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Wie mochte der Tameuhaudschwh da hingekounnen sein? Lediglich wir Soldaten lagen ja feit Wochen im Schloß, und nur m Erdgeschoß hauste ein >närrischer, alter Förster, rd er die NMtUeye Jagdmeute verpflegte. Nun gleich, ich ließ, den fremden Handschuh liegen, las noch einige Sttinden und begab mich dann zur Rüge. Ehe ich aber das Licht löschte, trat ich noch einmal ans Fenster, nach dem Hinrmel au sehen, denn ich wollte am anderen XciO.urf unfetu Mittagstisch ein paar Fasanen schießen und Nirchtete euren Wettern mschlag. Aber der .Himmel hatte sich entivölkt, Sterne flimmerten von oben und leichte Nebel zogen über bie Wiesen des Parks. Das Schloß lag schweige-id und duulel mtt leinem Hof, den hohen Tüchern und eseubewachsenen Rundtürmen. Es war unendlich still draußen, nicht einmal ferner Kanonendonner störte luic sonst die Mhe, tein Anfolitzen ferner Leuchtraketen. Befriedigt warf. id) mich aufs Bett.
Ich mochte eben erst eingeschlafen sein, als »nich Hundegekläff ivcckte Man wird im Kriege mißtrauisch und vorsichtig und gibt auf alles acht. Ich stand auf und öffnete die Fensterladen. Nanudie gelbe Mseute des Fürsten tummelte sich drunten im Schloßhof. Aber der Alte hatte doch ausdrücklich! den Beseht bekommen, die Hunde nicht hernmlausen zu lassen, und nun^ hatte er sie sogar uackts befreit? Plötzlich wurden auch ötc tfaiUer des Seitenflügels drüben durch Lichter erh-llt, die htnter ihnen die Gänge entlang huschten, das Portal össncte sich, aber was war das? Keine Feldgrauen erschienen, sondern eine Reihe Damen unb Herreit hastete heraus auf den Hof. Es mochten etwa zwanzig sein. Sic trugen rote Jagdröcke und wurden bei ihrem Erscheinen von rotgekleidelen Hundewärtern. nnt Fanfaren empfangen. Aus der Richtung der Stallgcbäude füh'ten nun Mit einmal Diener Pferds hierbei, und die ganze Jagdgesellschaft saß auf. Voran liefen die Hunde, die.Piköre hielten sie unt Hetzpeitschen zusammen, dahinter setzten sich die Rotrocke in Bewegung. ^ . .. . -
' Wer war diese fremde Jagdgesellschaft, die m der sternklaren Nackt hinritt? Und wer hatte sie zu uns ms Evst von Märckais geladen? Warnim sah ich keinen unserer Leute iinter ihnen, warum trat keiner ins Portal oder bog sich aus den Fenstern? Das Jaulet! der aufgeregten Meute, die Fanfaren der gelben Hörner, das Pferdetrappeln, und all das fröhliche und lebhafte Treiben mußte sie doch so gut aufwecken wj>* mich.
' Jetzt tummelten sich die Reiter unter Meinem Fenster. Ich sah sie deutlich, erkannte jedes einzelne Gesicht. Meine Blicke hafteten schließlich ans einem j'.ingen Mädchen, das inmitten einiger Herren ritt. Gn frisches, junges, bildhübsches Ding mit kastauienfarbeuem Haar. Es hielt die Zügel in der von einem gelben Stulpl'ändschuh bedeckten Linken, sck^aute unter mrr nnt einmal lackend emvor. sah' mich an, und warf nur Mit der bloßen Rechten eine Kußhand herauf. Daun »veudete die Kleine sich wieder zu ihren Begleitern. Als ich niit den Augen an der Gestalt der Tavoureitenden l-crabglitt, sah ich, daß sie emen Fuchs ritt, zmu Teufel, inein Pferd! Mein Fuchs wars mit dem weißen Stern zwischen den Augen, dem schlanken Hals, dem laugen Schsveif, den iveißeu Fesseln. Jeder Laie mußte das Tier unter 5mlndcrten herauskeunen. Es schimmerte so Helles Licht, das; ich mick nicht täuschen konnte. Das ivar denn doch zu arg, hatte das fremde Mädel für die Jagd sogar mein Pferd aus dem Ltall gezogen! Doch ehe ich mich von meinem Staunen erholt, waren die Jäger hinter der nächsten Baumgruppe.im Park verschwunden. Vom Wald her hörte ich noch einmal die lnsftgeu Jagdhörner klingen, danii schallte das Kläffen, der hetzenden Meute, dann verschluckte die Ferne den Lärm. . , . ..
