälfte kann mir in der Erde versauten; ich habe zu wenig Leute, ich habe keine Ausroder, ich habe keine Sortierer; ich wollte eine neue Münstersche Maschine anschaffen, der Herr Rentmeister sagte nein. . . Nun wurde Riesenstahl lebendiger. Ueberatl brachte er seine Wünsche an. In der Brauerei fehlte es an Kühlapparaten, der Meier hatte gekündigt, iveil die alten Röhrenkessel zur Futterberettung nicht mehr brauchbar waren, ein Dutzend Äckerpserde war für den Schinder reif, die Zugochsen hungerten, die Lokomobile lieft sich nicht mehr reparieren, die Düngerstreuer waren veraltet, cs mangelte an Pflügen, mit der Drillmaschine ivurde die Arbeit nur erschwert, da sie infolge verfehlter Konstruktion alle Stunden versagte, der Schloeinemäster wollte davonlausen, iveil seine dürren

! Ferkel ihn jammerten. So ging das Klagen fort.Wohin oll ich mich irrenden, Euer Durchlaucht?" fragte Ricsen- tahl:ich habe an die Ritterschaft geschrieben, sie verlvies niich an den Herrn Rentmeister, und der Herr Rentmeister hat nie Geld für uns...."

Das infame Geld! Mit Falten auf der Stirn kletterte Bolko wieder in seine große Viktoria. So sah es hier' mrs, und da wollte man ihm vorwersen, daft er sich eine reiche Miß heimznholen gedachte!

BeimVerlobnngsdiner" nm Abend batte er seine Laune wiedergesnnden. Madame Balfour und die An schütz hatten ihr Möglichstes getan, nm ihn zufrieden zu stellen. Der Tisch lvar hübsch gedeckt und mit Blumen geschmückt; der grüne Max half bei der Bedienung: er ließ einen Teller fallen und glitschte einmal auf dem Teppich aus; sonst machte er seine Sache brav. Bolto war wohlwollend: das Ganze kam ihm sehr kleinbürgerlich vor, aber es lvar alles gut gemeint: er sagte der Madame ein paar freundliche Worte. Ihre Ohrlöckchen zitterten vor innerer Freude.

Grete und Annemarie tranken zu viel. Beim Cham pagner kamen sie aus dem Kichern nicht heraus. Als Velten sich erhob, um ein Hoch ans Seine Durchlaucht und die gnädigste Braut auszubringen, begann Annemarie zu schluchzen. Grete weinte mit. und der Madame tropften dicke Tränen über die Wangen. Die Anschütz, die am Büfett stand und die Teller wechseln half, stieß merkwürdige Laute aus und fuhr mit der Schürze über ihre Angen. Dann'begaun auch der grüne Max zu heulen»; die Tränenperlen rannen bis in die Falten seiner Livree.

Das wurde Bolto zu viel.Gott bewahre," rief er.was ist das für eine entfesselte Wasserleitung! Wir feiern doch kein Begräbnis. Nun stoßt allesamt noch einmal mit mir an! Aus eine frohe Zukunft! Weg mit den Tränen! Herr­schaften, lacht! Es lebe die Freude am Sonnenschein!" Grete schaute begeistert zu ihm auf. Sie fand Bolko immer entzückender. Ihr vierzehnjähriges Herzchen häm­merte. Sie lvar ganz verliebt. £>o einen wie diesen ioünschte sie sich einmal zum Mann, so einen vollendeten Kavalier, dem das Leben ein Blumengarten war, darin lacht nur immer die Sonne. Und so einen vornehmen. Döenschen; blond mußte er sein, und ganz hellblond der Schpurrrbart, die Er­scheinung sein und geschmeidig, die Toilette immer exquisit,

namentlich die Stiefeln; und einen glänzenden Namen mußte er tragen, Freiherr sein oder noch lieber Gras. So waren Gretes dumme Gedanken; aber rauh fegte der Brir- der mit brutaler Wirklichkeit die Phantasien davon.Prost, Müllermädel," rief Otto ihr zu und hob sein Glas.

