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Wch<n nach Sibirien verschicken m lassen, ohne Zweifel mit Wonne wahrgenommen.
Nein, Mamsell war besonnen. Sie nahm ihren Topf mit
Kartoffelsuppe vom Feuer nnd stellte ihn in die dunkelste Ecke des hinter der Küche gelegenen Knechtezimmers, die sie sinken konnte. Wenn die Deutschen kämmen, sollten die verd. . . . Kosaken ihnen die Sllppe nicht lvogessen! Tie Deutschen würden ihre gute Kartoffelsuppe ganz gewiß nicht verschmähen! Und sre beschloß, in diesem Falle noch ein paar Speckklöße extra Mnernzutun.
.Aber es war blinder Lärm gewesent die Deutschen kamen Nrcht und die Kosaken, die sich einstwMen diskret zurückgezogen Natten, kehrten großspurig und dreist zurück.
Iwan Jwanowitsch verlangte sofort zu essen. Er halte während dteses aufregenden Tages nur von rohen Rüben auf'dem Feldck gelebt. Die Kartoffelsuppe erschien ihm setzt ein paradiesischer Leckerbissen.
Seinem Flachen mußte Mamsellchen weichen. Schweren Herzens holte sie ihre Kartoffelsuppe aus dem Versteck. Wie sie sie aber näher besah, entdeckte sie zu ihrem unbeschreiblichen! Schrecken, daß ein ganzer Schwarm fechsb einiger „Russen" in der duftenden. Brühe schwamm.
Was tun? Ihr erster Gedanke war, neue Suppe zu lochen, aber ^wan Jwaiwwitsch stürzte Hochselbst in die Küche, schlug mit senilem krummen Säbel auf den Tisch und hielt der Mamsell den geladenen Revolver vors Gesicht. Wenn sie noch ein Ton reden würde ui cd nicht sofort die Suppe auftrüge, dann — nitschewo! i)<amt ioäre sie des Todes! Und ehe sich Mamsell entschuldigen! konnte, hatten ihr zwei Kosaken den Topf entrissen und schleppten ihn triumphierend in ihr Quartier.
Halbohnmächtig vor Angst und Schrecken berichtete Mamsellchen »lns dies Ereignis. Das war ja eiue nette Bescherung! Wir saßen da nnd erwarteten jeden Augenblick einen Wutausbruch der Ko-> mfm über das verdorbene Gericht, und im Geiste sahen wir Aion den roten Hahn auf unserm Dache.
Aber es blieb alles still — unheimlich! still. Es war, als planten die Unmenschen irgend eine besondere Rache. Unsere arme Mamsell ging bleich wie der Tod einher. In dieser Nacht voll schrecklicher Llbnungen hat keiner von uns ein Auge zugemacht ünd Mainsellchen gelobte im Stillen, wenn sie diesmal noch mit dem Leben davonkäme, wollte sie morgen den Kosaken eine be--? sonders gute Kartoffelsuppe kochen. . .
Auch! am anderen Dage blieb alles ruhig. Die Kosaken waren schon früh ausgeritten, um zu kundschaften oder — um ihren furchtbaren Streich gegen uns vorzubereiten. Unsere Angst war noch nicht verschwunden. Mamsellchen aber blieb ihrem Gelübde treu und kochte eine Kartoffelsuppe, nach der sich, wie sie meinte, der Zar selbst die Finger hätte lecken können.
. Uw die Abendzeit kamen unsere Kosaken zurück und brüllten wieder nach Essen. Iwan Jwanowitsch mqchte ein Gesicht, als wollte er Uns alle ans sein Bajonett spießen.
Mamsellchen trug siegesgewiß ihre Suppe auf. Gierig wartete ne in der Küche ans ein allgemeines Freudengeheül. Ja, diese Kartoffelsuppe war ihr Meisterstück!
Das Geheul brach auch programmmäßig aus, aber Mamsell erlebte keine Freude dran.
Unter ein paar wuchtigen Kosakenfußtritten splitterte die Kuchentür ausemander. Mit verzerrtem Gesicht, blaurot vor Wut sprang Iwan Jwanowitsch in die Küche. Mit einem brutalen Grift schüttelte er die erschrockene Mamsell hin und her. Weißer Schaum stand ihm vorm Munde und fürchterliche Kosaken fluche sausten ans das arme Mädchen herab.