Ob ich hinabgiiig, nach meinem Pferde suchte? Ob ich die Kameraden, meinen Burschen lvcckte? Ich überlegte einen Augenblick. Ach, morgen war aiich ein Tag, und ich! hatte die Neber- zeugumq, daß die andern mich auslachen, niich gar für emeit Gespcnsterseher halten würden. Hub doch, — es war etwas nicht richtig, nein, da war etwas nicht richtig. Jetzt würde ich nicht hinabgehcn. Ich mürbe den Tag abwarten. Und so legte ich mich wieder hin unb schlief gegen Morgen endlich ein wenig ein.
Zeitiger als sonst klopfte mein Bursche an die Tür. Er trat mit aufgeregtem Gesicht zu mir. „Herr Leutnant, der Fuchs muß krank sein." — „Wieso?" — „Er ist klitschnaß, und ich Hab' ihn doch gestern abend noch ganz trocken gerieben. An der Sattel- stclle hat der Schweiß die Haare zusammcgeklebt, und am! Widerrist ist er gedrückt. Aber unser Sattel reicht gar nicht so weit. Da mstß die Nacht einer einen fremden Sattel draufgelegt haben."
Ich wußte, lver den Fuchs' geritten^ Das Erlebnis der Nacht stand mit einmal wieder vor mir. Schnell fuhr ich in die Kleider und eilte nach dem Stalle. Der Fllchs stand abgehetzt, als sei er die Nacht stundenlang geritten worden. Ich fragte meinen Burschen, ob er den nicht vom Kläffen der Meute ausgemacht sei, nichts von den roten Jägern gesehen habe. Er sah mich groß au und wollte voll der Jagdgesellschaft nichts bemerkt Haben. Hundekläfseu, das allerdings sei möglich.
Ich fragte meine Kameraden. Sie leugneten, etwas Außergewöhnliches^ vernommen oder gesehen zu haben, nur ungewisse Geräusche, wie fie jede Nacht mit sich bringt. Einer allein! hatte halb im Schlaf Schritte auf dem Flur und das Wiehern eines Pferdes gehört.
Wir nahmen beu alten Förster ins Gebet, dsr aber schwor hoch und teuer, die Hunde seien auch nicht mit der Na»enftutze aus dem Zwinger gekommen. ^ ,
Belog uns der K"erl? Er hätte ein gefährliches Spiel getrieben. Ich suchte auf dem frisch geharkten Kies des Hecks, in der braunen Erde der Wege nach den Spuren, die der Refter- truvp und die Hunde hinterlassen haben mußten. Nicht das geringste war zu entdecken.
Das war doch sonderbar. So hätte ich am' Ende doch nur geträumt? Wovon in aller Welt aber war dann der Fnchi im Stall so naß geworden? Als ich in mein Zimmer zurücktrat, traf mein Blick den kleinen, gelben Stnlvhändschuh aus meinem Tische. Ich betrachtete ihn näher. Die Reiterin gestern nacht, hatte sie nicht seltsamerweise nur an dsr linken Hand einen Handschuh getragen- Und dies da war der dazugehörige rechte, kein Zweifel, bei: Stulphandschuh jener Fremden. Aber wer hatte ihn mir auf den Tisch gelegt? Hatte etwa vor unserm Einmarsch die Jägerin das Zimmer bewohnt- Ich nahm den .Handschuh auf, ich zog den zarten Wöhlgeruchi ein, und es war mir fast, als riefe ich damit jenes schöne Kind an meine Seite, als fühlte ich ihre körperliche Nähe. Wie hätte ich den Handschuh von mir tun können? Ich bewahrte ihn zur Erinnerung an die mutwillige, junge Jägerin, die ich, ach leider me gekannt und gesprochen habe.
Und heute, wahrhaftig, ich frage mich zuweilen ob das Abenteuer in jener Nacht wirklich gewesen ist, oder ob ich es nur träumte, weil ich zu lange den feiner! und unzerstörbarer Wohlgeruch jenes fremden. Da men Handschuhs einatnE Er liegt in einem japanischen Lackkästchen im Fach meines Schreibtisches. _
Vermischtes.
