196
Mutti! Söte!" Das klingt ineinander., , ^ a „ -
Mein Liebling! Mein süßes Herz!" Ern zitterndes Schluchten. 'Das Kind liegt in den Armen der Knienden. ,
Gar nichts geschehen! Der Doktor hat es bestätigt! sagt die twhlklingende Stimme des Feldgrauen nach einer langen Pause, die er der Erschütterten willig gelassen. Da schreckt die aus. Sie meist gar nicht, dast da noch ern Fremder ist -< ja so, es brachte ja einer das Kind, und dem must fte nun danken. Mit Verden Händen streicht sie das wellige Haar zurück, erhebt .ich, schlank, geschmeidig, dann seheil sich die zwei an. Mit Blitzesschnelle erkennen sie sich. ^
Er wirst den Kops zuruck, sie richtet sich gerade.
Mein Gott! — Sophie —!" nichts sonst kann er sagen. Dies Wiedersehen schüttelt ihn, rüttelt ihn, wie kein Donner auf dem
bie schlanken Hände ineinanderaepreßt. Ihre Lippen beben. Dann ein Zusammenschkaaen ihrer Zähne, die hinter den offenen Lippen blitzen. Aber, sie spricht. Nicht. Sre zieht mit eurer hastigen Beivegung das Kind an sich, hält es»' die Rechte streckt sie aus — nach der Tür weisend.
„Nein!" sagt er dunrpf. „So geh ich nicht. Sophie, so nicht!" Ihr Blick irrt über das Kreuz auf >der Brust, über den leeren Aermel seiner Uniform. Langsam schüttelt sie den Kopf, bleibt aber unbeweglich. Er ist bläst, auch ihn überläuft Eiseskälte „Sophie! —" es ersttckt ihm fast. „Wenn ich noch beide Hände falten könnte, tät ich's, bettelte: sag mir doch -"
Da findet sie 'den Atem: „Ms dem Schlachrfeld Mut bewiesen haben Ungezählte! Kein einziger ist aber im Leben wohl
solch ein Feigling geivesen — wie —" . _ . a A
Nun ist sein Gesicht voll Glut. „Du — du wirst-das noch zurücknehmen — um dieses — Kindes willen."
Sie hält die Meine fester. „Nein!"
„Hör mich nur eine kurze Zeit an." Ein rührendes Flehen wird es. „Vergeben kannst du nickst. Aber, Sophie, vielleicht doch verstehen, tvie das kam — rvie —"
Sie fasst nach der Tischkante, denn sie fühlt, daß )te schwanken wird Dadurch lockert sich ihr Arm und Säte schlüpft fort, und huscht zu dem grauen Mann, und schmiegt sich vertraulich an seine linke Seite, und sucht nach seiner Hand. ^ l a
„Süte! Süßes Kind! bitte die Mutter!" Er bringt es Nicht
zu Emde, denn nun, nachdem sich ihre Augen staunend noch mehr geweitet, taumelt sie. .. t
Er sängt sie auf; bettet sie in den Armstuhl, halt sie, beugt sich über sie, forscht in dem Gesicht, in das ganz langsam die Röte wieder kommt, und dann zwingt er sie, vor ihr auf den sotten, zu hören. Ml seine Selbstanklagen, seine Beteuerungen, daß er sie nie, nie vergessen. Es ist ein wildes Durcheinanderhetzen von Worten. Ein Chaos von Seufzern und Bitten. Söt-e steht und sieht ans die beiden mit den unschuldigen Kmderangell.
„Ja, Sophie, damals! Du. schutzlos aus dem Elternhanse hinaus in das Babel Groststadt. So rührend in Deiner Lieblichkeit. So romantisch das Finden der Nachbarskinder. Hochfliegend dem Ehrgeiz. Heimlich süß unsere Liebe. Der blutsunge Leutnant. Die kindliche, kleine Musikschülerin —. So mußte es denn.kommen, wie es kam. Liebe zu dir, Leichtsimr am Spieltisch. Und dann mem Vater vor der erdrückenden Last der Ehrenschuld. Dsn Rock aus- ziehen und Libers Adeer? Oder die reiche exotische Senat —' Da bricht ihm die Stimme. Sie, die reglos dagesessen, feine emporgereckte Hand abwehtrend, nimntt da auf, wo er abbricht „Du gingst. Ließest mich. Schriebst erst, als du klug und herzlos gewählt. Ich war' mit dir gegangen — um die ganze Erde. Hätte dich nie verlassen." , ^ , . .....
Er senkt den Kopf. „Wie du mich verachtet haben wirst!" „Unsäglich." Dann streckt sie beide Hände von sich. „Gerade das gab mn die Kraft!"
,Hch fand dich nicht. Niemand wußte von dir — und ich
^ die^tadjt kurz auf. „Deine Hilfe annehnren? Ich hätte mich ja selber verachtet. Nie dir antworten auf deine Fragen — alles allein. Mein Vater hat's nicht mehr gewußt, er starb zu rechter Zeit. Das —i" sie deutet hinüber nach dem Schreibtisch — „ist freilich das Resultat aller scheiternden Kunstpläne geworden. Banale Arbeit! Selbstgewollte. Sie und mein. lletneS Erbe haben mir ermöglicht, mein Kind —" >
Da kann auch sie nicht weiter. Sie stiert auf den Boden. Es ist ein paar Sekunden etwas Stumpfes in ihr.
„Söte, sag dem ftemden Mann, daß er nun gehen soll ►—< uns allein lassen." ' ^
„Allein lassen?" Hans von Seesen schüttelt den Kopf. „Nein! Ich geh nicht! Komm zu mir, Söte!" Das Kind gehorsamt. „Mn söte Deern!" >
Da gewahrt er den Zug von Weiche unt ihre Lippen.