Endlich ließ er sie los, aber nur, um. seine Knute zu schwingen, die rm nächsten Augenblick auf Mamsellchens bleiches Gesicht geklatscht wäre, wenn ich, durch den Lärm angelockt, nicht dazwischen getreten wäre.
Mit Mühe gelang es mir, Jlvan Jlvan olvitsch solveit zn beruhigen, daß er die Ursache seiner Wut angeben konnte. Nun, da hatten wir die Mahlzeit!
r "Derr Kartosfelsnprp! Derr Kartoffel supp'!" brllllte er fort- geietzt. Wir versuchten, ihn: klar zu machen, daß uns das Vorkommnis leid täte, daß wir aber alles getan hätten, um heute! me stippe sjo delikat wie möglich ztr machen..
Hwan Jwanolvitsch hörte gar nicht zu. Seine einzige Antwort war immer wieder: „Derr Kartoffelsupp!"
Aber als Mamsellchen sich soweit von ihrem Schrecken erholt Hatte daß sie sich selbst verteidigen konnte, fuhr Iwan Jwano-,
wltsch Nean: „Du verd.Deutschmensch! Iwan Jwano«
witsch lml l sich Kartoffel supp mit die kleine Krebs, oder."
.. A'le GevEe war nicht mißzüver stehen. Seine „Kartoffelsnpp Mit die kleine Krebs" aber hat Jlvan Jwanolvitsch dock) nicht mehr Kommen, denn noch in derselben Nacht kamen die Deutschen Wi r kl ick'i.
Der neue vien?tanzug.
Ein Kriegscrlebnis.
Das erste und dritte Bataillon waren in der Morgcndämme- rung Mif einer über Nacht gebauten Pontonbrücke über den Muß vlngestoßen, lou i.Ulten zunächst am linken Ufer in ReservesteUung
lregenblnben inrd erst, am nächsten Tage folgen, wenn die beiden anderen Bataillone euren genügend starken Brückenkopf angelegt hatten. In den russischen Schützengraben war es still und ruhig, nur hur und wieder knallten ein paar vorlaute Gesellen in dev Gegend herum; zum Angreifen aber schienen sie keine Lust zu haben. Las war unserem Regiments stab, der Lei uns auf den: linken Ufer lag, recht nach dem Herzen, denn wenn die Russen an gegriffen Hätten, dann wäre es wohl kaum möglich gewesen, die weit vorgeschobene Stellring zu halten, da das Gros unserer Armee ans den morastigen Wegen nur mühsam vorwärts kam. Und noch einen guten Tagemarsch von uns getrennt war. Erst zwei Tage später, als unser Kor^ längst den ganzen Flußlauf besetzt hatte, griffen die Russen im Morgengrauen unseren inzwischen recht stark befestigten Brücken- köpf an, indem zugleich ihre Artillerie wie. unsinnig darauflos! schoß, allerdings ohne besonderen Erfolg, denn die meisten Granaten platzten im Wasser. Gegen Mittag wurde das Feuer aber schwächer und schwächer. Offenbar hatten sie nicht mehr genügend Munition, und das sollte ausgenutzt lverden. Unser Bataillon ging unter dem spärlichen Feuer zugweise über die Brücke, um zunächst die beiden anderen Bataillone zu unterstützen, die sim gegen hageldichte Schützenketten zu wehren hatten, und dann m gemeinsamem Gegenangriff den Feind wieder in seine alte Stellung zu iverfen und Kampfraum für die nachfolgenden Truppen zu schaffen. Wohlgemut ging es vorwärts, aber noch nicht zwei Kompagnien waren über den Strom gegangen, als eine einsame Granate mitten auf der Brücke zersprang und ein Joch zerstörte. Langsam sanken die beiden Pontons mitsamt den Lauf- brettern und Geländern in die Tiefe. Ein paar beherzte Leute der o. Kompagnie erboten sich sofort, die Brücke inmitten des heftiger werdenden Gewehrfeners auszubessern, und in wenigen Minuten hatten wir auch schon das gesunkene Brückenstück durch einige Planken und ein paar MaurerUammern ersetzt, so daß der Rest ms Regiments mit nur wenig Zeitverlust den Fluß überschreiten konnte.
