Ausgabe 
16.2.1916
 
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ist fast unmöglich, neue dienstbare Geister anfzutreiben, trotzdem d,e Lohnangebote schon äußerst hoch geschraubt sind. Die großen Betriebe sind genötigt, viele Hunderte Pfund für Anzeigen auS- zugeb-n. und selbst dann inelden sich nur in den seltensten Fällen einige unzureichende Kräfte für die ansgebotenen Stellungen. In den höheren Stellungen liegen die Dinge weniger schlimm. aber schließlich braucht man nicht nur Gefchättsleiter und Empsaugs- dainen, sondern auch Koche, Kellner, Köchinnen und Dienst,nädchen. Besonders traurig sind die herrschenden Verhältnisse für die kleineren Faiuilien, die aus ein Mädchen für alles nicht verzichten können. Infolge der hohen Bezahlung der Mädchen und Frauen in den staatlichen Kricqswerkslätten und infolge der an die Familien der »in Fesde stehenden Soldaten reichlich gezahlten Kriegszuschüffe finden sich nur wenige weibllche Wesen, die mit einer einfachen Stellung im Haushalt vorlieb nehmen wollen. So sind denn die Köchinnen und Dienstmädchen äußerst anspruchsvoll geworden. Cie verlangen höhere Löhne und ganz besonders suchen sie sich recht vrel Urlaub zu sicher,,. In London muß man einen, Hausmädchen bereits mindestens drei Abende in der Woche freigeben, wenn »um cs behalten will. Die Mädchen stellen besondere Bedingungen für ihre Schlafräume und verlangen tägliche Benützung des Badeziinmers. Daher verändert sich auch die Haushaltung immer n,ehr. Man kaust Gasavparate zum Kochen und elektrische Heizkörper, um die fehlenden Dienstboten wenigstens einigermaßen ersetzen zu können. Besonders schwierig gestalten sich die Verhältnisse m den kinder­reichen Familien, da auch Kindermädchen in England von heute zu den kostbaren Seltenheiten gehören "

* Für einen Witz befördert. Es ist vielleicht charakte­ristisch, daß in den Heeren unserer drei Hauptgeguer, der Fran­zosen, der Russen und der Engländer sich Anekdoten erhalten haben, deren Helden ihre Beförderung einer witzigen Antwort ver­danken. Die französische Geschichte spielte unter Napoleon, dem angeblich bei einer Parade fem Hut herunterfiel, den ein Veteran aushob. Napoleon, nicht sehend, daß jener ein Gemeiner der Garde war, sagte: »Ich danke, Kapitän I* »In welchem Regiment, Sir?" fragte kühl der Soldat »In meiner Garde!" lautete die Antwort des seinen Irrtum entdeckeuden^Kaifers, der, die Be­förderung erklärend, hinzufttgte: »Ich sehe. Sie besitzen Entschlossen­heit! Das verdient Anerkennung!" Das im russischen Heere erzählte Geschichtchen knüpft an den berühntten Feldmarschall Suwarow an, der es liebte, seine Untergebenen durch allerlei Fragen auf die Probe zu stellen. Als ihn, ein Sergeant eine Depesche überreicht hatte, fragte er ihn: »Wieviel Fische gibts in der See?" »So viele als noch nicht gefangen sind !" »Wieweit ist es bis zuu, Monde?" »Zwei von Eurer Exzellenz berühmten Eilniärschkn." »Was würdest du tun, wenn deine Leute in der Schlacht Mienerächten, zurückzu weichen?" »ich würde ihnen sagen, daß dicht hinter der feindlichen Batterie ein Wagen mit Wntki-Tonnen stehe; die Batterie würde bald im Sturm genommen sein." Suwarow hatte seinen Mann gefunden; er freute sich, daß jener keine Antwort schuldig blieb, doch fragte er werter: »Welcher Unterschied ist zwischen deinem Oberst und nur?' »Men, Oberst kann mich nicht zum Leutnant machen, Euer Exzellenz brauchen nur ein Wort zu verlieren!" »Gut," sagte der Marschall, »ich sehe, du wirst einen guten Offizier abgeben !" Und der Sergeant erhielt sein Osfizierspatent. Die englische Geschichte endlich be­richtet das folgende: Ter Herzog von Elarence hielt einst in Ports­mouth Flottenparade. Ein alter verwitterter Leutnant war ihm attachierl, der beim Avancement immer übersprungen worden war, west er bei Hofe keine Freunde hatte. Als der Veteran vor dem Prinzen den Hut lüstete, ward sein kahler Kopf sichtbar, und gut­gelaunt meinte der Prinz: »Ah, ich sehe, Sie haben Ihr Haar ,m Dienst nicht geschont!" »Nein, Königliche Hoheit, gewiß nicht. Es sind so viele junge Leute über meinen Kopf hm avanciert, daß ich mich immer wunden, nuiß, überhaupt noch ein Haar auf ihm zu haben." Der Prinz lachte und sorgte für baldige Beförderung des witzigen Offiziers zum Kapitän.