„Söte, sag dem Mütterchen, was ist: Daß ich freigeworden; und sag auch, daß wir zusammenbleiben müssen. Frag, ob dein Mütterchen nicht meint, daß ich gebüßt habe und bezahlt.
ich meine Ehre fleckenlos vom Schlachtfeld heimgetragen — und sie ihr in den Schoß lege. !Und sie bitte, daß sie mir ihr« Rechte gibt —• weil ich ja keine mehr habe."
Das Bedenktein bewegt das rote Mündchen, es' hat gar nichts verstanden und begriffen, aber es schlingt die Arme um den Mann in dem grauen Rock, und küßt ihn, und lacht und gurrt wie eine kleine Taube. _ . , .. . n „ ,
Sophie schreit auf, Hans von Zeesen zteht sie mit der Stuken an sein Herz. „Söte Deern, denk groß in großer Zeit!" Da küßt sie ihm die Schulter, da wo der Armstimrpf sich ab zeichnet.
Söte hebt ihr nachdenkliches süßes Gesicht und fragt daml mit der hellen Stimme: „Ich Hab einen Papa?"
Vevmsschtes.
»Der preußische Adler in einem englischen Wappen. Eine alte englische Adelssamilie, die der Grälen von Hyndford, sühn den preußischen Adler im Wappen. Und zwar kam das so: Nach der Schlacht bei Mollwitz wurde John Carmichael, Graf von Hyndford, von Georg II. als Gesandter in Friedrichs II. Lager geschickt. Hier unterstützte er den König ln seinen Unterhandlungen mit Maria Theresia aufs beste. Von Friedrich aber erbat er nach Abschluß des ersten BreSlauer Friedens als einzige Belohnung, sein Familienwappen mit dem preußischen Adler schmücken ztl dürfen, was ihm gern gestattet witrde. . ^
»Der m i l i t ä rische Gei st bei den Völkern des Altertums. Aach bei den Völkern des Altertums suchte man die gleichen militärischen Tugenden anszubilden, wie in der Jeht- zeit, lind es sind hübsche Anekdoten überliefert, die dies beweisen. So ist der niibedingle Gehorsam der Soldaten dilrch folgende Geschichte geschildert. Ein Grieche halte seinen Feind überwunden und bereits das Schwert zmn tödlichen Streich auf das Haupt deS vor ihm Liegenden erhoben, als er das Signal zum Rückzüge vernahm. Sofort sank feitte Hand, ohne den Schlag geführt ju habem und der Grieche folgte den Kameraden. Nach der Ursache seines Handelils befragt, erwiderte er: „Es ist besser, seinem Führer zu gehorchen, als einen Feilld zu töten!" — Die löbliche Eigenschaft der Verschwiegenheit des Soldaten über die beabsichtigten Heeresbewegungen, die jetzt den Mannschaften nicht oft genug an« befohlen werden kann, wird ebenfalls durch eine Anekdote aus dem Altertum illustriert. Als der römische Feldherr Metellus, so wird berichtet, von einem seiner Offiziere gefragt wurde, wohin die Armee zunächst marschieren werde, gab er zur Antwort: „Wenn ich glaubte, daß meine Kleidung etwas davon wüßte, würde ich sie sofort ausziehen und ins Feuer werfen!"
VNchertisch.
— Auf deutscher Wacht. Ein Ostpreußen-Roman von L. Malten. Preis 4 Mk. (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W 57.) In diesem Roman gibt die bekannte Verfasserin ein lebenswahres und gut gesehenes Bild vor« den Menschen und Stimiuungen des deutsch-russischen Grenzlandes kurz vor Ausbruch des Krieges.
- H a n d b u ch d e r K u n st w i s s e n s ch af t. Heraitsgegeben von Unw.-Proi. Dr. Fritz Biirger, München. Mit ca. 5000 Abbildungen. In Lieferungen im Abonnement ä Mk. 1.50. Akademische'Verlagsgesellschast, Neubabelsberg). Lieferung 32. Eurtius, Die antike Kunst. Heft 2. L. Eurtius, der Verfasser der Abhandlung „Die antike Kunst", beginnt nach grundlegenden Betrachtungen und nach der Entwicklung seiner Gesichtspunkte seine Ausführungen über ägyptische Kunst in der vorliegenden Lieferung. Nachfühlend wird auch dein Fernstehenden mit Hilfe der geistreichen Abhandlung klar, daß, „wer sich in die ägyptische Kunst vertieft, eine Weile ihre Grenzen vergessen kann; denn ihre Schöpfungen haben den inneren Reichtum des in seiner Tiefe erfaßten Lebend/
Magischer Quadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AADFLLLLLOOOOO 0 8 derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Eine Form des Skatspieles.
2. Ein Toilettenartckel.
3. Person aus einer modernen Oper.
4. Nordischer Männername. •
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummert Ilerculanum — Lulenspiegel — Aocturno - Bohrscbacli — Ibykui — Kanonier - Ironie — Birmingham — 8esostrts — Lralo — Nadelhölzer;
Henrik Ibsen - Rosmersholm. u der S ch a ch - A ii f g a b e in Nr. 43 tmsereS Jamilien-
blatteS, Weiß zieht und fetzt in fünf Züaen matt (Auflösung Nr. 44), ging unS von einem Mitglieds unseres Stadttheaters eine Lösung zu, die nur eine- Zuges zur Matlsehung bedarf. Indem matt T b 4 nach b 8 zieht, wird der schwarze König dilrch L c 3 matt- aeseht.
Schttftleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck urtb Verlag der Drühl'jchen Universitäts-BuA- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen.