Heinrich Walldorf, der sich schon in Frankreich das Eiserne Kreuz geholt hotte und jetzt bei dem Fernsprechtrupp war, legte unterdessen ruhig feinen Draht und gab dann mit Gleichmut und Gelastenhut die Befehle des Regimentskommandeurs weiter, der noch auf dem linken User weilte. Als ob er gar keine Nerven, habe, lag der „Hängtsie" gemütlich auf dem Rücken nnd rief den Kameraden, wenn er gerade Zeit hatte., ein Scherzwort, einen
oder flonst etwas zu, worüber sie lachen mußten.
Plötzlich, als die Russen mit frischen Kräften gerade einen neuen Angriff Machten, um uns um jeden Preis zurück und in den Fluß zu werfen, schnitt Walldorf eine höchst lächerliche Grmiaffe und redete voller Eifer und Unmut in den Fernsprecher hinein. Auf einmal sprang er auf unk fuchtelte mit den Händen ut der Luft umher.
„Da soU doch lieber gleich der Teufel hineinfahren, als so erne verflixte Mikadokngel!" rief er und schüttelte zornig den Kopf.. „Hat mir doch das verdammte Rnssenpack meinen Draht kaput geschossen. Jetzt sitzen wir da mit unseren Talenten und öer Oberst drüben, und können drahtlos telephonieren, wenn wir Lust haben. Jetzt ist die Verständigung futsch!"
... Trotz dem Ernste der Lage mußte ich über seine komische Entrüstung lachen, ober er. hatte recht: wir saßen unter Umständen schon m der Tinte, wenn die beiden Stäbe keine Verbindung mehr hatten. Die Leitung auszubeffern war unmöglich, denn wie hätte man in dem heftigen Feuer mitten im Fluß die zerrissenen Drähte suchen sollen! Wie sie ausbessern!
Glücklicherweise flaute der neue Angriff der Russen abermals ab, denn unsere Maschinengewehre, die vorzüglich ausgestellt waren, hatten die dichten Reihen förmlich niedergemäht. Mio von dem hohen Uferdamm aus sah man das ganze ,veile Blansteld mit Luten, Verwundeten und Flüchtenden bedeckt. Kein Geviertmeter Boden, auf dem nicht ein Russe gelegen hätte. Was ubng war, wälzte sich in toller Flucht waldeinwärts.
Lachend atmeten nur ans. In diesem Augenblick kam der Bataillouskommandeur heran und fluchte iuie ein Fuhrmann, weil kr. keine Antwort vom Regiments stab bekäme. Als er von dem Mißgeschick hörte, rief er sofort nach Freiiviltigen, die sich über den Muß zu schwimmen trauten, und beim Regiment Bericht erstatten sollten. . Sofort sprang Walldorf vom Boden, und da sonst niemand in der Nähe war, der schwimmen konnte, wurde ilstn auch gestattet, den ziemlich reißenden Strom zu überqueren. Ohne weiteres zog er sich aus, schnallte das Koppel um die nackten Hüften, um daran einen neuen Sprechdraht nachzuziehen, und stieg entschlossen in die kalte Flut, die noch immer unrer dem Feuer des Feindes lag.
Mit bangem Herzen folgten wir dem lvackercn Mann, der schwer gegen die Strömung zu kämpfen hatte, und dazu nock' durch den Draht behindert wurde. Rund um ihn schlugen Granaten ein und Gelvehrgeschosse, aber unverdrossen strebte er vorwärts .und erreichte nach einer guten Viertelstunde glücklich das andere Ufer.
Wir beobachteten ihn, lvie er vorsichtig aus dem Wasser kletterte, den Draht ordnungsmäßig nach sich zog, befestigte. und dann den Damm hinanstieg. Hell stand sein Körper vor dein duntten Wald, der ein Stück weit vom Ufer begann.
Es Mißte für die da drüben eine eigentümliche Sehenswürdigkeit sem, denn trotz des feindlichen Feuers sprangen die