Prost, Mültermadel," wiederholte der Fürst und leerte seinen Kelch. DaH klang ganz anders, es klang so, daß sich in Gretes Wangen ein heller Blutstrom ergoß. Er nickte ihr dghei freundlich au. Er war so lieb zu ihr. war wirklich­em lieber Mensch. Er trank auch alls ihres Vaters Mohk.. Auf getreue Nachbarschaft," sagte er. Es sah gut aus, wenn er sein Glas leerte. Er trank eigentlich nicht; er setzte den Kelch an die Lippen und tippte ihn aus. Es sah so schneidig aus. Grete gab sich große Mühe, recht sein zu sein. Sie handhabte Messer und Gabel mit Zierlichkeit, sie vergab sich nichts. Sie hatte sich auch schön geputzt, trug das Kleid mit de.n lila Einsatz und streckte die Lackschuhe vor. Sie wollte gefallen.

Jost war schweigsam, war auch ein wenig bleich. Vel­ten fürchtete, der Prinz werde, sich auf der Partie nach dem Götzen übernommen haben. Aber er wagte nicht, da­nach zu fragen. Jost schäumte auf, wenn von seiner Zart­heit die Rede iuar. Im übrigen bemühte er sich sichtlich, zu Bolto herzlich zu sein; doch nie nannte er den Namen seiner künftigen Schwägerin. Als Velten den Toast ans sie ansbrachte, stand er aus und trank schlveigend sein Glas leer.

Gegen zehn Uhr verabschiedeten sich Otto und Grete. Sie gingen über die Wiesen und an der Schleuse vorüber nach der Bnrgnnihle zurück. Aus dem feuchten Grase stie­gen die Nebel aus. Es lvar Mondschein, und silbriges Licht durchflutete den weißen Dampf. Es ging ein seltsames! Rieseln über die Flur, ein geheimnisvolles melancholisches Ranscheu. Es war nicht allein das schäumende Wasser, es lvar wie ein klingendes Tropfen, das von irgeudlooher kam, man wußte nicht, ans der weißen Lust oder heraus aus der Erde. Stark war der Tan gefallen; er hing glitzrig all Halmen und Rispen, er 'legte auch seine Demanten in das lichte Geivebe des Altweibersommers, das sich um die Hecken spann. Im hohen Grase schaukelten sich die hellen Fäden; der Mond schien darauf, darüber glitt bläulicher Tunst.

Otto pfiff leise ein Studentenlied. Grete, war melan­cholisch. Sie dachte, es -müsse doch sein? Reize haben, un­glücklich zu lieben. Dann wandert man viel inr Mond en- licht, man greift in die loildcn Blumen hinein und zer­pflückt sie, man steht schlveigend am stillen Wasser und sehnt sich danach, dort unten zu ruhen in der kühlen Flut.

Sie seufzte schmerzt ich aus.

Otto setzte das Pfeifen aus.Was stöhnst du denn, Grete?" fragte er.Ist dir etwas? Diu hast zu viel ge­gessen, mein Kind, du hast dreimal Ntustorte genommen, Donnerwetter, was hast du für einen gesegneten Appetit!"

Laß mich, in Ruhe!" ries Grete ärgerlich.Pfui, du bist ein gräßlich prosaischer Mensch, mtb wie wundervoll ist die Nacht! Schau lieber zu den Sternen empor, als daß du von Muctorte sprichst. Ich habe übrigens nur zlveimal genommen und Annemarie dreimal; das hast du ver­wechselt."

NGretelein, das ist möglich ich bitte mich geneigtest ent­schuldigen zu wollen. Ich sah nur, daß es 'dir schmeckte, aber wenn Fürst Bolko dich zufällig anschaute, tatest du, als sei alles Materielle dir greulich. Dann spitztest du das Mäulchen, und zuweilen lächeltest du niedlich, und nahmst du das Glas, so spreiztest du den kleinen Finger, als woll- test du ihn davonfliegen lassen. Gretelein, ich merke mit Bedauern, daß sich deine Natur verkehrt hat; du bist gierig geworden."

Da bleichte sich Gretes Wange vor Aerger.Ich ver­bitte mir das, Otto," antwortete sic.Ich gierig, haha! Ich habe keine Studenteninaniercn, "ick) flegle mich nicht so hin, ich lache nicht, daß es schallt; ich benehme mich wie ein gut erzogenes junges Mädchen. Und du sagst gierig haha!"

Ich wiederhole-das sogar haha! Ich weiß gar nicht, wo du das herhaft. Annemarie ist cs doch ivahr hastig nicht"

Ihre Durchlaucht die Prinzessin ist das für dich! Verstanden! Du hast mit ihr noch lange nicht Brüderschaft actrunlen. Nenne du deinen Prinzen mit Vornamen und duze dich mit ihm, aber Annemarie ist meine Freundin!"

(Fortsetzung folgt.)