Das deutsche Brot im englischen Parlament. Ter englische Minister Lloyd George hat bekanntlich kürzlich in euer Rede das mit Kartoffelzusatz gebackene deutsche Kri egsbrot seine:, Landsleuten als Symbol des Geistes vorgestellt, mit dem ein Land einer großen Not begegnen soll. DieserKartoffelgeist" sei mehr zu fürchten als zu verlachen; er für seine Person fürchte ihn mehr als Hindenburgs Feldherrnkunst, so erfolgreich diese auch sei. Er war stets ein abgesagter Feind alles Deutschen, der sehr ehrenwerte Herr Llond George, bis ihn jetzt die deutsche Organ,- sationskunst wider Willen zur stärksten Anerkennung und Be­wunderung, ja zur Nachahmung zwang. En, paar Jahre vor den, Kriege passierte dem damaligen Finanzminister mit dem deutschen Schwarzbrot eine merkwürdige Geschichte. Er setzte sich nämlich für eine Tarnänderung ein und erklärte dabei in einer Rede seinen Zuhörern: »Wenn Sie sie annehm-n, werden Sie auch fernerhin das gewohnte Weißbrot effen können, andermsalls muffen Sie sich mit den, »,inderwertigen, jedes Wohlgeschmackes entbehrenden Schwarzbrot der Deutschen begnüget,." Gegen dies llrteil über das deutiche Schwarzbrot erhob sich Widerspruch seitens der poli­tischen Gegner, die. ganz gewiß nicht aus Vorliebe für uns, be­haupteten. das Schwarzbrot sei nicht nur gesund, sondern auch schmackhaft. Sogar im englischen Parlament kam diese Sache zur

Sprache. Um sie zur Entscheidung zu bringen, veranlaßte ein Ab« geordneter, daß im Speisesaal des Parlaments Schwarzbrot ge­führt wurde, das man eigens aus Deutschland kommen ließ. Der Vorsitzende des Küchena»>sschuffes Oberst Lookwood, ein anerkannter Feinschmecker, äußerte sich entzückt und begeistert über das Brot. Man veraisttaltete sogar eine Kostprobe, au der Abgeordnete aller Parteiei, teil«,ahmen; alle schlossen sich dem Urteil des Oberst Lookwood an. Der einzige, der sich nicht bekehrei, ließ, war Lloyd George. __

vücherlisch.