* Aus dcr Tod esstnndc des Hilfskreuzers „Kar> Trafalga r". Bor bau. Londoner Admiralitätsgerichtshvfe hat kürzlich eine Verhandlung sto.ttgefunden, die den hingehenden Opfermut unserer Flotte wieder eiumal hell beleuchtet: vor den schranken deS Gerichtes erschien Kapitän Lowell Grant, der seinerzeit den britischen Hilfskreuzer „Carmaniä" befehligt und damrt den deutschen Hilfskreuzer „Kap Trafalgar" zum sinken gebracht hat. Es bandelte sich um die Feststellung der Prämie, die der „Carmü- nia" für ihre Tat nach britischem Seerechte zusteht, und bei dieser Gelegenheit gab Grant eine vollständige Schilderung des Geseckstcs, das er geleitet hatte. „Am 14. September 1914 war ich auf einer Kreuzfahrt begriffen," erzählte er, „als ich „Kap Trafalgar" sichtete; zwei Koh.ckndampser lagen neben ihr, fte war gerade dabei, ihre Bunker neu zu füllen. 2lls. sie mich, erblickte, brach sie die Arbeit ab und eutferute sich. Wir folgten ihr utid eroffneten das Feuer, als sie wendete. Nun antwortete sie, und bald wurde «das Gefecht allgemein. Wir manöverierteu ein tveuig, und da dampfte sic, nach Steuerbord geneigt, von uns weg. Auch wir waren schwer getroffen. Wir trieben sie nach links; beide Lchtffe standen in Flammen, wir selber mußten ebenfalls nach Lee wenden, um ein Wachsen der Feuersbrunst zu verhindern. Sie war sckmeller als ich und war mir beinahe schon entkommen, als sie plötzlich kenterte und unterging. Hatten wir uns in einer Entfernung von annähernd 7300 Metern entdeckt und hatten »vir uns zeitweilig am etwa 2500 Meter genähert, so waren wir einige 9000 Meter von einander entfernt, als sie uirterging. Im ersten Teil des Gefechtes näherten wir uns, dann drehte ich von ihr ab, »veil sie Maschinengewehre hatte und »vir nicht, und »veil ich auch hoffte, daß fte nnr folgen würde», da ich! sie dann mit fünf, statt mit vier Geschützen! hätte bestreichen können. Sie kam mir ein wenig nach und drehte dann nach Südost ab>, so mußte ich vollständig nach Steuerbord »vendsn und hinier ihr herdampfen!, und das vergrößerte den 'Abstand zwischen uns imMer mehr. Der ganze Kämpf dauerte etwa eindreiviertel Stunden." Dem besiegten Gegner hat Kapitän Grant die vollste Achtung belvahrt: als der Richter fragte, ob Kav Trafalgar" während des Kampfes die deutsche Kriegsflagge führte, erwiderte er respektvoll; „Jawohlk, und mit wehender Flagge nt sie untergegangen." Da die Besatzung des uutergegangeneu Hilfskreuzers auf 423 -Mnu geschätzt wurde, »ourde her Besatzung der „Carmania" eine Prämie im 2115 Pfund zugesprochen. Beiläufig ein kennzeichnender Zug englischer Denkweise, die auf den rm ehrlichen Kämpf unterlegenen Gegner Prämien nach Kopfzahl zur Verteilung bringt.
* Vorboten der S o m in e r m o b c. Der Weg, den die
Sommermode dieses Jahr wandeln will, wird bereits aus den Vorbereitungen und Neuheiten der Wiener Sommermoden erkenn- bar, über die der „Konfektionär" einiges ausplandcrt. Es wird eine wunderlich-reizende Mode werden, in der verschiedenartige Bestandteile sich zu einer Harmonie vermählen. Den Grnndton bildet der Biedermeierstil. und die Schönen dieses Sommers dürsten stark an die Gestalten aus Urgroßmütterchens Jugendzeit erinnern. Aber in diesem alt-neuen Stil sind viele Anregungen und Motive türkischer und bulgarischer Herkunft eingegangen,^ durch die die Sommermode an die großen Ereignisse der Zeit erinnert. Kennzeichnend für sie wird ihre starke Jarbenirendigkeit sein. Farben, Blumen rmd ungezwungene Linien: das ist die Möge der
kommenden Sommermonate. Gemusterte Stoffe werden bevor-


