Ausgabe 
15.3.1916
 
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Die arme Prinzessin.

Vornan von Fedor von Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.^

.(Fortsetzung.)

. Aber zu dieser Stunde, da kam doch ein gewisser Ernst über die Kleine; da flog etivas wie ein huschendes Nackt­getier an ihr vorüber und es fiel -ein Dämmer auf ihr Ge­müt. Sie wurde nachdenklich.Ja." wiederholte sie,Bolto, das begreife ich schon. . . Daun sprang sie auf einmal auf und nahm wiederum die Photographie LAian Simp­sons zur öaub und schaute sie lange an. Es mußte dabei ein Wandel des Empfindens in ibr Vorgehen, denn ihre Zuge wurden li-erber. Ihre klaren Wangen röteten sich ein wenig, als sie sagte:Holko, eins möchte ich tvissen. Nimm nur die Frage nicht übet. Irgend wer h-at gesagt ich weiß )t, tvar es der Burginütler, aber irgend wer soll gesagt haben, du heiratetest nur wegen der vielen Millionen. Ist denn das währ? . .

Mie." antwortete Bolko,was soll ich auf solchen Unsiun entgegnen? Daß man über meine Verlobung viel klatschen würde, das konnte ich mir senken. Tie Zeitungen haben sogar darüber geschrieben, und eine brachte eine lange Zusammenstellung aller Ehen, die zivisck>en Abkömmlingen uliseres hohen Adels und den Töchtern amerikanischer Millionäre geschlossen worden sind. Es ist allerdings eine ganz stattliche Liste: übrigens überwiegt in ihr der fran­zösische Adel, nicht der deutsche. Aber das ist schnuppe. Nur eins will ich dir sagen, Annemie: ich würde mich Lilian nie genähert haben, hätte ich sie nicht lieb gewonnen. Freilich, auch das gestehe ich zu: ich würde in der Entfer­nung geblieben sein, wenn ich gewußt hätte, sie wäre arm. Denn em armes Mädchen hätt' ich nicht heiraten d ü r f em Ich kann mannigmal leichtsinnig sein, aber ich bin kein Dnmmkopf: meine Fürstenkrone ist meine letzte Chance. Und so traf es sich glücklich: Lilian ist reich und ich habe ste von Herzen ja wahrhaftig, Mie, ich habe sie von Herzen lieb! . .

Da füllten sich plötzlich Annemaries Angen mit Tränen; dle tropsten mie schwere und große Perlen über ihre Wan­gen, ltnd Bolko meinte auch, er vernehme einen leise schluch- zenden Laut. Doch das Prinzeßchen schämte sich, wandte slch rasch ab und fuhr mit der .Hand über ihre Augen und zog dann ihr Taschentuch heraus und schnäuzte sich lebhaft, alles mit energischer Gebärde; aber ganz zurückhalten konnte sie ihr Empfinden doch nicht, sprang wieder mit Elnem einzigenAch!", in dem alles lag, tvas an reinem Gefühl und halb Klarem in ihr lebte, zurück an das Bett und umarmte den Britder und küßte ihn.Ach Bolko." rref sie, ^chann ist ja alles gut ach Bolko! Wenn du sie lteb hast, will ich sie auch lieben und es soll mir noch einer kontmen mit io aemeinen Redensarten wie Geld­

heirat, den will ich schon fenstern! Ach Bolko, liebst du sie wirklich so sehr, und könntest bu rns Wasser gehen, wenn du sie nicht kriegtest?"

Bolko biß sich auf die Zähne, denn er wollte um alles irr der Welt willen nicht lachen, und antwortete kopfnickend: Jawohl, das könnte ich, Mie. Aber nun setz dich wieder hin und heule nicht. Kleine. Wisch dir die Nase, es.hängt noch ein Tröpfchen dran. Ich habe dir nun alles gesagt, Mie, und ich denke, du wirst Bescheid wissen. Es steht vrel ans dem Spiel. Nämlich, der Alte nämlich mein Schwieger- vater ist ein bißchen eitel. Wenn mir der Fürstentitel ge­nommen wird, dann liegt die Gefahr nahe, daß er im letzten Augenblick zurückzuppt. Es ist alles möglich. Die Amerikaner sind merkwürdige Menschen. Sie reden viel von der repu­blikanischen Freiheit und sind dabei wild hinter schönen! Titeln und Namen her und so was. Also, Nsaus, stecke dich einmal hinter Jost"

^Hinter Jost

Ja, Mie. Er hat in gewisser Weise den Ausschlag zu geben. Er ist doch der nächste Agnat. Er soll verMndra sein unb sich auf meine Seite schlagen. Er soll Onkel Herv- surth sagen, daß er ganz mit mir einverstanden ist/ Die Familienbestimmungen sind zu umgehen, sobald Lilian zur Freifrau gemacht wird: dafür werde ich schon sorgen. Da­mit ist auch >em Fideikommißkodex genügt. Acht Millionen sind doch kei i Pappenstiel!"

Es ist ein furchtbares Geld," sagte Annemarie.Ich weiß im Augenblick gar nicht, mit wieviel Nullen sich das schreibt."

Mie, wenn die Geschichte zum Klappen kommt und es ist alles in Ordnung, schenke ich dir anck was Schönes. Was Nullit du! Was wünschest du dir? Einen Schmuck: den kannst du tragen, wenn du zum ersten Male zu Hofe gehst oder wenn du zur Prinzessin Irene kommst. Ein Hundehalsbarrd aus Perlen und dazu eine Toilette aus Paris. Und dazu) eine feine kleine Uhr, hinten mit Brillanten. Ich schenk dir auch ein Wägelchen, fertig bespannt, Ponys, Schotten, famose Traber, das Geschirr mit Silberbeschlag, und dazu einen Boy. Oder was willst du?"

Annemarie saß wieder ans dem Stuhl am Bett, und streckte die Beine ans und schaute auf ihre Stiefeln, die Dorffchustcr geflickt hatte. Was gibt der Reichtum? Sie wußte es kaum. Aber eine Ahnung von der ungeheuren. Macht des Geldes überschlich sie doch: es war 'wie ein Schauer. Reich war auch der Burgnrnller; das war ein Tropfen gegen die acht Millionen. Acht Millionen! Es rieselte kalt über ihren Rücken. Sie stand hastig auf und sagte:Schenke mir nichts. Du kannst mir nichts schenkew Ich weiß schon, was ich tue. Ich rede mit Jost. Leicht wird es nicht sein. Er sprach nie vor mir über die Geschichte; er behandelt mich immer noch wie ein Kind. Wer ich hörte doch, wie er denkt; Herrn Velten gegenüber macht er kein Hehl."

Und was sagt der? Er führt ja wohl das große Wort