Wilhelm Schäfer. Lcbenstag eines Menschensreurt- des. Georg Müller, Verlag, München. Wilhelm Schäfer bat mit seiner schwer zusasseuden Art einen ungelenken Stoff, her- genominen und mit wcrktüchtiger Hand ein solides Kunstwerk gearbeitet. Wie schvn einmal in Karl Stauffers Lebensgang, unternimmt er es, das Schicksal eines Mannes zu schildern, dessen Genialität mit innerer und äußerer Unbeholsenheit gepaart ist, nur daß diesmal, trotz aller Widerstände die Idee des Mannes den Sieg davonträgt. Dieser Mann ist der eigenartige Züricher Pädagoge Heinrich Pestalozzi, der sein Studium der Rechte auf­gab, um Landwirt zu werden, auf dem verwirtschafteten Neuhof in Aargau eine Armenanstalt gründete, die ihm den Rest seines Vermögens auszehrte, der später in Stanz mit rührender Men­schenliebe den kriügsverwaisten Kindern Vater und Lehrer wurde, sie im gleichen Jahre verlassen mußte, nach einer vorübergehen­den Schulmeistcrtätigkeit in Burgdorf eine Erziehungsanstalt grün­dete, die er nach Münchenbnchsee, dann nach Jfferten ver­legte und nach zwanzig Jahren aufzulösen gezwungen wurde, um nochmals aus den Ncuhof z-urückznziehen und, bevor er seinen Lieblingsg<danken, die Armenschule, verwirklichen kann, zu Brugg im 61. Lebensjahre, als noch immer unermüdlicher Kämpfer, vom Tode dahingerasst wird. Mit einer klassisch anmutenden Aus­geglichenheit der Sprach zeichnet Wilhelni Schäfer das üebens- chuksal dieses Menschenfvcnndcs, der zur Befreiung der Mensch­heit ausgewogen ist und die Treppe der Bildung in das Haus des Unrechts bauen will. Die strenge Biograplste ist nnt dichterischer Gestaltungskraft eine unlösliche Einheit eingogangcn. Die Nüch­ternheit der Lebensbeschreibung wird bei der Klarheit der Kvm- -osition, die die Zufälligkeiten der vernürrten Lebensuinstände m zweckuotwendigen Zusammenhang bringt, bei der Plastik der Schilderung, die keinen Augenblick in ihrer bildhaften Kraft erlahmt, die an keiner Dnrchgangsstimmung des Menschen Pesta­lozzi, keinem Sternchen, das ans seineni Wege liegt, keiner Schnurre, oie ihm durch den Kaps fährt, vorüb ergeht, ohne sie dichterisch ruszuwerten und bei der Rhythmik der Sprache, die jeden 'Satz 'igens zurechtschmiedet, daß er im Gefüge der andern nicht fremd .>astehe, *11 einem einzigartigen Kunstwerk einer Charakter- gestaltung. Alle diese Eigenschaften erheben die Lektüre des Buches zu einem erlesenen, unverfälschten Genuß.

Vom Erbe Bismarcks. Eine Kriegsrede von Geheim­rat Pros. Dr. Erich Marcks. Mk. I,. Diese neueste, überaus zeitgemäße Schrift unseres hervorragendsten Bismarck-Biographen gibt uns Antwort auf eine Frage, die seit Kriegsbeginn jeden Deutschen bewegt hat: Wie würde unser großer Kanzler zu dem Wellkriege gestanden haben? Kein Name wird so oft angeriüen wie der seine; jeder sucht sich aus ihn zu berufen; einzelne unter ganz anderen Verhältniffen geschehene''Aussprüche oder Handlungen Bismarcks werden herangezogen, um daraus grundsätzlich ein oft sehr unbismarckjches Urteil über die Gegenwart ableilen zu wollen. Solchem Unterfangen wird hier endlich ein Riegel vorgeschoben. Der Verfasser, der in jahrzehntelanger Forschung wie kaum ein anderer in den Geist der Aismarck'schen Politik eingedrungen ist, legt dar, daß der heutige Krieg letzten Endes aus den großen Kanzler zurückgeht. Obgleich er ihn nicht gewollt, würde er ihn als eine neue Notwendigkeit ausgenommen und bis ans Ende durchgeführt haben: erfüllt von elementarem Natioualgeiühl, von Mut und von Machtstreben.

»Der Champagne-Kamerad" (Feldzeitung der 3. Armee), der sich rasch auch in der Heimat bekannt gemacht hat, kann dort jetzt, um zahlreicher Nachfrage zu genügen, auch durch sämtliche Postanstalten zum Preise von 1,95 Mk. vierteljährlich bezogen werden.

Das Flügel mädchen und andere Erzählungen von Lotte Gubalke. Band Nr. 1018 von Kürschners Büchersatptz 110 Seiten Umsang Preis 20 Pfg. Hermann Hillger Barlog Berlin IV. 9, 124/125. _

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Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer. Bücher, Blücher.

Schnstleitung: Aug. Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen,